Freies Blatt
- Journal
- Freies Blatt
- Volume
- IV (1895)
- Issue
- 147 (27.1.1895)
- Date
- 1895-01-27
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
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Zit. 147. _ Freies civil) unverständlich fein und bleiben, wie ein ehemaliger. .Aittiseniilen ausührer' ein gan; armes ,Jndenmädchen' heiraten kann, freilich, verbmiiinellen Sprossen verarmter Adelsgeschlechter ist eö gestattet, ni» ihr verrostetes Wappenschild durch eine reiche Mitgift wieder frisch;n verwölben, ein .Jtidenmädchen' zu heiraten." Der Er-Reelor Ahlwardt richiete jetzt, nachdem Baron v. X' ange n seine Schulden bezahlt, seine Mistgabel auch gegen Junker. Er schäme sich/ einstmals Ahlwardt's - ivrennb gewesen zu fein. Selten sei ein solch netter Bock znni (Partner geiept worden wie Ahlwardt. Dieser habe bei dem Berfaiser den leisten "liest von Achtung und Vertraue» eingebüßt, seitdem er wisse, /..'s; der E» Rector den Ossenbarungseid geleistet und. mit der ganzen .Inmilic im Ostseebad gelebt habe. ,?cr Kmilvs NM eil! Rkil1>silM»M»dalI -riir die in Folge der 'entnliilniig des Herr» Hans V c n b nothwendige Ersatzwahl eiitee< Mitgliedes deS denliche» Reichstages in Eschwege Schmalkal?>^ iden als Eandidaten ansgestellt: von der ,freisinnigen Volkspartci biofcffcu Dr Stengel, von den A'ational-F'iberale» und ,uci rniervativeli Dr Earl Peters, von den 'Antisemiten und Eon- Kuntivni Pfarrer Is 1 rant nnb von den Social Demokraten '»edactenr Hnhe. Eine Stichwahl erscheint nnvermeidlich. i Dit (irilllilinlitüt ber ollitcil.l Zur „Eriiiiinalitäl der bilden - sentichland" wird noch folgender interessanter 'Nachtrag berichtet/ de» beide» Strafanstalten des Est'oßherzogthiims Hesse», t )i n r i e n i d) I o ff nnb Zellengesängniß Venbbatl), befinden sich ins tintm i>00 .Sträflinge, darunter 7 Inden: - wegen Betrugs, 1 wegen Betrugs mit Wucher, I wegen Hehlerei, I wegen Fälschung, 1 .rege» Diebstahls, I wegen Fleischeslust. wegen ^Bc eineides -» Einziger. 'An» bilden die Juden des I'roßhcrzoglhnntS Percent der Einwohnerschast. Diei'eS günstige Pereenlverhällniß u.hi schon sehr, sehr lange. Aniiftmitischc Propagaiidn unter ('»Diniiniinftcu. Ans! m a r ,wird dem „Eisenacher Tageblatt" geschrieben: Der Anti- ■ : ni:smnS hat in Weimar bisher noch nicht in neiiiienSwerther'Weise Aü -n;u gewinne» vermocht, »nd das li?gt an zwei Dingen: an . »ber allem Rcieenhaß hoch erhabenen Gesinnung des VandeSherrn am Hostheater werden z. B. xstnden wie Ehriste» engägirt, da -'.'.nmt nur die Tüchtigkeit, nicht die Abstaminnng in Betracht: ferner :st z. B. auch der Hofbanguier deS Großherzogs Israelit — m.b mini gesunden Sinn der Einwohnerschaft. Man hat ja natürlich schon wettach versucht, nicht etwa, an dem Staiidpnntte des Großherzogs zu : dies erkennt das Häuflein Antisemiten, welches auch hier i Aninden ist, von vornherein als aussichtslos — wohl aber jenen 'nnden Sinn der Bevölkerung jn trüben und zu erfchüttirn, indem : tau aiilifemiiifche Redner, wie Dr. frörst er und V i c b ernt a » » . S o » n c n b e r g, auftreten ließ, das Ereigniß des Erscheinens lies Wanderlagers nach Biöglichkeit in antisemitisch hetzerischem Sinne vn-'bentete u s. w; indessen alle diese Versuche sind bis jetzt kläglich . cheiierl, und seit einiger Zeit ist dahtr eine gewisse Resignation in .: antifemitifchen Kreisen Weimars zu bemerke». ReuerdingS scheint n an aber ans eine verändcrle Taktik verfallen zu sein, von der man »ch zivar keinen Erfolg für die GegenwaN, desto mehr aber für.die ' -t.ikunst versprechen zu dürfen glaubt: Die Taktik nümkich der Wühl- -i'.beit bei der Heranwachsenden Jugend. Zuverlässigem Bernehmen nach it * incv der Führer der hiesigen Aiiliseiuile», der Privatgelehrte Pronee Hanßknecht, der übrigens Borsitzender des thüringischen bota -tuchen Vereines ist, schon verschiedentlich Schüler der höhere» Eiassen :s großherzoglichen GmiinasiniiiS dahier zu sich eingeladen, um anti- ' tmiiiche Hetz-, und Schmähschriste» an sie z» vertheilen »nd dieselben n zur z.'eetüre zu empsehlen. Es ist wohl anzuiiehiiie», daß der mcior der genannten Anstalt, Herr Hosrath Tr. Weniger, nichts ..an weiß: sollte er eS bereits erfahren habe», so sind zweifellos T.btiiie von ihm zu erwarten, die geeignet find, solchem die Köpfe i Schiller venifTfrcnbcn Treiben wirlsam zu steuern. Herr Hof Weniger hat schon sonst die Interessen seiner Schule, die den -manisinnS mit befielt Bildung nnb (''efittnng auf ihre Fahne ge 'eben hat, energisch zu wahren gewußt, er wird auch Bestrebnngen 7 .:n Damm entgegensetzen, die seine Anstalt zu einem Versuchs- und 1 aitfelb. blinben, fanatiidien Hasses herabznwnrdigen suche» Dlwmas von Aguino über den Wucher. In dem z» Göniugen Iaüre 1 •vi‘.*L erschienenen Buche über das Verhältniß deS Thomas Agnino zum' InSenihiiin .-e. schreibt- De. I. . El n t t m a n n : it bemerteuswerlh ist der Standpunkt, den Thomas von Aguino . der W.tch.rfrage einnimmt. Seine Anssührnugen über diesen Puntt - n »ins, io kurz sie sind, ein treues Spiegelbild von den'Ver 'tuw.u und den Anschaniingen, unter deren Einwirkiing die söge niiile Wucherstage sich zu einem der iranrigsten Eapirel in der C'e :el)!e 'bee Inden im Miltekalter herattsg-'l'ildet bat. lim die von B1 a t l. ,. jette 7. I Thomas abgegebene Entscheidung in das rechte Vichi zu rttckeit, fei; es nnS gestattet, mit wenigen Worten auf die Frage selber eiitzngeheit! »uddie wesentlichen, hiebei in Betracht lammenden Momente dem , Rser vorznsühreu. Schon der bloße Ausdrmt „sndijcher Wucher" > hat durch die falschen Vorstellungen. die er erwetki, das größte Uni,eil i angerichiet, denn betanntlid) wird im Mittelalter, weil nach den An schaumigen des eauonischeu Gesetzes jedes ZinSiiebmen untersagt war,; auch der mäßigste. Zins als Wucher bezeichnet. Freilich ist auch inner-- : ball' der äi siche das Zinsverboi niemals zu stt ieier D archiiihrnng gelangt. DaS wirihschaiiliche Bedürsuiß erwies sich maelüi i i altz das Est-setz der >iirche, und die mittelalterlichen t^stiehtel>isguelleu wisie» uns gar mancherlei auch über den von Ehrtstett betriebenen Wucher tu : berichten Für die Juden aber, die von den' meisten anderen' Erwervszweigen ausgeschlossen:wurden, wai das ^insgeichätt eine re^ we:rigen 'A'alirttugS>inellen, ans die'sie durch die ('-'esetegebung des Mnt^aliets sich beschränti sahen Es fehlt nicht an Stimmen, die es ansdittekinh bezenge», daß mau den Juden auch von christlicher Seile d::: Beirteb ' des ^insgefchäftes aus diese» "'ich»den n:chi glaubte rer.veb-:::;u dürfen. l'Vergl. Renyiann: (beschichte d-'S Wuchers ::t Deu'.'ttstand, S. ib> ' it.i 'W'o den Juden ausnahmsweise andece Et>o. zweige vsseu standen, haben , sie auch, im Mittelalter fielt der.'eli' nt gewendei. So wissen wir z. B. durch Thomas von Agunte, daß ::: Italien^ ivo das BTuchergeiechäi: unter Ehr'tsten tu hohe- -im-.?.'*. die Inden ihre.» Vebensnni'erhalt sich durch Arbcst und u:ä>t du-.'cl, Wucher erwarben 11i-mimi,:.- .liiila->-.ru'i,.. l'-m: XX -. /^ l'!. .'i'ti«-'. Die Kircheaber Hai den Wucher Ke Jude» nicht nt... gcdnldes, sondern ihn sogar vfien begünstigt und geieui.-rmaßen rtau mäßig groggezogen. 'Wollte man das kivelst-.ch. Verbot de-' bmeu-' - autrechs erhalten, jo konnte mau die f-'ctdge'chnfie d-.c Jaden uiä-i entbehren So nahmen -auch geistliche. Fürstei,' wenn sic fstld. brauchten, leinen Anstand, ein zinsliches Darlehen b.: d u >>ndeu ait'tttnelmien Als 'Bernhard von Elairvam im Iahte II-Iü während des zweiten st reu-,zages von der Versolgtiug der Inden abmahuie, bediente er /ich hiebei auch des Ärgumenis, daß, wenn die Inden' nicht da wären,'die' christlichen Wucherer es. »och übler als df-Inden machen wurden. ' st Vgl. Stobbe: Tie Juden in Denijchland während des 'Mittelalters. ' ■ Brannschweig, l>, S. luT., So war den Inden im Milielalicr das Zinsgeschäst von Seite der stirche und der christlichen Staaten geradezu aufgedrängt worden,- was aber weder die Kirche neel, die weltlichen Fürsten daran gehindert Hai, die Juden, wenn es ihnen beliebte, um ihres „Wuchers" willen den gransamsten Versolgnugen ' preiSzngeben Eine ähnliche. Stellung zur Wuchersrage -ntminr auch. Thomas von Aguino ein. .'A'achdem er zuerst das kirchliche Verbot des ZinSnehmenü zum t^egenstaitd einer eingehende» ea'uistischen Erörterung ' gemacht hat, wirst er die Frage ans, ob es den O'lmtbigen .gestattet sei, Estld aus Zinsen zu entleiheu. Man könnte glanbeu. >e> fuhrt er in den Argumenten für das to-l mm" ans, daß das Zinsgeben; ebensowenig z» gestalten fei wie d>rs ZiuSnehmen, da Mau durch ^as Zinögeben der Sünde des Wucherers znznstimmen scheint und ihm, um einen zeitlichen Vortheil für'sich selber zu erlangen, «''elegeriheit gibt, eine Sünde zu begehen. Selbstverständlich fallt jedoch die Ent l secheidnug für die Er'lanbuiß des Zinsgebens aus. Ueberaus bezeichnend ist aber die Art und Weise, wie.Thomas das dagegen erhobene ,'itt liche Bedenken zu widerlege» sucht. Allerdings,Iso meint er, dürfe man .'A'iemanden z» einer Sünde verleiten; dagegen sei es wohl gestattet, sich der Sünde eines Anderen zu etwas Estitem zu bedienen, wie ja auch O\ott den Sünden der Menschen und überhanpi, allem Böfen etwas «fsttles abzugewinnen weiß^ So dürfe man auch ith vorliegenden Falle zwär 1 Rieincutden dazu verleiten, Geld aut Zinsen ansznleiheu: von dem jenigeit aber, der einmal dazu bereit ist irud Znisgeichätte betreibt sei - eS wohl gestattet, ein zinsliches Darlehen aitsznnehmeu um des guten ZlveckeS willen, daß dadurch der eigenen Roth oder der eings Anderen abgeholfen werde. Sntiini. th.-ol..-', II. '2 -,u 7> mti-. -f Es bedais keiner weiteren Anssührung, um die Bedenklichteii einer solchen an die sst-hre von der Heiligung.der Mittel durch den- Zweck - erinnernden Moraltheorie uachzuweiien, zu der aber selbst ein Mann wie Thomas von Aguino seine Znflncht nehmen muß, indem er das ' Verhalten der -Airche in der Wuchersrage zu rechifertigeit tinternimmi , Sch 1111 wieder fein Jude. - Große Aufregung erregt in E re m o na. das, plötzliche Verschwinden ' des E'hreiidomherrn Dr. Sri gardi, welcher als Tireetor einer von Privaiivohllbälern gegründeiet: Versotguitgsanstalt. „Va Providenza," ninivet lv.it. tl'iit ihm find" nicht nur die zur Bestreitniig der laufend-n An-'gaben l’o't Gelder, sonder» auch die vinenliri gewe'enen Fonts der 'Aiistali e-.r -fchivunde». so daß die m der Anstatt trniergehrach'.eu 7«Mi tv »;;/ (f'reil’inneit ausgesordert werde» ninßien hinnen drei De..z u :l. Af? zu rerlasien. Spigardt war halt isthvn wieder le n >