Freies Blatt
- Journal
- Freies Blatt
- Volume
- III (1894)
- Issue
- 137 (18.11.1894)
- Date
- 1894-11-18
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Freies Blatt ✓ AbonnementSpreiS. Für Oesterreich-Ungarn: Ganzjährig.5 Kronen (fl. 2.50) Halbjährig.S Kronen (st. 1.50) Für das gefammte Ausland: Ganzjährig., . . 6 Mark Halbjährig .. .... 3 Mark 50 Pf. ' Einzelne Nummern 6 kr. Unfrankirte Briefe werden nicht angenommen. (Vrgan zur Abwehr des Antisemitismus. Erscheint an jedem Sonntage. Rcdactio» »nd Vlbmiiiiftnitiou: I. Lcilcrstättc in. Jnfcrate werden mit so Heller 't"> tc) für die »iermal gespaltene Nonpareillezeile berecknn. kleiner Anzeiger das Wort 4 Heller (2 kr.). Auniahme pon Inseraten in unserer Adminnlration sowie im Annoncenbureau M. LukeS. l. Wollzcile -. Nummer 137. Wien, 18. November 1894. IIL Jahrgang. Don den Zionisten.' (Original-Htittheilung des „Freien Blattes".) Lemberg, 12. November. Die „Gazeta Narodowa", welche seit Jahr und Tag die Juden anfeiudet, benützte in dieser Woche, die zionistische Bewegung, um gegen dieselben loszuzichen. Im September fand hier eine Versammlung der galizischen Zionisten statt, über welche nun deren Organ nähere Mitteilungen macht. Es wurde daselbst der Beschluß gefaßt, einem politischen Verein galizischer Juden ins reden zu rufen, welcher laut 8 2 der der Statthalterei überreichten Statuten bezweckt: „die socialpolitische Ausbildung der weitesten Schichten des jüdischen Volkes in Galizien, die Bcrthcidigung aller jüdischen Interessen, namentlich aber der politischen und wirthschaftlichcn, die Wahrung der den galizischen Juden als Mitgliedern der Gemeinde sowie in politischer und confessioncllcr Beziehung zustehcndcn Rechte und die Pflege der Solidarität unter den Juden Galiziens." Das zionistische Organ weist darauf hin, daß kaum ein Jahr verstrichen ist, seitdem die erste Versammlung galizischer Zionisten die Grundlage zu einer Organisation gebildet und die Gründung von Localvcreincn zur Propagiruug der jüdischen „Nationalidec" gegeben hat. Im Laufe dieser Zeit sind nicht weniger als einige zwanzig Localvereine, deren jeder 200 bis 3< >0 Mitglieder zählt, entstanden, so daß insgesammt bei 5000 Personen zionistischen Vereinen ongchörcn. Diese Erfolge haben die Urheber der. zionistischen Bewcgnkig crmuthigt, eine neue Form der Organisation, von der sie eine günstige Fortentwicklung ihrer Bestrebungen erwarten, ins Leben zu rufen und an die Gründung des politischen Vereines zu schreiten. Derselbe hätte sich zunächst mit der Veranstaltung von Volksversammlungen zu befasicn, um eine möglichst große Anzahl von Anhängern zu gewinnen. Auf diesen Bersämmlungen werden die politischen, socialen und wirthschastlichen Verhältniffc der jüdischen Bevölkerung Galiziens erörtert werden; der Verein wird Bibliotheken und Lesehallen errichten und für Vorträge social-politische» Inhaltes Sorge tragen. ■ In der Natur der Sache liege eS, führt das zionistische Organ aus, daß auf der Tagesordnung dieses politischen Vereines eine leb-, hafte Propaganda zur Reform jener Gesetze stehen werde, welche der Fortentwicklung der Kräfte des jüdischen Elementes in Galizien hinderlich sind. Die breitesten Schichten deH jüdischen Volkes werden über ihre Rechte und Pflichten auf den einzelnen Gebieten des öffentlichen Lebens, namentlich durch belehrende Publicatioistn aufgeklärt werden. Ein dankbares Gebiet eröffne sich auch der VeresitSthütigkcit bei den verschiedenen Wahlen. Man müffe ein neues Geschlecht erziehen, welches den Willen und -die Fähigkeit besäße, an der Wiedergeburt des jüdischen Volkes mitzuwirken, denn nicht eine halbabgej^pHenc Judenschaft, sondern ein vom reinsten Eifer beseeltes reges Gefühl, nicht eine verarmte und moralisch verkommene Proletariermasse, sondern eine entsprechend erzogene Gesellschaft könne der Pionnier der erhabenen Aufgaben des Zionismus sein, Tic möglichst hohe Stufe des materiellen und imellec tncllen Wohlstandes könne unter den gegenwärtigen Verhältnissen nur ein mächtiger politischer Verein hcrbeiführen. Man dürfe leineswegs besorgen, daß die Judenschaft an de» Zuständen des Landes 'znin. Schaden der endgiltigcn Zwecke des Zionismus «Gefallen finden und die Assimilationsströmung wieder mächtig werden könnte. Tas Land und das Reich sowie die autonomen und Regierungsbehörde» werden schon dafür sorgen, daß Galizien den Inden nicht als Paradies ex* scheine und bei der »ichtjüdischcn Bevölteruyg kräftigen Beistand finden. Tie Abneigung gegen, die Juden nehme tagtäglich zu und werde immer intensiver. Um aber ihre schädlichen Folgen zu paral»fir,n, mit»- inan den Grundsatz der Solidarität und Selbsthilfe vcrlünde», die jüdische Gesellschaft von der Lage und ihren Erfordernissen in -stenntnis; setzen und derselben materielle und geistige Hilfe gewähren. Das polnisch-conservative Blatt, in welchem der Laudtagsäbgcord »ete Thcophil Merunowicz, ein. waschechter Judenfeind, das große, Wort führt, bemerkt, daß das Endziel; der zionistischen Bewegung welche cö als gefährlich für das Land und den Staat erachtet, ein jüdisches Reich mit Jerusalem als" Eentrnm sei, und lenkt die Aufmerksamkeit der maßgebenden Politiker Galiziens ans diese Bestrebungen. Ob' es gerade einem Blatte, welches die „fagellonifche Idee" gepflegt wisicn will, ansteht, dis Staatsgefährlichken .zionistischer Schwärmer zu dcnnncircn, möge dahingestellt bleiben.- Unseres Er achtens sind die Zionisten weder für das Land noch für den Staat gefährlich, wohl aber schädige» sic in Hohem Grade diejenige», denen sie »ach'ihrem Programm nutzen wollen, Sic haben in Ihrem Blatte schon wiederholt daS Widersinnige der ganzen Bewegung hcrvorgchoben, und wir können es uns getrost er-lassen, den jüngste» Eipectorationen des zionistischen Organes, einem Gemisch vo>/Wahrem und Falschem, eine eingehende Widerlegung-zu widmen. Ter Zionismus ist Niemandem willkommener als den Antisemiten, und deren Hetzblätter in Wien haben erst in letzter Zeit zionistische Skilübungc» und sonstige -stund gedungen jüdischer Studenten mit unverhohlener Sympathie besprochen. Nicht dem Staate, sondern den Inden sind die Zionisten, diese unfreiwilligen Hilfstruppen der Antisemiten, gefährlich. Ter Erkcnntniß deffen verschließen sich besonnene Juden keineswegs, und einer derselben, ein im ganzen Lande angesehener Mann, äußerte uns gegenüber de» Wunsch nach baldiger Gründung eines Vereines zur Abwehr deS Zionismus. _ —>’• Ist Lueger cnifgesessen? Wenn Jemand eine Reise thut, so kann er waS erzählen. Herr Lueger war vor einiger Zeit in Deutschland und Frankreich, und da thcilte er seinen Freunden in dem weiland -Mandl'schcn Vereine „Eintracht" auf der Landstraße eine Reihe von Erlebnissen mit. Unter