Freies Blatt
- Journal
- Freies Blatt
- Volume
- III (1894)
- Issue
- 116 (24.6.1894)
- Date
- 1894-06-24
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
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I reite K Freies Blatt. Nr. 116. iiiimbüllt getagt u’afeti, daß dir Stiefe und llngerechttgkcit der Bewegung mit «Gründen derHumanität und X'ogik bekämpft werden inuß. La lange wir nonden?,nden die gleiche Vicbe zur Monarchie, die gleiche Hingabe an das Staatswohl, die gleiche Tapferkeit und C pfcrfrendigkeit in den Tagen der Roth und Bedvängniß verlangen, so lange dniien wir ibnen auch nicht die gleichen e)i echte verkümmern. Sie find Söhne desselben Baterlandes und dunen be'elidet werden. Wie berrlich weil baden wir .eultursrendigen" ^en, wen» wir uns mit alle ticht eingeschränkt und cS gebracht in unserer Mühe in die aalten feilen der oiitolera»; arbeiten wollen, -ie doch durch die Be mul,,Ingen der Edclsien und Bellen, tzurch ^eisipg und f^oetbe, durch jjoit-r 11 und Triedrich den «Großem'überwundci^ schienen! Ter Anti seinuisinn.s rerirägi sich nicht mit dem Begriff des inodernen Staates, der auf T nldnng. auf gleiche siiedtte und auf gleiche Pflichten gestellt ist: lürnnd .zenilg, diesiin Makel unterer Zeit schon sn der Schule crntilich;>, X'e.be;i: geben und ihn als unsittlich unb ungerecht zu brand marken Und auch liier mußte das Berbindeidc. und Berinittclndc, »lein da« Trennende und Scheidende betont werden. llcbrigcns is^ es außer .-lwei'el. daß »tatt mit den ' von den jAnlisemitcn benntzten Mitteln die ungebildeten Schichten de« Bolkes! gegen jede menschliche O'emeii'cha't antwiegeln kann. Turch dieselbtn X'iigen hetzten die röiiu'chen Ehristenvertoiger den Böbel gegen die erste» christlichen «M in d.r'elben Beeile stachelt inan noch heute den Ehr,sie:,;n «'si'walilbätigkeitcn aus. Wird en den Antisemitismus anfgerufen dadurch, eigentliche Cl'vct des Kanspfes und. das Beeten Züge und bernbende Ban de« >a,innensinnen." II :■ i;t der Ti-at bat cs Aii'cl teniiki'che Agitation >>ere::s .ans einem todtcn ('leleife“ tteilieli, ir.nn man sich >:• <51 erneute näber ansistit, di, Uten den' »s. NNd I dt:: '.t'N'rlP'N Pol '.,'1 gegc di nun j;uy daß mer.x ili: d:s'.!:m r ollig rLu.::i Beidtebnn.' 1 de! - Z\ hV. Anti'eiilitisniiis;u ein, als fei die mit; aiein Bennder sich unter den 'chattendui Aesi.:: 'eines >i'istbaumes rn'chilinengeiiinden baden, d:-.' bef übende Bewegung war imstande, 'dlche Elemente in die,. silie . tnng;n br und B. :: i:l :::ß de,: p. '■rrlr iden d>nr Sdiädtlfragc .'lnaiva der n> iid'.’it S di.id.: verbot es M a; : e n >v e Mi.7!>'te. k's .'77 PN hat der'eive au' R I n . ,! neeneid):' B '."'.de iüdi'diei Boi:; ,o,dnniig für dt.:: Regiert! ngsbe ivie iv:r ne mit rchant de. durch den preußische» eine vpn dem Abgeordneten iiidi'cher >>'enieiuden auch eine ähnliche T a n zig. welche die Be t-inbnng der Lchlachnlaerrar der Lchächtung vortchricb, als der - verrat'ttugsmäßigeir '.eie,', Religionsübung' wideptreilend, aufgeboben. Tas Re du NN» Bcriduigilllgctl. 3:u ..Bonner Tageblatt" t’am , 1. siebrnar d I. befand sich eine Eorre'vondenz e,n^ B i rillt a n nt. in d r miigetbeiit wurde, daß - '• der ange'ebensien, allen politischen Barteien angeborenden Bürger der' Stadt Birubauin einen vom eonserranven Amtsrichter I a rf i > ct» verfaßten Aufruf verönent lichten, welcher sich gegen die antisemitischen Bcsllrebnitgen richtete. In die'ein Anfrnfe. reu welchem »euxevieit auch das „iyreie Blatt" Notiz genoitinien batte, lonrde'ansgefiibrt. daß es sogar schon t'o weit ge fommeit 'et, dag |ii' Straß, in gröblicher 'che Tranen und Mädchen -eise insultirt worden iee». Ter Borsitzendc des Abends aus der des a.itt'emiitschen Beretnes in Birnbaum, Eigarentabrikaiu T umke, batte bieranf an die 'Ifetaetion des „Boiener' Tageblatt" eine Be nchltgung .eingesendet, die aber nicht. ausgenoinjinen wurde, wesbalb gegen den verantwortlichen Redaotenr Tlamine^ das Strafverfahren eingelettet irorkcn isi Ta« Schöffengericht hat^e den elredaetcur freigesprochen' Tie gegen d.tesi« llribeit von der Staatsanwaltschaft ein gelegte Berufung wurde 'von der SnaffammeV vsnvorren. In den Er kenitkntßgrünt.n bet«t es n. A t ..Ter Antitttnitismns ist lediglich gewisi'e moderne geistig Ridttnng: Tas Breßget'eH gesiebt aber e t« -'.'echt ans Bertchtignngen nur den Behörde»! und Privatpersonen die ^e' s b-'willtgt die'es R.dtt keineswegs den politischen oder :'.rt't ii getsiigen Richknngen. Es würde tauch zu völlig unzu- .doni.-aueuz-'N führen, wenn jedes Mitglied einer politischen B. . d t 7! .> -nger einer g-sisiigen tliichiuug hie Zeitungen nötbigcn k> s.'tn'r Bartei, seiner ktseisie^richtung Berichtigungen T'.:'.« Erkeiintniß wird iii Brenßen von der liberalen ge ße. 'r B-Iriedignug ausgenommen, als cs wohl Mißbrauche, der namentlich von antisemitischer „nt c.n, Bertckttigui!tszirange getrieben wurde, Einhalt zu thun. i n in Hiuterpoininern n .07 an' Bret's ,«-i «nt gee,.',7..t .'-'iti T.ite Bniklilchr '.HmiicmitcH.i H» Lckivelbe sind schon zu wiedeobölteninalen von Hingen Burschen die Tensierschciben in der Liuiagog, ,'iiigcworsen worden. Jüngst traf ein iolcher önis ein .Liniagogea'entter während trünimertc es. liebe, banpt scheint es. Nls ob >' besondere jüdisches Eigentbum 'ür ihre Zersiöi l'lcttcsdiensics und zerch d.ic Burschen insungswuth aitserfehen haben. Lo praktilch sind die jugendlichen Antisemiten aus Hinterpommern. aber noch nicht, wie ihre schlesischen Gcsinnungsgenosien. In Benthen wurde Anfangs dieses Monates Nachts in der Lynagogc ein Einbruch verübt. Ter Einbrecher, der wohl identisch mit dein Patron sein dürfte, der. in Äönigshüttc in die Snnagoge cinbrach, wurde von dem neben der Lnuagoge wohnenden Gastwirth und einigen (.kästen erwischt und nach der Polizei gebracht. Er wird sich vcr innthlich mit der Absicht entschuldigen, daß er einen Hauptprograntin puükt der antiseutitischcn Partei, die Erproprirnng des jüdischen Besitzes durchführen wollte. lPIack-Lchwcillhagcn-TcwaldI Tas NeichSgericht in l'cip^ig vcr warf die vom antiscinitifchcn Trifolium Plack-Lchwcinhagcir Tcwald eingelegte Revision gegen das llrthcil des Landgerichtes Berlin, durch! welches dasselbe wegen Beleidigung des preußischen Ainanzininisters! Tr. Miguel und des deutschen Reichskanzlers ‘ (Mrafcit Eaprivi i zu t^cfängnißstrafcn vernrtbcilt wurde. I : alir ilhlltr r,;)iitlinlmorD‘‘=('tcitl|id|tC.) I» i*|initutcr 1 lü unscres . Blattes Koben wir in der TaS Recht auf Lchlcchtigkeit" Ilberichriebencn 'A'oti; der llliner ^t)iitual»iord"-(^cschichte Erwähnniig gcthan. , Zn dieser neuesten aiitiscinitischcn. Lensationso.ffairc wird nun a»ö , Ulm berichtet: Ter wegen Betrachtes der Ermordung des Triscur- > lchrlings Bk'üllcr längere Zeit in lliitersnchnngsboft gehaltene 1 Lchachter tö ein beim wurde am I.t. d. M. in Freiheit gctetzl. 'Ausschlaggebend für die Treilassnitg war das (Gutachten der Tübinger naturwisscitschaftlichen Iaeultät, wonach die Tiecten an den Messern ' und otleidern Bernheiin's als Mcnschciiblutfkecken nicht nachweisbar i sind und auch Thierblnlslette», theilwei''c sogar bloße r»ioftfleifot, sein können. Vilfi 00(1) roodKU. Herzog 1'copold von Tesian war ein überaus, beliebter und trotz vieler Eigenheiten jovialer X'audeSpater. Er wat ein entschiedener (Gegner der sich an den kleinen Türsienhöfen breit machenden «Geringschätzung des Bürgerihnins und kannte keinen Unterschied der Eoutetsionen. Eines Tages ließ er sich cinut armen, aber stets gern gesehenen Juden rufen, um ihn über die Borgängc in der „kreuz braven Ltadt Tesian" tu befragen. „Modchc," sagte der fürsorgliche Vandcsvater. „als ich l^ute früh durch die Lladt geritten 'bin, roochtc es bei allen Inden: was war denn los'?" „Boir feiern das Purim fest, das Vosnitgsiesi, Tnrchlancht," antwortete der (Gefragte. „Aha, die Erinnerung an deinen Stammvater, Biodche ('INapdochai), und an Hainau: da wundert mich gber. daß cs bei dir, Modchc, nicht gcroocht , hat." „Hoheit! Tie Zeiten sind schwer: inan taun nicht, wie inan l möchte." ..To, Modche: es fehlt am Nolhwendigsien i“ '.Vad) einer Pause befahl -der Herzog, dessen sprid)wörtlichc ktsiitmüthigkeit - frcilid» selten . die eigene Lchatulle angestrengt hatte: „Ich brandtc grünen Ltosi t'ür meinen X'cibjäger: gehe zum Händler R. seinem als Iudeitfeind bekannten Lchnittwaareichändler) »nd laß dir Muster gebe». Tarfsi aber nidjt sagen, daß idt den 3toif fc»raud»e." „Wo dcnkcn Sie hin, Hoheit! Ter R. verlaust nidtf einmal einem arimjn Juden: er wird fid) hüteu, mir Waarcnprobcn zu geben, der öoirft mid) hinaus," jaminerte Moddte. Ter Herzog war jcdod> niietbittltdt. Er befahl nur: „Bc'odchc, das laß meine Sorge fein, nun toof!“ Klopfenden Herzens betrat der tllbgesandtc des Herzogs die Höhle dc-s tsöwen: bevor er das «sietchäftsloeal betreten, iah er sich das Trottoir vor demselbcu genau an, um zu prüfen, ob er nbdt auf andere «Gegenstände als Steine fallen könnte. Endlich trat er ein, allein bevor er nod) ridttig vor dem Tudthändlcr R. gestanden, flog er schon zur jThür wieder hinaus und auf den cinlrctcndcn Herzog. Scrcnissinins waren darob fd»ciubar höchlichtt entrüsict. „Was, dir erlaubst dir, mit nicincn Bürgern so umzugehc»'? Himmel Tönncrwctter! (silcidj cntsdtädigst du den armen Juden mit zehn Thalern," befahl der Autokrat in barschem Tone. .Ter Tudthändlcr R. war zwar wüthend über dieses Ansinncu, aber er that, wie ihm befohlen. Ter Herzog nahm daS «fscld, und überreichte cs dem bestürzten Modche mit den Worten: „Ta hast du, Modchc: geh' nach Haute und laß ood» roodtcn." «Tic ZuSrnversolguitg in Rußland.) Tic russischen Tschinowniks werden in der Berfolgung der jüdischen Bevölkerung immer ersiudcrisdtcr. In Kiew wurden alle hiiinanitärcn Bercine der Juden behördlich aufgelöst. 'Auswärtige Juden, welche Berusspflichten . ttad) Rußland führe», werden dort auf Sdtntt und Tritt chicanirt und in vielen Iällcn, wenn sie uid)t zum landesüblichen Mittel des „Vapowc", des russisdpnationalen Baktchisch, greifen wollen oder lönucn, deS Landes verwiesen. In Europa fühlt sid) keine Macht, keine Bertrctungskörperschaft dazu bewogen, sid) ihrer jüdischen Mitbürger aiiznnehmen und gegen deren Behandlung im Ezarcnreidic auch nur eine Einsprache zu wagen. Ein solcher Protest liegt aber aus 'Nordamerika vor. Tas Repräsentantenhaus in Washington hat unter .Hinweis darauf, daß die russisdte Regierung dem Rabbiner