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Freies Blatt · 1895-01-06 · 144 (6.1.1895) · p. [Seite]

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Journal
Freies Blatt
Volume
IV (1895)
Issue
144 (6.1.1895)
Date
1895-01-06
Page
[Seite] (sequence 10)
Language
German
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Seite 10. Freies Bevor nun Dcvcmer hinter die schliche meines Magens kam, . cnidccklc mir leine eigenen ein Apotheker. Bielleicht hätten meine ,vrau und ich noch monatelang täglich - Mark in die Hände dieses u>:ol'!1 Mannes gelegt, tzen ivir an jedem Sonntag Morgen mit einem (Gesangbuch unter dem Arm zur Kirche schreiten sahen, wenn :i:eht die „Zritversänmniß gewesen wäre; diese erschöpfte aber unsere O'edlild. Auch ballen verschiedene Borgänge im Wartezimmer mein Mißtrauen gegen den frommen- Mann gesteigert. So wurde eines Morgens ein Kranker von ',iuei Frauen hereingeschleppt, der sich augenscheinlich im letzten Sladinm der Lungenschwindsucht befand. Alle Anwesenden ließen ihm den Bortritk. Kanin war er aber ins Sprechzimmer getreien, so schickte ihn Tevenrer wieder heim und rief: „Ich schicke Ihnen die Arznei ins Hause bleiben Sie im Bett!" — Als sich die g büre 'hinter dem Todescandidaten geschlossen Halle, brummte der Raturarzr: „Sa Haben wirs! Wenn die gelehrten Medieliialräibe ihre Bakieliien so weit gebracht Haben, daß sie ans dem leinen Loch pfeifen, dann soll der alte Teventer Helsen!" Am Tage nach diesem Borfall legte ich einem in der RäHe 'wohnenden ApolHeker drei der Tevenler'schen Fläschchen behnfs Prüfung des Onhalles'wor. Ties geschah, und der Apotheker sagte mitleidig lächelnd: „Sie kommen wohl auch von Tevenrer L Rn», in dem (leinen Fläschchen.befinbet sich Pepsin, in dem größeren verdünntes Pepsin " „'.'licht möglich' Ter Inhalt muß doch in beiden Fläschchen verschieden sein, denn der des einen sollte den Magen, der des anderen die Vunqc heilen.“ T cr Apolbeker weidete sich an meiner Berblnsinng und sagte dann: „'Pevsin i'i ja dieses Wnnderdoclors Allheilmittel, damit curirt er alle Velden, nnt dkbs-bat wenigstens den einen Borzug, daß es unschädlich :ft Aber daß vernünftige Menschen dafür - Mark zahlen, daö ist ilil E'-.unde recht vedanerlirh!" i Zu der Scham, die' ich bei dieser Enthüllung empfand, gesellte ''ich der reuige Gedanke, daß ich nie einen bilsespendenden Arzt so ibeuer bezahlt balle wie diesen Quacksalber, dem hier und da der Unfall zu Hilft , lam und der sich bei allen denen, die so krank, wie sie gekrmmen, von ihm schieden, mit dem Borwnrs ansreden konnte: „Ich baue (Geduld verlangt, und die verloren Sie bald." Teventer narb als steinreicher Mann, und ich kenne den Erfinder einer Patentmeficin, der irüher Kellner war und der'heule eine fürstlich: Wohnung im Westen Berlins inite hat, während vier Aerzke in seiner A'achbarscha'l vergeblich ans Kunden warten. Ter Bei trieb der Palcnimedieinen bat Übrigens in Egland und Ämerila einen geradezu erschreckenden Umfang angeiiommen. Zn Eng laut bering die Berkcbrsstener darauf im Fiscaljahre 1G.>2/!>3 4.4***> o ► 'A'iiv.t, im folgenden Jahre etwas weniger, nämlich Blatt. _______Nr. 144. 4,264.200 Mark, und dieser Ertrag wurde von rund 30 Millionen Flaschen, beziehungsweise Schachteln erhoben. In Amerika besteht die Mehrzahl der Tageszeitungen nur durch die Inserate jener Quackfalber, die Pateutmedieinen verkaufen. Auch die in Mode - gekommene Kneippcur wird von Quacksalbern mit großem Erfolg auSgebeutet. Im Südharz ist diese Enr einem Schullehrer, der die Barfüßler auf die Wiese trieb und sie von Gemüse leben ließ, so gut bekommen, daß er sich eine Billa baue» und zur Ruhe setzen konnte. Heute ist ei» praktischer Arzt Besitzer der Anstalt, und auch ihm bekommt die Kneippcur herrlich, die Mehrzahl seiner Gäste aber soll aus den Erkältungen und Schwächezuständen kaum herauskommen. Man spricht eben nur von den Wiederhergestellteu. Auch bei der Lotterie spricht mau nur von den Treffern, nicht von den Rieten. Ten abgearbeiteten und nervösen Großstädtern würde ein Landaufenthalt bei völliger Geschäftsentlastnng, guter Luft und etwas Körperpflege auch ohne Kneipp'sche Borschriften Erfrischung gewähren. Im klebrigen bewährt sich »och immer die- Lebensregel des alten Heim, die dieser allen Jenen an die Hand gab, denen Hufeland's „Makrobiotik, oder die Kunst, das menschliche Leben zu verlängern" etwas zu lang und zu gelehrt erscheinen mochte. Heim'S Makrobiotik ließ freilich an Kürze und Gemeinverständlichkeit nichts zu wünschen übrig, sie lautete: Den Kopf ball' kühl, die Rüge warm Und nberlade nicht de» Darm, Die Himerthnr last" osten stehn, Tann kan» der Arzt spazieren gehn. l> lft Literatur. „Tie Waffen nieder." Rr. XII dieser trestliche» Zeitschrift hat folgende» Jziball: Richard Hennig: Randbemerkungen zur königlich preußische» Pädagogik. — Moritz Adler: Die allgemeine Wehrpflicht. — Ewiger Frieden, ein Trauerspiel. — Friedrich Adler: I.u suhl de los nmflrtos. — A. Berger: Ter Länger des Friedens. — Budgelsrage». — Friedensgesell'chast München. — A»S dem österreichischen Palrlament. — Zeitschan. — (Wegen die Friedensbewegung. — (Wegen den Krieg. — Vermischtes. — Correspondenz. — Literarisches. — Briefkasten. Briefkasten. Tic zahlreich aus Leserkreisen kingelaugteii Reujahrswünsche nehmen wir als rrfrenlichc Zeichru des EinverständlliffcS mit unseren Tendenzen und erwidern sie auss Herzlichste. Die Redaetion. Ki W. v. F. Graz. Besten Tank für de» Rathschlag, der bei (Selegenheii beachtet werden soll. Tie gewnistchle Broschüre folgt. Ankündigungen des „Freien Glattes". Olt l'r rate ..oiiu au„ nominen, sowohl in innerer A d in i ft i fl r N ti n n, als auch im Annoncen Bureau Ul. Nu lies. "'W Goldman & Salatsch Tailors. I. Graben 20 Ml,.-.I' d.-r Vjttl.-n i [>.•!'. i-llUvIl ><> io>li>-lu .!. . •-» \> ■•.•»••ment-Sv.r»», t!!,- Il>.-ir>-u> .-'.'Oldniin .-NUÜ-. -ll-.-ii! M.i' or >V J Ä 'Ü' 'fnhtrtanrn IS!)'l „freien Jjlnltes“ $ 1» b.:M' .. 'I b miug't rot i on 511111 pivik r'on [C‘<( U* -i ,1 'Kronen 1 portofrei z» lvzielwil; bef-dlek'fvit '■ -->2 und ‘ t_. 511m ji'rcik' rou ö. IV. rl 1.— : live::; brc. ^Kilnv>cknds zusckmmcil koflcii e. $ ft. .. 11 Kronen . $1 c>it Die JVDmuiirtration i>cs „.freien ülattes" «a I. ‘OcilVrltatto IO. Mattonis Oiesshübler Koebrn erschienen: "Wk ColVection„Ikreien WLcrLtes". Vmid 11.!tli>slieisiliiis, pietiriiins, Aillisemitisiniis #am Ende des XIX. Jahrhunderts. Bon vUrnft Victor Trnircr. Jlrriö »itr jeden Band d t' Collection: fiiv Desterreich Ungarn 0. UI. fl. I—, für das gesummte Ausland ’Z lilark. Band I der Collection: A. Lcrois Äeaulie«: IKe juben und der Antisstnitisinus — Hsracl unter ben Nationen --— ist beinahe gan; vergriffen. -—

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