Mannheim
Compact Memory

Freies Blatt · 1895-02-03 · 148 (3.2.1895) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Freies Blatt
Volume
IV (1895)
Issue
148 (3.2.1895)
Date
1895-02-03
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
90% known words query
IRI
…/4886575-5439167-5441595--1775-4888204
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Abonnement-preiS. Für Oesterreich-Ungarn: ^-nzjabrig.5 ftronen .Ublädrig.3 ihronen *.50) 1.50) ASr da« gelammte Slullonb: vilfrilmria .s Mark 50 P,. Sittjelite Wummern « kr. iliifrankirle «riefe werden nicht angenommen. Organ zur Abwehr des Antisemitismus. Erscheint an jedem Sonntage. ~~ j Nedactiou und Admiuistratio»: l. Teilerstirtte 1». Inserate werden mit 20 Heller (i» kr > für die viermal gespaltene Nonpareilleieile berechnet. Kleine Anzeiger da« Wort 4 Heller (* kr ). klu>nadme von Inseraten in unserer Administration sowii int Annonrenbureau M. Tuke«. I. Aollj^le 8. Nummer 148. Wien, 3. Februar 18S5. IV. Jahrgang. Paul Pacher v. Theinburg. (Zuschrift eine- Bankbeamten.) Wer die.letzten LandlagSredcn des neugewählten Abgeordnelen tnr den vierten Wiener Genreindebezirk, deS Herrn Paul Pacher v. Theinburg, gegen das Großkapital und die Kapitalisten mit Aufmerksamkeit verfolgt hat, muß wohl zu der Ansicht gelommen fein, doß Herr v. Pacher Zeit seines LebenS es als seine heiligste Pflicht srachlele, jede Berührung mit den corrumpirten Großeapitalisten und den Banken als dem Inbegriff alles Großkapitals ängstlich zu vermeiden. Wie in allen anderen Belangen die Thatcn der Antisemiten ihren Worten direct widersprechen, so ist dies auch hier der Kall. Bor uns liegt eine stattliche Anzahl von Bänden des „Compaß", des in allen finanziellcn Angelegenheiten maßgtbcnden NachschlagebucheS, das bekanntlich in Personalfragen unbedingte Verläßlichkeit für »sich in Anspruch nimmt, da die bezüglichen Daten von den betreffenden Instituten selbst geliefert Schlagen wir nun gleich den ersten Jahrgang deS „Compaß" auf, der im Jahre 1868 erschienen ist, so finden wir unter den Verwaltungsräthen der k. k. pr.vilegirten Ocsterreichischen Bodencredilanstalt den CapitalSfeind Paul Pacher o. Theinburg verzeichnet, und demselben Namen begegnen wir durch volle 24 Jahre, immer in der Eigenschaft eines VerwaltungSratheS der genannten Bank, bis er endlich im Jahre 1892 verschwindet, weil zu dieser Zeit Herr v. Pacher wahrscheinlich schon anfing, sich auf seinen Beruf als Bekämpfer deS Großkapitals vorzubereiten. Cs ist nicht unsere Aufgabe, hier eine Geschichte der Bodencreditanstalt zu sä,reiben, wir können uns jedoch nicht versage», zur Würdigung der in Frage stehenden Person darauf hinzuwcisen, daß in diese' 24jährige Wirksamkeit deS Herrn v. Pacher bei der Bodencreditansialt auch jene Periode fällt, welche mit dem Name» „Sanirung" bezeichnet wurde, und daß Herr v. Pacher an allen jenen Geschäften milgewirkt hat, welche eben diese „Sanirung" uolhwendig machten. Daß er nach Beendigung dieser Sanirungsperiode nicht aus dem Berwaltungörathe auStrat, sondern auch weiterhin in deinselben verblieb, als den sieben magere» Jahren die sieben selten folgten, in welchen wieder daS so angenehm klingende Wort „Dividende" hörbar wurde, verübeln dem Capitalöfeinde Pacher seine Freunde nicht; wären es ja doch sonst „Juden" gewesen, welche die Dividende eingesteckt hätten, würde sich nicht der sittenstrenge Herr Pacher v. Theinburg geopfert haben. Damit ist aber die Thätigkeit des Herrn v. Pacher auf nnai ziellem Gebiete nicht erschöpft. In eben demselben „Compaß" siiiden wir die interessante Mittheilung, daß sich am 9. Deeember >872 eine Aktiengesellschaft unter der Firma „Wiener Lombardnercin" constiluirle, und im Verzeichnisse der BerwallungSralhsmitglieder steht der Name M Herrn Paul Pacher v. Theinburg. Allerdings halte diese Gesellschaft das Unglück, schon im ersten Jahre ihrer Thätigkeit 2 89 Millionen Gulden zu verlieren, nachdem sie in demselben Jahre für Verluste 3 Millionen Gulden in Reserve gestellt hatte, und es blieb ihr auch thatsächlich nichts übrig,, als am 6. Drcember 1875 nach nur dreijährigem Bestände in Liquidation zu gehen, nachdem ihr VerwaltungSrath vorher »och Herrn v. Pacher an die erste Stelle berufen hatte,, indem er ihn zu seinem Präsidenten ernannte. Daß Herr -v. Pacher auch unter den Liquidatoren figurirt, bis im August 1882, nach fast siebenjähriger Dauer, die Liquidation beendigt werden konnie, ist wohl nicht selbstverständlich, aber Thatsache. .Der geschwätzige „Compaß" verräth uns aber noch mehr über die Beziehungen d.o Herrn v. Pacher zu unseren Bänken. In dem schon oben eilirleu ersten Jahrgang dieses trefflichen NachschlagebucheS begegnen wir unter den Censoren der Oestcrreichisch ungarischen Bank < damals«^ noch Nationalbant) abermals dem Namen des Herrn Paul Pacher v. Thcinburg und der Reihe nach fort in den folgenden Jahr gängen, bis derselbe im Jahre 188.'» verschwindet. Cs wäre jedoch ein Jrrthunt, zu gsauben, daß Herr v. Fächer seine Wirksamkeit speciell auf die Banke» beschrankte, vielmehr dehnte er seine Thätigkeit auch auf daS industrielle Gebiet aus, und auch - hier war cs die verhaßte CapitalSassoeiatio», vrr er seine Kenntnisse und Fähigkeiten widmete. In dieser Richtung belehrt unS der „Compaß", daß Herr v. Pacher auch dem VerwaltungSrathe der Ersten österreichische» Jutespinnerei mid Weberei angchörte, die ihn sogar zum Generaldirektor bestellte. Aber nicht auf Wien allein beschränkte Herr v. Pacher seine segensreiche Wirksamkeit. Im-Jahre 1873 wurde , unter der Firma „Hotel- und Bädcrgesellschaft" in Baden eine Aktiengesellschaft gegründet. Leider verschweigt unS der sonst allwissende „Compaß" die Namen der Gründer, und erst im Jahre 1877 wetß uns derselbe zu melden, daß in der am 12. September 1876 abgehaltenen Generalver-" sammlung Herr Paul Pacher v. Thcinburg „mittelst Akklamation" in den VerwaltungSrath gewühlt wurde, wtlchem er bis zum 27. April 1887 als Mitglied angehörte, an welchem Tage die Generalversammlung die Liquidation beschloß, nicht ohne der finanziellen Gewandtheit deS Herrn v. Pacher einen Beweis ihres unbegrenzten Vertrauens gegeben zu haben, indem sie ihm auch das Amt eincS Liquidators übertrug. ES mangelte uns .Zeit, die interessante Lektüre des „Compaß" fortzusetzen, vielleicht wären wir dem vielseitigen Herrn v. Pacher noch an mancher anderen Stelle begegnet, jedenfalls hat unsere kleine Zusammenstellung der Thätigkeit des Herrn v. Pacher bei verschiedenen Aktiengesellschaften zur Genüge dargelha», welcher Werth seinen Aeußerungen beizu messen ist und wie gut es ihm, der ei» volles Vierteljahrhundert im Dienste des Großkapitals gestanden, geziemt, sich als B kämpfer eben dieses Großkapitals auszuspielen li—r? Der Antrag Aanitz. (t7iigi»al-Minhetluitg de« „Freien Blaue«".) München, am «KV Lanner. Der Philosophie-Pi ofessor Fichte und der Handlungsgehilfe Fourier haben unabhängig von einander im Beginne dieses Jahrhunderts. das „Recht auf Arbeit" construirt. Mehrmals schien dieses naturrcchtliche Phantasiegcbilde zur Realisirung gelangt oder doch derselbe» nahe gerückt zu sein, zuletzt in Deutschland, als sich Bismarck im Jahre 1884 bei einer Berathung des SocialistengesetzeS für daS Recht auf Arbeit erklärte. Allein auch diese Kundgebung, welche zur Charakterisirung cher wirthschaflspolitischen Ideen des Cx-Reichskanzlers wesentlich beiträgt, vermochte einen nachhaltigen Erfolg nicht zu erzielen, da man längst erkannt hatte,

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.