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Freies Blatt · 1894-11-18 · 137 (18.11.1894) · p. [Seite]

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Journal
Freies Blatt
Volume
III (1894)
Issue
137 (18.11.1894)
Date
1894-11-18
Page
[Seite] (sequence 7)
Language
German
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Nr. 137. ireite , < Freies ,»flüsterten: .Der war unser Wohlthätcr! Segne ihn (Wott uiib bclofjne ihn der Herr zehnfach!' — Llschwanger vereinigte fünfzehn Jahre lang die Amtspflichten des Stadt- und KrciöphysicuS mit denen des LandschaftSarzteS." -t ^lus antisemitischen Vereinen und Der saintnlungen. <1. Niedrriisterrrichjscher Katholikentag.) In Anwesenheit der bckaiiinc» elcricale», srudalcn und anlisemilischen Celebritäten fand am 12. imb 13 b. M. enblich der mit Pauken imb Trampeke» angekündigte I. Riede» österreichische .'taiholikentag statt. Ma» fr mit bic Vorgeschichte' dieser „Ercignilses". Tie zwilchen de» rei» Clcricale» und Christlich Sociale», ober deutlicher gesprochen zwilchen de» cpiScopale» und seubale» Großbesitzerp einerseits und de» lleine» teuren der Hierarchie und sonstigen Proletarier» dcS Mittelstandes andererseits ohschivebenden Zwistigkeiten ließe» eS der ersteren Gruppe geralhen erscheine», «ür dieses Jahr non der Veranstaltung eine» allgenieiiien österreichische» Matho . likentagc» abzusche», damit die zwischen beiden Parteien gähnende .«ilust nicht io grell in« Vewnßlsein der Oefsenllichkeit trete. AIS aber'die Männer der schärferen Tonart auf ihrem stovs bcbarrtc» »nd einen xatbolikeniag ans eigene Tymiü arrangiren wollte», ja für diese« Meeting sogar den Segen de« Papstes sich'zu »«schasse» wußten, hielte» er die hohen Herren der „katholische» Pa> lei" nun wieder fitr opportun/ die Versammlung zu besuchen n»d >o wenigsten« eine Abschwachung ihres radicalc» Charakters zu erreichen. Es scheinen aiich die Christlich-Socialen eingesehen zu habe», daß man, um de» Preis, die Häupter der katholische» stirche de« fände« auf dem Katholikentage vertreten zu sehcnf wohl ein wenig das üppige Ränlenwerk der a»tise»ii»ichen Bercdisamkeit beschneiden dürfe. Ans dieiti» Umstande erklärt sich, daß einerseits die bekannten anliseinitiichcn Veria»»»l»»gsredner, wie Liechtenstein, Lueger, Patlai n. i. w. aus dem Katholikentage fast ausschließlich da« Wort führten, »nd doch andererseii« da« übliche Geichiinpfe über die Inden aus da« „christlichen" ('>f~ inüthern uiiiiingänglich »otlnvendig erscheinende Maß beschränkt wurde. Tas Meeting verlies in Folge dessen unsäglich langweilig und keine der gehaltenen 'lieben und gefaßten Resolutionen warf en, »eneS iSeda»ke»elriuent i» die de schanlichc VSrsainmlnng. Richt einmal der Briidcrzwisi brachte einige« Leben i» dieselbe. Rur einmal in den Veralhunge» der Seclionen zündelte e«, indem Tr. HaßNvanter erklaue. daß ein Vündniß zwischen Chrrstlich- Soc ialcn und Conservative», io nothwendig und de» rhal sächliche» Verhältnissen entsprechend e« für Wien^und Rieder- Österreich sei, für die.übrigen Königreiche und Länder ganz und gar nicht am Platze wäre; auch in der Koalition«- und Inden »rage denke mau in der Provinz ander« als in Wien. Auch wurde eine, von ihm »nd dem Wra'c» Siflva-Taronca geinachle Anregung, e« sei der Persammliing an« Her; zu legen, sich der bischöslichen 'Autorität unbedingt unlerziiorbneii. abgclchnt. Allein dieser Coulissenbrand, der leicht gefährliche Dimensionen hätte annehine» können, wurde von geschickten Händen gelöscht, ehe er die Versainnilung alarinirte, und io blieb denn die Musik, mit welcher der k. und k. HosbaUmusikdireclor Eduard Strauß die Versammlung cinleitete, der einzig fcsielndc und lohnende Prograinmpunli der.- ielben, wenn auch nicht lohnend für den Veranstalter, der seine Kunst den versammelten Antisemiten und Elericalen in Anbetracht ihrer edlen Intentionen gratis zur Verfügung stellte. (Pfarrcrsköchin und Skadtrathsgatkin l I» einer Margarethen« Anti seinikenveriammlnng forderte ei» Redner die Lehrer aus. sich den Christlich- Socialen anzuschließen. Voiz liberaler Seite, meinte er, werde behauptet, daß der Lehrer früher der Psarrerrköchin die Hand küssen mußte; nun, jetzt »insie er einer Stadtrathsgatlin die Hand küsse». Shne daraus einzugeden, ob sich die Sache wirklich io verhält, finden wir es sonderbar, daß ein sromnier Mann eine Pfarrersköchin aus eine Stuse mit der rechtmäßigen Gattin eines StadlralheS stellt. ' -ich. iAnkiscmitische Angstmeierri.) Zn einer im Sclober zu Berlin stattgehabten Versammlung des „Social itäre» Bundes" hielt der literarische Galöpin Tühring'S, S truppe, einen Vortrag, worin er u. A. die Forderung aufstellte, eine 'echt antisemitische Partei müßte sich von ihren Mittelstandsphrasen loSmachen und vor Allem eine wirkliche, echte Judenkritik üben, aber eine echte und reine Racenkritik, nicht untermengt mit religiösen und sonstigen rückständigen Bestandtheilc». Dazu aber, meinte Struppe, fehle es den Antisemiten so gut wie den Social Demokraten an Muth. Struppe macht es Beiden zum Vorwürfe, daß sie sich beständig bemühe», in nicht allzu nahe Berührung mit den Anarchisten und mit Ahlwardt z» kommen. Weiter sagte der Redner „Bon den Social-Temokraten, wie yo» den Antisemiten, wird der große Mau», der achtbarste Charakter, der am arbeiterfreundlichste» ist, mit Schmutz beworfen, oder sie kennen ihn nicht: Eugen Tühring. T uhring'S vorzügliche Ideen enthält auch das Ahlwardt'sche Bundschuhbuch, da«, abgesehen von dem romantischen Theil, lesenswerther ist, als daS Buch von dem Blatt. Hebiäer Marz. Tic antise»iiiis.t>e Partei ist b,s> er.tGu Ahtwardl s Bundichub und Förster'» neuem Programni immer jio.ti i.-t’r rcaci'.auär. Bellachiel inan den Mittelstand und dessen antiiemiliiche Vertretung genau-'- i,-. wird uian au em Stück ans der altrömiichen Kaisergeschichlc erinnert. Zu, allen römistlien Eircus wurde» Thierntetzeleien und Mkii'ckien'chlackitcreieii zu.» V-- zinig.-i, de- 'eine» und de« niedere» Pöbel«, einer ganz beriiulerqeloutinetteii Man,- veranst-illet. Weuii nun diele dem Tode geweihten Tliierlämprer oder Gl.-dur:-:. u 'auilraieu, mar ichirten sie IN teierlickiei» Zuge »l dein ganzen Eirene heriiitt, „Nd Iveilit sie au de» Plav lainen, wo der .Notier saß. dann ueig-.cN >.. ,l 'S.Inverter zni» Pn«ß und riesen: ,Aiv, > .t.-tNli. moritnri t.- >.,! I! i-i!'. S-> lcittini: einein der Miltcliiand vor, er geht unter, aber er sieht innner Un sut.N':: eil hjna»' zu der Regierung, er bntet um Gesche, um Privuegien, nn, ,str angeiuaßrcgelu gegen andere Släute. „'Monarchisch, denlschilalion.'-t und ck,riil!,ch,'' Tas ist da« Feldgesibrei der Auliieinilcn. Tavoii passen inindesteiis zn-ci Entere» Sckilagwöitkr nicht zusaminen Teulschlliuin u n' Ein ist »ib»n, haben nichts miteinander ge in ein: sie i.l.eie i, ii.1i nie F uer und Wasser. Me»i>1,lichc Tinge gehen imitier 1---.i. .me. Wenn auch die Berbällnisse besser werde», io brauchen cs die Mei.'ä .'.i damit ui.1i: zu werden Will man al'o ge'ellichasitiche Zustande und Parteien ans shreu Charakter hin prüien, so muß ina» auf die Per-ouep zucnckgeben, weiche dieie Parcel?» ichuseu: io muß man dcii.Eharalter eicier Partet'nl' er sich einmal ansehen. Wen finden wir bei de» AuiiscmiicuL Einen Herrn Lieb .mau» von Sonneuberg, eine» Herrn Tewald;',iniincrniai»i, einen Tr.-Bachiet! Herr» \ Professor Förster s neueste Tbat in ein Parleiprograinni, in dein :as echt | Tühring'sche Wort .Gewaiieig. »chu,»' vorloinuit; ohue das; Tüb ing dabei er! wäknt wird; inda« Studium de-:- Alilwardt'ichcn Vund'chub wird ausd-.ücklich abgeleugnet. Bei Aklivardt ist ivcuig Augst »ackizniveisen. Etwas A.ngsuiches liegt aber doch in seinem losiigniiicheu »'st-ist. Tr. Böelrt käuip't neuerdings sehr gegen tas Eapiial. Zu jeiueni .R>i>b«he-.oldwurde das Eu>zel'-ch, Buch über Tühring wohiwollend-bc'vrocheu. Taistr erhielt er vom .Bgrivaris'das Gegenlob, daß er der einzige Antiieinit. 'ei, der natioiial-otoiiomi<'d)c Studieu geni.ichl habe. Allgeinciu herrscht Augst vor dem Umstul-, von oben und von unten " Wir einpsehlc» dieie neueste Wandlfing der Tnhriiig'iche» „Philowvhie", dieie innner mehr zur „Propaganda der Thal" hinncigeiide Richlnng de» „philoiophiich vertiefte» AnliieinitisinuS" dem gcneigieii Studiuln der christlichen Geistlichkeit und alter jener Regierungslreiie, welche die Förderung des Antisemitismus zu den nolhwendigen Fngredienzie» praltiichcr Siaalsweisbeil zahlen. iBou einem Troschlciilitlschcr licidmiiu.i Vorige Wcche hielten die Berliner Christlich--Socialen eine Versainnilung' . ab. ,»» zuin -'canzlerwechiet Stellung zu uehinen. Sie-erklärien, daß sie teilte llr'.iche haben,' den Avgang de« Gia'e» Eavrivi zu betrauern, aber auch keine, den Ptätiueru des ueuesien Eurics mit besoudereiu Vertrauen oder 'Mißtrauen zu begegnen. Tas üu.'icssaillesle Pi'oinelil der Verlaiiinilung bot die Rede -eine« Troichleuluischeis, welcher nach einem Vorträge Stöcker'-:- das Wort ergriff und sagte: Er «ei mit Allein einverstanden, was Stöcker zur Ebie des Ehristenthiinis' geltend ge macht Hai, nicht ,aber mit drüe» Au-:-Iass»ugeir gegen da« Ztidcnlhuin.. Als Christ sei er vieiistchr der llebcrzeugung, mail dilrie den Rächst.'» nicht verachten! „Ter Jude ist auch ein Piciiich" belehrte der Tro'chkenluiichee den gewesenen Ho'prcdiger. -Gegen das Alke Trstaillkllk.) Z» der evaugelischeu LandeSsiinode IN Wnrllcniberg wurde dieser Tage be-chlosten, ein Bibelle'ebuch für Sckutleir zu schane», welche» den- Gebrauch der Bibel er'etzen und das Alte Testament »u Auszüge, das 'Reue Testament aber vollständig enlha:teil soll. Ein Tlicil der Anlifeinrtenprcssc begrüßt dieie» Beschluß iccitdig, iveit er der „Berit,düng" de» Chpistciilhunls wirkiaiii cnkgegcnziiaibcileu Zeeig».'- ist Tabring und «eine Leute, denen auch das Reue Teslameni als jüdische Fchövsatig verhaßt in; weiden uch mitJ'ioH'r Halbheit sicherlich »icku zu'i jeden gehen. anttsz'mitischz'n ^lattb-rn. fBcrgaili-Frcildcn i Ter ll. Rovember Iv.rr ein Freudeitlag für E^rcit' Vergani. Sei» ehemaliger Eonivagiion Ernst Lehme r stellte ,h„> dasZengniß aus. 1. daß da« „Tcnlsche BotlSdiatt" nur seiner beispiellosen Energie die Forlkpftenz verdanke, 2. daß Bcrgani -leine sinaiiziellc Verpflichlniig gegenüber seinen früheren CompagnonS hat: 3. baß Vergani ein nobler Mann ist. Lehrncr, der sich längere Zeit mit Vergani heruingeichlagen hat, sich nun aber wieder mir ihm verträgt, erzählt: „Als ich -zu AnSiöhiunigSzweckeni bei Vergani persönlich erschien, erklärte er sofort, daß er bereit sei, meine und Hauck'S Eiiizahlungeii im .Tentfchen Volksblatte' uns in Theilzahlungen zurück zucrstatten, trotzdem, wir den rechtlichen Anspruch aus dieselben durch die -Situation de« Blatte« verloren halten. Er verlangte nur von mir die Anerkennung dieser obigen That>'ache. Ich schlug mit Freuden ein und erhalle von der Zeit au regelrecht die zur Tilgung meiner scinerzcitsgen Einlage vereinbarteii Raienzahluiigen, lrovdem, wie schon erwähnt, mir ein rechtlicher Anspruch daraus nicht zusiand. Seitdem trachtete ich, wenn schon nicht als Theil-

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