Mannheim
Compact Memory

Freies Blatt · 1894-10-14 · 132 (14.10.1894) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Freies Blatt
Volume
III (1894)
Issue
132 (14.10.1894)
Date
1894-10-14
Page
[Seite] (sequence 10)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
91% known words query
IRI
…/4886575-5439163-5441563--1570-4888014
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Seit« 10. Freie» Blatt. Nr. 182. Jetzt erst fühl' ich mich auf sicherem Boden," sagte Frau Kohn, „daS ist eine Sprache, die aus dem Herzen kommt, jetzt erst wage ich Alles zu sagen, waS ich zu sagen habe." .Es mag sein, was cS will," sagte die Pächterin, „ich muß Ihne» gestehen, daß ich von dem Augenblicke an, da Sie hier eingctrekcn, frischen Muth gefaßt und neue Hoffnung gewonnen habe, daß wir nicht untersinken." „Nehmen Sie dieses Papier," sagte F:au Kohn, und sie entfaltete das Blanqueit eines Primawechsels, versetz n mit einem Accept von Emaiiucl Kohn. „Seien wir ganz offen gegen einander." fügte sie hinzu, „Sie sehen, diese Zeile hier ist offe l geblieben. Bitten Sie den Herrn v. Birkcnfeld, die offen gelaffenc Stelle mit dem Betrag Ihres Pachtzinses auszufüllcn." „Sie sind der gute Geist unseres HarfeS," sagte die Pächterin, siel der Frau Kohn um den Hals, und die beiden Frauen lagen einander in den Armen. „Wenn unsere Pater so miteinander gesprochen hätten, es wäre nicht so weit gekommen," sagte der Pächter mehr zu sich selbst als zu den Anderen. „Waffen wir die Tobten ruhen," sagte Frau Kohn, die sich inzwischen aus der Umarmung wieder frei gtmachl hatte. „Unser Lehrer Moses lehrt uns: .Es sollen nicht sterben die Väter wegen der Kinder, und die Kinder sollen nicht sterben wegen!>er Väter, denn Jedermann, nur für seine eigene Sunde soll er sterben/" „TaS in ein göttlicher Gedanke," sagt Herr v. Birkenfeld. „So lehrt uns unser Lehrer Mosel," wiederholte die Frau, während der ^Pächter auf sie zutrat, ihr i ie Hand reichte und sagte: „Nun will auch ich gegen Sie offen sein! So wissen Sie cs den», Sie haben mir daS Leben gerettet! Ich werde Ihnen diese Stunde nie vergessen, und ein neues Leben werde ich jetzt beginnen." „Ich begnüge mich mit dem Bcwußtsciü," sagte Frau Kohn,, „Ihr .Haus mit dem mcinigen versöhnt zu haben " „Versöhnt," sagte der Pächter, „und befreundet, wenn Sic mich Ihrer Freundschaft für würdig erachten." Mil solcher Herzlichkeit hatte diese Unterredung ausgcklungen, die (von der einen Seite mindestens! mit so feindselig«»» Gefühle begonnen wurde. Tas Haus Birkenfeld war gerettet. Frau Kojn hatte ihre Aufgabe gelöst. „DaS ist eine großartige Frau," sagt« der Pächter, nachdem sie sich verabschiedet hatte. / „Eine vornehme Natur," ergänzte die Pächter!». „Eine adelige Gesinnung. „Sagen wir lieber, eine echt menschlich^, die' von bürgerlicher Abkunft war, und sie u überbieten. In der Freude seines Herzens setzte sich Herr v. Birkenfeld hin, den Brief an seinen Vetter zu schreiben, zi Anfang nicht hatte finden können.! „Kann ich mir," sagte er zu sich selbst denken, als diesen?" und er begann: „MoseS, der Lehrer des israelitischen Volkes, lehrt: Es sollen nicht sterben die Väter wegen der Kinder, und jdie Kinder sollen nicht sterben wegen der Väter; denn Jedermann, stur für seine eigene Sünde soll er sterben." Der Anfang war gefunden, und das Wijitere ergab sich und floß ihm auS der Feder, als ob ihm Jemand dictirt hätte; und wenn der entfernte unbekannte Vetter nicht jeder edierest Regung unzugänglich war, so mußte sich für die Zukunft zwischen i Beiden ein schönes Verhältniß entwickeln. i Frau Henriette Kohn ober, als sie von dem Meierhof nach Hause kam, sagte zu ihrem Gatten: „Jetzt erst hist du den Proceß gewonnen!" Sie theilte ihm das Wichtigste üb«r den Verlauf der Unterredung mit und sagte: „Wir werden natürlich die Sache nicht an die große Glocke hängen!" Emanucl aber entgcguete: „Die Sache könne unmöglich geheim bleiben; man werde ja seh m, wie sich die Verhält-. niffe auf dem Meierhof geändert haben. Wir er hinzu, „aber er wird nicht schweigen fönm n. Und in der That hatte cs für die Leute Gasse keine Schwierigkeit, zu erfahren, wie hatte die Frau Kohn zum Mcierhof fahren obachtet, daß sie sich daselbst ziemlich lange boten hatten in begreiflicher Neugierde an der Wort erschnappt, und zu allem Ueberfluß halt: cs der Pächter Jedem, der eS hören wollte, mit eigenen Worten verkündigt, er fei in Verzweiflung gewesen und wollte sich daS Leben haben ihm das Lebt» gerettet. in und außerhalb der i «ie Dinge stehen. Man gesehen, "man hatte bc- »ufgehaltcn; die Dienst- - Thürc horchend manches nehmen, und die Juden (Fortsetzung folgt.) erbebungen $ entgegnete die Pächterin, suchten einander an Lobcswelchem er früher den „einen besseren Anfang Briefkasten. I»., Krems. Der „beste deutsche Mann in der selbst de» Meister Stampigliu« mit in den Kauf > Christlich Socialen den Gefallen thäten, ihm dabei an Polonski nach altgermanischer Sitte rache. Tr. L. G„ .Prag. Ja wohl, er war Franz?(i! K n r a n d a zu Beginn der constitutioiiellen Aera > „Man kann auch in Nationalitäten Geschäfte machgn iahren hatte 'Stieger Noch nicht seine Judenfreundli hämischen Aeußerungen gegen jüdische Abgeordnete, g> Wendung«,,, die darauf abzielten, daS Mandat der werthiges hinzustellen. K. 91-, Lemberg. Auch wir haben eine Erst Ministers, daß erforderlichen Falles entsprechende Be vermißt. Ta aber Se. Excellenz nachdrücklichst betch allen Phasen ihrer denkwürdigen Geschichte einen und Confession nicht gekannt hat, so erscheint doch daß die Kriegsverwaltung den vom Delegirten Dr. brachten Beschwerden volle Aufmerksamkeit zuwen Rechtsgleichheit allerorten Geltung verschaffen werde S. L.. «try. In Drohpbycz iß ja eine jüdisch einzige, welche aus der Lemberger LandesauSstelluiij Eigenihümer derselben und Herausgeber der „T A. H. Zupnik, wurde, wie seinerzeit gemeldet, r Aufenthaltes in Leinberg mit einer Ansprache beehr können schweigen," fügte Ostmark" würde heutzutage hmc», wenn 'ihm »ur die lehilslich zu sein, daß er sich dislans R i e g e r, den Ignaz mit dem Zurufe abfertigte: Auch in den Siebzigerchkeit entdeckt; abgesehen von fiel er sich eininal i» Redeseopoldstadl als ein ininderärung des Herrn KriegSsügungen getroffen würden, >t hat, daß die Armee in Unterschied in Nationalität die Erwartung begründet, S u e ß zum Ausdrucke ge- «n und der traditionellen e Druckerei, und zwar die ausgezeichnet wurde. Der rohobyczer Zeitung", Herr m Kaiser während deffe» B Inserate werden angenom» -------1--- »Kündigungen des „Freien Vlattes".! eit, sowohl in unserer Administration, als auch im Annoncen-Bureau Nt. Duke». "Mg j - -t — Mattonis ßiesshübler Rollbalken ans Stahl od r Holz, mit Hocbversrhluss, geräuschlos, Sonnenplachen »laschinantrieb oder Federzug, i »len in allen Ausführungen, Bücher-, Garderobe mit Rollthü im 1 Actenkästen ren ns- Uonletten. RolKfbatzwXndf. Portalt '• .. -r Arten TNehlerwaarea - “ länd^ für alle Artikel, pneamat Utoren. katirhsauger erzeugt and liety L. S. Rosenthai’s Erben, Wien, Fünf laus, Rosinagasse 21. Vertreter gesucht. aus Holz oder Eisen, fix und GesckiftK* und Aoslare-Ein* ittfhe ThfintehllettAer, Ventirt die Fabrik von Ludwig Kletschka Specerei-, Farbwaaren, Gemischtu. Eisenwaaren Wleu, X. Eugenyasie 53. Soeben erschienen: (S offect ion „Sfreiett WtctLtes". Sand II. | f ' «< Uystilismiis, pirtisilliis, Antlstmitismus am Ende des XIX. Jahrhunderts. Bon? Ernst Victor Lenster. Prri» für jeden Band der Collection: für Oesterreich-Ungarn ö. Rl. fl. 1.—, für das gesammte Ausland 8 Mark. Band 1 der Lollection:! A. Leroy-Keanlie«: Die Huden und der Antiscinitisinus — Israel unter den Nationen —-ist beinahe ganz vergriffen. -

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.