Freies Blatt
- Journal
- Freies Blatt
- Volume
- III (1894)
- Issue
- 129 (23.9.1894)
- Date
- 1894-09-23
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Freies Blatt Abonnement-preiS. Für Oesterreich-Ungarn: (^anzjSbrig.5 Kronen (fl. 2.50) Halbiährig. . ..S Kronen ifl. 1.50) Für dagefammte Ausland: ^anuabrig. f» Mark Haldiadrig .3 Mark 50 Pf. Einzelne Nummern 6 kr. Unlrankirte Briefe werden nicht angenommen (Dt^cm zur Abwehr -es ^Intisemitismus. Erscheint an jedem Sonntage. Redaktion und Adiiliiiislratilui: ' I. Lrilcrsiätte ln. Inserate werden mit 20 Heller 10 kr t iür die vier mal gespaltene Nonparcille;eile dereinst. Kleiner Anzeiger das -Wort 1 Heller (2 kr.). Sluüiabme von Inseraten in unserer Admin,slr.»rio:i sowie im Annoncenbureau M. Tnkes. l. 29ollzeile Nummer 129. Wien, 23. September 1894. III. Jahrgang. Zur tzksällitzkn Nachricht! Nachdem der Abonncmcntsprcis unseres Blattes ohnehin ein minimaler ist, so sehen wir uns zur Berringcrung der Administrationsspesen veranlaßt, das Biertcljahrs-Abonncmcnt ganz auszulasscn und den Preis siir das Halbjahr-Abonnement um ein Geringes zu erhöhen, dagegen bleibt der Preis siir das Jahrcs-Abonnement «»verändert. Die Administration. Zum ^chulbegiime. Von einem Schulmanne. Die goldene Fericnsoiine ging zur Rüste: daS junge Polk"dtr^ Studenten ist in seinen Heimstätten angclangl, um sich Musis et literis mit allem Eifer zu widmen. Schule und HauS sind einig in dem Streben, das Beste der studireiiden Jugend zu wollen. Alles abzuwchrc», was da irgendwie hemmend in den Erziehuugs plan eingreifrn könnte, und — haud est difficile saturam scri- Itere — inmitten dieses edlen Beginnens ertönt von Neuem an die studirende Jugend der Aufruf "„zur Zusammenfassung aller deutschgesinnten Kreise der Ostmark zum Behufe nationaler — Erziehung". Dieses urteutonische Schlagwort ist auf dem Rosenauer Beete gewachsen: Herr Georg Schönerer, der bekanntlich weder eine Mittelschule besucht, noch an einer öffentlichen Hochsämle als ordentlicher" Schüler inscribirl war, ersreul sich dank seiner urgcrnianischen BiSmärckerei und Bierfrcundlid,keil der Sympathien i^neS BrnchlheileS unserer Studentenschaft. Diese hat die (.nationale Kleinarbeit" zu besorgen und thut dseS auch mit aller akade»issd>cn Unverfrorenheit. DaS erste Ziel dieser „nationalen Kleinarbeit" besteht darin, vom Primaner angefangen bis zum Octavaner „nationale Gr sinnungSgenosscn"" zu gewinnen. Wenn die Sache nicht so ernst in ihren Folgen wäre, müßte man eigentlich bei diesem kindische» Treiben nur lächeln. Man erwäge nur! Da konimcn zwei „akademische Bürger" irgend einer Gymnasialstadt, Hallen insgeheim einen Delegirtentag ab, zu dem BertraucnS m ä it u e r von 11 bis l!> Jahre» geladen sind, und beschließen außer den obligaten Grüßen und ErgebcnheitSadresscn an Schönerer, Biömarck, Lueger rc., ein nationales Bollwerk zu errichten. Als Bignelte dieser nationalen Schutzwehr gilt in erster Linie der — Antisemitismus. Daß wir mit unserer Behauptung vollauf Recht haben, wird Jedermann, der nur halbwegs in den Mittclschul kreisen verkehrt, ohneweiterS zugeben. Ein großer Theil unserer Mitlelschuljugend, welche auf Wort und Wink ihrer Professoren unbedingt hören soll, steht unter dem Commando einer scrupellosen antisemitisch-deutschnationalen Clique, welche mit nationalen Phrasen, Bier und wüsten Kneip- und Schlemmliedern die jugendlichen Geister umgarnt und unsägliches Elend anstiftct. Wenn jemals, so ist es gerade jetzt, beim Schulbeginn, die maßgebende» Behörden daran zu mahne», mit aller Entschiedenheit den Störefrieden einer gedeihlichen Erziehung an den Mittel¬ / schule» das- Handwerk zu legen. Ist cs nicht ein Holm auf Christus, den Erlöser von geistiger rinechlsctiasl. auf de» Gattes sohn, dessen Bild als Opferlamm der Menschheit in alle» Schulen angebracht ist, daß man eS so "weil koinmcu laßt, daß der eaufessionelle Hader unter der Jugend iibcrhandniinnil? Wer da glaubt, daß wir grgu i» Grau male», der .gehe nur hin und frage einen slaumbärtige» »ationaleu O.uiuianer oder Seriaucr, was und . wie er über seine jüdi'che» College» denkt' und er wird unsere WärnungSrufc berechtigt finde». Das Erziehungswerk soll und muß ciicheitlich sei». Schule, und Familie sind einzig und allein berufe» und berechtigt, dasselbe zu leite» und durchzusühre» Allen Unberufenen und Unberechtigten sollet, und iniisscu dir Pforte» jeglicher Erziehnngs- und Bildungsstätte veriperrt und verschlossen bleibe». Das walte Gott! Die sociale Frage im lxmdel. In jüngster Zeit arbeitet man sehr stark an der Vösting socialer Tagcssrageu. Die abgelaufciic Reichsralhssessio» hat uns eine Reihe diesbezüglicher GesetzeSvorlagen gebracht (die Renten güler, die bäuerlichen Genossenschaften, das Hausirwese», das Ratengcsetz betreffend), und für die kommendc sind Borlage» wirthschafllicher Natur bereits in sichere Aussicht gestellt. Diesmal solle» neuerdings nach mehr als zehnjähriger Pause die Kleingewerbetreibenden in ausgiebiger Weise beglückt werde», in welcher Absicht inan Unter vielem Anderen aud>. dem Handel einige weitere „heilsame" Besch, ünkungen aufcrlegen will. Dies dürfte jedoch nicht der einzige Zweck der letztere» sein, vielmehr erstrebt man hiedurch offenbar auch eine'Besserung derjenigen-Mißstände, die sich im Handel selbst ergeben haben und den Inhalt der „socialen Frage iüi Handel" ausmache». Daß eine solche wirklich vorhanden ist, scheint keineswegs allgemein bekannt zu seist. Das wichtigste der socialen Tageöproblcme, die. Arbeiterfrage, dann die Hand werterulid Agrarfrage nehmen so sehr das Interesse der Meiste» in Anspruch, daß die üble Lage, i» der sich ein Theil des Handelsstandes befindet, bisher verhältnißmäßig wenig beachtet wurde, obzwar auch diese Frage theoretisch sehr iniercssanl und praktisch von gleicher Wichtigkeit ist wie die soeben genannte». Daß der Fabriksbclricb dem Handwerke auf vielen Gebiete» mehr oder weniger die Existcnzniöglichkeit benimmt und die rilciugewerbe trcibendc» hiedurch arg bedrängt werden, ist heute bereits Zu einem Satze geworden, der fast Jedermann geläufig ist;' um» nennt dies kurz die Handwerkerfrage. Daß aber auf dem Gebiete des Handels vor unseren Augen ein ganz" analoger Enlwicklungsproccß vor sich geht, ist lange nicht in demselden Ansmaßc indas öfscnt liche -Bewußtsein gedrungen. Die Schwierigkeiten, mit welchen ein großer Theil der Kleinhändler zu kämpfen hat, werden häufig durchaus secundären Ursachen zugeschricbcn, während doch auch hier daS wirthschaftliche Charaktcristicon unseres Jahrhunderts — der allmälige Uebergang vom Kleinbetrieb zum Großbetrieb, der Ihcilweise Ersatz dcö crsteren durch den letzteren — in stets steigendem Maße zum Ausdrucke gelangt und hiemit die wichtigste <> Ursache für die Bedrängniß auch der kleinen Detaillisten gegeben Die heutige Dummer ist swanüg Seite« stark.