Freies Blatt
- Journal
- Freies Blatt
- Volume
- III (1894)
- Issue
- 119 (15.7.1894)
- Date
- 1894-07-15
- Page
- [Seite] (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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f Nr. HO. Freies Blatt. reite 11. welche du nicht erwartetest, du hattest ein einsames, freundeloseS, liebelecreS Leben. Nun, da dein Geld dahin ist, wird eS »och einsamer, freundeloser, liebelecrer werden. O! ich gebrauche keine Drohworte. Das sind natürliche Conseguenzcn. Tu hast daS Gesetz mit ,rußen getreten. Wie daS Weinglas, daS bei unserer Trauung zerbrachen wurde, so wird dein Leben sein, gebrochen. Aber daS Gesetz bleibt. Und daS Weib wird dem Mann gehorchen." ,;Jch will nicht mit dir streiten, Emannel. Ich könnte über dich lachen, aber die Sache ist zu ernst. Ich könnte böse über dich sein, aber, aber eS ist zu ernst." „Mein todtcs Weib," er blickte in ihr Gesicht mit einer leisen Ahnung der alten Zärtlichkeit, „um dieses kurzen Monates willen, dessen jede einzelne Stunde in meiner Erinnerung fortlebt, ich kann nicht anders, als die Wahrheit reden. Nichtsdestoweniger, ich habe nicht nichr das Recht, selbst in deiner Gegenwart zu sagen, woran ich denke. Dp bist noch schön, Jsabella — aber dein Antlitz ist hart. Es hätte sollen das Angesicht eines WcibcS sein, dessen Tage im Sonnenscheine der Liebe sich badeten. Aber eS ist hart. Es ist das Gesicht einer Frau, die zwanzig Jahre lang gekämpft hat." „Und deines, Emanuel, ist noch immer das Gesicht cineö Träumers. Deine Augen sind voll Träume. Liebe hat keinen Platz in deinen (Sftbünfcn. Lebe wohl, mein todtcr Gatte. ' Die Todtcn küssen und. grüßen sich nicht, noch reichen sic einander die Hände. Für sic gibt's „ichis als die Bcrgangcnhcit. Leb' .wohl." Sic blickten einander eine lange Weile ins Angesicht. Dann wandte sich Emanuel und verließ langsam das Zimmer. Als einige Monate später Emanuel mitten unter den Zelten inigcr arabischer Freunde saß, da stieg ihm wieder die Erinnerung an dieses letzte Lebewohl vor seinem geistigen Gesicht empor. Er sah die Augen seiner todtcn Frau, und als er in'dieselben starrte, verschwand ihr harter Ausdruck, und sic wurden wieder die lange vermißten Angen der Liebe. Und so wird diese Erinnerung bei ihm fortdauern bis an fein Ende. — — Als er das ZimiNer verließ, blickte ihm sein Weib »ach, gerade so, wie sie cs vor zwanzig Jahren gethan. Sic Rundung seiner Schultern, die gebeugte Haltung seines Nackens ciiiilltcn sic mit Mitleid. Emanuel, dachte sie, wird alt. Was seine warnende» Worte betraf, so hatte» sie dieselbe Wirkung auf sif wie Samen, der auf harten Fels fällt. Sie hörte dieselben, aber beachtet: ne nicht. Er ging hinaus und schloß die Thür. Sie zögerte, dann ging sic auch zur Thür. Es war Alles gerade so, wie bei der letzten Unterredung vor zwanzig Jahren. Sie öffnete die Thür und trat hinaus auf den Treppenabsatz. Unten sah sic ihren Mann die breiig -Halle durchschreiten. Er öffnete die Thür, ging hinaus und schloß dieselbe hinter sich zu. Alles gerade so wie bei jenem Scheiden vor zwanzig Jahren. Aber diesmal war cö das letzte Scheiden des tobten Gemahls und der todtcn Gemahlin. Sie sah, wie Mclkah mit znrückgcworfcncm Shawl da stand »ud den, sonderbaren Besucher nachblicktc. „Mclkah!" rief sie. „Mclkah! Sahst du ihn? Als er das letzte nial kam, prophezeite er mir ein liebelecrcs Leben, wo doch das Kind in der Wiege schxic; wieder prophezeit er mir ein liebelecrcs Lebe», wo das-Kind nun erwachsen ist." 4 "Aber sie hat die Wiege verlassen — sie hatte das Nest verlassen, sic ist fortgcflogen. Franziska ist fort! Sic müssen leben-ohne sie. Ich sagte cs Ihnen — ich sagte cs Ihne»! Geben Sie ihr einen Mann, sagte ich. Aber Tie wollten nicht. Sic haben sic nun verloren. TaS M'ittb ist dahin." „Melkah, du bist ein einfältiges, altcö Weib! Warum sollte Franziska dahin sein? Wie sollte ich sic verlieren. Sie wird verändert zurückkonimcn, denn sie wird ihre Schrullen verloren haben. Sic wird zu mir znrückkchren, mein Lieutenant sein und. meine Nachfolgerin. M-elkah, er ist hartnäckiger als je. Sein Gesicht-es gab eine Zeit, wo mich die Sehnsucht danach wahnsinnig machte - ist noch cdler wic vordem. Er ist so unpraktisch und so hartnäckig wie je. Ich bi,z froh, den Mann noch einmal gesehen zu haben, Mclkah. Es macht mich schon der Gedanke stolz, daß ein solcher Mensch mich lieble;, aber ich liebeihn nicht mehr. Wenn ich, die ich von Emannel Elvcda geliebt wurde, für die Glcichstellnng der Frauen cintretcn kann, mii wie viel mehr sollten nicht jene unglücklichen Franc» dafür kämpfen, welche mit niedriger stehende» Menschen verbunden sigd?" „TaS Weib muß dem Manne gehorchen," sagte die Alte ans Damaskus — die niemals bekehrt werden konnte. ,, Fortsetzung-folgt Ärieskasten.!>t B., Prag besten Tank! 'Wird möglichst bald erscheine».- L M, IVfltr. Das! Tr. Barcniher i» früheren Jahre,, »ich, aniitemitelie und sich erzliberal geberdele, ist ja bekannt. Bo» der Gründung des „Bnndeshabe» wir schon Notiz genommen. Barenthcr's Phrase» entbehre» aber jetci- Bedeutung. Tie Zeit, Herr» Prade eine» politischen 'Nekrolog z» widme», ist wohl »och nicht gekominen. Warten Sie ab, l»S er thatfächlich vom öiiemlichcn Schauplätze scheidet. X., Nikolsbnrg. Tie Ergebnisse der Gk,„rj„r,kwahle» in Pottendork lind Tiirnklllt sind erfreuliche Lichtpunkte. Ja, wenn die Forlschrjilstreiinde überall rührig wären, dann stünde die Sache freilich anders Tie Mechaniker Ber iannnlniig bietet wenig Neues. Ter Herr, in dessen Aufträge die „antiienliniche EorrnptionSpartei" grbraiidinarkl lvnide, haßl eben die abtrünnige» Genonen. ll,.d einem delielblni hat er schon einmal zur Beirciung ans aller Äölh einen „festen, unzerreißbare» S rief" empfohlen. Nnlrnndigungen dos „Freien Glattes". Inserate werden angenoniine», sowohl in niv'ercr Administration, als auch int Annoncen Bureau Hl. Hitlies. Directer Bezug von eleganten billigen Reichenberger Anzugs-Stoffen. 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