Freies Blatt
- Journal
- Freies Blatt
- Volume
- III (1894)
- Issue
- 136 (11.11.1894)
- Date
- 1894-11-11
- Page
- [Seite] (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 10. .freier Blatt. Nr. 136. wohl die aufgelegten Beiträge doch nicht mek drei Vereine, die mit ihren freiwilligen Beib r auSreichen, und e« entstanden Sgen, die an Festtagen bei dem geschah eS oft, daß der Junge au» dem „Ehe trat.) Da« Gebäude, in welchem eine Schul« w >er" unter den Traubaldachin ir, hatte ganz besondere Vor- Gottesdienste und bei Festlichkeiten gespendet wurden, den drei officiellen Tassen zu Hilfe kamen. Es würde überhaupt keinen nythleidenden Juden gegeben haben und noch beute nicht geben, wenn nicht verschämte Arme wären, die lieber Noch leiden, als ihre Hand nach einer Gabt alySstrecken Es muß jedoch, um der Wahrheit vollkommen gerecht zu werden, nicht! unerwähnt bleiben, daß die angezogene Stelle auS Bala-batrah mit folgender Bemerkung schließt: „Wer auf seine Menschenwürde hält, verrichtet lieber die schwersten Arbeiten, ja zieht, um stch zu ernähren. lieber einem verendeten Thiere aus offener Straße die Haut ab, als daß er sich an die öffentliche Wohlthätigkeit wendete." Also ein Wink mit dem Zaunpsahl an die Profesfionsschnorrer. Biel intereffanler noch gestaltet sich die Partie btt Bilde«, die die Berbältniffe darstellt, für welche die zweite Kup«h berechnet war, das ist die im Talmud festgesetzte Regelung deS UnterrichtSweßen». Eine der 613 Berorduungen des Pentateuch legt jedem Bater die Berpflichtung aus, ' seine Söhne im Schreiben und Leien zu unterrichten; denn klusschreiben der Pfostenschrist an Thür und Thor, das Anlegen der Phylakterien sowie die Verordnung, daß eine Abschrift de« 32, Eapitel« auS Deuterouomiuip in jedem Hause vorhanden sei, gehörte zum Ritus, und noch bis vor 3Q Jahren konnte jeder jüdische Knabe, der mit Abschluß seine» 13. Lebensjahres dis Schulpflicht erfüllt hat, dieses Gedicht hebräisch und in seine Muttersprache übersetzt allswendig vortrage». Tie im Boranftehenden geschilderten Zustände sollten oder anders werden. Rach dem Zerfalle de« Reiche» Alexanders kam Palästina an Syrien, und die syrischen Könige machten eS sich zur Ausgabe, da« Judenthum in Palästina eventuell auch mit Gewalt durch das Griechenlhum zu ersetzen. Auf den Unterricht, wenn er nicht griechisch war, wurde Todesstrafe gesetzt. Bekanntlich führte diese Gewaltberrichafl der Syrier zu den Makkabäerkriegen. Aber noch lange ehe eS dazu kam, geschah Folgende», wie eS wieder in Baba balrah 211—1 erzählt wird: Joüia, Sobn de» Gamlo, erwarb durch vieles Geld, die Würde des hohen Priester»-, etwas, was bis jetzt noch nicht dagewesen war; denn der hohe Priester mußte nach biblischem Gesetze nur von Priestern gewählt und eingesetzt werten. Tie frommen Schriftgelehrte», die ohnedies auf die Priester wegen deren Unwiffenbeit und Lernfaulheit mit Verachtung niedersahen, blickten jetzt voll tiefer Bekümmerniß in die Zukunft, da sie da» gänzliche Aufhöreu deS Jugendunterrichte« befürchteten, und traten dem Lberpriester um so feindlicher entgegen. Tiefer aber, der indeß auch Statthalter geworden war, traf, um die Gelehrten zu versöhnen, folgende Anordnung! 1. Jeder Ort muß eine Schule haben. 2. Auf 25 Kinder wird ein Lehrer gerechnet. 3. Gehöre» zu der Schule mebr als 25, ohne die Zahl 50 erreicht zu> haben, so muß dem Lehrer ein „Gehilfe" «Rejschdochna) beigegeben werden" ». Kein Bater darf ein Kind der Schule entziehen unter dem Borwande, daß tr es selbst unterrichtet. 5 Wenn da» Schulgeld nicht gutwillig gezahlt wird, so svird es gerichtlich eingehobe». Die gelebnen Frommen jubelten diesem Schulgesetze und dem hohen Priester entgegen, sahen nunmehr gänzlich von der Ungesetzlichkeit seiner Stellung ^>b und nannte» ihn einem wahrhaft frommen, würsdigen hohen Priester, sügten Beiordnungen hinzu, wie z. B. die, daß die Schulpflicht mit dem Eintritt in daS 7. Lebensjahr beginne. (TaS Ende war eigesiilich unbegrenzt, und in Galizien rechte den Nachbarn gegenüber u. f. w. So sehen wir nun 200 Jahre vor der jetzigen Zeitrechnung in Israel den Schulzwang eingesührt. Der Talmud schärst in Abot den Borstehern der Gemeinden! ein: Schlitzet sorgfältig di« Kinder der Armen, die find es, durch die Wiffen Über Israel ausgebreitet wird. Tie Schulen waren also nicht nur für die Reisten da. Wie muß unser patriotischer Stolz zusammenschrumpfen, wenn wir sunser durch die Novelle verstümmelte« Schulgesetz mit dem de» Josua beh Gamla^ vergleichen und bedenken, daß e« unter den Juden schon seit 2000 Jahre» keine Analphabeten geben konnte und durste, während i» unseren frommen Alpenländern noch vor 20 Jahren kaum 15 Percent lese» und schreibe«! konnten und die Liberalen in Oesterreich um den Bestand ihre» Schulgesetzes noich heute zittern müssen. Jede« jüdische Kind lernte in seiner „Thedec"-Schulel die freilich nichtmit der modern pädagogisch eingerichteten gemein, hatte, dergleichen es aber in Galizien, Oberungarn, Rumänien und Rußland noch hfute viele gibt, drei Alphabete. Ta» eine, um den rituellen Verpflichtungen zu geisügen, das andere für Studium der hebräischen Sprache und deS Talmud, das dritte als BerkehrSmittel, und e» war gar nicht selten, daß auch mit Juden befreundete Ehristen das letzte erlernten. l Es gibt seit jener Zeit keine Gemeinde, die nicht die drei Vereine hätte: 1. Thevrah-kadischah, der heilige Verein der Beer»igung»brüderschaft, 2. Talmudthora, der Verein, welcher die Armen mit Schulgeld und Lernmitteln versorgt, und 3. Bikur-cholim, d. h. Armenkranken-Unte^stützungSverein. Außer diesen traditionelle» Vereinen bestehen in jeder größereiz, rituell correct eingerichteten Gemeinde noch andere. So blühen in der Präget Gemeinde 22 Wohlthätigkeit»- vereine, darunter ist einer mit Namen EhanukahfBerein, der versah im vorigen Jahre zu Beginn des Winters 100 Knaben und! ebensovielt Mädchen mit vollständiger Bekleidung, die Wäsche doppelt, au» daueishaftem Stoffe; ein anderer heißt „Freitischverein für arme Studenten". Was die Armenpflege und die Bethätigung de» Mitleid» anlangt, so sind die Leistungen der!von den Antisemiten al» „inferiore Race" verlästerten Juden auch im modechen Sinne musterhaft, und der wärmste Freund der AifimilalionSbestrebungen Juden diese Eigenart abstreisen sollen. Jungbunzlau, im November. wird nicht wüuschen, daß die H. P. Briefkasten. j Hungarus. Sie schreiben uns: „Herr Steinwender ist kein sittenstrenger Germane; höchsten« ein sittenstrenger Aster-Germane." Auch einverstanden. p., Krems. Nur ruhig Blut! Auch wir bchbachten schon lange dir „antisemitischen Allüren" der „Niedeiösterreichischen Presse". Wenn wir un» überzeugt haben, daß es nicht bloS Dummheit ist,: so schlagen wir los. Besten Gruß. . s M. A—k., Leitmeritz. Sie frage»,; welcher Unterschied zwischen dem Wundermönch Bater Iwan und irgend eineflr galizischeu Wuuderrabbi ist? Wir missen keinen.; « G. L.» Lemberg. Eapitä» DreysuS war ein Jude. Wa» folgt aber daraus? Die antisemitische Presse geberdet sich so, hl» ob e» ein arische» Privilegium auf Landesverrath gäbe.! Ankündigungen des Inserate werden angenommen, sowohl in unserer Ad min „Freien Blattes".! istration, als auch im Annoncen-Bureau M. Duke». Goldman & Salatsch Tailors, I. Graben 20 i empfehlen ihr hei der vornehmep Herrenwelt so beliebt | gewordenes-Abonnement-Systemi für Herrenbekleidung * i nach englischem'Muster. | Cognacn. Slivovitz- Specialitäten pfferirt: Lipor-, Rumn. Essiifabrik ,»> David Fischer Wien, II. Wallenstein^trasse 6. Detailverlcaxif im selben Hause. Mtdeiitsche JUlgitnicinc jeitung Ivölucr luucftc Nachrichten, Frenchenblatt und Handelszeitung Unabhängige Herausgeber!: Unabhängige voliri-che Tageszeitung Dr. Hans Bieter, in Äälit. politische Tageszeitung »M" Bezugspreis für das Vierteljahr nur 3 Mark. "Mg Wirksamstes «r-i>«beilage: - Wirksamste« .iniertionsorgan. Jnsertionsorgan. Prabrnnmmern versendet die Geschäftsstelle in Köln, Passage 43, gratis und franea. 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