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Freies Blatt · 1894-08-19 · 124 (19.8.1894) · p. [Seite]

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Journal
Freies Blatt
Volume
III (1894)
Issue
124 (19.8.1894)
Date
1894-08-19
Page
[Seite] (sequence 9)
Language
German
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Nr. 124. Freies Blatt. reite 0. wie alle bisherige» Proclonialionen der Zionisten von der anliiemiriictien Prene begierig ansgegrisfrn und gehörig anSgebeulet. Dagegen bemerkt ei» Crfla«, das wohl bernsen ist, iin Namen her deutschen Iudcnschast das Wort. zu führe», die . „Allgemeine Zeitung de- Zlldcnlhum»": „Diele Proelamalioi» unreifer jüdischer Studenten bedarf ebensowenig eiucr Erläuterung oder Rechtfertigung wie die zahlreichen seltsamen Proelainationen, welche unreife deutsche Studenten in de» - lebten Zähren zu erlassen für »otbwendig besnnden baden". Aus antisl.'mitisclien blättern. t ~ («olfttr ober Bozener Deutsch"?) Z» einem Berichte über eine Brr- >a»»»lu»g des katholische» Elesellenvereiiies ist dem Bozener I'. Znnlio'-r daS große Wort in den Mund gelegt: ,.'Tl>>ie mir könnt Zhr Nichts." 1 sprach der Erlöser, „und daS wolle» wir uns mit eisernem Griffet in unser : iatbolisch-christlichcs Gemiilh," in unser Herz ein'chreibe» " Wir wissen nicht, ebe! die auch im volksblättlichen Teile dervorgehobcncn Worte aus dem Soteeer : oder Bozener deutschen Sprachtbmn geschöpn seien, jedenfalls empseblen wir - den katholischen Gesellen, die Worte des Erlösers wenigstens in der gr.nn- , malikalisch richtigere» Faffnng: „Ohne mich könnt Zhr Nicht»", in ibr katholischj christliches Geuuilh ein;»schreiben. vtyin Pakernitätsstreil.) Bezeichnend genug kür die ethi'chen O.nalnäien . des Äiztiiemitismus, daß ein negativer streit darüber gemdri ivrrd. welches i das Ursprungsland der eonkeistonelle» Raecnibeorien lei, negativ, weil beide Lbeile die Paternität von sich abzuwalzen suchen. Das neneste „heutkche" Blau | Wiens und das Organ der MoSkowiler in Prag liegen sich in den Haaren nud uiöchteu einander gerne die Batersibasl die>'er Mißgeburt iu die Schube schieben, I Tie „Politik" hat vor einigen Tagen den Aiilnemiiisnms ein demicheS Produei genanur, welcher in Tschechien nur mangelhaft eopirk worden >ei. Tie „T ent -che Zeilnng" beruft sich zum Beweise der EegeiilheitS auf stolm. Wuilientbrauni \ antwortet die „Polili k": »Mit dem Formal scheint sich bei der „ Teui'chen Zeitung" . seit ihrer letzten, Pardon, seil ihrer neucfteu Wandlung auch der Wiv'nnd die Logik! verringert zu haben, den» sonst vermöchte sie nicht mit jo lapvi'chcil scheins argumenlen ivie eioliu zu debisliren. Zn stoti» gab es einen straivall, von « dem erwiesen ist, daß Leute ihre Hände mit im Spiele hatten,, die l eben alS — Hauptrepräse» la nten des .deutschen AnliseiiiiliSm ns j gelten." Ein solches Gestäiitniß von solcher Seile ist immcrliin dankenswcrth. j - (Ein neuer Trick.) Zn einer Nummer des „Trak", eines lener zahllosen | Ttchecheublattcheu, welches den Lehr'av der „Potiul" „ eaß der Ami-emnisinuo eine Bliitbe der deutschen Eullur sei, zu nichlt zu machen sich abmulien. war unlängst j in gesperrter Schrift folgender Passus zu lesen: „Der von indischen Ahnen abstamniende Easerio Santo bat den ehrenwerlkenPräsideule» Earnol des halb ermordet, damit an dessen stelle der ebensall» von'jüdischen Ahnen abftaulmende Eaiimir Perier gewählt werde." Fehlt nur, daß Eaierio und Casimir Perier atS Abstäminlinge deutscher Zudeu ä la Trumonl ans gegeben worden wären, dann hätte der Wahnsinn noch mehr Methode und der „Trak" einen »och glücklicheren „Trick", um den ilm gölviste 'Wiener Blauer sicherlich beneidet hätte». (Psklldomanic.) DaS berussinäßige Lügen ist bei jener Presse: welche aii geblich zur Bekämpfung der Verlogenheit der- „jüdischen"-.Journalistik ins Leben gerufen wurde, in eine Art Monomanie auSgcarler. Paul.Förster'» „Frei deulschland" berichtete unlängst auS Memel: „Ganze Schaareu indischer -Schnorrer ziehe» tdeils zu Fuß, «Heils zu Wagen in unsere Stadl ei» und suche» das Mitleid dadurch zu erwecke», daß sie erzählen, sie seien bei dem Brande der russischen Stadt Plunjau obdachlos geworden." Dazu benierkl die „Jüdische Polkszeilung": „Diese 'Jioii; hat uns im höchsten Grade überrascht: denn wieviel Worte, soviel-Lügen! Außer den Deputate» der. abgebrannten Stadl Plunjau, bestehend aus drei Mäunern, hat sich auch nicht ein einziger der Berunglückltn. welcher da» Mitleid der Stadtbewohner angkiprochen Kälte, hier sehen lasten: und dieses Mitleid ist lehr groß, da» beweisen die zahl reichen Gaben, welche Christen und Juden i» unserer Stadt für die'-abgebrannte Stadt gespendet haben." (Ein Schauspiel für Götter.) Die »emn antisemitischen Zeitung» gründ'unge», welche in nächster Zeit in Deutschland in» Leben treten solle», haben bereits eine» scharfe» Eoneurrenzkauipf unter de» verschiedenen anti leinitische» Blättern zu Tage gefördert. Die Blätter wcrse» sich gegenseitig reinste» GkichästsanlisemiliSmuS vor und warue» alle Antiseiniten, daraus hercinzufaUen. DaS Förster'sche Organ ^Freideutschland" wirft neuerding» der „Staatsbürger-Zeitung" vor, daß sie „Zudenanoncen" äufgenonmien habt und auf „Zudenpapicr" gedruckt sei. Noch mehr wird vor der Unterstützung der amisemitischen „BolkSrundschau" gewarnt, deren Begriii.dung ebenfalls auf reine GeschäftSinotive zurückgesührl wird. Zur Charakteristik deS veraillwollltcheii Herausgebers diese»'neuen Blattes, Dr. Friedrich Lange, wird däbei milgetheiltdaß dieser auf eine Frage, ob da» Blatt auch anlisemitischc Wahleandidaturc» unttrstützen werde, geantwortet habe: „Nur dann, wen» der Candidal ihm zu sage". Nun macht aber Stöcker'» „B olk" daraus aufmerksam, daß Lange dem „Bund der Niner de» rrsernc» -streu;,'s " rer'p'.oä'eri habe, sich vour extrem,'» Antisemitismus zurilckzuziebeil. ''all» dt.- er die iieiie „Bolks Nund-chau" a,s BereiuSorgau näkine. Der „N e ichsb e: e" ieinerst'»» iveist nun wieder daran' lnu, daß die-e.-..-Bollsruud'chau" si.v in ihren Aillüntigungen.z'var als vanei loies Blgtt tarstellt. während als Netaeteur in die-esh.' Herr v. Moich„ der Nedaezeur deS AKIwardl'schen „Bundsttinh". ein A.n.i-eunt de. ert'.enisten Nichinng, b'rit'en iv'rrden war. Tie'e prlili'ckv' Unehrlichke-.i uilv'e ::n!tochsten t^radc be deuklich erichetneii. Auch in der Provinz machet! sich äuisteniilisäie Blätter unter einander »ach strä'len Eoncurrenz, Bezeichnend hie'iir ist eine tibeilungder ailli'emiit'che» ..Westp-hälischeu Ne»orin". Tie'elbe lläg! darüber, daß ihr lemer Nedaetenr heimlich in Hagen sich mit dem dortigen ann-.-nrnichen Berein über die Herausgabe eine» be'oudereu Anlii'einileubl.'.lles verständigt habe, um die a»:i>'e»ii:i''che. Bewegung ge'chä'tlich-iur sich auszuuützen» nne daü sie durch ki,"'e Coneurreuz gezvoungen ist. ibr Blatt nur. einmal wöchentlich' erscheinen zu. lasten. - Zst das nichi ein Schau'viel st'ir Göller"? L-cullicran. Die .Eepferl'clieiläe. Erzählung ven Eduard üulsic. II ’ Für die freien Stunden, die er bisher unter de» Schanzen" bei den Töpseröl'en zugebrachl hatte, 'lichte sich '??,Zeejetzt eine andere Beschäftigung: die>c war leichter >ze'uchl,ais gesiinden. Da trieb ihn sowohl die Laugewells-. als auch "sein Hang zur Eiiiiaiuleist aus den Dachboden, um nachzuieheu, ob uuler dom iilailnigsach?» alten l"e riliupel, das da umher lag. sich nicht etwas nndei. woran er Zulerene hätte. Lieben viel anderem Zeug, das er nicht brauchen konnte, ststud da auch eine alte M lüe. . deren Deckel nur lose auilag uiid leicht abgehoben iverdcir lonnte: d:e>e ->i:>'ke war voll von ulrit und gröstten (Heils schadhaften Biicherli, zerrineneu Landkarten und Dckiriileii, welche von dem bereits verstorbenen Oheim, einem Bruder, seiner Mutter, herrnhrkeu Dieser war zu Anfang der Bierzigeriahre.nach 'Berlin ge gangen, halte dort Bhiloiophir i'lndirl' und ivar gegen Ende der Bicrzigerjahre von Berlin als Doekor der Philosophie zlirnckgeloiniiie». Diesen Oheim halte Moses sehr geliebt. Seit denen Tode standen die von ihm zuri'ickgelaneuen Bückler und Ochrjsien i» der Si'isle ans dein Dachboden nnhcrührr. Bon dieser Niste hob Moies den Deckel ab iil»d kramte in den darin -enihalieuen Scharlcte». Nach eanigestl. Herum tramen zog" er ein zerrissenes Bncki heraus, avelches wegen der in den Text gedruckten Figuren leine Anfnierksaulkeit erregte. Er hatte so etwas noch liienlals gesehen, denn der Ilnterrichl, den er bie-hest in der christlichen Drivialschule und iiu „Ehedcr" genone», hatte i'lir alles Andeze eher gesorgt, als für die Anschannng. " Hnndertnial hat er in der Bibel gelesen, daß die Zsraeliien in Egypten waren, daß ne dort Delavendiensle verrichten iiiußren, daß Moses sie aus der Selaverer befreit, daß er sie in die Wiiile geführt, dckß er ihnen am Berge Sinai die zwei Gesetzestafeln gegeben, daß ihnen, von Gott ein Land verheißen war, worinnen L.si'ilch nnd Honig stießt u. s. n>., aber, :ro Egypten liegt, wo die Wüste, in der die Zfraetiten vierzig Fahre lang umher gezogen, wo der Berg, an welchem sic die zehn t^eboie erhielten, »nd wo das fl'nchtreiche Land, das ihnen gelobt'--und verheißen war, darnm sich zu kl'lil»ner.n, das war dem Lehrer im .,Elieber" nienials in den Sinn. gekonimeil. " Die Ninder geivanneu auscheincm Unterrichte bloß die aieiintniß dös Geschichtlichen nnd Sagenhaften, und dies war ge eignet, die Phantane zu veleben, aber ne g-ewannen von alt den örtlichen Bczeichnungeii wie Egvpten, Schilfmeer, Berg Sinai, gelobtes Land u. s. w. keine Nennkniß,' nicht osninal jene die lebendige An schaunng vertretenden Symbole, welche ans der Landkarte zu gewinnen sind. Bou Natnr wißbegierig hätte Moses gerne gewußt, was die Figuren in dem Buche zu bedeuten habe». Er setzte sich unter dcks Dachfenster und begann;n lese»: er konnte aber ans dem, was er da las, nicht klug werden. Das Buch war von Mäusen zerbissen. Die ersten Blätter waren ganz durchlöchert und zerfetzt, die nachfolgende» Inchr oder minder beschädigt: erst mit Seite 7.'» begannen die leidlich erhaltenen Blätter, und diese Seite begann mit eiucin Satze, über welche» sich der kleine Moses vergeblich de» Kops.zerbrach. Es stand da näinlich zu lesen: „deshalb istauch die Erde in der Aegnaiorgegend ausgcbaucht und an den beiden Pole» abgeplattet!" Bkoscs war ei» in sich gekehrter, aber aufgeweckter Zunge und mit einer raschen Auffassung begabt: hier aber ließe» ih» sei» durch den Dalmud geschärfter Bcrstand und seine rasche Auffaisniigsfähigleil

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