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Freies Blatt · 1895-02-17 · 150 (17.2.1895) · p. [Seite]

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Journal
Freies Blatt
Volume
IV (1895)
Issue
150 (17.2.1895)
Date
1895-02-17
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Freies Blatt •.»tlumuciiic:ii5Dme. * . 'Jicö.mioii und Vl&miuiftrntioii: Zur Abwehr des 2lntifcmitismiis. i. se.icrftäuc .» Kronen ,1. i ,\uc 3ao gcfaiuirtte -tnfetale »erben mit SO $tlltr (in tr.) für t>ie oter- - :;:;iabri<l.fi i'inrf ' mol gespaltene >1!onporeMe,eile tevLnel. »le,n«r .-Ni-,.idriq .n Morl .«> l-I Crschcillt (111 jcdklll Sonittnnt. An,e!ger da» Wort 4 Hellei (i kr ). Aninodme von aiiueiiie Wummern «fr. , - 3n|erateu in unserer «bminiftrntion sowie im .■ Itirjnfirie l'tieie werten nid» angenommen. ' «nnoncenbureau Hl. Xufe«, I. Stfoüjcile 8. 'Jhimiiicr lüicn, 17. Februar I89.r. IV. Jahrgang. * Der päpstliche c^eaen. iZm'christ an dar „ftific Blqil"! JUif Grund schwülstiger Belhenernngen der Ergc'benhcil für de» heiligen Stuhl und der treue» Anhänglichkeit an seine i'Jei j!im',eit wurde am l‘>. Männer I. j. dem Prinzen AloiS Viechten- >:e:» und feinen nnliseinitischen Genosse» der päpstliche Lege» erilicitt. Es läßt sich darüber streite», ob inan in Rom jene reute, die das Ehristenthnm stets hochpreife», dabei aber seinen "ön,iUpiinc:pien hohnspreche», recht kennt oder nicht, jedenfalls neht das Eine fest, daß der Papst daS Fluchwürdige, de» Haß, eie Pcrachlung und die Verlogenheit, welche der Antisenn'tisiuns in kich schließt, nicht mitgesegnet Hai. Die mit lauem anständigen Ausdrucke;n bezeichnende Kühnheit, mit der antisemitische Häu.pl- Iinge in nenester Zeit anstrete», berechtigt jedoch zur Annahme, daß inan den Lege» in den sich echrisilich tieiineiike» soeialistüchen streiken kehr schief anraefaßt. Der durch seine Manipnlationen!ii>! Ltainpiglien und Ltinii»;,lieln berühmte Ernst Schneider :n»s: sich überhaiipt durch und durch gesegnet und daher zu Allem berechtigt fühle». Lein edles Geniüth ist jüngst i>» »iederöster- > r'ichischen Landtage in Wallungen gerathe», sein gnieS Herz wer übervoll, und über seine Vippen trat die bescheidene Frage: „Warum ü'll' dieses Volk, dieses gottverfluchte Gesindel nicht vom Erdboden änsgetilgt werde»'?", worauf er siech einige Tage später selbst die .beuch liebevolle Antwort ertheille: .>»,>»«.-"> »-.*-<■ eomlniiviulus. oö g eeicht den Israeliten gewiß nicht -zur Umhre, zpenn sie ein Mensch von der siillichen 'C.nnliie'it eines Ernst Lechneider für iditoerstucht hält; ll"il es aber mitunter anech heutzutage noch, wirkliche Ehristen gleit, die siech von solechen jndivid.ien vormachen ''sie», daß ans den Juden e:» göttlicher Fluch lastet, weil ihre Vorfahre» die Kreuzigung Ehristi verschuldet, möge hier folgende 1 hrreiche Ltelle auS einer von Dr. A. Berliner verfaßten Schrift, j ..Persönliche Beziehnngen zwiseche» Ekrisle» und juden im Mittel' j elier", Platz finde». Berliner sagt: Ai» Lchlusse einer der ver ' nhiedenen Abhandlungen, welche der handschriftliche Lammelband! in der Rationalbibliothik zu-Parma, Rr. 402, enthält, befindet sich, eine Lchntzschrist, die hier in der Uebersetznng folegen möge: J Antwort, welche der Papst a» de» König von Frankreich j gerichtet hat, damit er die jaden beschirme, denn diese tragen j leine Lchttid an der Tödtnng deS LtifterS der christlichen Re! ligion. Ein Gleichniß hiefttr stellt sich in jenem stönige dar. J der seinen (gölten der Cbljiit cineS feiner besten Freunde über ließ, mit dem Befehle, daß er Ricmande» in den Garten einlane. jeder, der es versuchen sollte, in den Garten zu dringen, der sollte deS Todes sei». Eines Tages wollte der König seinen Freund prüfen; er verstellte siel) dacher, zog andere Kleider an und trat an den Eingang deö GartenS, um in denselben ein zudriiigen, iiibcm er vorgab, er sei der König. Da antwortete der Wächter: „Du darfst nicht eintreten, den» der König hat es vetbvle», d» aber bist nicht der König." Als nun der König seine Stärke zeigen wollte, da stand der wachthabende Freund aus-and erschlug ihn. So auch in dem vorliegenden Falle; Gott hat seinem Volke Israel die Vehre gegeben und darin geboten: „jch bin der Ewige, dein Gott; du sollst keine anderen Götter »eben mir habe», jhr sollt euch wohl in Acht nehmen, denn ihr habt keine Gestalt gesehen am Tage, da der Ewige zu euch aus' Ehoreb geredet hat." (5». Buch Maies,' Eap. f>, P. lfj.) Ferner: „Mich sieht kein Mensch und lebt." Als mm der Stifter unserer Religion auftrat, kam er in Menschengestalt, machte sich selbst zum Gotte, s,/ daß sie ihn »ach gesetzlicher Bvrschrist lööteteu. Hätten sie gewußt, daß eS Gott selbst sei, sie würden ihn keineswegs nnigebracht haben. Auch bei der Verantwvrtiing im künftigen Veden werden sie sich damit vollständig rechtfertigen können.- . So hat ein edler Papst schon im sinsteren Mittelalter über die Sache gedacht. Angesichts der hohen Einsicht und außerordentliche» Begabung des. Papstes Veo X i11. würde man Unrecht thun nnziinehmci;, daß cr darüber wesentlich andcrS denkt, zumal die vollständige Eontinnilät »nd Widerspruchslosigkeit der kirchlichen Vehre zu den obersten Grundsätzen deS Katholieismus gehört. ES ist also nicht anzunehmen, daß Schneiders Behauptung, „die juden seien ein gottverflnäNes Gesinbet", mit durch den an AtoiS Viechtenstei» übermittelte» päp"iicke» Lege» antaHsirt sei. Xorijo. jüdischer Pauperismus in Galizien. iLeiginat - Millti.äiung des „Freie» Blattes".) reniberg, tt. Februar. Die Frage der inneren Berechtigung deS Antisemitismus eignet sich im Grunde genommen schon längst nicht mehr zur ernsten Discussion "Aber auch dasjenige, wofür der Antisemiztsmus gelten möchte, eine Lchutzwehr für den ökonomisch Schwächeren, auch das ist er nie und nimmer gewesen und kann . eS auch seinem Wesen nach nicht sein. Die Unwissenden und Einsältsgen im Geiste hat man wohl zu alten Zeiten mit derlei vielverheißenden Lchlagwotlen capliviren können, trotzdem sie michts Anderes als eine lluwahrheit mehr in, vügennetze find, mit welchem man die „kleinen Veute" bestrickt, um sie zu gewinnen. Wenn man von ökonomisch Lehwachen spricht, so müßte man in Wirklichkeit in erster Reilze an die vielen tausende und hnnderttaüsende Juden in Galizien denken, deren Roth hart an die Grenze gelaugt ist, wo auch die zur Existenz des nackten Daseins uöthigen Mittel ausgehe». Man muß einmal mit eigenen Auge» es mit angesehen habe», wovon' sich die Mehrzahl der jüdischen Fgmilien in einer galizischen Ortschaft ernährt, was ihr Einkommen bildet, um zur Üeberzengung zu gelangen, daß, wenn nicht jährlich hmtderle und aberhunderte jüdüche Familie» des Hungertodes sterben, die menschliche Entsagungskraft unendlich' groß sein müsse. .Und diese Elendesten unter de» Elenden solle» jene Mächtigen sein, vor deren Druck die antisemitische Weisheit, Gerechtigkeit oder Menschenliebe die Gesellschaft retten will'? Der Kampf, der erbitterte, rücksichtsloseste, kein Mittel scheuende Kampf gegen die Aernisten unter den Armen dient also zum Schutze des „kleinen ManneS" — fürwahr ein unwürdiger Hohn! Ich hatte jahrelang''Gelegenheit, namentlich in Ostgalizien, Erfahrungen zu machen, deren Resultate mir selbst, der ich Veute und Verhältnisse des Vandeö zu kennen meinte, ganz unglaublich erschienen. Aus der Fülle der Thatsachen will ich nur einige herausgreisen, um zu dieser vielleicht übertrieben erscheinenden Behauptung die jllustration zu geben.

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