Freies Blatt
- Journal
- Freies Blatt
- Volume
- III (1894)
- Issue
- 118 (8.7.1894)
- Date
- 1894-07-08
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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/ Freies Blatt AbonnementSpreiS.;rür Tkflerrcich.Nnflarn: iadri» mit Pofliufrudu»,.fl. *.S0. Haldiühriri fl- BirrlcliSdri-, ... fl. Aiirdaegesamml« A»«Ian»: i«a>uiät)rifl £,iltjabrig fl.!>.- fl. ).«>. Einieln« dlummcrn <: kr. llnftanrirf« «riefe werden nicht angenommen Organ zur Abwehr des ^lntiseniitismlls. .Erscheint an jedem Sonntage. Redactio» und Administration: I. Seilerstätte 10. ttiscrate werden, mit i a kr. lür die viermal ge' tt»altenc Nonpareillezeile berechnet. 'Kleiner An zeifler brtJ Wart 2 kr. Aufnahme von Inseraten in unsererAdministraliail sowie im Annoncenbureau M. Duke-. I. Wollzeile 8. Nummer 118. Wien, 8. Juli 1894. III. Jahrgang. „tm Monate Nugnst beginnen mir mit der Veröffentlichung einer liochintrressantrn Erzählnng: ..Die Töpferlcheive" von Eduard Kulke. Eduard .Si u 1 f c ist bekanntlich nächst Veopold Kompert der bedentendste österreichische «>hetto 3diilöcrcr, und mir freue» nns dalier, das neueste, eigens siir das „Freie Blatt^ geschriebene Werk dieses Dichters »nsereii l'. Vcfcrii demnächst biete» zn köiiiieii. Oc»n der Universität. Mit Freibier und Frciblütlern habe» schon vor Jahren gewissen lose Gerngroße, welche dsc Kleine»;« sich koinnien ließen, als sic im Kreise reifer Männer nicht eine ihrem Dünkel entsprechende Rolle spielen konnten, de» Sinn der studirendc» Jugend verwirrt und ihn in Bahnen gelenkt, welche für daS Ge»iei»woht schädlich sind, aber anch häufig die Bersührtcn dein Bcrdcrbc» prciSgebcn. Die jüngsten Seaiidalc an der Wiener Universität zeigten wieder einmal, welche Bcrhcerungcn der Antisemitismus angerichtct, wie sehr er eine große Anzahl Stndirender jedes Anstands- »nd RechtSgcfnhlS beraubt hat. Dieselben ^gcrjcthcn über die Mitwirkung cincS der hervorragendste» llnivcrsitätSlehrcr an der Untersuchung über die bei der Freiwilligen RcttnngSgcscllschaft cingcrissrne» Mißständc und namentlich über deren Beseitigung in eine wahre Bcrscrkerwnlh, deinonstrirlcn in lärmender Weise gegen diesen hochachlbarc» (belehrten und für die Urheber jener Mißstünde, störten de» Unterricht und insultirtcn Kommilitonen, in denen sie Widersacher erkannten oder anch nur verinuthctc». Damit nicht zufrieden, ginge» sic, auö eigenem Antriebe oder - angcstachclt von der Hochschule fernstehenden Agitatoren, weiter und wagten cs, dem Rector ein „Mcnwranduin" zu überreichen, daS ebenso thöricht als aller Würde bar ist. Sic verlangen darin nichts mehr »nd nichts weniger als die Bestrafung des Professors, in dessen Bcthätigung, humaner Gesinnung sie eine ihnen zugcfügte Ehrenkränkung zn er blicken angeben, besten Bcrhalten in der Angelegenheit der RettungS gcscllschaft sic als mit der Stellung eines, akademische» Z'chrcrS in Widerspruch stehend classisicircn. DaS .Memorandum" wahrt seinen Eharakter als Kundgebung der antisemitischen Internationale dadurch, daß eS von den Burschenschaften der sogenannten wehrhaften deutsch natioüalen Vereine, einer kleinen Anzahl von Vertretern der Finkenschaft auS den österreichischen Provinzen, mit Einschluß (RilizicnS, ferner von je drei .Vertretern" der Rumänen, Ergatcn, Slovaken, Serben, Rüsten, Bulgaren :c. gezeichnet ist. Zur Veröffentlichung gelangte das famose Schriftstück sowohl in dem Drganc jener Raecn und EonfcssionShcPcr, welckje sich gemeiniglich in eine deutsche Bärenhaut hüllen, als anch durch de» publieistische» Herold der in allen Farbe» schillernden GcschäftSantiscniitcn. . Für die Art, in welcher dieses Machwerk mit Unterschriften ans, gestattet' wurde, ist eine Reihe von Verwahrungen -sehr bezeichnend. Zunächst erklärte die akademische Bereinigung polnischer Studenten „Polonia" mit Bezug., ajis die RaiisenSfertigung von drei Vertretern anS Galizien, daß das ,'.Memorandum" weder von ihr selbst fl1" zeichnet, »och mit ihrer ^Zustimmung gefertigt .wurde. Sic verwahrte sich entschieden gegen eine derartige eigenmächtige Usurpation einer. - Vertretung der Studenten polnischer Rationalität nnd wies . mit Entrüstung jedwede Gcmcin>chaft mit Jenen zurück, die, verblendet durch »»begründeten Haß und Leidenschaft, zu Mitteln greifen, welche jede» akademischen Bürger in den Augen seiner Ration . nur hcrabwürdigcn müssen. Flugs war die antifeiniiische Prc»« dabei, , die „Polonia" für einen „Jndenvcrein" z» erklären und gegen die - selbe den Verein „l^gnisto" als-Vertretung polnisch katholischer Stu deuten anSznspielcn. TagSdaranf. erschien aber ein? Erklärung dcS „l^gniSko", welche ebenfalls gegen daS eigenmächtige Anftreten dreier unbekannter Stndirender als Repräsentanten Galiziens oder vielmehr der ganzen „arischen" akademische» Jugend' des genannten Z'andeS protcstirtc. Auch her atadcinische Verein von Studenten auS Rußland gab öffentlich bekannt, daß er cS als Vergewaltigung seitens ant gcblichcr Trusten betrachte, sich als Vertretung der Hochschüler auS. Rußland in Wie» zn gcrire», und jede Znnnithnng der (Gemeinschaft mit den Urhebern dcS „McinorandninS" mit Entrüstung zurückwcifcn nittstc.. Die Fabricatio» von Unterfchrifte» geschah also in derselben Weise, wie dicS bei Wahlanfrnsen anlifcinitifchcr EomitöS üblich ist. zn deren integrirendcn Bcstandlhcilen stets Fälschungen gehören. Im deutschen UnivcrsitätSlcbc» bildet 'da». Pronunciamiento der Wiener^ antisemitischen Studentenschaft allerdings ein Unienni. So hoch, die Wogen des AntiscinitisninS iin Seutschen Reiche auch gehen, siel cS dort »och keinem Studenten bei, die Maßregelung eine» Birchow zu verlangen, weil er in der deutschen nnd preußische» Volksvertretung, im Berliner Rathhansc, in sreisinnigcn Versammlungen den Umtrieben der Stöcker und Gcnosscn ans das Schärfste cntqcgentrat. Auch an Gneist, der sich an die Spitze der Abwehrbcwegung im Rgchbarreichc . stellte, wurde niemals, von . seinen Hörern das impertinente Ansinnen gestellt, sich dcS Rechte» der freien McinnngSüußcrung zu begeben Es blieb Wien Vorbehalten, noch nie DagcwescncS zn schaffen. Hier erdrcistctcn sich deutsche Studenten, im Bunde mit. slavischc» »nd rumänischen Brüdern im AntisemitiSinnS gegen einen deutschen Gelehrte» von europäischem Rufe, gegen einen Man» wie Nothnagel, in solcher Weise vorzngehcn. Die antiseniitischc Bubokratic und Nothnagel! UnS fällt ei» vortreffliches Wort Ludwig Börne'S ein: „Jarke auf den Stiefeln Lafayettc'S hcrumkriechcn! Es war mir-, als jäh' ich'