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Freies Blatt · 1895-04-21 · 159 (21.4.1895) · p. [Seite]

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Journal
Freies Blatt
Volume
IV (1895)
Issue
159 (21.4.1895)
Date
1895-04-21
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Freies Blatt AbonilknieiitSprriS. r Oesterreich-Ungarn: »rjabrig fironcn (fl. ej») H.iliriä.3 »tonen (ff. 1.5») ^Oc da» gefommle Ituffant: .»adrig ■>. ..jbrig . . . ..« Mark .3 Mark 50 Pf. Sinfclne Wummern 6 kr. . >»a»kirle Briefe werden nicht angenommen. Nrdactioil und Administration: Organ 5iir 2lbwehr des Antisemitismus. 1 >«>. Jnferate werden mit 30 Keller tu kr ) für die viermal gefpaltene (Nonpareillefeife rerechnet. »feiner Erscheint an jrdeiu LoillUlIgk. «n>ei,erra«Wort4Heller(»Zr,. eln-nadme von Inseraten in unserer Admtntstratron sowie im Annoncenbureau M. Tute-, l. 2r'ollzc,le 8. Rilinintr l5!>. Wien, 21. Äpril 1895. IV. Jahrgang. Antisemiten und Anarchisten. böir haben in diesem Blatte schon zu wiedzrholtenmale» aus dm direkte» Zusammenhang hingewiesen, der zwischen bcn Anti nmiU'ii und den Anarchisten, und zwar sowohl in Bezug aus '.Viuuuiig uud Tckktik als auch iu Bezug auf die Personen, auf die Theoretiker und Propagandisten beider Richtungen besteht. I» Wilhelm Maer und Eugen Dühring vcrehrt sowohl der Anarchismus ilo der Antisemitismus feine Bäter. Der bekannte Most-Schüler Peukcrt — daS Haupt der anarchistischen Propaganda in Oesterreich Ungarn Anfangs der Achtzigerjahre -— hatte seinerzeit mit dem antisemitischen Trimardeur Ernst Schneider eine Eoalilion zwischen Antisemiten und Anarchisten verabredet, welche wohl in;'!.ie der Iwlläudischen" Abreise Peukerl's nach London formell nicht Zitstande kam. Allein eö obwaltet auch heute noch zwischen de» segeiiannten „Unabhängigen" und den „Ehristlich-Socialen" ein d rzliches Verhältniß, das den Intentionen der Dioekuren Peukert- S-bncidcr vollkommen entspricht. Man darf sich über diese Er 'äiiinuiig nicht wundern. Es ist eben ein schon von Bakuni» suuerzeit aufgestellter Grundsatz der anarchistischen Taktik, sich allüberall mit jenen Elementen zu verbinden, .welche wesentlich dcslructive Absichten verfolgen und das Autoriläl^gefühl in den Massen;» untergraben trachte». Deshalb finden wir in Rußland >' i. Allianzen zwischen Anarchisten und Rihiliste», in Irland zwischen den Anarchisten und den fanatischen Liguiste», in Spanien verbanden sich die Freunde Baklmiit's mit den Earlisten, und in r' enerreich und Deutschland haben die Anhänger des „fYiis ec ,,ue < ynx-1 einen äußerst natürlicheif Alliirten im Antisemitismus gesunden. Aber auch in Frankreich gehen Anarchisten und Antisemiten gern Hand in Hand, wie man von Marquis de MoreS und Edouard Drumont czuouelain Traumann her ja recht gut weiß. Es gilt dort der Antisemitismus vielfach nur als eine Ruanee e S Anarchismus, wenn auch die besseren Elemente »nter den Anarchisten, zumal die literarischen Bertreler, eine BerwechSlung mil den Antisemiten wie etwas für sie Erniedrigendes und Eomrromittirendes ängstlich vermeiden. Das geht vor Allem a»S einem jüngst in Paris erschienenen Bnche „De Iu Commune a Anarchie“ hervor, in welchem einer der Hauplvertreter des Pariser Anarchismus, Eharles Malato, eine Art Hausgeschichte er Pariser anarchistischen Gruppe» und ihrer Presse gibt. EharlrS Malato ist mit Marquis de MoreS, den er im Gemngniß kennen gelernt hat, und mit Drumont viel zusammengekommen. Malato sucht aber offenbar seine Rockschöße ängstlich oavor z» bewahren, daß sie nicht allzusehr an Drumont anstreifeu, und dieser wird in dem Buche Leuten wie — Pini Ravachol und Paillant gegenüber als eine Art verkommenen Subjektes, moralisch tief unter diesen stehend, geschildert. Dagegen erfahre» wir aus dem genannten Buche mancherlei werlhvolle Thatsachen über die Entstehung der „Libro Parole ■* und ihre ursprünglichen — vielleicht auch noch dcrmaligcn Absichten. Im Jahre L"'.* 1 wurde in Paris ein von Jules Roqueö geleileles Tagblalt, rKgalite'-", eingestellt, welches bisher radiealcn Revolutionäre» der verschiedensten Färbung, Gueödislen, Anarchisten, Boulangistcu u. s. w. als AblagernngSstätte gedient Hane. Als die „K»-uIite“ zrl Grabe getragen ward, machte MarqniS de Mor>s einigen Anarchisten — unter diesen auch dem damals schon eine fiitjrcutc Rolle ein nehmenden Eharles Malato — den Borschlag, gcinriusam ein antisemitisches Kampfblatt herauSzngcben. Die Anarchisten lehnten den Borschlag jedoch ab, weil — wie Malato berichtet — die nltramontane Hand allzu sichtbar war. Einige Zeis nachher erschien unter Mor,s' Aczide die -- „I.iluv Parole". B-ir' haben als.' hier ein Beispiel, wie umgekehrt die Antiskmiten oder besser deren Hintermänner uni die Eoalilion mit den Anarchisten buhlen. Malato zeigt i» seinem Buche, wie der llltraniontaniSmuS jede radikale und sociale Bewegung in Frankreich anszuniitzen seicht; er schildert in treffenden Zügen das rasche Emporblühcu und den ebenso rasch eintrktenden Berfalt des BvulangiSmus, an den man jenseilö der Berge so große Hosfnungen gekuüpst halle, und führt dann fort: „AlS die Elericaleu den Boulaiigismus verloren sahen, organisirten sie den AnlisemiliSmuü. DieBerspoliuug des persönlichen Opportunismus durch Drumont halte eine Anzahl von Anarchisten für ihn gewonnen, welche — gute Seele», wie sie waren —sich dem- Glauben Hingabe», der ungestüme Polemiker wäre zur auarchisii scheu Idee bekehrt, oder cs fehlte doch nicht mehr viel dazu." Malatotheilte freilich diese Ansicht nicht, denn er sah in Dru-e mont ganz richtig den Geschäftsmann, der heute iu Anarchismus/ morgen in Antisemitismus macht, je nachdem er bei dein einen oder anderen größere Aussicht auf Erfolg hat. Dagegen schildert er den Marquis Mores, mit dem er im Gefängnisse voif Saint - Pelergin viel verkehrte, plS einen charmanten Menschen, „lollkühir bis zur Romantik, von angenehnier Bildung und ohne die schamlose Berleumduugssncht Drumoul's, für dessen Blatt er, schrieb." Man muß sagen, besonders hoch im Ansehen stehe» die Pariser Antisemiten bei den Gesinnungsgenossen Malato's glicht, man sucht, sich eben gegenseitig zu gebrauche», wie Pcukert und Schneider cs beabsichtigten; wenn aber ein'Anarchist, der mehr auf sich und öffentliche Reputation hält, nothgedrungen mit d^n Drumontisten verkehren muß, so mag er sich eiligst die Hände waschen. Malato betrachtet die Antisemiten durchaus wie eine licferstehende Menschen specieS. e. v. /..

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