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Freies Blatt · 1895-04-14 · 158 (14.4.1895) · p. [Seite]

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Journal
Freies Blatt
Volume
IV (1895)
Issue
158 (14.4.1895)
Date
1895-04-14
Page
[Seite] (sequence 14)
Language
German
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Als *Wob nach bcv Beerdigiing seiner Gattin vom Friedhöfe : aber. . . aber, warum verbringt der Mensch sein Leben, das ihn, ttirnckkehrle, fühlte er sich sehr unwohl. Er alhmclc schwer, konnte | nur einmal gegeben worden ist, so zwecklos? kaum gehen und verspürte einen schrecklichen Durst. Dazu wurde er j Es that Jacob nicht leid, sterben zu müssen, aber kaum hatte er noch von einer unaussprechlichen Wehmuth befallen. Die Erinnerung! zu Hause seine Geige erblickt, als. ihm d'aS Herz vor Weh zusamiiicnan seine verstorbene Marsa wollte nicht aus seinem Kopfe weichen: i krampfte. Ter Gedanke, daß er die Geige nicht ins Grab nntnehmcn Er erinnerte sich an alle Beleidigungen und Erniedrigungen, welche j könne, that ihm so weh, daß er sie hastig ergriff und an sinne Brust Marsa durch mehr als ein halbes Jahrhundert von ihm erdulden preßte, als ob er sie vor Bcrwaisung schützen wollte. Er trat aus mußte, lieber fünfzig Jahre lebten sic mitfamme», und niemals hatte dem Hause und ließ sich an der Schwelle der Eingangsthürc nieder, er ihr irgend welche'Aufmerksamkeit zugewcndct, als ob sie eine Katze . die Geige fest umklammernd. An sein nutzlos abgelaufenes Vcbcii oder ein Hund gewesen wäre lind doch hatte sie ihm die ganze Wirth-; denkend, begann Jacob auf der Geige zu spielen, doch cs siel so weh ichaft geführt, hatte gekocht und gebacken, und wcNn er betrunken : müthig, so rührend aus, daß es Jedem Thränen erpresicn konnte, von den Hochzeiten znrückkehrtc, pflegte sic ihn wie ein Kind ins Bett So spielte er lange, und unaufhaltsam rollten ihm die Dhränen aus r zu legen Jetzt hätte er sic schon anders behandelt, aber es war schon zu spar. Als JacoP sich seiner Hütte, näherte, kam ihm Rothschild grüßend und lächelnd-entgegen. „Eine schöne Einpfchlung von Herrn SchachkcS, Dnkclche»!" nigtc der Jude, „er läßt Sie bitten, gleich zu ihm zu kommen." „Viift'ni Sie mich in Ruhe," cnlgcgnctc Jacob zornig und setzte 'einen Weg fort. „Aber, Snkelchcn, wie ist denn das möglich!" rief Rothschild bestnrtt auS, ihm nachietzcnd: „Herr Schachtes wird sich doch beleidigt fühlen, wenn Sic feinem Rufe nicht Folge leisten werden. Gehen Sie, kommen Sie mit." Jacob empfand einen unerklärlichen Ekel, als er die bestürzte Figur Rvilstchild's vor nch neuerdings erblickt hatte. Das cingcschrumpftc >Rttäu des Inden, sein langer, zerrissener Rock in Flecken, seine bagere Gestalt — AUcS erschien Jacob verabschcuungswürdig. „Sn, knodelriechendcr Jude, was willst du von mir?" rief er wütliend und stürzte sich mit geballten Fäuste» auf ihn los. „Per du'ie, tu ekelhafte Fratze, sonst werde ich dir deine verfluchte Seele aus^dem Veibc’ jagen! Mir diesen S jndcn kann man schon nicht mehr eristircn' stroih'chlld erschrak vor der Drohung und ergriff die Flucht. Eiittge (^asicnbuben benützten schadenfroh diese Gelegenheit und verfolgten ihn mir den Rufen „Jud, Jud!" Ein in der Einfahrt ^seines Hanfes siebender Bauer bemerkte den lgufcnden Juden: er lachte aus Leibeskräften. und hatte nichts Eiligeres zu thun, als seinen großen, bissigen Hund loSznlaffen, der sich auf Rothschild losstürzte. Der -Hund-dürste den Juden gebissen haben, denn cs ertönte aus Rothschilds Kehle ein verzweifelter, herzzerreißender und krampfhafter Schrei. Jacob ging nicht nach Haufe. Er wußte überhaupt nicht, wohin er gelten wollte, was er thun sollte. Am liebsten hätte er geweint, wenn er tonnte. Er schlug den Weg in der Richtung nach dem Flussc ein. Als er sich dclii Ufer genähert balle» erblickte er den großen Balmenbaum, von dem Marsa ihm kur; vor ihrcui Tode sprach. Und rlötzltch erinnerte er sich an fein Kindlein mit den blonden Haaren, an den Paliuenbaum, an sein Leben. Ja, er ist cS, dieser grüne, wehmürbige Paliiienbaiim! Aber wie alt ist er geworden! Er ließ sich -im Fuße des Palmcnbaumes uiedcr und versank in Gedanken. Merkwürdig, dachte er, die Menschen thun immer das, was sic nicht thun tollten. Warum hak er, Jacob, sein Leben lang nur geschimpft, geluder!, 'eine Maria.gekränkt, bei jeder unnützen Kleinigkeit die Künste geballt? Warum hat er t'ocbcu den Juden Rothschild beleidigt und in e ode erschreckt? Ucberhaupk, warum hadern die Menschen untereinander? Daraus erwachsen nur Berdicnstcntgängc! Und welche! Wen» s keinen Haß und keinen Rcid gäbe, so Hillen die Menschen einer von dem anderen nur Borthcil gezogen. Diet'e und ähnliche Gedanken schwirrten :m Kopfe Jacobs herum. Bei Abenddämmerung verließ Jacob endlich den Platz und schleppte sich mühsam nach Hanse. Doch ex brachte eine schlaslo>c Rächt zu. Bald schien er sein Kindlein mit den blonden Haaren zu sehen, bald den Paliuenbaum, bald die vcrstorlenc Maria, bald das bleiche, erschrockene Gesicht des Juden Rothschild Ucberdies ' kani ihm vor, daß ein ganzer Ehor höhnischer Summen ihm ein abscheuliches Vicb vom Perdiciistcutgang vortragc Er stand zwar mebrcremalc auf. spickte Geige, aber er fand doch keine trübe. Am Jrubmoigcn stand Jacob mühsam ans und schleppte sich ins Driial. Derselbe Feldscher Marim untersuchte ihn und ordinirre ihm kalte Umschläge und ein Pulver z-aus-dem i^csichtsauSdruckc dcS Heilkunst.ers begriff Jacob jedoch, daß/S mit ihm schlecht stehe, daß weder Umschläge noch Pulver ihm helfen würden. Rach Hause zurückkehrend, dachte Jacob, daß der Tod dem Menschen eigentlich nur Portheile bringe. Weder cisen noch trinken, weder Stcuerzahlcn noch die Leute beleidigen — gebe es nach dem Tode. Da ein Mensch im Grabe nicht ein Jahr, sondern bunderle, tausende von Jahren liege, so sei der Portderl des DodeS nicht zu bemessen. DaS tei zwar Alles wahr, den Augen. 1 Plötzlich drehte sich das Hausthor im Schlosse kreischend um, und - in demselben erschien Rothschild. Als er den sitzenden Jacob an der Schwelle erblickte, trat er einige Schritte zurück. „Konime näher, komme, fürchte nichts." sagte Jacob freundlichen ' Tones. Rothschild näherte sich ihm mißtrauisch, blieb jedoch in einer kleinen Entfernung von ihm stehen. „Ich bitte Sie, Onkelchen, seien Sie nicht böse," sagte der Jude: k „SchachkcS schickt mich wieder zu Ihnen. Er sagte: »Gehe zu Jacob, : sage ihm, ich kann ohne ihn nicht auskoiümen. Mittwoch findet die Hochzeit des Herrn Schapowalow statt, er muß kommen!' Run, ich bitte Sic um Antwort!".; „Ich kann nicht," sprach Jacob schwer athmend; „ich bin — Brüderchen — krank, sehr krank..." Und er begann wiederum zu spielen, und Thränen rieselten unaufhörlich aus seinen Augen und : fiele« auf die Geige. Rothschild stand bereits hart neben Jacob; sein I Gesicht drückte tiefes Mitleid und aufrichtige Ergriffenheit auS, während : aus seinen Augen Thränc auf Thräne langsam rollte . . .; Rothschild brachte den kranken Jacob zu Bette, kochte ihm einen! Thec, legte ihm kalte Umschläge und verblieb an seinem Krankcnlager.-; bis spät in die Rächt hinein. Rach Mitternacht wurde der Kranke k sehrunruhig: Rothschild bückte sich über ihn, um die herabrutschenden! Polster zu richten, da ergriff Jacob die Hand des Juden, drückte sie fest ’ und sprach mühsam: „Bruder, verzeihe . . . Bruder, den Popen . . . ich! möchte beichten. . . Bruder. . .," mehr konnte er nicht auSsprechen,! denn er verlor die Besinnung. AlS der Geistliche, die Beichte cnl- . gegcnnehmend, an den sterbenden Jacob, der inzwischen die Besinnung j aus einen Augenblick wieder gewann, die Frage richtete, welche bcsonders schwere Sünde er tut Sekten begangen habe, strengte er das entschwindende Gcdächtuiß an und sagte endlich kaum hörbar: „Die Geige schenke ich dem Rothschild, geben Sie sie ihm, meinem Bru..." Er endigte den Satz nicht, denn die Agonie trat bcreils ein; mit Morgengrauen zählte Jacob bereits zu den Todten. Literatur. ^csicrrcichischtS RcchlSlrxikon Praktisches Handwörterbuch des össemliehe» and privaten Rechte-; der im Reichsralhe vertretenen .ttönigreiche und Länder. Heransgegeben und redigirl von Tr. Friedrich Dusche »cs, Tr. Wenzel Ritter v. B-lskti, Advocaten in Prag, und Carl Lar c lta, Landesansschusiraib in Prag, unter Mitwirkung zahlreicher Fachkräfte. Prag lfcül. Perlag von Vota A .Hlou<-ct. '21., 28. und 2l>. Lieferung. Briefkasten. R.» 111. Jene Siadlvätcr, welche in einem Inserat, mag dasselbe aitt welche Art iinmer zustande gckoinnic» sein, sich „deutsch-national" geberdelk», geboren doch der „Wurstkesselpartci" an und werde» sicherlich deren Ziele! nicht stören. P. £., Graz. Tag die ChristlichSocialen die Annahme der Landwehr Vorlage durch den Vorarlberger Landtag zn einer wüsten Hetze gegen den Landes hanptmann RHomberg benützen, wird sie nicht hindern, sich auf die auSschliestnä' privilegirtcu Pächter des österreichischen Patriotismus hinauszuspiele» n»d die Reichstreue ihrer Widersacher zu verdächtigen. R.» Lemberg. In der Tankadresie, welche jüdische Handwerker Galiziens an den Vieepräsidenten des Abgeordnetenhauses, Tavid Ritter v. Abrahame wicz, in Aiierleniilnig seiner Verdienste um die zweckentsprechende Abänderung des Gesetzes, betreuend die Sonntagsruhe, gerichtet haben, können wir eine „Zurücksetzung" jüdischer Abgeordneter nicht erblicken. Die Anregung dienr Tankadresse verdient nach unserem Tasürhalten Lob, keineswegs aber „Tadel". L. P.» Galati. Für uns nicht verwendbar. Laadsmann, «ophia. Terlei Miltheilungen sind uns jederzeit willkoimnen.

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