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Freies Blatt · 1894-10-14 · 132 (14.10.1894) · p. [Seite]

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Journal
Freies Blatt
Volume
III (1894)
Issue
132 (14.10.1894)
Date
1894-10-14
Page
[Seite] (sequence 7)
Language
German
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Nr. 13-_*. -- freies (Ta spielen sie nicht mit.) Aus dem Congresse der österreichische» HandtlSangestellten i» Salzburg wurde beschlosie», daß kniislfghl» auch der au« dem kaufmännischen Elnb „Zukunst" bervorgegangene „Berein der deutsche» staufleule", welcher zur Richtung des Bergani'schen deutsch national-christlichsocial-demokratisch-reactionären Antisemitismus hinneigt, in die Koalition der christliche» Vereine der HandelSangesteÜten einbezoge» werden solle Ter kaufmännische Club „Zukunft", welcher der Schönrrer Richtung ^»gehört, hat nun in seiner levlen Generalversammlung den Beschluß gefaßt, au« der Koalition der Vereine auSzuscheide» im Augenblicke, wo der BollzugSausichuß des Salz burger Tages an die Durchfühning der eitirlen Resolution geht. Wacker! (Tie um Stainer.) 3» Salzburg hielten letzthin die Mitglieder des dortigen „Volksvereiue s" eine Versammlung ab, in ivelcher der Obmann Stainer de« „unerwartet günstigen" Ergebnisses der Gemeinderalhswahlcii gedachte. 3a wohl, e« war wirklich unerwartet: hatte die liberale Bürgerschaft. Salzburgs durchweg« ihre Pflicht ersiillt, io wäre eS zu keinem Siege der »readlionar-antiskinitischen Candidalei, gekommen. Tr. Povinclli constatirte, daß die „Teutsche Zeitung" im August in antiieinilische Hände nbergegangen >ei, rügte cS aber, daß dieses Blatt, vorhersda« „verindetste" in Wien, sei» gegenwärtige« Programm in „sehr gedämpster Form" dnrchsührc. »ud machte der „Ostdeutschen Rundschau" Reclame. Te» Vogel schoß iedoch Tr. S l,lvester ab. Auf seinen Antrag wurde eine „Entschließung" zu Gunsten einer Sonderstellung Galiziens und der Bukowina angenommc». Tie um Stainer erklären sich demnach für eine Aeiiderung der staalSrechllichc» Verhäliniike, und da ist die Turch>ühr»ng derselben nur eine Frage der Zeit, lieber der hohen Politik vergaßen die Herren aber nicht, auch' Hochstaplern ihre Ausmerkiamkeil zu widmen, und dem BereinSaurschusse wurde die Bitte uil'.erbreiici. der Brand schatzung von Gewerbetreibenden durch Gründung eine« Creditschlivvereines und Anlegung eine« Lchwarzbuche« eine» Riegel vorznschiebeu. Wir setzen kein io großes Vertrauen i» Lchwarzbücher. wünsche» aber' allen Vorkehrungen zum Schutze gegen Hochstapler jeder Art den beste» Erivlg. in. «Rationale Wächter.) Ter national-christlich social griärbte Antiicinltieinus. wie ihn die Herren SrlowSkr und StojalowSki cullivirteu, stieg einer Anzahl von Handwerksbiirschen in Ara tau zu Aopfc, und sie gründete» einen Gebeimbund, welcher den stolzen Raine» „Rationale Wacht" iührte. Sie schritten hieraus zur Thai: 3» Placate» suchte» sie im Sinite der gcuaunten Re sormatorei! zu wirken: überdies prügelte» sie einen Geistlichen durch, welcher iluicn als «Gegner der nalioiial-christlich,'oclale» Resormation mißliebig war, und schlugen auch die Fensterscheiben ii> der Redaelio» eine-" eouiervatii'en Blattes ei». Bei tiefer Actio» zur Hebung des Glaiergeiveibcs fielen die' ,,»a lionalen Wächter" der SicherbeitSwache in die Hände, und das Gericln ver »rlbeilte nun zehn derselben z» A rreststrasen in der Tauer von acht Tagen bi« >cchS Wochen. Tie Verführer koilime» leider mit beilcr Haut davon. «Tcii Tivoli-l'tuttn wird angst »nd bangt. 3>r der bereite. eiuuihuten Ver'ai»»iluug der ,.Autiseniiiischeu Vereinigung Mir Rorddeulick land". i» der über de» Eiiendchcr Velsöbuiingeiag beralheu ii'urke, legte Pro- 'eiior Förste-r folgende Griindzüge eines Prograinme der tüustigeu perciiiigien Auiiseniitkiipartei vor: „Alle Volksgenossen sind gleichberechtigl. Für gleiche Arbeit ist der gleiche b'oh» zu gewähren. Vorrechte der Geburt und. de« Staude« sind uiizuläsiig. AuSzeichiiniigeu durch Trdeu, Ebrentiiel :e. sind abzuschasie». Tie Erblichkeit dc« Besitzes bat eine weiie E>» ichr ä ii k ll n g zu eriahre», da zu viel Besitz in einer Hank zur Eiitarinng führt. Ta« drohende ucne bürgerliche Gesetzbuch ist durch eine wahrkast deutsche Reckn« geietzgebnilg zu ersetzen. Auch da« neue Gesetzbuch ist auf niideulschcr «Grundlage a»sgcba»l, in ihm kommt, da« römisch jüdische Wucherrechl und nicht lvabr hast deutsche Rechtsanschauung zum Ausdruck. Tie Bergiverke und großen Verriebe sind zu verstaatlichen. Ta« .Recht aui Arbeit' ist gesetzlich 'estzulcgcn und darum eine Versicherung gegen ArbeiiSIostgkeil einzustihren. 3ecem Bürger de« Staate« ist eine Heim- und Broistelle zu geinährleisten. Au Stelle von Lohnarbeit sollen freie Erwerbsgenossenschasle» unter l’ciimiß und Verwaltung de« Staate« treten. Tie Besteuerung ist eine nach dem Ein lomuleii aussteigende. 3» der Slrasrechtspstege ist Verbannung rückfälliger Vor brecher i» die Coloiiieu vorzusebeii Reben dem Reichstag ist eine zweite.stainnier, lvelche sich au» den BcrufSstäiiden zusammcnsetzt, zu errichten. Tie Airckic ist frei und unabhängig vom Staate »nd nnierstehl dem Verein«. und Versammlung? reckil." Tie „Teulichc Tageszeitung". welche zu de» Tivoli feinen und in« besondere zu dem „Buüd der i'antzwirlbe" in nahe» Beziebuiigen steht, macht zu diesem Förster scheu Elaborat die ängstliche Bemerkung, seine „iminerhiii eigeiilhümlichen Anschauungen und Forderungen" ließe» ..da« Hofe Wort von der Vorfrucht der Social-Temokratie, wen» auch nicht gerechlierligl. doch nicht mehr ganz unerklärlich erscheinen". — lieber den Eiieu acher BeriöhnungSlags der uuierdesseil letzten Sonntag statlsaiid, verlautet nur ko viel, daß »ach lärmenden Auseinandersetzungen die Bildung einer einheitlichen Fraelioii »iiter de», Ranien „Teutsch-sociale Resormpartei" vereinbart. Herrn Ahlwardt jedoch nur der Anschluß an die F^action al« Hospitant ireigestellt wurde. Weiche Stellung die vereinigten Antisemite» zu de» Förster'sche» Vorschlägen nehme», ist bisher nicht bekannt. Blatt. :jtitt 7. «Böcke! auf der Suche nach einer »cucn Position., Ter aus Heffe» vo» seine» eheinaliqe» Anhängern auSgeiviesene Böcke! bemüht sich, eine neue Position zu gewinne», und uachdem er bei den mitleldeutschen Bauern gründlich abgewirthschastel bar, sucht er mit Hilfe der Berliner Turner wieder in die Höhe zu koinineu Vorige Woche sprach er in der deutsche» Reichshaupistadt vor einer Veriainniluug aiiliseniitischer Turner über die tiefen obliegende» Cullurausgabeu Vor alle» Tinge», sagzg^uckel, »iüssc der Tuiuer frei sei», aber er dürfe nicht für „3udc»s>eilieit" schwärme». Tic frische, fröhliche und srninde Freiheit, welche Böckel liebt, lernte man anläßlich der Verhandlungen über eine PaterintätSklage tcuncu, bei welcher er sich durch seine biedere Gaätin vertreten ließ Böckel fand in der äußerst schwach besuchten Veriaininlnüg eine» Gönner i» der Person de« t^astivirtheS. Bodeck, welcher die Aiiweseiidcn^-bat, „treu zu Böckel zu stehe», Nicht aus kleine Geister und Rergler zu hören, die nur i» persönlichem ^\ntcreffe da« politische Feld beackerte», und c« Böckel möglich zu »lache», in Berlin ii» Geiste Zabii'S zu wirke»". Wird Böckel durch die Unter, stiitzuilg Bodeck « zu dem gewünschte» Ziele i» Berlin gelange» y Veil«,rem». — 3u> „R eich « herold", welcher nun i» Berlin erscheint, wendet sich Böckel iiill iolgender Bille an seine Gesinnungsgenosse»: „faßt euch »ich: irre machen, durch die Hetzercieir, uudanlbarer 3ulrigameii. teilen ihre kleine Penon über die große Sache gebi, bleibt, >va« ihr seither gewesen: treue Mitstreiter, und. laßt uns gemeinsam weiter lümpsen für Vaterla«id, Freiheit und Volkswohl!" Tie Art und Wei'e. wie Vöckel's „ReichSKcrold" in Marburg lämpsic, wird dericlbe noch vor dem dortigen Gerichte zu vcranlwonc» haben. «Siehe die ..Beleidigung vo» Einjährig Freuvilligcu" nber>chriebe»c Roliz in der rUnhrit: „Aus antisemitischen Blälleru" - 'Anarchiftcil n»ü Aillisciiiilcn.l Tas Trga» Tnbnng« conftnurt mit großer Beiriediguiig, daß ein Gesinnungsgenosse E A e i l am '_’0. Angnsi von dem Vertrauensmann der uikabkängige» Soeialißcn und Anarchisie» Rirdorf« und anderer Vororte Berlin«- auigcsorderl wurde, eine» ieinerzcil iiii ,.M o deruen Voll erg eist" abgedruckle»' Vortrag über ..Voiieon als bercchligle« Aamvimiliel gegen Zuden und Uiueriielmier" in einer Rndone: sznarchiilen veriammlniig zu halten. E -steil hielt auch am -'«l August den Vortrag, welcher, wie da« Tiibring Blau berichtet, rilbig und aliimerkiam angebön 'würde Als sich von einzelnen Seiten dennoch ein leichter Widerivruch gegen die gröbste» AnSiäUe aus das Fndeulbni».gellend,»ächte, widerlegte. Paul Struppe .,diesen 3»de»-Soeialisinn« oder Anarchisuin« in lehr amckianlicher Sprache. Ais'er dabe> dze Fuden mit Wanzen verglich, löste der überwachende Polizeibeamle die Versammlung an'. Eine Forlfetzung der Tisen'siöii fand acht Tbgc später statt. Ta hörte man auch S truppe'« weilet e"Tarl>'gl»ig der ,',ude»irage ruhig an, die nnederum anarchistische Red,nt, besonder« Herr PelerSdorr, der gegenwärtige, verainworllick'e Ridaeien: de« ,'S.ocialist'. zu widerlegen suchten 'Mil dem übrigen Tbei! de« Vo>,do:ivorirage« erklärte m.in sich einverstanden, mau e r I a n »t c a u ch d i e > r ii 1, c r e u u d b e u i i g e S ck> l e ch li g t e > l der 3 » d e n moral zum Theil ai(, mir wollte mau diese an« den Verhältnissen er klären und ihre Besserung von fuiiftiqcii Zuständen erwarten" lieber chle Be ziehiMigen zwischen Aun'nu'leu und Anarchisten werden wir genau Blick, "fifuen. . 2lus anti|>mitifd)on 3lättorn. Tic Vliilbt öc« '.>!atn>»ali«»iils>.' Reuesten«. bal, man un dentzch,» fager , die Parole ansgegeben. r« 'ei in „ationaleu Frage,, lein N,i:er«chicd zu „lachen. ..ob einer Antisemit oder Viberazer 'ei, iveiin er nur zlir ilalichialen Bülarbeil derer: in. Wir tonnen diestii l,eit!o>eu Teelril>arl«mu«,'gar nicht besser Iiikisireii, . al« dnrck' ein Bei'piel, wie die sögeualiuiei: ...llildediligleu" stch einer wirllich naiionaleu Thal gegeuüder verbalie». wenn die>'e uick'l'.iin Zeichen de« biuialstcu Fudeiihaske« oollbrackn u'ird. 3» Prvßiiitz. einem der oom T'chechtSmu« am . hesligste» bedrolieen Puutie Mähren«, wo erst im Boriahre die Tschechen die Sladi verlrcinug durch iiameiiie'en Terrerisnilis an stch zu reißen ivnßien, bat die Tpserwilligteii der Tenl'ckn'n einen S aniineivimli für die bedroliien Boik« genossen in einem ,,deutschen Han«" ge'chaiien und "dessen Einiveilmno jüngst feierlich begangen. Wer m Tlien, wo der nnselige Sprache,iznust herrscht, je - gelebt und feine „volttick»'" Eisabning nichl bloß in den Henrigen- und Bier 'chenlen der'Wiener Vororte erwoideu lpik. weiß, mit welche» Cpiern eine solche Tbat verbnilten ist. und welche Bedeniniig vom nationaleil S:andviintle ein „deutsches Haus" bcsitzl. Man sollte alfo glauben," daß die "aniiseiiiltischen Patcnlnalioiialeii solcher „nalionalcn Arbeit" — wenn 'sie auch von sreisinnigcn - Teul'chen verrickun wurde — wenigstens die Rucksick^ de« Versttiwcigen« zollenivürden. Slalt-deisen fällt die „T stdenliche Rnndsch'au" über da« deutsche Fest von Proßnitz und über die «ürniidung wie über die Gründer de« deutschen Hanfes i» einer Weuc her, als bandelte sich'« in Proßnitz um eine» 3»deu - . tempel und um die össcutliche Begehung eines jüdischen Feiertage«. Ta» ist ein; Peudant zu den versöbulicheii Schalmeitläugen. die wir jetzt aUwocheiiliich - mindestens einmal von gewisi'er Seite auhöreii lnüffrii. Die ..Südenlicke Rn»d- - schau" schließt ihre Schmiererei mit dem Ausrufe: „Die Proßnitzer Tschechen I müsse» sich königlich amüsirt haben!" Zn der Thal, die Proßnitzer Tschechen

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