Freies Blatt
- Journal
- Freies Blatt
- Volume
- IV (1895)
- Issue
- 150 (17.2.1895)
- Date
- 1895-02-17
- Page
- [Seite] (sequence 10)
- Language
- German
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Seite!0. Freies Blatt. ftern vörgeführt und ebenso in dem Buche über Börne, wo er seine „delicate Posiziaun" ergötzlich schildert; denn er ist mit Börne ebenso wie mit Rothschild verwandt. Gleichwohl würde er die Ehre mit dem Baron James, in den Gemächern seines ComploirS en tiimille;n Mittag zu speisen, selbst mit der Hälfte seiner Rase crkansen. Heine bemerkt aber dabei, „daß die Rase des Herrn *, selbst wenn er die Hälfte einbüßte, dennoch eine hinlängliche tätige behalten würde". Mit dem Rasenstern gelange» wir wieder in daS Foyer des AngrissswitzeS und der Selbstironisirting. In beiden Reichen war Heine Herrscher. Kein Zweifel, daß er dein Don Isaak Abarbanel, dem Ressen des berühmten Schriftgelehrte» gleichen Ramens, Züge seines eigenen Wesens verliehen hat. Er hat sich ans „Luxusnberinnth" (das Wort ist von Heute treffend erfunden) taufen lassen; er ist ein Dichter und ein Berehrer dcS schönen Geschlechts, dazu: er kann die Inden nicht leiden, kann aber doch nicht von ihnen loskommcn. Ein heimliches Lehnen führt ihn überall, in Toledo sowohl wie in Frankfurt a. M., in die Rahe ihrer Synagogen und Garküchen, zu der Schönheit ihrer Frauen und dem Duft ihres Schalet. Zsaak Abarbancl ist Heine selbst. Seine Schlagworte und Witze.' seine Galanterien für Frau Sarah und seine satirischen Eomplimente für Frau Schnapper-Elle kehren oft bis ans den Wortlaut in Heine's Briefen, vertraulichen MitlHeilungen und privaten Unterredungen wieder. Es ist, als ob wir Heine selbst reden hörten, wenn Don Zsaak ausruft:bS) „Der Berkchr mit dem Bolke Gottes ist sonst nicht meine Liebhaberei. Und wahrlich nicht um hier zu beten, sonder» um hier zu esse», besuche ich die Iudcngasse . . . ja, ich liebe Eure Küche weit mehr, als Euren Glauben: es fehlt ihm die rechte Sauce." Und ani besten erkennen wir Heine in Zsaak Abarbanel wieder, wenn dieser sich als Heide bekennt, dem die „dürren, freudlosen Hebräer" ebenso zuwider sind, „wie die trüben qualsüchtigen Nazarener", und der nur „der lieben Frau von Sidon, der heiligen Astarle", seine Huldigungen darbringt, die da thront in Babylon, wo die Lebenslust schäumt im Tempel der Hölter! Aber aus den Tempeln der zsusl kehren Beide doch immer zu den wohlschmeckenden Zugenderinnsrungen wieder. Sie sehen im Geiste Karpfen mit brauner Rosinensauce, das gedämpfte Hammelfleisch mit Knoblauch und Mairettig, womit man die Todten erwecken kann, und die Suppe mit den schwärmerisch schwimmenden Klößchen . . . und Beider Seele» schmelzen wie die Töne einer verliebten Rachtig all. (Fortsetzung folgt. » Literatur. Mo;art-Rovellcn. Bo» Carola Belmoute. Mir einem Borwortc von x a i p e l e •} Berlin 1&95. Lerlag von Hugo Sckiildberger, FlenSdurgenuaße, ätatobafjiiboycn 412. linier ge>'<bäytcr Mitarbeiter, Herr Tr. Gustav XarpelcS, empfiehlt das trenuch auSgestattete Bücklein mit den Worten: „Wenn 'ich diese Erzählungen ’b IV 26« > ff. Nr. 150. der deutschen Leserwelt empfehle, so gehe ich dabei von der Ueberzeugniig aus, daß das alte, stolzbescheidene Römerwort von dem Menschen, den, nichts waS inenschlich, fremd sein darf, auch selbst in unseren haß- und zornerfüllt,u Tagen seine Geltung doch noch nicht ganz verloren habe. Und schöne Mew.l, lichkeit ist er ja vor Allem, die »ns hier in dem Leben und Webe» ei, deutschen Tonhercs, in den ihn umgebenden und leitenden Gestalle», in ihren Worten und Thate» vorgesührt wird. Tie Geschichte erweitert sich z. . Lichtung. Wo der Fztden der Tradition abreißl, da fährt ihn die Phan1ai> der TichterS gefällig weiter, aus dem Geiste der Zeit, auS der Äeniituiß t,. Charaktere ihn vorsichtig und liebevoll zugleich ergänzend, bis allgemach c:,. Bild entsteht, von Geschichte und Phantasie vereint gewoben, gleichwohl aber treu und schön und vor Allein dem Bilde ähnlich, dar wir »»« von dem Helden in jenen heilig geweihten Stunden entworfen, da wir auf de» Weil seiner Töne in das ewige Reich des Schönen entzogen. So wird Allen, den Meister verehren und liebe», diese anspruchslose, liebenswürdige OH., ein willkommenes Geschenk sein." (*rrmatoricit int!) die (joltimbaritit Der Reuzeit. Ein Won zur Fcu. bestaltuiigSfrage von ,'.oH v. T o b l h o f f. Rach einem Bortrage, gehalten »„ „Technischen Club' zu Salzburg am 15. Zäuner 18!t5. Salzburg 1895. T nul und Berlag von 3!. Kiesel. Unser geschätzter Mitarbeiter, der ans allen Gebieten dem Boturthec.- der Engherzigkeit und allen Feinde» von Freiheit, Aufklärung und Hitinauitat niuthvoll in den Weg tritt, hat in dem vorliegenden Büchlein in üb zeugender uud g'ündlicher Weise alle jene Borurtheile widerlegt, ivetche - Einsührung der Feuerbestattung im Wege Flehen. Aus der Toblhoff'd.:: Brolchürc geht hervor, daß auch aus diesem Gebiete, wie so oft atiderwan'., die sogenanntcir „religiösen Bedenken" mir ein billiger Borwand sind, bir.i-:. welchem sich die Abneigung gegen einen von der Bernnnst nicht mehr a' zuweisende» Fortschritt verschanzt. Tic Geschichte des Socialismus in Einzetdaistellungen. Stuttgart, Bei!.: , von J. H W. Tietz. Uns liegen die soeben erschienenen weiteren vier Hefte (9—12) großangelegteu Werkes vor, nnd geben wir nachstehend ein kurzes Jnhat e j verzeichuiß derselben: Ter CommuniSmiis im Mittelalter und im Zeitalu: der Reformation bildet den dritten Abschnitt, zu welchem zum Capitel VIII. „Tie deutsche Resormation und Thomas Münzer" folgende Abhandlung,n gehören: Müuzer's Biographen , Münzer'S Ai.fänge, Münzer i» Allst,'t. Tie Wurzeln des großen Bauernkrieges, Münzer'S Borbereitu.tgen ft Erhebung und der Bauernkrieg. Capitel IX: Die Wiedertäufer. 1. Tie Wiedertäufer vor dem Bauernkrieg. 2. Die Lehre» der Wiedertäuser. 5. Lei Wicderiäufer Glück und Ende in der Schweiz. 4. Tie Wiedertäufer in St-' deutschland. 5. Tie Wiedertäufer in Mähren. 0. Die Unruhen zu Müiist.,. 7. Tie Wiedertäufer in Straßbnrg und in den Niederlanden. . Dcsterreichisches Rechtslrxikon. Praktisches Handwörterbuch der öffentlich,» und privaten Rechter der im ReichSrathe vertretenen Siönigreiche nnd Lander. Herausgegeben und redigirt von Tr. Friedrich DnscheneS, Tr. Wenzel Ritter v. Belsky, Advocaten in Prag, und CarlBarelia, LandeSauSschußrath in Prag, unter Mitwirkung zahlreicher Fachkräfte. Prag 1894. Berlag von Hv'er L Klouöck. Uns liegen die Li-fernngen 23, 24, 25 und 26 deS ausgezeichnet,» Werkes vor, welches nun bis zu dem Artikel „Expropriation" geführt scheint. Wir machen besonders auf den Artikel „Einjährig-Freiwillige" aus merksam, der alle zur Erreichung dieser Qualificaiion noihwendigen dingungen, alle einschlägigen Gesetze, Borschristen u. dergl. behandelt :..:d beweist, vön welch eminent prakiischem Werthe das „Testerreichische Red::: lexikon" ist Ankündigungen des „Freien Blattes". W Inserate werden angenommen, sowohl in unserer Administration, als auch im Annoncen-Bureau W. Duke». "Wv i Miislkiiistrnmcilte nnd Saite»! vietsach. prämnrt. empfiehlt unter vollständiger Garantie, seinfter Qualität und Aussiihruu zu billigsten Preisen die Musikinstrumentenunö Suiten-AaöeiK Josef Siebenstüner - IN Ftchünbach 72r. Z/2 bei Lgcr (Döginen).; Schulgeigrn ohne Bogen) liefere von fl. 2 50, 3, 4, 5 bis fl. 10. Ärchrfter-Concert-Niolinru von fl. 10. 12, 15, 20 bis fl. 10«'. Zithern von fl. 6, 7, 10, 12, 15 bis st. 100. Olluftrirte Preiscourante gratis und sranco. — Bedienung prompt und reell. Goldman & Salatsch Tailor3, I. Graben 20 <ri.i| tViiii!» ihr bei der vornehmen Herrenwelt eg beliebt rl--!,-» .Vboiniement-System fiir Herren bekleidunir nach englischem Muster. ' Unzählige Anerkennungsschreiben stehen mir zur Seite.