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Freies Blatt · 1894-10-14 · 132 (14.10.1894) · p. [Seite]

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Journal
Freies Blatt
Volume
III (1894)
Issue
132 (14.10.1894)
Date
1894-10-14
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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.freies BIar >. Nr. 132 j^-it an die (iScmciubc KreniS hcrantretcn, biud)fiil|iyi werden." Cb Schönerer nach diesem Wahlergebnisse nicht seine Winterrcsidcn; anderswohin, B. nach Mnrcck, verlegen werde, bleibt abzuwarten. (Tril Antisemiten zur fliachahiuiiug cliipfohlen.) Man schreibt nnS: Im Jahre 1871 starb in der mährischen Stadt Gaya der im Jahre 1797 zu Rcutitschcin i» Mähren geborene Superior der Piaristenrcsidcnz in Gaya, 1'. EclsnS Tollich, lüclchcr seit dem 19. September 1839 bis zum Jahre 1807 an der deutschen Hauptschule zu Gaya als Direktor eine ersprießliche Thäligteil entfaltet und sich allgemeiner Beliebtheit erfreut hatte. DaS Grab des Dahingejchicdencn entbehrte bis jetzt jedes Schmuckes und jeder Pflege. Dem soll in Hinkunft nicht mehr so sein. Wackere Männer, ehemalige Schüler des Dircctors, haben de» Entschluß gefaßt, ihrem unvergeßlichen Lehrer ein Denkmal zu setzen, und cs genügte ein Aufruf, um diesen Entschluß durchzuführcn. Binnen drei Woche» lind 312 fl. eingesammclt worden, die cS ermögliche», den pietätvollen Wunsch würdig zu erfüllen. Die Beiträge flösse» von den chcnialigc» Schülern des dahingeschiedcncn würdigen i'chrers ohne llnterichicd der Ralio- »alität und Eonfession zu, und Christen wie Juden wetteifern, daS (Grabdenkmal niögliässt schön zu gestalten. Bier Dentschcnfrcsscr und, Antisemiten, die Herren Pa lern a, Do inan Sk», Vazen nnd Tschermak, waren cs allein, die eine Spende verweigerten, und zwar tnit der Begründung, daß der Berslorbcnc „germa.ninrt" habe Wie berechtigt diese Behauptung ist, dafür sprechen, am besten die vier -tschechisch-nationale» Antisemiten! (Tr. WallentiuMtd die Antisemiten.' Ans Troppan wird uns geschrieben: hschvcrdiente hiesige (schmnasialdireetor Tr. Ignaz Wallcntin wurde nach Wien versetzt. Diesen 'Anlaß benützte das hiesige Äntiscmitcnblüttchcii, um den ausgezeichneten Schulmann, denen Wirken in Troppau nicht nur bei der Untcrrichtsvcrwaltnng, sondern auch bei allen Einsichtsvolle» rückhaltlose Anerkennung gesunde» hak, heftig an zugrcifen und ihm namentlich die Verminderung der Schülerzahl vor zuwerfc», welche einzig nnd allein daraus zurückzuführc» in, daß in den letzten Jahren die 1'ehranstaltcn in Schlesien sich bedeutend vermehrt haben. Und H^um dieser Angriff? AuS feinem anderen Grunde, als weil Tr. Wallcntin ein übcrzcugungStreucr Fortschritts»,»»!! ist, weil er, von seine» Mitbürgern in die Gemeindevertretung ’ gewählt, im Geiste des Liberalismus wirkte. Auch der Herr Bürgermeister fand es für gut, dem Gemeindcrathc die MandatSniedcrlegnng des Tr. Wällenlin anzuzcigen, ohne daran, wie dies sonst üblich ist, einige höfliche Worte zu knüpfen. DaS Verhalten sowohl deS Antiscmitenblättchcns als auch des StadtobrrhaupteS wird von der liberalen Bürgerschaft DroppauS lebhaft mißbilligt. Dieselbe bedauert daS Scheiden Tr. Wallcntin's und wird ihm stets ein ehrenvolles Angedenken bewahren. G 8. (Gegen die Zionisten.) Das Krakauer „Crgaü für Handel, Industrie und Angelegenheiten deS öffentliche» Vebens", herauSgegeben nnd redigirt von Eh. N. Reichenberg, welches den 'Rainen ,.8prnrvi>-- 'llhvosc" („Gerechtigkeit") führt, läßt einen armen Juden auf einem von Zionisten einberufenen Meeting die Bestrebungen derselbe» in folgender Weise würdigen: Ihre Idee, die Juden in. Palästina zu vereinigen und zu einem selbstständigen Staate auSzugestalten, ist eben io verwirklichungssähig wie das Project, den MarS und den Jupiter mit menschlichen Erdbewohnern zu bevölkern. . In erster 9i»ie müssen Tic, meine Herren Zionisten, zweimal soviel Tcrritorinm in Palästina haben, als ganz Galizien nncfaßi, unc siebe» Millionen Menschen, welche in einer neuen Heimat doch bcgucm wohnen und sich ernähren wollten, unlerbringen zu können. Wenn dieses Gebiet sich in Palästina finden sollte, so müßten Sie dem Sultan so viel hicfür bezahlen, als Frankreich Deutschland an Kriegsentschädigung entrichtete: wenn alle reichen Juden ihre Schätze hergeben, können Sic noch nicht cinmät die Hälfte dieses Betrages auftrciben. Gesetzt den Fall aber, daö Randgebiet in Palästina wäre vorhanden und angckauft, die paar Milliarden dem Sultan bezahlt, würden wir denn alle unsere Synagogen und Friedhöfe, woselbst unsere braven Vorfahren sanft ruhen, nach Palästina auch mitführen können? Wenn das nicht der Fall ist, so müssen wir darauf gefaßt sein, daß, während wir in, unserem neuaufgerichtetcn Reiche im Kriege begriffen wären, alle unsere Friedhöfe in unserer alten Heimat verackert würden, manche Gebeine unsenr Vorfahren in eine Spodiumfabrik kommen könnten, unsere Synagogrn in Heuschober und Fruchtspeicher FFngewandclt würden. Schon dieser pietätvollen Rücksichten halber können wir denjenigen Boden, auf welchem wir bereits 1800 Jahre leben, nicht verlassen. (Die kirchenpolitischen Vorlagen in Ungarn.) Rach den heftigen Agitationen, welche von clericalcr Seite wahrend des SotiimcrS gegen die kirchenpolitischen Vorlagen und ihre Vorkämpfer ins Werk gesetzt wurden, ist nun daS große freisinnige Reformwerk um einen wirklichen Schritt weiter gediehen. Das Magnatenhaus verhandelte in den ^citc ."> [ zwei letzten - Wochen über die Gcsetzcsvorlagcn, betreuend die frei e j RcligionSübung, die Rcception der Juden, dicR'cligion der Kinder und, die staatliche M a t r i kr n f ü hr u ng. Tie; beiden letzteren Gesetze, welche in einem thaijachliclM. 'Eouucr mit dem! bereits von beiden Häuser» votirten Civile>ng§ctz stehen, ivLn-den auch vom ■ Magnatcnhause a » gcno m m c n, und erscheint somit wenigstens der auf die! freisinnige Ehereform abziclende Thcil/ der kirchenp^lliische» Reform i über alle Fährlichkeiten dös varlaiicrularischen Cimgesührs hinaus gerückt und für die kaiserliche Sa neti on bereit- Tie Eleriealen! hatten, uni diese stcesorm noch in zwölfter Tlnnde zu veiieiteln, be stimmt auf die Ablehnnng dieser Juiieiim Gesetze gerechnet, wodurch i auch für das Eivilehegeietz die kaiserliche Tanelion, wen» nicht verhindert, so dgch hinansgeschoben ivorden ivärc. Judeß. »achdein die . Krone durch die Wiederernennung des Eabineles W.teile im ab- - gelaufenen Sommer io unzweideutig il)ren Wunsch »ach einem' be friedigenden Abschluß der geplanten Ehereiorm ausgesprochen batte, scheint es wenigstens der mehr lonale als rlerieale Theil der Magnaten für rathsam gehalten zu haben, dieie (besetze endlich unter Dach und Fach zu bringen. T»gegen wurden die beiden anderen Vorlagen, die . freie Religionsübnug nnd -die Reeepiion der Inden berreüend, von den Magnaten ab ge lehnt, trotzdem im Hinblick anr die erüere Vorlageselbst Erzbischof Tainasia zngeiiehen »nißle, das wenigstens bei dem Gebildeten das- Fehlen religiöser ntrundsätzd nicht identisch sei mir dem Mangel sittlicher (Grundsätze, nnd trotzdem der . resormirte Bischof Pap in glänzender Rede den Gedanken ausfnhrre. ''daß 'Rationen nicht wegen religiöser Duldsamkeit, sondern höchstens, wegen religiöser Intoleranz zugrunde gehen können Die zehn Grafen Zich» nnd andere Magnaten a(.i, welche gegen das l^esetz ukid speeiell gegen die Zulassung der Eonfessionslostgteir stimiuten, halten sich offenbar für compeiente>e Interpreten des (üe-.stes der tlceligionen. Am Wiener Turi nnd bei Tachcr, wo die sonder baren Ctlaubensstreiter io heimlich sind, habe» ne-sich ihre theologischen Kenntnisse doch gewiß nieljt gehoit Anläßlich -der Debatte über die Reeeptionsvorlagen konnte man seitens der eleriealen Magnaten eine ängstliche Sucht, de» Schein des Anliscmitismns zu verhüte», bemerken, obwohl dem (Grafen ^Ferdinand Z ich» einmal dke in Wiener! Antiseinitenblättern aufgelcscnc Phrase enihn'chie, „daß man die fchren derjüdischen Religio» gar nicht kenne und die Juden zur Vorlegung derselben nicht gcnöthigt würden", Gra' Stefan Kcglcvich, i riß den Zalonantisemiicn der Magnatentafel aber die heuchlcri'ckie ' Maske init schonungsloser Hand vom Gesichte „Wenn dcr'Er loser heule mied er lehren würde," sagte er, „er wurde i seine stceligivn der i'iebc in den Betenncru des Hasses nicht w icd.ercr kenn en, die nur ll u d u l d s a in k c i l predigen, j I» der liberalen Grundlage des Ehristenthums beruht, die Erpansiv ' kraft desselben, die sich über die ganze Welt erstreckt,--und je liberaler I das Ehristcnthum ist, desto mehr muß sich der Kreis seiner. Bekenner! erweitern. Je länger aber die Pression auf Andersgläubige dauert,, ' umfousshr werden sich die i'etzteren in der Defensive zusammeudrängcu. ' Der Aulise in i ti s in u S hat zwei Hanptgnclle». Tie eine, ist die' lleberhebuug und Uv b er i ch ä tz u n g, die in jeder Eonfession zu! finden ist, wenn sie irgendwo zur überwiegenden Macht gelangt, sei i cs nun der KatholieiSmuS oder der Protestantismus, der dorr, wo er die Blacht besitzt, ebenso inrolcrant ist. Diese lleberhebuug. eulminirl i in dem Satze, daß der betreffende Glaube der alleiuseliginachciide sei; : wer also diesem Glauben nicht angchöri, stehe auf einerniedrigeren! Stufe, und wer dciufclbeu einmal zugehört, könne nicht mehr zu i einem andere» Glauben übertreten. Tic zweite C-üclle ist der Haß! oder die Rachsucht, die'dem (Gefühle der'eigenen Inferiorität entspringen. Dem (Grafen Ferdinand, Zich» wird cs vielleicht komisch vorkommc», daß sich Jemand rindet, der gerade vom christlichen Standpunkt all daö zurückwcist, was er behauptete. Ich will aber den Antisemiren verschiedener Färbung einen Rath geben: Die. Christen mögen ebenso pünktliche Steuerzahler und gute, fleißige Staatsbürger sein wie die Juden, sic solle» bessere Bücher und Zcitungcn schreiben alö die Jude», sic mögen billigere Zinse» für ihr Geld nehinen als die Juden und mehr für wohlihätige Zwecke opfern als die, Juden, die bei jeder gemeinnützigen Sammlung an der ersten Stelle zu treffen sind, dann werden alle Gefahren für die Gesellschaft, welche sie von de» Inden besorgen, geringer werde»." — Die Regierung hat die beiden refnsirten Vorlagen sofort behufs neuerlicher Beschlußfassung an daS llnlerhauS zurückgelcitct, und dieses hak beschlossen, mit Umgehung der Ausschüsse bereits am 17. Cctobcr gleich ” im Plenum zum zweitenmal über die Vorlagen zu bcrakhcn. Ter Aus. gang dieser Debatte kann nicht zweifelhaft sein. (Eine zcitgcmäßc Rnckkrinnerung.) Ei» Freund unseres Blattes schreibt uns: Die Mahnung, welche der deutsche Kaiser in den jüngsten

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