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Freies Blatt · 1894-06-24 · 116 (24.6.1894) · p. [Seite]

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Journal
Freies Blatt
Volume
III (1894)
Issue
116 (24.6.1894)
Date
1894-06-24
Page
[Seite] (sequence 11)
Language
German
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Nr. 116. Freier Blatt. Seite 11. verkünden, sobald der Krieg aushört, muß ich glauben, daß meine Erfindung, von welcher ich sicher bin, daß sie den Krieg abbringen wird, auch dieses Reich der Gerechtigkeit beginnen lüird." Mr. Hayling stand, die Hände in den Taschen, abgewendet vom leeren Kamine. „Emanuel!" sagte er, „du hast ktwaö Großes gcthan. Ich glaube, cö ist das Größte, daS entdeckt wurde seit Anbeginn der Welt. Aber eS ist ein schreckliches Ding, der Kops schwindelt mir, wenn ich bedenke, daß man dieses Werkzeug der ganzen Welt gibt, dem rasenden Anarchisten, dem verhärteten Dynamitarden, dem verzweifelten Berbannten, jedem Berrückte», der sich von der Welt beleidigt glaubt. Mein Freund, wie ich eure Propheten verstand, so soll die Welt gerecht werden, bevor der Krieg aufhört. DaS soll die Wirkung sein, nicht die Ursache der Gerechtigkeit, und ich fürchte, wir hahcn noch einen weiten Weg bis zu dieser dreimal seligen Zeit." „DaS ist'S, was ich sagen wollte," murmelte Franziska. Das Zimmer, in welchem sic saßen, war stets finster, selbst während der hellsten Tageszeit. Ru», als die Sonne »ntergegangcn war und draußen Zwielicht rinsiel, war cS hier so dunkel, daß Jedes nur die schattenhaften Umriffe und die undeutlichen weißen Gesichter der Anderen sah. Dies ließ das Gespräch viel feierlicher erscheinen. Mr. Hayling sprach langsam, seine Redeweise mar die eines ManncS, der seinen Weg auch in der Finsterniß kennt. EmannclS Redeweise war wieder die eines ManncS, der auf solidem Grunde steht. „Kann man Gerechtigkeit in der Welt zur Herrschaft bringe», indem man den Krieg zum Aufhören bringt'?" fragte der Journalist. „Ich dcnke nicht. Für meinen Thcil sehe ich zwischen die Welt von beute und die Welt dieser Bision zahllose Hinderniffe gestellt. Ich sehe Jeden für sich selbst gegen jeden anderen Mann kämpfe». Bevor die Welt deiner Bision beginnt, muß Jedermann »eben seinem Bruder und nicht gegen ihn kämpfen. Deine neugeborene Gerechtigkeit kann in einer Welt wie der unseren nicht cxistircn. Bxi »ns ist die Gemeinidce verschwunden, ausgenommen, wenn Männer Schulter an Schulter stehen und in den Krieg ziehe». DaS ist der einzige Fall, wo die Männer Brüder sind — Waffenbrüder. Wir sind nicht mehr Brüder bei der Arbeit, bei der Kunst, Brüder selbst nicht i» der Religion. Wir haben alle Bindemittel zerstört, Laß uns überall diese Brüderschaft der Menschen Herstellen, und wenn du das gethan hast, Emanncl, i dann wirst du viel geleistet haben, um dieses Reich der Gerechtigkeit möglich zu machen. Ich predige jede Woche daS Gemeinleben, die Brüderschaft, aber Niemand beachtet mich. Ich schlage in die Luft, und jetzt erzähle ich meine eigenen Leitartikel," fügte er hinzu mit Lachen und Seufzen. 1 „Fahren Sic fort, bitte," sagte Franziska. „Erzählen Sic uns noch einen Leitartikel." „Ich habe unter dem Volke zwanzig Jahre gelebt, und ich habe Augen und habe aufgcpaßt. Ich sehe, was vorgeht, nud ich muthmaßc, was kommen wird. Ich sehe Tyranneien kommen, ärger als irgend eine, die wir bis jetzt erlebten, ich sehe daö Gesetz immer strenger werden für Zwecke der Bedrückung, die Auflehnung immer schwerer gemacht; die Menschen mehr und mehr zu Selaven erniedrigt. Nichts ist schrecklicher als die Tyrannei eines Mensche», der den Beutel voll hat und sonst nichts. Ich habe — ich selbst — etwas gesehen von der Macht des Rcichthums — mein Fräulein." Er wandte sich an Franziska. „Sic haben das Aussehen von Reichthum. Ich aber sage Ihnen, cS gibt kein Leben, das mehr zu wünschen wäre, als das allgemeine Loö mit seinen Zufällen und Bürden. Ohne Krieg wird der Reiche reicher, der Arme, wird armer werden. Der Krieg erzeugt eine Kaste, welche (Gelderwerb verachtet, Brüderschaft befördert und edle Handlnygswcise predigt - ohne Krieg loiib cs ein paar reiche Könige und hundert Millionen Sklaven geben, Emanncl, laß' nnS den Krieg, bis wir wieder gelernt haben, in Brüderschaft der Arbeit zu leben." „Eö wird ü»S gesagt," wiederholte Emanncl,,.„daß mit dem Anshören - des Krieges das Reich der Gerechtigkeit kommen soll. Dürfen wir-zweifeln an den Worten' des Propheten?" r „Sic sprachen vom Erwählen des gemeinen Loses," sagte Harold. „Was meinten Sie damit?" I „^ic sind Mr. Anton Harold Allcyne," erwiderte Mr. Hayling langsam. „Nun, ich will Ihnen etwas sagen. Vielleicht mag es uns helfen bei dem Rathe, den wir bei einander suchen." Er dachte eine» Moment nach „Ich hatte einst ein großes Haus und ein großes Vermögen. Ich sah, daß mein Los nicht so wnnschentn^erth sei als das gemeine Los. - Und ich schiitteltc den Staub von meinen Fußen, »nd ich wählte das LoS der arbeitenden Welt. Ich bin ein gut Thcil glücklicher geworden, glaubt mir, als ich früher je gewesen. Ich. habe seither immer in dieser Welt gelebt. Ich habe geheiratet in diese Welt. Wir müssen alle Dinge versuchen . . . und alle Dinge ertragen . , . und. nun werde ich nie mehr in die Welt des Behagens zurückkehren Ich bin todt für sic, und meine Arbeit — wenn ich welche habe," er blickte auf Harold, „mögen ilir Erbe antrcte», sobald eS ihnen beliebt." Harold hörte ohne große Neugierde zu. Sein. Sinn war voll Be trachtnugen über Emanucls Entdeckung. Sonst ahnte er nichts. In diesem Augenblicke wurden die Verschwörer unterbrochen, und die nun -folgenden Vorgänge machlcn andere Offenbarungen nnuöthig. „Wer ist draußen?" rief Mr. Hanling. r,',or!irtun<i ioijt.i Literatur. Bei der i)f< Saotio\t ne» e i nge lan fe n e B n>1> er: Bericht der Vierten (vc»cralvcrsa»ii»l»»g des Vereines zur Abwehr des Antisemitismus lKill. Verlag des Vereines zur Adwebr des AiitiseiniliSmuS. Wie» 1>Mt. (Jltif Wunsch gratis »nd franco.) * Ter freie Wille Vortrag von Hedwig Henrich WilhelINi.' Reichenberg, Verlag der „Zeitschwingen" (Joses Beranek), Reichenberg, Friedläirderstraße 12. Preis:i Stuck H kr. (15 Pf.), mit Postzuiendnug 10 kr. (18 Pf.), lno Stück ti fl. (12 Mark». Tie berühmte Rednerin entwickelt in diesem Vortrage in ausgezeichneter »nd zulrefsender Weise de» Bcgriff des sogenannten „freien WillcnS". Sie weist i»' klaren und entschiedenen Worte» nqch, daß der Mensch eigentlich keine» freien Willen besitze und daß n»r die mannigsachen Umstände in der Natur und im socialen Leben den Willen des ivtenschen bedinge». Versäume es daher Riemand, sich diesen interessante» Vortrag anzuschafsen und eventuell für seine Verbreitung Sorge zu tragen. OkslerrcichlscheS Rcchtslcxilon. Praktisches Handwörterbuch des öffentliche» nnd privaten Rechtes der im ReichSralhe vertretenen .Königreiche und ».'ander. HcrauSgegkben und redigirt von Tr. Friedrich TufcheneS, Tr. Wenzel Ritter v. BölSku, Advocate» in Prag, und Carl Baretts. ' LandeSanSschnßralh in Prag, unter Mitwirkung zahlreicher Fachkräfte. Prag 1804. Verlag von Hofer nnd illom-ek. TaS vortreffliche Werk, daS in keiner Bibliothek, zumal in keinem Bureau fehle» sollte, liegt nun in sechster Lieferung vor und ist bis zu dem Artikel „Banknoten" gediehe». '— ittnkündiflnngrn des „Freien Blattes". Jn fr rate werden a »genommen, sowohl in unserer Adminiflration, als auch im Annoncen Bureau Ul. Duke». "Wk STEMpfj SIEGEL 6NAZ ECHT ■25. Praterst/asse^S —VII. Jahrgang. Dio XZ;*u.xaaaniiat. Monatschrift für Gemeinnützigkeit fUr Förderung öffentlicher Wohlfahrt** und Wohlthitl*lifllvBP'*lrfbunien, Karhbti it fOr Arme- und Krankfnwe*en, sowie für (Je»undheltspflege, Archiv fQr die tie*aniuitlntereN«en de» Frauen*, Arbeit**, Erwerbsuml Vereinsieben*. Kedacteur: Anton Pfelffrr« I>ie Humanität Ut da* «»liaslat* Faehblnll Oe*lerreleh* fQr Armen* pflege und Wobltbitigkeit und al« solches, der verlk-sliehst« Rathgeber fUr die Gemeindeverwaltungen, die verschiedenen gemeinnützigen Vereine, für Geistliche, Aerzte, Beamte, Lehrer, überhaupt für All**, welche au* Beruf oder au« Neigung für die Forderung öffentlicher Woblfahrtsbestrebungen wirken wollen. Monnttirhein lieft von Hi Seiten Grom*-Quart in varneh inmterA ux*tattuny. t Preis vierteljährlich ein Gulden. Bestellungen nehmen entgegen alle Buchhandlungen, als auch die Expedition Belebenberg, Stefan**tra*»e lL. Probe-Nummern auf Verlangen unentgeltlich und franco. „Aufklärung". Verein jur Verbreitung geschichtlicher Silbung. Jahresbeitrag ». UI. fl. 1.—. ficitritts - Igtklimgti limmt ulzezei K. D. Zenker I- XT. Fr«z kitslhinitr Musitdircctor, emvkrdll sich zur Sdhaltung von Tanz- und Concen Musik. Adresse in der Adminisiralion. 6—l

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