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Freies Blatt · 1895-02-10 · 149 (10.2.1895) · p. [Seite]

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Journal
Freies Blatt
Volume
IV (1895)
Issue
149 (10.2.1895)
Date
1895-02-10
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Freies Blatt AdomieliienlSvrcis. Aür Oesterrkich-Ung-rn: .■tunijölirig.» Jhoittn (fl. *.501 H«Id,»drig. >.» «tonen (fl. 1.50) ^ur dagelammte Ausland: <^.inuabrig.6 5Rorf HsUblädrig .3 Mark 60 Pf. Einzelne Nummern 6 kr. tlnlrankirle Briefe werden nicht angenommen. Organ zur Abwehr des Antisemitismus. Erscheint an jedem Sonntage. - '){cö.tction und '.’liiuiniii'ti i:ioic!. I. Scilcrftiitfc I». Inserate werden mit 20 Heller l>> kr ' -;. I-.- mal gespaltene Nonp-rreille^i:' < Anzeiger das Wort 4 Heller (2 kr? Inseraten in unserer 9lbmin:ftratt:" Annoncenbnrean Ztt. 2ufe?. I. Ruinmrr 140. Wien, 10. Februar 1895. '' IV. Iahrgan-'.. Die Mcrhruiig des Besitzstandes. AIS Hauptzweckf der Coalition wurde von der Parteileitung Kr Deutsch-Liberalen die „Wahrung des Besitzstandes" angegeben.?ao hinderte indessen in vielen Fällen nicht ein Verhalten der liberale» Partei und deö von ihr gestützten Ministeriums, welches dein Besitzstände nicht zuträglich war, ihn ihatsächlich verminderte oder wenigstens bedrohte. Bei de» letzten GemeindeergänzungSwablen in Wien büßten die Liberale» niedrere Mandate ein. Die Ersatzwahl eines Abgeordnete» für den »lederösterreichischen Landlag im IV. Wiener Gemeindebezirke fiel ebenfalls zu Gunsten eines antisemitischen Candjdaten aus. Auch in den Provinzen haben die Deutsch-Liberalen wiederholt Verluste erlitten. Ein Städtemandal für die Tiroler LandeSvertrelung ging erst neulich an die clcricalen CoalitionSgenofsen verloren, und die Salzburger Ge- »icindcverwgllung befindet sich nicht mehr in liberalen Hände». Gegenwärtig ist in Folge Ablebens des Freiherrn v. Sommaruga das RcichSralhSmandat im III. Wiener Gemeindebezirke erledigt, und an die liberale Partei tritt nun wieder die Aufgabe d.rau, ihren Besitzstand zu wahren. Seil der Einführung der direcle» Wahlen war der Bezirk Landstraße bisher stets durch einen FortschrittSman» im Abgeordnetenhause vertreten. Auf den ausgezeichneten Schulmann Dittes folgte der um die Pflege volkswirihfchaftlicher Interessen, insbesondere um die Einführung der Postiparcassen in Oesterreich hochverdiente Lenz, dessen Nachfolger dann der eben verstorbene Sommaruga, ei» eifriger Anwalt der Rechtsgleichheit, war. Trotzdem ist die Landstraße nichts weniger als ein sicheres Gebiet. Bor dcrf Einverleibung der Vororte in Wien gelang eS dort den antisemitischen Radauelementcn, im zweiten Wahlkörper, also in den Reihen der sogenannten Intelligenz, ihre Candidaten für den Gemeinderath durchzubringen und sich der Geschäftsführung des Bezirksausschusses zu bemächtigen. Und ist nicht der Vertreter dieses Bezirkes iin Landtage ein unbedeutender Eooperator, welcher nach einem heftigen Wahlkampfe, nach drei Mahlgängen, den jetzigen Bürgermeister besiegle? Sicher ist daS ReichSrathsmandat der Landstraße den Liberalen keineswegs. Der Umstand, daß die Antisemiten wegen angeblichen Mangels an MandatSwcrber» de» Gemeindcralh Steiner nur als Rothcandidaten aufgestellt haben sollen, ändert nichts an der Sache. Die Personenfrage, die Befähigung und Würdigkeit des Eandidatcn spielt nur bei liberalen Wählern eine wichtige Rolle. Für die stimmberechtigte Menge der Antisemiten entbehrt sie aber jeder Bedeutung. Wer nicht zauderte, auf das Commando männlicher -nid weiblicher Führer einen Schnabl in den Landtag zu entsenden, wird auch, ohne viel zu überlegen, einem Steiner als ReichSrathSeandidaten seine Stimme geben. Vor einigen Monaten konnte man in Bruck-Leoben mit knapper Roth verhüten, daß ein Antisemit das Erbe des Dr. Heilsbcrg im Parlamente antrete. Witd es nun auch glücken, das Land slraßer RkichsrathSmandat im liberalen Besitze zu erhalten? Wir wünschen eS„ doch haben namentlich die Vorgänge der letzten Tage unsere Zuversicht wesentlich herabgestimmt. Nicht nur in Wien, sondern auch im Kreise der Mandanten deS Dr. Ruß in Karlsbad sieht man sich bemüssigt, an die maßgebenden Faktoren die Mahnung zu richten, man möge darauf bedacht sein, daß der Besitzstand intact bleibe, und endlich auch „Jenen strengstens entgegentretcn, welche die Volksclasscn untereinander vcrhcvex - oio politische Bürgerfrcihcil und Gleichbereelitigung einzelner ci/rui: der Bevölkerung Aufheben oder einschrünte» wollen". Wo ..u-en aber derlei Mahnungen? Die Regierung kann, wie es iMu tu. ihnen keine volle Beachtung schenken; muß sie doch auch |.r. clerical-rcactionäre» Regierungsstützen berücksichtige» weich, lrotaller Zänkereien mit beit Anliscmilcirin -diesen ' eine Gew.uwleistung für die Wahrung deS eigenen Besii-stanKs ereuckeii. Liberale Mandatsträgcr aber geben selbst dort, wo sie »och in der Majorität find, ihren Besitzstand preis, lassen ^ich-von Terroristen cinschüchtcrn und capituliren. Im Wiener Gemeiudcralhe laßt cs die liberale Neelirh.il zu, daß eines ihrer Milglieder von den.Anlisennle» durch einen ge meinen Bubenstreich, durch seandalöie Tumulte, .z» deren Beschönigung nicht einmal ein Vorwand angeführt werden kann, am Spreche» verhindert werde, und der Vorsitzende ist gegen die Spcctakelmacher so höflich, daß er sie durch cinen ^rdnungsrus erfreut, den er einem liberalen Geiltiinder.rlhc erlh ill. Gl. ichzeirig werden-die jüdischen Staalebürger samnit und sonders nicht etwa in einer Sechshauser Spelunke, sondern, in der Landesveriretung RiederösterrcichS alS „gottverfluchtes Gesindel, das vom Erdboden vertilgt werden muß", bezeichnet, ohne daß sich irgend Jenrand -erheben würde, um gegen solche geradezu verbrecherisch. Aus lasfungc» Verwahrung cinzulegcn. Die »leisten liberalen Gemeinde räthe, Landbotcn :c. sindallein Anscheine nach kompiniiide._ Wie soll man unter solchen Verhältnissen mit Bcslimi»lbe:l aui Erfolge bei Wahrung deö Besitzstandes rechnen? - , vvy Herrn Eugen Di'chring's Ilnunülzunn der lPt||cnjd?aft. 2. Tühriilg als Rationalökviivi». Das Dogma von der weltskiirzendcu Bedeutung Dül/.ing'»» als Natioualökonomcn zählt heute auch in nicht anli'imnscheil Sireisen noch reichlich viele und unbedingte Gläubige. Nicht selten mußten ivir in Gesellschaften gegen ein Unheil ankämpscu, welches Dühring als einen schrullenhaften, verbissene» Polrron hinstcllk, dee aber mir fabelhaircu Kenntnissen großen Geist verbindet/ und besonders als iclbststäudigcr und unbefangener Pfadfinder auf nalionaiökonomischcm Gebiete zu schätzen sei. Wir könne» darum Friedrich Engels nicht genug Pank wissen, daß er auch dem Nationalökonomcn Dübring seinen Nimbus fäwnnngslos herabgcrisien und die ganze Erbärmlichkeit denen, was man 'eine Originalität und feinen Geistreichthum nennt, bloßgelcgk bat- Wenn Engels diese Aufgabe nicht so ganz zufricdenücllcnd oder doch wenig stiuS zu einstilig gelöst, so liegt die Schuld an dem agitatorischen Zweck, den sein Buch verfolgt. Es handelt sich dem Beriasser, .vor wiegend die Arbeiter vor den „Socialitären" zu warnen und Dühring's Angriffe auf Marx'und seine Schule zu entkräften, deshalb ist auch dieser Thcil deS Buches fast ausschließlich im Einblicke auf Marx geschrieben, aber er zeigt auch hierin, io lucit er rein kritisch ist, mit unerbittlicher Logik die Grundcharaklcrziige des großen Schriftstellers und Säcnlarmcnschcn Dühring, als da find: krititlo'cr, confufer EklckticismuS, der auch das WidcrfpruchvoUste zu verbinden

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