Freies Blatt
- Journal
- Freies Blatt
- Volume
- IV (1895)
- Issue
- 153 (10.3.1895)
- Date
- 1895-03-10
- Page
- [Seite] (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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1 Seite 10. Freies gewisse, offenbar von langem Nachtwachen herrührende Müdigkeit noch mehr fesselten. Dr. Leeb..... der, wie ich mich jetzt erinnerte. Docent an einer polnischen Universität war. theilte mir mit, er sei;um Besuche der Eltern gekommen, um Familienangelegenheiten zu ordnen. Ich nahm Gelegenheit, ihm in herzlicher Weise zu der allgemeinen Anerkennung zu gratuliren, die sein Buch über die Jagellonen bei der gcsammten Kritik erfahren hatte. Dr. Leeb schien darüber freudig bewegt, aber eS mochte sich noch ein anderes Gefühl in seine Freude gemischt haben. „In einem polnisch-jüdischen Mauthhause eine Gelehrtendisputation!" sagte er bitter lächelnd, und als Maische die usuelle Kontuszowka brachte, entspann sich wirklich ein GelehrtendiSput in aller Form. Ich hatte Gelegenheit, einen tief und universell gebildeten jungen Gelehrten kennen zu lernen, der sich dem Studium der creignißreichen, unglückseligen Geschichte Polens ganz gewidmet zu haben schien. Beim Abschied lud ich Tr. Leeb ein, mich in der nahen Schloßbibliothek möglichst bald zu besuchen. „Vielleicht!" sagte Tr. Leeb und erwiderte herzlich meinen Händedruck. * * * ES war am Tage nach meiner Begegnung mit Tr. Leeb. Ich arbeitete in der Bibliothek. Auf einmal, es war gegen 10 Uhr VormiittagS, hörte ich lautes Stimmengewirr, ein Lärmen und Gepolter draußen in den Corridoren. Ich öffne die Thur, die zum Bibliothekssaal führt, und herein tragen vier ruthenische Bauern auf einer Bahre die Leiche eines städtisch gekleideten Mannes, in dem ich auf den ersten Blick meinen Gesellschafter von gestern, Tr. Leeb, erkenne. „Um Himmels willen, was ist hier geschehen?" rufe ich, als ich mich vom sprachlosen Entsetzen erholt habe. „Ter Herr ist im Park erschossen worden," erwiderte einer der Bauern, „er war schon todt, als wir ihn fanden. Er hat sich mit einem Lfficier duellirt." Als ich beim MauthhauS nächsten Tags vorbeifuhr, ließ >ich den Wagen halten. Maisch« kam auf mich zu. Ich erkannte ihn schice nicht mehr. Er war einem Achtzigjährigen ähnlich. „Maische," rief ich, „wie hat sich das Unglück zugetragen?" „Herr Bibliothekar," erwiderte Moische, mit seinen Thränen ringend, „wie wird sich das zugetragen haben? Mein Sohn liebte die Com' teffe B. und wurde wieder gesiebt. Ein Officier war auf ihn eifccsüchtig und nannte ihn einen — Saujuden. Mein Sohn, mein einzig:!. Sohn, meine Stütze und Hoffnung, schlug sich und wurde mitten ins Herz getroffen. Dort, dort liegt er in der Stube, wo er Ihn. gestern gesagt hat, er wird Sie besuchen. Er hat Sie besucht — leid: todt." Moische und sein Sohn sind mir unvergeßlich. Briefkasten. Frcemason: Sie habe» Recht! Pernerstorser glaubt die Freimaurerei durch verächtlich zu machen, daß er sie als eine Ejiqne von Leute» hmm die sich gegenseitig helfen und unterstützen. Wenn dem so iväre, bestände einzig möglich« Lösung der socialen Frage darin, daß alle Menschen Freimam r werden, denn das Gemeinsame und Wesentliche aller socialistischen Richtung,!, besteht darin, daß sie die Gesellschaft in lauter „Eliquen von Menschen', die -m, gegenseitig belfen und unlerstntzen", nmwandeln »ollen. Ter Artikel paßt st-.st nicht für u»S. Fr. Sch : Sie könne» ja gewiß schreiben, aber Sie sprechen >Ie icb - ornnibus et de quibusdam »Ins, und dar macht Ihre Artikel für uns „.. brauchbar. Halten Sie sich nur an eine ganz bestimmte Frage, dann wer n die Arbeiten bester werden. Cmtga. 2hr Vorschlag, des Vereines auch bei Familien- »nd Gesellicha, festen zu gedenken, trifft mit einer Nachricht zusammen, die »ns aus T - bitsch zukommt: Lei der Vermählungsseier des Herrn R. Heller a»S Wie» ma der Tochter des Bürgermeisters von Trebitsch Fräulein Cäcilie Grünbei,,.. wurde nämlich eine Riesencigarre versteigert und der Erlös derselben i» d-. Höhe vo» 1 t fl. dem „Verein zur Abwehr des Antisemitismus" gespendet.' Ankündigungen des „Freien Blattes". Znferate werden angenommen, sowohl in unserer Administration, als auch im Annoncen Bureau 23t. Duke«. "MW Goldman & Salatsch Tailors, I. Graben 20 empfehle» ihr bei der vornehmen Herrenwelt so beliebt gewordenes Abonnement-System für Herren! ekleidung nach englischem Muster. Franz Mchliucr?:u'ildireckor. rmvstedlt sich zur Abhaltung ron Tan; und (Loncerr-Mufik. Adresse itt der Administration. 1 — 6 Ln Pleininger's Gasthaus X. L>tnrbergerflrc»he 2-1 »in 20. März ^teiltet - ScW. Entree -'O kr. *1 SIEGEI* HgnäOecht.wien i 25? Praterat/assel25.* STEMpq le\J eütograph! ektegraph -Tinte. Brief-, facturen-Ordner und Bibiioharptes. Illustrirte Preiscouiante, hektographirte Abdrücke gratis und franco. Joseph Lewitus, Wien, I. Franzensring 20. Für Haushaltungen! Prima preussische I für die Bezirke I bis inclusive IX in plombirten Säcken i 50 Kg. netto spesenfrei ins Haus gestellt, mit Abtragen, bei Abnahme von mindestens 5 Säcken. .... 73 kr. in offenen Fuhren spesenfrei ins Haus gestellt, mit Abtragen.66 , „ „ „ . » » ohne „ .64 „ Für die übrigen Bezirke erfolgt je nach Entfernung ein Zuschlag von 1 bis 3 kr. per 50 Kg. Prima Oascoaks zu Originalpreisen der Imperial Continental Gas Association. per Zoll* Cntnr. — 50 Kg. Gebrüder Gutmann, Bestellungs-Aufnahme: Telephon KTr. 7781. I. Kolowratrfng, Fichtegasse Sfr. 12, I. Bauernmarkt 9fr. 8, Bfordbahnhof, Kohlenhof Sfr. 2 und in unseren bekannten Bestellangsorten.