Freies Blatt
- Journal
- Freies Blatt
- Volume
- III (1894)
- Issue
- 125 (26.8.1894)
- Date
- 1894-08-26
- Page
- [Seite] (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 125. Freies Blatt. Seite 11. Dreien, der. Fall gehöre vor den LchenSherr» der Pfarrei GanncrS darf, den Prälaten der Schottenabtei. Demüthig gingen die Inden hinaus, hielten Rath und wanderten der Scholtciiabtci zu. Der Schottenprälat Herr Johann Schreiet war ein gar gewaltiger Man». Reben seiner Insel und seinem Stabe führte er auch das Scepter über den Klostcrrath, denn er war Präsident dieser Behörde und stand als solcher mit den Consistorien Wien und Passau aus dem gespanntesten Fuße. Er ließ die Inden in „Hip und Wetter" lange warte». Dieses Warten hatte noch andere Unannehmlichkeiten als Hip und Wetter. Die „Schyttenweiber", als „die Hosmcisterin, die Schul- Meisterin, die üeutgebin (WirthSfrau)", neckten die Inden, logen sic an Bart und Kleidung und „trieben allerlei spöttlichc» Muthwillcn". Endlich erschien der gestrenge Herr. Hatte Dssieiat Paldcrstei» die ^nden im Schergenstiibcl empfangen, so cmpsing sie Herr Prälat Schretcl zwischen der Thüre des großen ThorcS, „laS die Kundschaft, ließ die Juden mit Schlägen traetiren, was gar unleidlich gewesen", und hinauswerfcn. DaS Hinanöwerfe» war auch nicht sonderlich süß, wurde aber gesteigert durch allerlei böse Bengel, welche die Inden höhnten und „i»ipliov" schinipsirtcn. Die. HinauSgcworfcnc» schlichen stille, soweit cs der Janhagel gerade znlicß, i» eine Herberge, ralhschlogtcn und marschirten daN», ohne zu zögern, nach Königstettcn. In Königstettcn weilte gerade der Bischof Urban von Passan. Urban, anS dem Geschlecht der Herren v. Trcnlibeck, war ein milder, freund' lichcr Herr. Er ließ die Jude» in einen „Gaden" (Zimmcr) führen, (war ja sein Leibarzt selbst ein Jude anS Sitzcndorf», »ahm die Knndschaft, bedeutete aber, sich a» de» Osficiql zu wenden. Um von de» Böse» in Königstetten nicht gepeinigt;n werden, mußte sie der „Scherge" bis vor den Burgfrieden führen. Die Juden überlegten nicht lange, ob sic den Kreislauf von Rcucm beginnen sollen, sicher eingedenk der Schläge im Scholtcnhofe, sondern eilten nach Wien und stellten sich vor den Runtiirs Dclfini. Dieser fand die Beschwerde gerecht' und befahl kur; und gut dem Ssficial, den drei Juden Recht zu verschaffen und ihm darüber zu berichten. Official Paldcrstein überlegte sich die Sache und fand, daß der RuNtiuS sich nicht in die Jurisdiction seines Herrn zu milchen habe, daß er sich hier aber gar in die kaiserliche» „Gerechtsame" gemengt denn die drei Juden seien allerdings Juden, aber auch lasier lichc Kammerkuechtc. Er schickte den Befehl des RnntiuS an die nicdcröstcrreichischc Regierung. Jetzt gerieth Alles in Bewegung. Die Bitte der Juden vor dem RuntiuS wurde als Appellation an eine auswärtige Dkgcht angesehen und mit einer geharnischten Beschwerde a» den RuntiuS beantwortet. Der Biecdvm von Stockcrau kam „mit bewehrter Hand" »ach Gannersdors, d h. führte bewaffnete' Knechte mit sich; er selbst hatte ein Fanstrohr in der Hand, „ein Püchslc unter der Kleidung »nd im Hoscngciäs; (Hosentasche)" und blanke Wehr an der Seite, nahm Waarc, :>roß und Wagen) den Pfarrer, den tlkichtcr und des Richters Buben, ■ der mit her Halle gestanden, nach Wien. Der Pfarrer kam in riistn.liaiii, d h. in das Schergen stübchen des Dsneiats, der Richter und sein Bub'in den Stadtgraben. Der Proeeß begann. Die Gefangenen wurdennach einigen Tagen wieder entlassen. Am 10. September 1 ">7-4 crsloß die Sentenz. Jhkil der Pfarrer sich an einem kaiserlichen Kammerknechtc vergriffen, kaiserliches Gut gestohlen, wurde er und fein Vchnshcrr zu einer Pönvon 10<H> Goldgnlden vernrtheilt und die t^emcinde angehallcn, an de» Festungswerke» zu kornenbnrg zu roboten. Die Juden kamen »ach Wien, um Tuch, Roß und Wagen zu holen und etwas von der Pön zu erhalten Da bedeutete dc'r gestrenge,!Statthalter den Inden: sie hätten nach auswärts appcllirt, Strafe, verdient, deshalb seien Tuch, Leinwand, Roß »nd Wage» und die 1000 Goldguldcii „zur I Artollerie an die hnngarischc t^ränitz geschifft worden". Bcrdrießlich war Johann Schretcl, der Schoitenprälai, er .mußte . >000 Goldgnlden bezahlen: verdrießlich war der Pfarrer Johann Dbcrdvlfcr, denn er wurde beurlaubt, d. h. davongejagl: verdrießlich waren MatheS Krieglcr und die- (Gemeinde t^aunersdon, denn "sic , mußten schanzen: verdrießlich waren Adam Vescr und- David Jüdl, s die Inden von RikolSburg, denn Tuch- und Leinwand waren bei den z'andskncchtcn: verdrießlich war Adam Jüdl, d§r Jud zu-ManerSdorf, denn Roß und Wagen waren bei der Artillerie an der ungarischen Grenze: vergnügt waren nur d'azarnö Schwendi, der Kricgsoberst, den» er hatte 1000 Goldguldc», und £fsieial Paldcrsiein, denn er halte dciu.RuntiuS ein Schnippchen geschlagen. Briefkasten. > - '! M. >t.. Amaliciigassc:. Man Hai auch uu-r schon von verichiedencr Seile j am'merkchm gemacht, easz c-? in Wien Hausherren gibt, ivelche ihre Häu>er! . indenrein" ballen wollen. Sie müssen und aber Raine» uns Adresse »einic», - daniit wir die Herren annageln können. . ) £.Mariahits: Anliseinilischcr Schivindel. Dar Genbasl ist in-änti | lemililche» Händen. j z'ola, Dörnbach: .ilaü»,,,,-. >->, I,>>,„»»-;i\.mt i'himus' _ - iHuUüniiiiinmu'u des „Freien Blattes". Inserate werden angcnoininen, sowohl in n»ierer Ibminittratio», als auch im Aniioneen Bureau Hl.!>UItk». Direct er Bezug von rle^anten billigen Reichenberger Anzugs-Stoffen. Reinwollene Cheviot und Kammgarne. Ein vollständiger Herren-Anzug fl. 6.70. Muster seü;eii 5 kr.-Itrichmirke. Flau Rehwald Söhne Tuchfabrikslager (Uöliiueii). Sm\ i’itfdinurr »nnkvireclor. empfiehlt sich;ur Äpvr.Unna von Tan; und >2oneen Mufti. Avrene in der Ädminiflranon .! —u IGNÄZHECHT.WIEN 25. Praters krasse 25 „Aufklärung". verein;ur Vcrbreitnny geschichtlicher. Sildnng. Jahresbeitrag ö. Ul. ft. I.—. Beitritts - (ErkläTnagta linnt entgegen Cr. D. Denker I ECrjj.gerBtra.sse IT.