Freies Blatt
- Journal
- Freies Blatt
- Volume
- IV (1895)
- Issue
- 148 (3.2.1895)
- Date
- 1895-02-03
- Page
- [Seite] (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite JO. Freie: Romans berücksichligt wurde. Der „Rabbi von Bacharach" sollte aber ein großer Roman werden, zu dem die vorhandenen drei Eapitel wohl wenig mehr als die Exposition bildeten. Aber welche starke dramatische Kraft liegt nicht schon in diesen wenigen Eapiteln, die allein schon eine Tragödie für sich bilden und den Versuch geradezu heraussordern, dieses dichterische Werk in dramatische Formen zu pressen. Allerdings ist dieser Versuch bis jetzt nicht geglückt. Ein Drama, „Rabbi David", welches in jüngster Zeit viel besprochen wurde, ist im Wesentlich!,! auf der Fabel deS „Rabbi von Bacharach" aufgebaut, wenn es auch in der Ankündigung dieses Dramas heißt: „Wer Heine s Rovellrnfragmcnt wirklich je gelesen hat, der weiß, daß man dasselbe höchstens als Exposition eines DramaS vcrwerlhen kan». Der Dichter deS ,Rabbi David' hat auch nur wenig ans dem Heine scheu Torso benutzt, und Manches sogar geändert, und zwar zur Verschärfung des dramatischen Eonflicts, den er allein ersonnen und von dem sich bei Heine keine Spur vorsindel." Das klingt ja recht hübsch,' und man könnte dem anonllinen Dichter für diese Ehrenrettung Heine's eigentlich dankbar sein, aber die Sache verhält sich in Wirklichkeit doch etwas anders alS cs in dieser Ankündigung heißt, und man braucht nur einen Blick in das Drama zu werfen, um sich davon deS Weiteren zu überzeugen. Der Vollständigkeit wegen möge hier »och in Kurzem der Inhalt des Dramas „Rabbi David" folgen, dessen Stoff natürlich ebenfalls der „R i l u a l in o r d" bildet. Rabbi Davids Tochter Lea ist aus einer heimlichen Verbindung mit einem christlichen Arzt Mutter eines todlgeboreneil.KiiideS geworden, an welchem der verworfene Diener zsoel den Schächlschnilt ausführle, um den Kindesmord seiner Geliebten, deren „Madoiineiigcsicht" so etwas nicht zuzutrauen ist, zu verheimlichen. Der Rabbi flüchtet mit seiner Tochter nach Frankfurt, wo er durch einen getauften Juden vor Gericht angeklagt wird. Es erfolgt nach der Verhandlung Freisprechung, aber in der folgenden Rächt dringt de, aufgeregte Pöbel mit Flagellanten, Raubgesindel und Landstreichern ins Judenviertel und inscenirt eine Judenschlacht. Erst durch Aufgebot kaiserlicher Macht kann der Aufstand gedämpft werden. Im Angesicht der brennenden Synagoge reichen sich der Rabbi, der Erzbischof und der Stuhlherr des Reichsgerichtes die Hände zum Bunde — es tagt ein »euer Morgen, auS Blut und Schutt steigt sieghaft das Dreigestirn „Wahrheit!' Liebe! Menschlichkeit!" und versöhnend klingt der Schlußaccord aus, bei dem die weltbeglückende Botschaft der Liebe daS Belhlehemglöcklcin mit den Worten des Talmud harmonisch veibindet. . Wie wenig auch dieser dramatische Versuch aus dem Geiste und dem Verständnis der Weltanschauung Heine's hcrvorgegangen, vlatt. Nr. 148. . so ist er doch durch die humane Gesinnung, die ihn erfüllt.! immerhin der Achtung würdig. Zumal in einer Zeit, in der auch in den stillen Lorbeerhain der Dichtung der Haß und die Ber- ^nichtlingSwuth eingezogen sind. Ist doch selbst ein Mann wie i Eugen Dühring bei der Besprechung unseres Dichterwerkes so verblendet, daß er die Grundidee Heine's" (Christen, die eine! Kindesleiche im Hause eines Juden niederlegen) für eine „Um. j kehrung der Wahrheit" ansieht und in seiner liebreichen Weise dazu bemerkt: „Wäre auch ein solcher-Fall ausnahmsweise einmal möglich, so bewiese er doch nichts gegen die sonstige T h a t s ä ch l i ch k c i t des hebräischen Blutaberglaubens und der zugehörigen rituellen oder nichtritnellen Verbrechen." ‘ «Fortsetzung folgt., V I Literatur. Eine Avciiue Tcgrtthoss-St. Stephan j» Wie» von Alfred Ri ein. - Wien, iin Jänner 1895. AlS Manuscript gedruckt. Im Selbstverläge de« Per fasserF. Seiner kaiserliche» und königlichen Hoheit dein durchlauchtigsten Herr» > Erzherzog Rainer in tiefster Ehrfurcht gewidmet. Tie Waffen nieder! Ta-Organ der österreichische» und deutschen Frikdeusgcscllichaft, die von Baronin Bertha Suttner heranSgegebene Monalsschri'k , „Tie Waffe» nieder" (E. Pierson's Perlag, Preis 3 Mark halbjährig - eröffnet den vierte» Jahrgang mit einem sehr interessanten Hefte folgenden Jn- I Haltes, Gras Bothmer: Bor und »ach Weihnachten. — Moritz Adler: Tie allgemeine Wehrpflicht. — Ludwig Fulda: Es wird einmal. — Ivan Turgenjew: Hängt ihn! — DieAnsichte» eines französischen Admirals. — Beriha v Suttnern Die europäische Luge. — Tritte Jahresversammlung der östereichischen Gesellschaft der Friedensfreunde. — Epigramme. — Bertha ttatscher: Tie Ausführung deS Trauerspiels „Ter ewige Friede". — Friedens- Ehronik des Jahres 1894. — Zeilschau rc. Kaleuder pro 1895 wurden uns von verichiedenen Seile» ei,,gesendet. Unter diesen Kalender» sind einige, die sich durch künstlerische Ausstattung besonders auszcichnen, so ein Wandkalender des Brellcrepporlcurs Wilhelm ■ Lieb st ein in Pilsen,, der in prachtvollem Farbendruck von der bekannten siunstanstalt Bruder W i l l n e r in Teplitz hergestellt ist. Daß diese ausgezeichnete Geschäftscmpfeblung der rührigen Bretterfirnia Bortheile bringen wird, ist mit Bestimmtheit anzunehmcn. Briefkasten. L. ')!, .VII. Sie behaupte», daß sowohl G e ß in a u n als auch Pacher von jüdischer Abstammung sind. Sind Sie im Besitze beweiskräftiger Tocuinente V 2. H., Grüne Thorgasse. Unerbetcue Manuscripte werden .von »»-- grundiätzllch nicht mittelst Post rctournirt. *’ (v. B., Rumburg. Zeitungsausschnitte sind uns stets willkoinme». T. 2-, Troppau. Tie Kammer hat Recht, wenn sie mit de», Hetz blältchen nicht in Berührung trete» will. P. 9t., Villach. Ja, ja, Stemmender ist ei» sittenstrenger Mau». I. I. Philipp, Lcmbcrg. Tie „Oesterreichiiche Polls-Zeitung", ehemal-i „EonftilultoneUe Borstadt-Zeilung", war zu allen Zeiten ein fortschrittliches Blatt und ist es auch beute noch. Sie verwechseln das Blatt mit dem ant, semitischen „Tenlsche» Bolksblatt". Ankündigungen des „Freien Mattes". jHfrratr werden aiigenoninicn, sowohl in umcrer AdistI«iftr«tion, als auch im Aniioiiceii-Bureau M. Duke». "MW Kolclmsn & Salatsch Tailors, I. Graben 20 ihr bei ,1er vornehmen Herrenwelt so beliebt »■ wordenes Abonnement-System für Herreubekleiduni nach englischem Muster. Ludwig Kletschka Speeerei-, Farbwaaren, Gemischtu. Eisenwaaren Wien, X. Eugengasse 53. —"VII- Jahrgang. 4^— Bi© H-u.ss-axa.i'tä'fc. Monatschrift für Gemeinnützigkeit für Förderung öffentlicher Wohlfahrt*- und Wohlth#tlgkelt*-Be*trebungen. FarhhUtt für Arme* und Krankenweaen. *owle ftlr Gesundheitspflege, Archiv für die Gcsammtlnteressen de* Frauen-, Arbeit*-, Krwerbs- und Yerelnslebeo*. Redakteur: Anton Pfeiffer* Die llnmauitttt U das einzig:« Fnehblnft OeHterreieh« für Armenpflege und Wohlthätigkeit und als solche«, der verlässlichste Kathgeber für die Gemeindeverwaltungen, die verschiedenen gemeinnützigen Vereine, für Geistliche, Aerzte, Beamte, Lehrer, überhaupt für All»", welche aus Beruf oder aus Neigung für die Förderung öffentlicher Wohlfahrt*Bestrebungen wirken wollen. Monatlich cin\I[cft von lfi Seiten Gro*a-Quart in vornehtnster Au*stattun{/. Prefs vierteljährlich ein Gulden. Bestellungen nehmen entgegen alle Buchhandlungen, als auch die Expedition Reicbenberg, Stefansstrasse 12. .Probe-Hummern auf Verlangen unentgeltlich und franco.