Freies Blatt
- Journal
- Freies Blatt
- Volume
- III (1894)
- Issue
- 118 (8.7.1894)
- Date
- 1894-07-08
- Page
- [Seite] (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Seit e 10. .freier Blatt. Niemals! Sie soll cs zurücknehinen." Er wandte sich rief Adalbert. „Wollen Sic, zn gehorchen? zum tuchen. ..Halt, halt! mein guter Freund," wollen Sic wirklich?" „WaS sonst soll ich wollen?" „<^ut denn, Enianucl, wen» Sic wirklich beabsichtigen, all das l^eld Ihrer Frau zurückzugcbcn, so ist'S aber nicht genug, daß Sic es sagen und dann fortgehcn. Wenn Sie ■ das thun, so kann sie cS nie bekoinincn, »och werden Sic imstande sein, skch davon loszumachcn. Wollen Sic inir'S anvcrtraucn, das für Sie;u ordnen? Wie ich Ihre Gattin kenne,, ist sic ganz ebenso iinstjande, die Annahme Ihres E'cldcs zu verweigern, wie Sie die Annahme des ihrigen." „Ctlmcit Sic cS, wie Sic wollen. Sic ist ja Jhzc Cousine." „Sehr gut. Ich dachte, daß Sie so rcdfn würden. Ich habe eine Schrift vorbereitet, die Sie nur zu unterschreiben brauchen. Sic werden mir das ganze Geld als Depositum, als Depositum, hören Sie, übergeben. Die Interessen davon, beiläufig zwölfhundcrt Pfund, sind an Ifabclla Albu, Ihr Weib, während ihres ganzen Lebens und nach ihrem Tode ihre» Erben auszuzahlen. Entspricht das Ihren Ansichten?" j v „Ich habe keine Ansichten." j „Hier ist die Urkunde, bereit für Ihre flnterschrift. Da Sie das Geld so sehr verachten, so könne» Sie nichts Bcsicres thun, als Ihr "rebellisches Weib dadurch strafen, daß Sie ijr alles Geld geben, das Sic haben." Emannel Unterzeichnete, ohne auch nu Assistent oder Schreiber gab den Zeugen ab. „Danke. Und nun, Emannel, können sobald Sic wollen. Aber noch Eines wegen r gelesen zu haben. Der Lie in die Wüste ziehen, Ihrer Frau. Ich werde ihr, wofern ich nicht dazu gcnökhigt bin, ni ht sagen, daß das Geld von Ihnen stammt. Ich werde sagen, cS ei ans dem Schiffbruche gerettet worden." „Wie Sic wollen. Um das Geld flimmere ich mich nicht." „Emannel, Sic gehen fort, für wie lange wissen Sie nicht. Es ist einundzwanzig Jahre, daß Sie Ihre Frau nicht gesehen haben. Vielleicht, ich weiß es nicht, sie sieht nicht danach aus, vielleicht ist sic sanftmüihiger geworden. Picllcicht werden Sie nie wieder vor diese Möglichkeit gestellt. Sprechen Sie sie noch einmal. Wenn sie ein willigt- Sic zu sehen, so gehen Sic zu ihr. wissen Sic mich auch das für Sic ins Werk sehen." Emannel nahm diese Aufforderung schrrcigsam hin. Dann begann er mit den. Spuren sichtlicher Erregthcii im Laden auf und ab zu wandeln. „Warum sollte ich sie sehen?" fragte e' plötzlich „Wozu wäre cs gut, wenn ich sie sähe?" „Sic sagt Ihnen vielleicht etwas UelerraschendcS," erwiderte Mr. Angclo, der Tochter gedenkend. „Kommen Sie, Emanucl, ich bin überzeugt, daß Sie etwas Unenvarrercs hircn werden." „Warum sollte ich sic nicht sehen?" fragb er, die Möglichkeit des Unerwarteten außer Acht lassend. „Warum nicht?" wiederholte Adalbert. „Die Zeit ist vorüber, wo der (Gedanke an ihre Schönheit mich so sehr bewegte, bis ich schwach und krank wu> de. Ich liege nun nicht mehr wach im Bette nüt heißem Sehnen nach meinem verlorenen Weibe. Jetzt kann sie mich nicht mehr errege i. Doch, nein, die alte Leidenschaft ist erstorben. Ich will sie sprechen, sofern sic cinwilligt. Ueberlanen Sie es ihr. Sagen Sic ihr von »ir, daß ich unverändert bin, aber daß ich gegen sic keine Bitterkeit hege. Wenn sic mich noch einmal, sehen will, bevor ich gehe, ich denkt, cs ist vielleicht das lcykcnial. Ich will nicht, bitten, sic sehen zu duffen. Aber wenn sie cS wünscht, wenn sic cinwilligt —“ Sein Besicht zeigte, daß die Zeit der Er cgung noch nicht vorüber war. Er gedachte der Bergangcnhcit. Er vandtc sich und verließ bas Hans, ohne weiter ein Wort geäußert zu haben über ihren Zeitungen saß. Aber heute war ihre Feder träge, ihre Gedanken weilten anderSwo. „Sie bringen mir noch mehr schlechte Nachrichten, Vetter?" sagte sie, ihm die Hand reichend. „Ich erhielt Ihren Brief aus Paris.' Ihr Benehmen war unverändert, doch ihr G sicht blaß und formell. Die zwei Schreibcrinnen waren verschwunden. Briefe hatte schon abgenommcn, denn die Neuigkeit war bereits, unvollkommen und entstellt, zuerst in den Pariser und dann in allen londoner Zeitungen veröffentlicht worden. ,Die Sachen sahen sehr übel ans, als tch diesen Brief schrieb. Ich ließ Ihre Angelegenheit in vertrauenswürdigen Händen, da ich ' Nr. 118. ück. Seither aber sind Ihnen das Ergcbniß betreffenden teilte bc nichts weiter ausrichtcn konnte, und kam zu wir nicht faul gewesen, und ich bin gekommen nntzutheilen." „Daß ich eine Bettlerin bin?" „Nein. Ein wenig rechts vom Bettelstandcl Erstlich," er zog sein Notizbuch heraus, „ich werde Ihre Aufmerksamkeit wohl eine Viertelstunde lang in Anspruch nehmen müssen, fürchte ich." „WaS ist eine Bicrtelstundc, die ich einem Manne, zuhöre, der mich vor der Armuth retten will? Bitte, nthinc Sie Platz, Vetter, und fahren Sic fort." „Also fürs Erste. Sie wissen doch, daß bei Ihrer Verehelichung ein Einkommen von zweitausend Pfund Sterling jährlich Ihrem Manne lebenslänglich zugcschricbcn wurde?" „Ich glaube so. Sic könnten vielleicht die nachrichtigen, daß kein Geld mehr da ist, weiter zu zahlen." „Ich habe cs gcthan. Was die Zinsen betrifft —" „Er hat etwas erspart von seinem Einkommen? Als ich zuletzt von der Sache hörte, hatte er feil Jahren nichts herausgenoininen Mich kümmern seine Zinsen nicht." „Er hat nie etwas von dem Gcldc berührt Erbin wäre seine Tochter." Madame Elveda runzelte die Stirne. „Franziska soll also das Geld haben," sagt^c sie eifersüchtig. „Ich hatte gehofft, daß meine Tochter.Ällcs mir zu Aber wir wissen ja nicht bestimmt, ob er todt ist oder nicht. Sicherlich ist er schon lange, lange todt." Mr. Angelo beugte sich vorwärts und sagte Ai th ratralischcm Flüstertöne. „Cousine, Ihr Manu ist nicht todt. Ich habe mit ihm gesprochen." „Nicht toht? Aber warum dann — doch cs Wenn er lebt,' soll er seine Zinsen nur nehmen Jahre gcthan, da ich nichts von ihm gehört?" „Er ist in der ganzen Welt hcrumgewandcr! lange aufgchaltcn. In den Städten macht er seinen Lebensunterhalt und hält sich dabei stets „Ich wünsche nichts mehr über meinen Gallen Zu hören. Ich möchte ihn am liebsten vergessen, wenn ich'ö könnte. Es ist mir schon beinahe gelungen, und nun kommen Sic und bezinncn wieder ein ab geschloffenes Capitcl „Vergeben Sic mir. Es ist das Beste, daß Sie kennen sollten. Außerdem — doch ich will zuerst über ander Es ist Alles da. Die l abe ihn gesehen. Ich geht mich ja nicht» an, WaS hat er all die er hat sich nirgends Holzschnitzereien für unter Juden ans." Angelegenheiten mit sagte ich, in guten, anfangs wirklich in ljabc mich jedoch nun Mr. Adalbert iah ihm lind doch muß man ihn .. L räumer!" u'.mdita Traume neuer iingekannker Reiz dabei, mit einem Mengen zu verkehren, der teineo c^.Id.s bedarf. qach „Ein Träumer lieb haben. Es ist ein XXXII. Mr Angela machte ohne Aurfchub die nörh rgen Schritte, übertrug die «Gelder auf >cin eigenes c^onlo und gab struekioncn über die Investirung derselben auf als Bevollniüchtigren. Dies geschehen, begab er Moad, uni seine Cousine zu besuchen. Sie cmpsing ihn in ihrem Sludirzimincr, seinem Sensalen Inscinen eigenen Namen sich in die Cromwcll wo sie wie gewöhnlich Ihnen sprechen. Ich ließ Ihre Angelegenheiten vertrauenswürdigen Händen. Sie schienen mir einem bedanernSwcrthen Zustand zu sein. Ich versichert, daß aus dem Schiffbruch etwas gerettet oder wieder ein zubringen ist, eine Summe von vicrzigtausend fffnnd —" „Vicrzigtauscnd Pfund! Es ist nicht viel von wcicinhalb Millionen. Doch ich bin dankbar für Alles!" „Es ist nicht viel von so Vielem. Doch, ein: Summe von vierzig, tausend Pfund würde von den meisten Mcnsä cn als sehr schönes kleines Vermögen bezeichnet werden. In der Thal, Sic werden ganz gut leben können, nur natürlich ohne das Bcwi ßtscin großer Macht, welches bei Ihnen der lebenslängliche. Besitz unermeßlichen Ncichthums hcrvorgcrufcn haben muß. Es mnß sein," fuhr er fort, er schüttelte dabei den Kopf und wurde poetisch über dal Mißgeschick, welches seine vollsten Snmpathicn erregte, „wie ein Nirdcrlcgcn von Krone und Secptcr. Ja, wenig Königinnen haben eine solche Macht wie Sie mit Ihren Millionen! C! cs ist schreckt« > — es macht einen Mann verrückt — an einen solchen Verlust nur zu denken! Ich denke beständig daran. Tag und Nacht kommt'ü mir nicht aus dem Sinn. Cousine, ich staune'— ich staune wi klich — über Ihre Stärk«. Manche Frau wäre gänzlich gcbrochm nach solch einem Schlage, ich selbst wäre durch ein solches Ungli ck närrisch geworden oder ich hätte mein Lager ausgesucht und iväre | cstorben. Aber Sic — Sie sind von Granit — Sie vergießen keine Thränen — Sie hadern nicht mit dem Schicksal — Sie sitzen ruhig da, als ob nichts