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Freies Blatt · 1895-03-03 · 152 (3.3.1895) · p. [Seite]

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Journal
Freies Blatt
Volume
IV (1895)
Issue
152 (3.3.1895)
Date
1895-03-03
Page
[Seite] (sequence 10)
Language
German
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Seite 10. Freier Blatt. Nr. 152. sich schließlich an secundäre Quellen wenden. Allerdings Halle er den größten Kenner der jüdischen Geschichte und Literatur, Leopold Zunz, als Berather zur Seite; aber auch selbst dieser konnte ihm damals nur „höchst dürftige" Notizen geben. Gleichwohl muß man sich darüber wundern, was Heine auS diesen Notizen gemacht hat. Die Vorgeschichte beruht ganz auf historischem Grunde. Bacharach war einst ein römisches Municipium. Der Sage nach, die selbst ernsthafte Historiker früher noch glaubten, soll die Stadt von einem Atar des Bacchus (öaeedi ara), einem noch jetzt bei niedrigem Wasserstande sichtbaren Steine im Rhein, ihren Namen erhalten haben. Auch die Thatsache, daß die Juden stchon zur Römerzeit in Bacharach gelebt haben, ist nicht unwahrscheinlich. Sicher bestand dort erst seit dem Jahre 1019 eine jüdische Gemeinde. 6i) Dieselbe halte im Mittelalter viel zu leiden, und es dürste bei diesem Anlasse nicht unpassend erscheinen, ein kleines Bild dieser Leidensgeschichte einer jüdischen Gemeinde während des Mittelalters zu entrollen.fiS) - eli Tie S-nellen. die Heine benützte, sind folgende: Schudt: Jüdische Merkwürdigkeiten «Frankkurt 1717—16. IV. 1. BaSnage: Histoire de la religion des Juifs depuis Jesus Christ jusqu'a present «Rotterdam 1707. V.), Bartolocci: Bibliotheea magna rabbiniea (Rom 1675—94. IV), Wolf: Bibliorh<-. u hebraea Hamburg 1715—.13, IV.), üftaju-5: Praeco salatis (Frankfurt 1712i Baratier: Voyages de Kabbi Benjamin (Amsterdam 1784. II ). Wen er mit Bagt meint, babe ich nicht eruiren können. Ter Name kommt nicht vor und '«beim aus einem Truckfehler zu beruhen. Ich will bei dieser Gelegenheit »och bemerken, das; Heine, wie ich von Heinrich Laube selbst weiß, die Absicht hatte, den- Roman seinem Freunde Zun; zu widme». Ec wurde jedoch an der AuSkührung dieser Absicht dadurch verhindert, daß die Widmung seines Buches über Borne an Heinrich Laube :u spät in Hamburg eintras, um noch dem Buche einvetleibt zu werden, während er Laube bereits mitgetheilt hatte, daß er ihm -ein nächstes Werk dedioire, >o daß er sich nunmehr veranlaßt sah, Heinrich Laube die unmittelbar darauf erschienene „Legende des Rabbi von Bacharach" heiter grüßend zuzueignen. Tie Ansicht vonGrätz: Geschichte der Juden, XI., 2. 394, daß ihm" diejenigen, an die er sich wandte, statt „markiger Thatsachen, gehacktes Stroh reichten" widerlegt sich durch Heine'» obenangeführte Worte von selbst. Bezüglich der rheinischen Sagenelemente, im Roman konnte Heine nur die beiden folgenden Werke benutzen: Niklas Bogt: Rheinische Geschichte» und Sagen «Frankfurt a. M. 1617. III.), und S.'SSJ. Schreiber: Sagen au« den Rbcingegenden «Heidelberg 1819). Toß Heine das letztere Werk benutzt, erklärt er selbst in den „Elementargeistern" (V. 333) anläßlich derselben Sagen des Wichenbale«, die auch Frau Sara von der Muhme aus Lorch erzählt wurden i IV. 233:. Tabei tritt ihm „die rheinische Heimat wieder recht lachend und blübend ins Gedächtniß", die' er von Kindheit jan innig geliebt, und der er auch noch am der Matratzengrutt mit gleicher Liebe gedenkt. Bgl. AroninuS, Regesten, S. 114 und 248. ' i Ich verdanke die hier folgenden Mittheilungen einem vortrefslichen Auf- >aoe, den der gelehrteste Kenner dieser Geschichte, Herr Rabbiner Tr. Saalfeld in Main; eigens zu diesem Zwecke für mich geschrieben hat, und dessen Beröffentlickiung um deS allgemeinen InteresteS willen, daS die Materie bietet, sicher zu wünschen wäre. Tort sind auch alle Quellen über die verschiedenen Judenverlolgungen in Bacharach im Einzelnen genau angeführt. Die erste Judenverfolgung in Bacharach fand Anfangs Mai 1147 statt. Die Saat deS HaffeS, welche der französische Mönch Rudolf, den Rhein entlang wandernd, während des zweiten KreuzzugeS ausgestreut hatte, reifte vor Allem in Bacharach zur blutigen Ernte heran. Die Burg Staleck wurde ihnen zwar zum Schutz überlasten, sobald sie sich aber aus ihrem Asyl entfernten, lauerten die Wallbrüder ihnen auf, schleppten sie zur Teufe und tödteten diejenigen, welche sich widersetzlen. Am 6. Mai jenes Jahres wurden drei Juden von Bacharach auf diese Weise erschlagen. Die zweite Judenverfolgung in Bacharach fand zu Ende deS dreizehnten Jahrhunderts statt. „Der in Mainz entfestelte Blutwahn zog damals würgend durch die Gaue deS Rheins. Nach Vorspielen in Mellrichstadt, Rockenhausen und Kreuznach (31. März 1283) erhob in den ersten Wochen des April desselben JahreS der Haß seine bittere Anklage. Die Juden, welche man des Kindesmordes zieh, erflehten Schutz vom Kirchenfürsten, den dieser auch zusagte. Doch mächtiger als er waren die Anklagen der Judenfeinde, an deren Spitze ein Ritter, Herbord von Ulm, genannt Ring, nach seiner Angabe ein Verwandter des in Mainz tobt aufgefundenen Knaben, stand. Und so war dem Ausbruch der Leidenschaften nicht mehr entgegenzutreten." «Fortsetzung folgt., Briefkasten. Fr. Sch. Besten Dank, diesmal nicht geeignet. Sie scheinen Dr. St: gar; mißverstanden zu haben. Außerdem ergreifen wir in so rein politischen Fragen, zumal wenn sie noch controverS sind, grundsätzlich keine Parteii L. S., II. Der Coopenztor ist ein Schlaucherl und will durch seine Forderungen an die GemeinderathS-Eandidaten auf einem Umwege die confessionejle Schule in Wien einführen. R. I., Prag. Einverstanden. G. Krakau Für UN» nicht verwendbar. Aus dem publicum. Oeffentticher Dank. Für die neuerlichen, im BereinSjahr uns kürzlich zugegangenen groß herzigen Spenden von den Herren: Graf Rudolf HoyoS .fl. 100.— FabrikSbesitzer Piene (Freiheit) . ... L .. „ 100.— Banquier Anton Szjzit.„ ICO.— Adalbert v. MajerSkt,.„ 100.— Alfred 'Nobel .FrcS. 500.— HerrenhauSmitglied Freiherr v Leitenberger . fl. 120.— sprechen wir hiemit unser» tiefsten Tank auS. Wien, 22. Februar 1895. Lesterreichifchc Gesellschaft der Friedensfreunde I. Toroldcrrglisik lü. Ankündigungen des „Freien Blattes". AM" Inserate werden angenommen, sowohl in unserer Administration, alS auch im Annoncen-Bureau M. Duke». Goldman & Salatsch Tailors, I. Graben 20 empfehlen ihr bei der vornehmen Herrenwelt so beliebt g'.'.vordenes Abonnement-System für Herrenbekleidung nach englischem Muster. Mattoni's Oiesshübler Jahrgang 1894»«„Freien glattes“ ist durch unsere A d m i n i st r a t i o n' ZUM Preise von ö. lv. fl. (.50 (3 Kronen) portofrei zu beziehen; desgleichen Jahrgang (89? und (893 zum greife von ö. w. fl. (.— (2 Kronen). Alle drei Jahrgänge zusammen kosten ö. lv. fl. 3.— (6 Kronen). Die Ädminiliration des „Freien Slattes" I. Seikerstätte 10.

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