Freies Blatt
- Journal
- Freies Blatt
- Volume
- IV (1895)
- Issue
- 147 (27.1.1895)
- Date
- 1895-01-27
- Page
- [Seite] (sequence 9)
- Language
- German
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Freie» 8 latt. I Nr. 117. Seite!t. _SSJemi nun der „Geld siir Alle»"- und „Alle» für Geld'-Bergani vielleicht wieder (wie damals im Schwurgerichtssaal bei seinem jüdische» Pauschalgelderproceß) sagen sollte: War im „Bolksblait" angekündigt ist, dafür trifft das 2M«tt keilte Verantivortnng — — so will ich ihm Vorhaltes, wa» in der .stummer 1<>43 deS „Denlschen BolkSblatles" von, :M>. Juli 1893 auf Seite 3 Da- „Deutsche Bolksblatt" des Ehren-Vergani wirft da in einem Schmäbartikel einem Badener Blatte wörtlich Folgendes vor: „Auf einer Seite ,ammert das Blatt über den Niedergang des heimischen Weinbaues, auf der andere» macht es Reclauie für eine italienische Weinstube.. ." Diese» Vorwurf erbebt das Bergani-Blatt am 30. Juli I8l>3 gegen ei» anderes Blatt; und doch bat Bergani im „Tenlschen Bolksblatt", wie wir oben bewiesen haben, schon a»l 16. Juni m>,b 23. Juli und hernach noch ost und oft ganz dasselbe geihan. Ich wende daher die Worte de» „Deulichen Bolksblatte»ans seinen critpellosen Herausgeber an, indem ich sage: Ans der einen Seite — vor .-ine» Wähler» und im Landtag — jammert Bergani über den Niedergang dej heimischen Weinbaues und über die Schädlichkeit der italienischen Wein n u.isid» — ans der anderen Seite macht er in seinem „Deutsche» Bolksblatt" niainrlich gegen Bezahlung) Reelame für die italienischen Weine! — Ta» ,)Deiitsche Bolksblatt" quitlirt diese Liebesgabe. E»'rechtfertigt die Inserate, in taue» italienische Weine empfohlen wurden, damit, daß einer, der Inserenten e.-. antisemitische Gem-inderath ©riiiiberf war, deiiuncirt Herrn Anton Bannig nu, daß er anSschlseßlich ungarische Weine auSschänke, „nd wirft der „Ost-- mischen Rundschau" Heuchelei und GeschästSneid vor. Sie verstehen e», einander rührend zu begegnen, die antisemitischen Schriftleiter. sZur lstaillpfwcise der Futharker.) Eiil Ascher Aniisemitenbläitchen er- . che seinen Lesern eine Schaüermär au» Marseille. Alle dortigen sorialistiichen .«reilideräihe, sagte e», seien Schufte, Gauner irnd Betrüger; zwanzig seien dioii hinter Schloß und Riegel, und die übrigen sechzehn werden' demnächst : il<iii kommen. Alle haben sich gemeine Berbrechen zum Schade» der Statt, »inierschlagnng öffentlicher Gelder, falsche Buchführung, Wechselfälichung :c. zu? ljuiden kommen lassen. An der ganzen Erzählung war auch nicht ein einzige» - :.'oi t wahr: der Ascher Futharker glaubte, er müsse auch bei dein .'iainpfe ivider : ..UiiifiHij" milthn», und bediente sich dabei der Wafie, welche er liiid seine»' ne.che,r ich»» so oft gegen die Inden gebraucht haben, nämlich — brmteii wir . pariainenlarisch auS — einer kühnen Tichiung. Pater StojalowSki und dir Teschener Polizei.) Ter in Teiche» in »ntfrstichlittgöhast sich befindliche christlich sociale Agitator Pater Siojalowski i'.ni'ft in der Zelle Zeit und Mnße zu schriftstellern. Er lhnt dies in der ihm igepen Weite. In seinem Blättchen „Dzwon" fällt er über die Teschener Potizc, her, die ihn bei der Arretirung aus dem dortigeil Bahnhofe etwa» »»- >.»>>! gefaßt halte. Ta» ist jedoch, wie die „Silesia" delnerlt, nur dem Umstande zuzch-breibe», daß Stoialowkki sich anS Leibeskräften' der Verhaftung ividerv''!. was er natürlich verschweigt. Tie Teschener Polizei handelte im Aufträge j Gerichte» und durste ihn nicht abreise» lassen. Wenn sich daran» eine B Igerei entwikkelte, so trifft hiesür die Schuld den renitenten Stojalowsli und n bi die Polizeileme. Man weiß übrigens längst, wa» inan von Angrinen i -jalowSki'S zu balle» hat; mögen sich dieselbe» gegen reiche Büchöse und : . niberre» oder, wie im vorliegenden Falle, gegen arme Polizeilente lehren er bleibt sich immer gleich dieser GeschästSsreund Psenner'S. «Wir dir antisemitischen Liigkiigrschichleil zustande kominc»! Ein Bre»- . . , antisemitische» Trgan berichtete in seiner üblichen anshetzeiiden Tonart .. eii eine» die Schlechtigkeit der Inden beweisenden Borsall, der sich am l Jänner i» einer Straße BreSlanS ereignet haben sollte. Zwei Tage später i.'ilke ein Hamburger Antisemitenblatt wortgetreu denselben Borsall nur mit .» Unterschiede mit, daß sich die Geschichte in Altona n»d am 6. Jänner;» liqgen habe» sollte. Ans diese 3l!ei[e werden also wirkliche oder angebliche!-o,<älle in einer Stadl ans alle Städte übertrage» und so da» BerlenindnngS .biii't ohne viel Mühe gleich im Große» betriebe,»' l Doppelzüngigkeit und unredliches GcschäsGgcbahren. An, 12. No .cmber 1894 kam vor dem Dresdener Amtsgerichte ei» Preßproceß zwischen ,,, Macher der „Deutschen Wacht", dem ReichStagSabgeordireien CSwald .inimermaii», und dem Verleger der „Dresdener Neuesten Nach- .ichten", Ludwig Gümber, zunr AuSirag.. E» handelte sich um gegenseitige .''.leidiguugen, auf Grund deren, gegen Zimmermann aus 1«KJ Mark Geldstrafe, . egen Gümber aus sechs Woche» Gesängniß erkannt wurden Tie den Tivoli- "ianneru nahestehende» „TreSdener Neuesten Nachrichten" beobachteten in dieser Proceßiache große Zurückhaltung und wollte» die Entscheidung der BernsnngS- »Silan; abwarten. TaS provocatorische Benehme» ZimmermaniiS veranlaßt sie ndoch, einen AuSzng der Urcheilsbegründung de» königlichen Amtsgerichts Dresden über die in der SchössengerichtSverhandlnng am 12. November IHM •ist Poll erwiese» erachtete» Behanptnnge» der unwürdige» Doppelzüngigkeit Zimmer»,ann'S »nd der gegen da» Actien- »nd Handelsgesetz, begangenen Ber- IiößeZi„,mcrinan»'S und der andere» Gründer bei der Grnndnng der Actirn ge-ellschast „Deutsche Wacht" sinn- und wortgetreu z»m Abdruck zu bringen. In Bezug ans die »»würdige Doppelzüngigkeit Zimmermanns heißt es: Im Jahre 1885 halte Tr. v. Sacher-Masoch vor dem Amtsgericht Leipzig.Privat llage gegen die Frau Marr »nd den jetzige» Privatlläger Ziminermann erhoben Tie beiden tainaligen Angeklagten ballen Widerklage erhoben. Das . Schönengericht Leipzig balle in de» Acte» l‘ >5 mittelst UrlheilS vom 21. Mai >886 die Fra» Marr sreigeiprochen. Ziinmerma»»;» Äiii Mail, eventuell einem Monat Gesängniß und Tr.,v Sa-kier Maio.b zu 20«) Marl, eventuell drei Wochen Gesängniß vernriheili. Gegm da» Urilseil hatten die beiden Be-iiriheilte» Berufung eiligewendet. Am 28. Cetebe» issg -ogr„ eie Parteien beim Berufungsgerichte vor Eintrit) i» die Berbandlnng ihre beider-;■ seitigen stlagen und Strafanträge zurück, worauf dnrch isi-richisbeichluß da» Bewahre» eingestellt ivnrde. DaS in unbestritten »nd »bcnso der we-tere Um.- stand, daß daS!chvsiengerici)lliche Unheil vom 21. Mai ls>6 in seine» Gninden getagt hat: „Zinimermann bat sich einer unwürdigen Doppelzüngigleil schuldig gemacht." Insoweit ist al'o diese vom jet'igen Angeklagte» .bebanpleie Tbai'ache übkrhanpt richtig. lind Mi der Richtigkeit der Thaistrche selbst kan« auch der llnistand nicht» ändern, daß da« fragliche llrlhei! nicht in RechlSIra'l "ge trete» ist. Daß die Borbringnug und Weiterverbreilung dieier Tbai-ache 'eite»» de» Angeklagten Güm.ber in seiner Beiöst'enllichnng vom 27. December l^!'" nicht znm Zwecke der Wahrnehmung berechtigter Juterenen er'olgt ist, 'verte,tut daS Gericht keineswegs. Nach der ganzen Worifasjung seines Artikels, auch in seinem hiFr sragltchen Theile, hat da? Gericht die volle lleberzeugniig erlangt, daß der Angeklagte auch hier anSichließlich in BeleikigiiiigSabsichl gehandelt Hai Er hat daher den Privatlläger auch mit diesem Dbeile seiner Berönenilichuug beleidigen wolle» und beleidigt und sich-daher 'auch insoweit gegen X, S,ra> geichbilä^S venehlt. Aber etiva» 'Mehrere» konnte zn Gunsten der Privailiäger? nicht angenommen werden ’ Sein Eiiuvand, daß er den Borwnrs der-„unwürdigcn Doppelzüngigkeit" nicht verdient habe zind er auch in dieiem Sinne _ nicht zn Recht bestände, ist vollkommen widerlegt. worden. Denn dar Huber vom 21. Mai Isen; stellt folgender.Thal'achen fest, deren, Richtigkeit der Privat kläger ai ch jetzt nicht hat bestreiten lotiuc»: Bi» znin Äizgust lssp ha, der jetzige Piivatkläger Zimmerinann mit Dr. v Sacher-Bla-och in persönlich frennd-chif lichem Berkehr gcsta-den »nd >nr seine iniernat-onale Zeitschrift ^Au der Höbe" gearbeitet, und ge'chrieben. Anfang» dc» Jahre» Iss4 hgt er aber trotzdem einen Aufsatz ge'chrieben und an verschiedene Redaciionen sden „Schalk" . »nd da» „Denl'che Tageblatt' > gehhiilt, in drin er anonhi» in der gehässigsten Weite den Tr v. Sacher'Ma'och al» Bien ich und Schrrstsieller angreist und heinnterzieht. Tie znitächst von'Ztininerinan» dainm angegangenen Redactionen halten zirar den Abdruck de» Aufsatzes »regen seiner Länge abgelehnt. Jnkei'se» da» war ganz ivider Willen und Erwarten Zimmerinann'».' Und lrotzdein der Ans atz bereit» geschrieben und wiedeiholi anderen zur Berössentlichnng angeboleu iroidc» war, fuhr Ziinmernicr»« so.t iii sei, ein srenndjchastlichen und tchnstslelleriiche» Berkehr mit dem von ihm hinter »einem Rücken Geichinählen. Ja, er feierte ihn sogar, trotz der Eristenz diese» Aus'ayeS, nach wie vor in uu- - eiuge.'chr>rnllester Weise bei sonst ihm vanend erscheinender Gelegenheit. Und ersetzte diesem unwürdige» Berehmen die diione au» dadurch, daß er im Jahre ISS7. eiir Pamphlet, in dem er dem Tr. v Sacher-Pia-och „die trügende Larwe ab- - reißt" »nd ihn i» keiner ganze» . Lächerlichkeit" »nd „Berachtlichleit" darst>llt, al» besondere Bro'chüre anonym erscheine» ließ uzid sie nberdieS a» alle Personen, die mit Tr v. Sacher Masoch in persönliche» Beziehungen standen, eigen» zlischickie — während er 'an gleichzeitig u»ter"seine»i 'Rainen seine „Wonne de» LeidS". »en cifiiticncu ließ nnd »ezi anslegte, i» der er — vergleiche il'ionterbeil Seite 112 und 169 — denselben Tr. v. Sacher-'Masoch nur einenr „Goethe au die Seile setzen kann'l. Ein splche» Berhalten verdient in der Thal'den Borwnrs „»»würdiger Doppelzüngigkeit" in vollri» Maße. Und der Privalkläger hat tieien Borwnrs auch zu einem noch setz, gilligen gemachr Ten» in seiner Ber-. össentlichnng vonr 31: December IS93 ,1. 6. I., tritt er noch jetzt. für die „Wonne deS LeidS" ein, während er doch zugleich mit jenem Pamphlet sich brüstet und fo lhnl, al» ob er e» erst ge'chrieben habe, nachdeni er sich bereit» von Tr. v. Sacher-Masoch und seiner Redaclio» gelrennl habe, und nachdem er bemerkhabe, daß jene „dem Jntenihnm Dienste zu leisten" versuchte». Er wiedeiholte also, >vaS er früher gelha» hat. Unter unwürdiger Entstellung nnd Berditiikilting der Tbalsachen tritt er für cbcn den ein, de» er nun erst hernnlergezoge» Hai, nnd zivar i» eine, Weise, die der bezielien Täuschnng deS Pnblicun,» znm Erfolge verhelfen >olh-. .... Was -Zimmermanil'S Verstöße gegen da» Actien- und Handelsgesetz letrisjt, 'o iviid in der Urlheilsbegründung ailSgejührt: Für daS Gericht genügte die sofort näher zu begründende BeweiSannahme, daß die nur gedachte.HaudliiiigSivei'e de» Privalkläger», >r>e»n nicht criminell strafbm', io doch jedenfalls gegen Treue und Glauben verstoße nnd alS eine unredliche bezeichnet werden' müsie, und daß mit ihr Pezielt worden sei, da» dein Privalkläger günstige Aclienunreinehnien dnrch Täuschung der Parleisreunde zur Episte»; zn bringen. Daß dem Piilraikläger dnrch die Acliengründung ein Bortheil crwuchS, ist ui-bezweiselbar. Wenn auch wabr sei» sollte,' daß er früher mit seiner Zeitung 6000 Mark sich verdient habe, so erhielt er doch jetzt allein alS Gehalt zuvörderst 6i>i)0Mark »nd hatte gegründete Aussichten, binnen Sinrzeni noch mehr zu bekommen. Daß der AnstellringSverlrag zunächst nur ans drei Jahre gesch'osseu war, konnte ihm alS eine veciiniäre Beimchiheiligung umsoweniger erscheinen, alS er ja, wie gerichtsbekannt, einegi großen persönlichen Einfluß auf seine Piirteisreniide und die AnssichtSrathSmitglieder hatte. ES inußle ihm daher z»u> mindesten in hohem lärade unwahrscheinlich erscheinen, daß diese