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Freies Blatt · 1895-01-20 · 146 (20.1.1895) · p. [Seite]

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Journal
Freies Blatt
Volume
IV (1895)
Issue
146 (20.1.1895)
Date
1895-01-20
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Freies Blatt AboniiementSpreiS. Wfiaction und Vlbmiiiiftration: Organ zur Zlbwehr des 2lntise,nitisrnus. i. sciitrf.nttr io. ^ilblähri-, 3 Sroncntfl. l.so) ^fir da» gcfamnitc Ausland: ^anijäbriq.ß Start i'ald,adrig .3 Mark SO Ps. Eiujrlne Nummern 6 kr. Uulrankirte Briese werden nicht angenommen Nummer 146. (vrfdiciut an jedem Sonntage. Inserate werden mit.LV Heller (fr ) fflt die vier mal gespaltene Nonvareilleu'ile derevdnet. kleine Anzeiger da,? Wort 4 .Heller (2 fr.). Au'na'dme von Inseraten in unserer Admin»stratiou sowie im Annoncenbureau M. Tufe». l. Wollzcile h. Wien, 20. Jänner 1005. IV. Jahrgang. Zum Alinisterwechsel in Ungarn. (Original Mittheilnug de» „Freie» Blatter".) Budapest, 14. Lanner DaS neue ungarische Ministerium ist eizdlich gebildet und führt den Namen deS bisherigen Präsidenten des Abgeordnetenhauses. Drei Mitglieder des CabineleS Wekcrle 'gehören auch dem neuen Ministerium an, dessen Zusammensetzung folgende ist: Ministerpräsident: Baron Desider Banffy; Minister deö Inner»: Desider v. Perczel; Finanzminister: Der gewesene Staatssccrelär Nrdislauö v. 8 u k a c S; Handelsmiuister:' Ernst v. Daniel; Ackerbauininiftcr: Der bisherige Minister Graf Audor Festctics; Minister für CultuS und Unterricht: Abgeordneter Dr. Julius v WlassicS; Justizminister: Der bisherige Staatosccrctär Alexander Erdely; Honvedminister: Der bisherige Minister Baron Fejervary, der vorläufig auch' mit dem Ministerium am königliche» Hvflager betraut wird; Minister für Croalicn: Der bis herige Minister Emerich v. Jofipovich. Das Präsidium des Abgeordnetenhauses soll als Nachfolger des neuen EabinetschesS der bisherige Justizminister Dr. Desider v. Szilagyi übernehme». Der Verlauf der nunmehr nach langwierigen Bcrhandlunge» und mancherlei Bersuchen zum Abschluß gelangten Krise beweist neuerdings auf das Eklatanteste, daß die antisemitische Internationale sich weniger gegen die Juden als gegen freiheitliche Slaatseinrichtungc» kehrt, daß die Judcuhetze nur Mittel zum Zwecke, dieser aber die Ausrottung des Liberalismus ist. Seit Beginn der kirchenpolitischen Bewegung i» Ungarn haben mit vereinzelte» Ausnahmen allerorten sämmtliche Organe, die den Judenhaß predigen, für die Männer des Rückschrittes Partei ergriffen, Es bildete in dieser Beziehung gar keinen Unterschied, ob daS Antiseinitrnblatt in Wien, Berlin, Paris oder Moskau erscheint, ob cs sonst seiner Aufgabe mit christliche» Phrasen sich entledigt oder,die Sprache der heidnischen Altvordercn führt. AlS das Ministerium Wckerle, nachdem eS den wesentlichsten Theil seines kircheupolitischcn ProgrammeS auf dem Wege der Gesetzgebung sichergestcllt Halle, sich zum Rücktritte bewogen fand, herrschte Jubel in der ganze» Antisemitenwclt. Schon sahen sie im Geiste nicht nur die reactiouärcn Magnaten und Prälaten, sondern auch die Onody und Verhovay wieder an der Arbeit. Bielleicht traf Mechaniker Schneider i» Wien auch bereits Borkchrungen zu einem MassenauSfluge der Wiener Christlich-Socialen »ach Budapest oder Debrcczin. Das Triumphgeschrei, welches die antisemitische Internationale und ihre Förderer in aristokratische» und kirchlichen Kreisen erhoben, war etwas voreilig. Die in Ungarn gegen die liberalen Reformen hervorgerufene Agitation war zwar mächtig genug, um die Stellung des Ministeriums nach oben hin zu erschüllcr», konnte aber die liberale Partei nicht depossedirc». Diese ließ sich in de» Tage» der Krise auf kein Transigircn, kein Diplomalisire» ein, sondern erklärte mit jenem Mulhe/ der gcsinnungSlreue Männer auszeichnet: Wir treiben keinen Personencultus, aber von unseren Grundsätzen weichen wir auch nicht um Haaresbreite ab. Dieser Erklärung entsprechend, begegnete» die Vertrauensmänner, der' liberalen Partei dem zur CabinetSbildung auSersehenen BanuS Grafen Khuen-Hedervary höflich, jedoch kühl ablehnend, als derselbe die Vollmacht verlangte, zur angeblichen Stärkung der Regierung und der' sie stützenden,Mehrheit ein Bündnis: mit den Fraelioiren der Grafe» Apponyi und Szapary abzuschlicße». Ohne eine Apfnahme früherer Gegner in den Verband der liberalen Partei zurückznweisen, will srb untfr den gegenwärtige» Ber hältnissen keine förmliche Fusion, am'allerwenigsten Hiezit die In, liative ergreifen, um selbst nicht de». Schein zn erwecke», als pb sic geneigt wäre, ihre Principie» zu verleugnen oder auch nur zurückznstellen, um:'; sich an der Macht;» erhallen. Im Sinne der obige» Erklürrsiig ließ sie. die Mission Khuen Hedervarh scheitern, kam dagegen dem Präsidenten des Abgeordnclenhauseö, Baron Desiter Banffy, welcher erst nachher von der Krone den Auftrag erhielt, ein Ministerium zu bilde», verlrauensvoll entgegen. Wird daS neue Ministerium eiuen'dauerhaften Bestand t^rben? DaS hängt von gar vielen Dingen ab, in erster Vinie von - dem staatsmünnischcn Geschicke des iicuen EabinelSchefs, dem der.Ruf' eines sehr lhatkrüfligen Administrators vorangeht, aber auch <von der Gunst d^r Umflände. Erfreulicherweise stirbt nicht jeden Tag ei» Ludwig Kos'uih, und nicht jede ungarische Negierung wird sich vor die Allerualivc gestellt sehen: l»«'n>«>r>; in Scylium. »Mipifiis viiaiv Charylaliii. Ejn günstiges Anzcichen für das neue Mini-, steriuni, ein trauriges für die autiscmilische Jnternatioiiale ist es, daß der ungarische Episcopal, wie anö Hirtenbriefen ersehen ist. dem Treibe» der Hetzcapläne ein Halt gcbielel. Durch fremden Schaden, zum Theile auch durch eigenen, klug, geworden, sehen die Kircheufürsteu daS Gefahrvolle einer sogenannte» christlichsocialen Aelio» ei». Sie beginul mit dem Kampfe ' wider den Besitz und den Glauben der jüdischen Staatsangehörigen, bleibt aber dabei nicht stehe». Der Bolieollirungsruf: „Kauft »ichl°bci Juden!" e»weitert sich zu dem: „Kauft nur bei Gesinnungsgetiosfen!"; bald genügt auch die Kampsparolc: „Gegen die Juden!" ' nicht mehr, und sic wird durch eine solche ersetzt, welche sich gegen ..Jude», Pfaffep und Junker" gleiäsinäßig Wendel. Endlich kommt auch der Haß gegen die ganze palästinensische Anschauungsweise zum Durchbruche, und eS ist sicherlich nicht im Interesse der Kirche und ihrer' Fürsten, das Terrain für Feldzüge gegen daS Neue Testament und gegen die Güter der Tobten Hand zu ebnen.' Lxurn tilgen IHUntiuVr- Umwälzung der IPiffcnfdxift. 1. Tnhkiiig als Philosoph. Bor etwas mehr als Jahresfrist mag eS gewesen sein, daß wir in diesen Blättern, nicht ohne schwere Selbstüberwindung,, die geistige und sittliche S.nalitül des ManncS zeichneten, der angeblich den Anti scuiitismuS philosophisch verlieft hat. An der Hand seines, jüngsten zweibändigen Wertes, daS ein Beispiel für die „Geschichtschreibung großen Stilles" liefern sollte, waren wir in der Lage, zweierlei zu zeige».: erstens, daß Dühring'S aninaßlichcS Selbstbewußtiein im umgekehrten Verhältnisse steht zu der Tiefe seines Wissens von anderen Dinge», und zweitens, daß er in richtiger Crkcnntniß deS spinozistifchcii I^nornntin von,ost nixiniuoutnin überall dort, wo cS t»i ihm an Sachkciintniß happcrt, eint rüppelhafte Grobheit an Stelle eines UrtheileS hingibt. So hat, um nur einige Beispiele aus den „Mo-

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