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Freies Blatt · 1894-07-15 · 119 (15.7.1894) · p. [Seite]

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Journal
Freies Blatt
Volume
III (1894)
Issue
119 (15.7.1894)
Date
1894-07-15
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Abotniemeiikspreis. ftür Qefterreich.Ungarn: <*uiiiäbrig mit Postiufendunq.fl. 2.50. Haid,adrig ft. 1.25. ^iertrtjädrig ... fl. —.75. Hur bü? gef am m te Ausland: «'Vimifibrig. .ft. S.— Haldiahrig. fl. 1.50. ifin\elue Nummern 6 kr. Un'rankirle 'Sxiot werden nicht angenommen. 'Jtcb'iufTon »»d 'Jlbmiuiftratioit: (Organ zur Abwehr des Antisemitismus. r aciicrrtättc w. ^nfer.-.te wcrd.n mit l" kr. 'iir sic viermal ge. fvalteni Nonpareille;eile berechnet, kleiner An. icig'er das 2r?ört 2 kr. Au'uadme von Inseraten in nnierer Administration sowie im/Annoncendureau M. TukeS. I. 4öoll;cile *. (Srichciut au jedem Soimtage. Nummer 119. Wien, 15. Juli 1894. IIL Jahrgang. . Quousque tandem? 'JJJnn entschuldige einen Gemeinplatz! Aber das '/eben spiell sich ans Geiueinplützen ab, und stolzes Perkenne» dieser banalen Thalsache ist im politischen wie im bürgerlichen heben mir all;» oft der (Mrnnb böser Erfahrungen, bitterer Enttüuschiiiigen geworden. Unsere liberale Partei, felsenfest überzeugt von der Hip. besiegbarteil der liberalen Priucipien, will eS noch immer nicht riiiseyen, daß bei Wahle», welche maßgebend für die Machtver hältuisse der Parteien sind, in erster hiuie nicht daS Princip, sondern persönliche, private, örtlieche Berhältnisse kleiuliechster Natur, entscheidend in die Waagschale fallen. Bei unserem dermaligen WahliiiechanismuS wenigstens wird der Erfolg der künftigen ReichsrathS- und '/andtagswahlen in der Regel schon durch den Ausfall der GemeiuderathS- und BezirkSauöschnßwahlen bestimmt Da nun aber zwei der hiebei in Action lreteiiden Wahlkörper in der Regel eine leicht voraussichtliche Stellung nehmen, der erste gegen, der drille für die anlisemitischen Eandidalen, so bildet der zweile Wahlkörper zumeist daS Zünglein an der Waage; ob die an den Fingern einer Hand herznzählende Eandidalen deS zweiten WahkkürperS bei den Bezirksausschußwahlen Antisemiten oder Frei sinnige sind, daran hängt also nur zu oft daS Schicksal der folgenden Reichsrathöwahl. Und nun bedenke man, welche Factoren tür den Ausfall dieser in den großen Kreisen und leider »och mehr von Politikern „großen Styles" meist unbeachteten Wahlen entscheidend sein können: persönliche Eitelkeit, Bezirkszänkereien, welche an und für sich mit Prineipienfragen gar nichts zu thun haben, wirthschaftliche Abhängigkeiten, sociale Berbindiichkeite», wir Möchten sagen alleö eher als die großen Principfragen, um welche sich dann in der Reichsvertretnng die Parteien gruppiren. Ein Mann der Ueberzeugung mag nicht ohne Widerwillen diese traurige Thatsache anerkennen, leugnen kann er sie nicht, und noch weniger sollte, er sich der Erkcnntniß verschließen, daß auch sie eine trostreiche Hoffnung für die Berlreter der guten Sache in sich berge. Durch die kluge uii'd rationelle Ausnützung der kleinen Bezirkszünkereieii, durch ein geschicktes Entgegenkommen den geblähten Bezirkögrößen gegenüber und nur duich diese Kleinpolitik sind die Antisemiten so groß geworden. Aber auch die liberale Partei hätte die gleichen Ehancen gehabt, und sie könnte heute noch alle Scharten wett machen, alleö Berlorene der hohen Sache der Freiheit und Rechts» gleichheit wiedergewinnen, wenn sie nur ein wenig von ihrem hohen Rosse— möge eS für sie kein trojanisches Pferd werden — herabsteigen wollte auf den Standpunkt des BezirksbergerS. '.'eitrer ließ sie sich selbst durch die forlgesitzten Mißerfolge, die sie in ihrem Stammlande Niederösterretch sozusagen tagtäglich erlebt, nicht zur Anerkennung dieses allerdings etwas trivialen Grundsatzes bestimmen. Aus zahlreichen Crlen Niederösterreichs liefen in den per gangenen Wochen Nachrichten über fen Ausfall der Geniei'.rderalhs wählen ein, keine erfreuliehe» Nachrichte».. Fn Kiosterneiiburä, Baden, St. Pölten, Mödling und anderwärts find int dritten Wahlkor per antisemitische Eandidaten ditrchgedrungen. Wir möchten nicht gerne den bösen Propheten abgeben, uiiisomehr als wir gewiß nur eine Kassandrarolle spielen würden, allein wir theileu nun einmal nicht jenen Optimismus, der an die Uuüberwindlichkeit uuvertheidigter Priucipien glaubt. Wenn cs so fortgeht/ werden bald alle Gemeindevertretungen Nie'derösterreichs den püsten Eharcckker des Wiener Gemeiiiderathes zeigen, und über kur; oder lang werden antisemitische Maioritäten die Schicksale unserer Gemeinwesen entscheiden. Bestürzt und rathlos sieht man liberalerieitS diesem Processe entgegen, thallos wie unter einer lähmenden Suggestion des Feindes. Die Antisemiten entfalieir.eine-— wir müssen es immer und immer wieder betonen —' geradezu be wunderuiigSwürdtge Thätigkeit. Wohlvorbereitete, gegen alle lieber» raschunge» gesicherte Bersammljingen in Stadt und '/and jagen einander, in der Winterszeit werden Parteibälle, '/uegerKränzchen ». s. w. veranstaltet, damit die Parteifreunde sich näher treten und auch die Frauen in die Agitation gezogen werden, in den heißen Somiiiertageu macht die Partei „Ausflüge" aufs '/and, -an einem . Sonntage arbeitet die Partei oft an drei undi vier Verschiedenen Cvten des Landes, man sludirt mit einem einer besseren Sache ward!egen Eifer die localen und persönlichen Details des Operationsfeldes, kur; »tan hat eine.zielbewusste Strategie iiiid Taktik und befolgt dieselbe mit unermndlichem Fleiße. Und was thut dein, gegenüber die liberale Partei? Man erspare uns die Antwort, da wir nicht gerne bitter werden möchten! Wie sollen denn die hibe» ralen überhaupt arbeiten, wo Zede Möglichkeit einer einheitlichen Arbeit fehlt? Die Antisemiten haben eine straife Parteiorganisation, vocal- und Bezirksoerbände, in jedem Dorfe in den Personen dcü Pfarrers, Eooperatorö und Küsters eine Art Eadre, der sich im geeigneten Momente zu einer kampfestüchtigen gruppe verstärken kann u. s. w. Wo ist die einmal verhießene Partciörgani sation der liberalen in Niederösterreich? Wo anders als auf einem Folioblatt schönen Papieres? Wer sind eigentlich die Führer, .wo ist daS Bureau,' das Actionscomit.'-, >der Parteifondö .u. f. w.? Man hat eine ähnliche Organisation besessen, wie jene obenerwähnten Ladrcs der Antisemiten, den Deutschen Schulverein, mittelst oesstu man auf jedem Dorfe eine liberale Estuppe hätte schassen können, die sich um eine gleich angesehene Person, um den Lehrer, krhstallisirt hatte. Man hat diese Organisation ungenützt einemtraurigen Siechthum verfallen lassen. Die vielverhießene neue Partuorgani sation ist nun aber mehrere Jahre schon im „Werden" begrisfen Wie lange, noch? < Wir haben es ausgegeben, auf eine thatkräftig« Unterstützung

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