Freies Blatt
- Journal
- Freies Blatt
- Volume
- III (1894)
- Issue
- 124 (19.8.1894)
- Date
- 1894-08-19
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Freies Blatt Abonnement-pr«-. Für Orsterrrich-Ungarn: »anMrig mit Postzukndung. Hald,Lhrig fl. i rr. BierttljShrig . . . Für da« gesammt« Nu«Iand: i»an\iäl)tig.fl- 0 — . jaibiatrig.st. »•«>• Erslhklllt an Itdem «onntage. Einzelne Nuwmern 6 kr. ttnlranttrte Briefe werden nicht angenommen. ». *.5o. Organ zur Abwehr des Antisemitismus. fl. —.75. ' . Redaktion und '.'Ituuiniüntiou: J. Lcilcritättc 1^. Jufcrat« werden mit in kr. für-tic. »ieruu. fpaltcne ^onpareillezette berechnet.. Keiner Än zerger das Vort S kr. Auinadme vsn Inseraten in unterer Ädminlstrati'on sewie im rinnoncenburcan M. L ukeS. l. WoKzett« H. dtammer 124. Wien, 19. Äugust 1894. III, Jahrgang. Die Duden im wirthschaftlichen Leben des Staates. Warum soll eS nicht gesagt werden: Die Juden sind, insoweit ihrer Kräfteentfaltung, nicht hindernd und hemmend in den Weg getreten wird, ein befruchtendes Element im Interessengebiete vor-' wärlSstrebender Eulturvölker. Zu Reflexionen geneigt, lassen sie die Dinge nicht glattweg so gellen, wie sie sich dem physischen Auge darstellcn, sondern stellen dieselben unter die Loupe ihres grübelnden Verstandes, um ihnen entweder neue, ihren Werth erhöhende weiten äbzugewinnen oder anderweitig bestehende Verhältnisse zu ihrem Portheile dienstbar zu machen. Und so kömmt eS, daß sie im Erwerbs- und VerkehrSleben eine Productivität zu Tage bringen, deren Ergebnisse dem Staatsganzen zugute''kommen und dessen Prosperität steigern. Daß sie hiebei zuweilen — nicht immer — auch nicht leer ausgehen, wer vermöchte darin die Ursache zu einem Vorwurfe finden, wenn er sich nicht mit dem Mäkelnder Bornirtheit, wenn nicht gar der Stupidität behaften will? Müßte nicht jede Unternehmungslust aufhören, wenn die Perspective auf Vorlheil und Nutzen ausgeschlossen bleiben sollte? Was der Dünger für das Saatfeld, das ist der in Sicht befindliche Gewinn für den Ackergrund jedes Unternehmens. Sehen wir doch, welchen 'Riedergang unsere herrliche Haupt- und Residenzstadt zu beklagen hat, seitdem jene Partei häßlichen UebelwollenS den Unternehmergewinn als Ausbeutung und Betrug stigmatisirt. Es ist vielleicht nicht überflüssig, hier anzuführcn, wie diesbezüglich volkSwirthschaftlich autoritative Männer denken. Als die Weltausstellung im Jahre 1873 in Wien veranstaltet werden sollte und von den erforderlichen enormen Kosten die Rede war, äußerte ihr Schöpfer, Barou Schwarz-Senborn dem Schreiber dieser Zeilen gegenüber: „Mögen die Dinge kosten, waS sie kosten; vorhanden müssen sie sein, damit das große Werk gelinge. Wer Großes anstrebt, darf nicht kleinlich beim Gebrauche der hiezu ngthwendigen Mittel sein. Ehre, Ansehen, wirthschaftliche Hebung werden die Eonsequenzen der Weltausstellung zu Gunsten Oesterreichs sein " Mag dies auch im ersten Augenblicke nicht der Fall gewesen sein, auSgeblieben ist eS gleichwohl nicht. Nicht immer geht die Saat sofort auf, welche ausgestreut wird; sie bedarf manchmal zu ihrer Keimung eines längeren AuöstandeS. Die Thatfache ist feststehend: Die Weltausstellung vom Jahre 1873 ist nicht ohne Erfolg für den Weltverkehr Oesterreichs auf dem Weltmärkte geblieben. Wir können also füglich darüber hinweggehe», ob auS den Unternehmungen der Juden für diese auch Vortheile sich ergeben; worauf eS ankömmt, daS ist der Nachweis, daß diese Unternehmungen fruchtbringend auf die. öffentlichen Interessen deS Staates wirken. Es würde nicht schwer fallen, diesen Nachweis aus der Geschichte selbst zu liefern. Man braucht nur' an Spanien zu erinnern. In welch blühendem Zustande befand sich dieses Reich, als die Bekenner des JudenthumS sich dort ungestört dem Fleiße ihrer Hände, der reflectirenden Arbeit .ihres Geistes hingeben konnten; 'wie armselig fristet es seine Existenz, seitdem eine unselige religiöse Unduldsamkeit sie, vor gerade 400 Jahren auS Vanb und Reich verwies. Wir denken aber, daß es nicht nölhig ist, in die Ferne zu schweifen, wo die Belege für die Richtigkeit unserer eingangs ausgestellten These auS unmittelbarer Nabe geboten werden. Wem sind die kümmerlichen wirthfchaftlichen Verhältnisse un bekannt, unter denen beispielsweise die herrliche Sktcniurt litt, als noch das AuSwcisungSedict vom Jahre 1404, aus Grund dessen den Juden der Aufenthalt dortsclbst versagt war. seine volle Geltung hatte! Die reiche» Schätze, welche die Vorsehnilg in ihren Boden gelegt, blieben ungenügend behoben und vcr werthet; daS mindere Bodcnerlrügniß machte ihr die Einfuhr nn entbehrlicher Lebens- und Jndustrieanikel zur nnabwciSlichen Roih wendigkcil, ohne daß derselben der Export eigener Producte als Eompensalion entgegengestellt werde» konnte; Handel und Verkehr waren in Folge mangelnder BclricbScapilalicn und Transport mittel gleich Rull; der Wucher, von Richtjnden betrieben, feierte seine Orgien; mit Einem Wort: daS Vaud war 'passiv. Aehnlich verhielt eS sich in Kärnten, Krain, Tirol. Wie anders gestalteten sich aber diese Verhältnisse, seitdem die Weisheit und Hochherzigkeit unseres Monarchen durch die Verleihung der de» Alp jenes verhängnißvollen EdicteS von diesen Ländern genommen. Ihr steriler wirthschaftlicher Boden ist fast zu üppiger Flur umgewandelt worden. Bankinstitute, deren Gründung mittelbar oder unmittelbar jüdischen Unternehmern zuzuschrciben ist, haben hin reichende Eapitalströme in diese Länder geleitet, die wie der Regen auf dürres Erdreich belebend auf Handel »nd Gewerbe, Industrie und Verkehr wirkten und die gedeihliche Entwicklung der ökono mischen Verhältnisse dieser ReichSlheilc herbeiführen. Aber auch abgesehen von dieser wohlthätigen indirecten Einflußnahme, parli cipiren die Juden an der Hebung deS Wohlstandes dieser Länder durch ihren dirccten Handels- und Industriebetrieb in denselben. * Durch Auffindung neuer Absatzgebiete verstehen sie es, den Werth der LandeSproducte, der Erzeugnisse der Industrie und des Ge werbcS zu heben, wie sic die auf dem Wege der Einfuhr zur Be friedigung der Bedürfnisse zu bringenden Artikel durä> ihren leb haften Wettbetrieb namhaft verbilligen. Doch wozu bei einzelnen Ländern liehen bleiben, wenn Ge sammtösterreich die productive Thüligkeil seiner indischen Mil bürger auf wirthschaftlichem Gebiete so intensiv zu verspüren Ge legenheit hat? Ungarn hat erst in jüngster Zeit Anlas: genommen, dies im gesetzgebenden Körper zu constatiren. Eislcithanien wird dasselbe lhun müssen, wenn nur auf einzelne, das Reichswoht wesentlich fördernde, nicht zu bestreitende Wirkungen hingcwiesrn wird, welche wirlhschaftliche Operationen halten, an denen nicht zum geringe» Theile Juden participinen. Nennen wir zunächst daS Eonverfionsanlehen, daS die Regierungen deS dies- und jenseitige» Oesterreichs mit der Orolhjchild Gruppe in neuester Zeit contrahirtcu. So imnwns die Vorlhcile sind, welche hieraus zu Gunsten deS Staatsschatzes und mittelbar der Steuerträger resultirten, ungleich größer sind sic »och sür das wirthfchaftliche Leben unseres Vaterlandes. Der billige Zinsfuß wurde hiedurch stabilifirt und die hieraus fließende. Wohlthal kömmt aber nicht bloß dem Handel, dem Gewerbe, der Industrie zu statten, indem dieselben leichter alü vordem in den Wettbewerb treten, sondern jedem Hypolhekarschuldner, weil die Hypothekar zinsen namhaft reducirt und die Rückzahlungsbcdingungeü. wesentlich. günstiger normirt wurden. Bürger und Bauer empfinden t