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Freies Blatt · 1894-08-19 · 124 (19.8.1894) · p. [Seite]

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Journal
Freies Blatt
Volume
III (1894)
Issue
124 (19.8.1894)
Date
1894-08-19
Page
[Seite] (sequence 10)
Language
German
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reite 10. völlig im Erich; denn ihm fehlte die Ke» ntniß der Thatsache, welche der Abplattung der Pole was diese Worte bedeute». von der Ausbauchung des AeqnatorS und die Ursache war: er wußte ja nicht einmal, Diese ganze Masse für ihn gaU; neuer Diuige hatte er hier mit einem male aus dem gelesenen Satze erst erfahre»; er wußte bisher nichts vom Aegualor und nichts .von den Poley, Aequgtor ausgebaucht und die Pole abgep also von der Ursache dieser Thatsache» etuas wissen! Mit dem unverslaiideneil Eaye erhielt er Kunde von eit er neuen Welt; nicht daß sie sich seinen Blicken ausihat und ihm Einblick in ihr Inneres gestaltete, aber er erfuhr doch wenigstens von sing an cinzuseken, daß es Dinge gibt, u^er die man mit dem Gefreier viel weniger, daß der attet seien. Wie sollte er eS neben der Gerechtigkeit dieses Andere, wovon er ihm durchaus fehle, und suhle allein nichts ausmachen kann, daß noch etwas Anderes geben muffe, und daß sich nicht klar machen konnte, was es sei, mit einer von der Echärfe seiner UrtheilSk^att zeugenden Schlußfolge sagte er sich: .Derjenige, der dieses Buch jeschrieben hat, mußte daö winen, was ich nicht weiß: wenn er sagt: »eshälb — so mußte er wissen weshalb. Dieses „Weshalb" habin die Mäuse lveggebiffen, aber eS muß doch einmal da auf dem : erbiffenen Blatte zu lesen gewesen sein" und nun ging sein Sinnen und Trachten dahin, zu ergründen, ans welche Art man dazu gelang« könnte, das zu erfahren, was die dummen Mäuse zerfreffe» hakten. : vergebliches Bemühen! er konnte, was er suchte, nicht .finden. ES ließ ihm keine Ruhe, und als ^er des anderen TagS im „Cheder" saß und eine Krage, die der Lehrer an ihn gerichtet, beantworten sollte, war er wie traumverloren, und anstatt auf die Krage des Lehrers die riegige Antwort zu geben, fragte er: „Warum ist die Erde ausgebanch?“ „Was sagst du da?" fragte der Lehrer. „Warum die Erde anSgebauchl ist," aut »ortete Moses. „WaS heißt das?" fragte der Lehrer. „DaS versteh' ich Nicht," nnd alle Kinder singen an zu lachen. Moses aber ließ ffch dirrch den Sppli seiner Mitschüler nicht anS - der Ka sung bringen und sagte: „daS heißt' Warum die Erde einen Bauch lat?" „Was?" sagte der Lehrer, „die Erd' Hai einen Bauch? In denn d:e Erd' etwa ein Mensch?" nnd die Kindtr lachten noch mehr als früher. Moses aber deutele aus die mit Wiffer gefüllte Klasche, die der Lehrer vor sich auf dem Tische stehen hake, und den Lehrer paro ' dirend fragte er: „Ist denn dfese Klasche da etwa ein Mensch?" „)! n?" fragte der Lehrer. „Rn?" »'ragte Moses zurück, „itnd hat He Klasche da nicht einen Bauch?" .. T>e Klasch'," >agte der Lehrer, „ist so. wie man sie gemacht hat." .,Ausgebauchr," sagte Moses, der durch drn Anblick der Flasche sich ern selbst eine Anschauung von dem, wal „ausgebauchl" bedeute, verschafft halte. „Tie .Erd' aber," sagte der Lehrer und hielt inne, weil er nicht wußte. waS er sagen solle, und ein tiefes £ rillschweigen herrschte im „Eheder". Endlich besann sich der Lehrer und sagte: „Im Talmud^ siebt nichts davon, daß die Erd' einen Bc uch hat, und wenn im Talmud nichts davon steht, ist eS gewiß »ich wahr." „Aber hier sieht es," sagte Moses und h ell dem Lehrer daS zerriffene Buch hin, welches er aus seiner Rockte sche herausgezogen hatte. „Moies, Moses!" ries der Lehrer, „mit was für närrischen Sachen ibusi du dich abgedeu? WaS gehen dich solche Bücher an? Lern', waS im Talmud sieht: was nicht imj Talmud steht, brauchst du nicht zu winen "! „Ich will es aber winen," sagte Mo>'es. „Tn wirst .meschügge' --.wahnsinnig) werksen, MoseS, Lehrer, „wie dein „Mein Better ist imeschügge' gewesen? „ive'r me'nt, daß mein Beller .meschügge' gevesen ist, der ist selber .meschügge'." Er zitterte vor innerer Erregtheit. Der Lehirer wagte eS nicht, ihm sagte der Beiter gewesen ist, der--.mesHüggenc' Doclor." ries MoseS tief erregt, uv.e;n entgegnen; er fühlte, daß er .uffand eine peinliche Pause, und die Kinder leiuitzren sie, das Buch, in seiner Aufwallung Hane wett gegangen |et, eS ir lches Mo'eS sickiliaen. .. Dsi:l:i es ja," iagre endlich einer der Mitschüler. „Was sieht?" fragte der Lehrer „Was.Moi'eS gefragt hak,." antwortete des: h'iditc hoc!- auf. — „Ta siebt es," wiederholte der Mitschüler den Tatz, deck wir schon kennen: „deshalb ist auch die Erde ick der Akgu ltorgegend ausgebaucht und an den beiden Polen abgeplattet „Weshalb?" fragte Moses. fallen laffen, zu bechüler, und Moses und las auf Seite 75 Blatt. Nr. 124. .Deshalb," antwortete der Mitschüler, Le« steht doch hier ganz deutlich;" verdutzt schauten die Mitschüler einender an und bald auf Moses, bald auf den Lehrer, bis dieser endlich der Seene ein Ende zu machen suchte mit der Ermahnung: „Lasst das Buch jetzt sein und lernen wir weiter! Als ob unsere Weisem wären." Man lernte weiter; Moses aber war nisht mit Aufmerksamkeit bei der Sache. Er konnte eS kaum erwarte» die Stunde schlug, da er seine Freiheit erlangt , auf den Dachboden hinauf, um die Nachforschungen in der Kiste des verstorbenen Oheims fortzusetzen. Ein Heft mit beschriebenen Blättern, auf denen Manches durchstrichen. Manchewieder zwischen die Zeilen hineingezwängt war, fiel ihm in >ie Hand. Die Schrift war vergilbt, man konnte sie aber noch gut lesin; er setzte sich wieder unter daS Dachfenster, um befferes Licht zu Haien. DaS Heft enthielt kurze Notizep, längere Abhandlungen über Iul enthum und Christenthum, auch Gedichte, kürzere und längere. Eine« dieser Gedichte trug die Ueberschrift: Der Prophet Eliah. Diese Figur, legendenartig auSgeschmückt wie kaum eine zweite, ist jeden: jüdischen Kinde ins Herz gewachsen. MoseS war voll von Neugierdk. Er laS: * * * Folgt mau der. Sage Spur — Auf feur'gem Wagen fuhr, Wie es geschrieben steht, Eliah, der Prophet, Er fuhr zum Himmel aus Mit feur'ger Roffe Lauf; Nun steigt er hie und wieder Vom Himmel auch hernieder Verbreitend Glück und Segen Ans allen seinen Wegen. Zur schönen Frühlingszeit Tie Thür sich öffnet weit. Geladen sind die Gäste Zum Osterabendfeste; Da leert als frommer Zecher Jedweder vier der Becher, Und einen füllet man Fsir den Propheten. an. Dev bleibt, wie sich » gebührt, Von Jedem unberührt. Die Thüre steht ihm offen, lind alle Gäste hoffen. Er werde jetzo kommen — So hoffen es die Frommen — Ter sehr erwünschte Gast, Zu halte» hier die Rast, Und öffnen seinen Mund Verheißend guten Fund. Was mag dar für ein Fund seil? Und was davon der Grund sei»' Wie ist das nur gemeint'? — -■ Wenn der Prophet erscheint, Pflegt Gold er hinzulegen Auf Wegen und aus Stege»? In Gaffen und in Straßen, Daß man es greift in Mafien?' Liegt eS versteckt in Schlünden, In Höhlen, liefen Gründen? Daß der nur es gewinnt, Ter sich auf ihn besinnt? Zu roh ist diese Deutung. Ich künd' euch andere Zeitung; Soll sich der Fund bewähren. Muß man den Sinn verklären. Von Gold und Edelstein Aann nicht die Rede sein; Die Hoffnung der Erscheinung — DaS ist die rechte Meinung -- Tie Hoffnung ist der Fund, Und dies hat guten Grund.

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