Freies Blatt
- Journal
- Freies Blatt
- Volume
- III (1894)
- Issue
- 115 (17.6.1894)
- Date
- 1894-06-17
- Page
- [Seite] (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 10. Freies Blatt. liches sür einen Seemann, daß er Herausgeber einer Leitung wird. Ich habe einige Exemplare der Zeitung gesehea Sie ist voll von ^Ideen und von praktischen Ideen noch dazu"! Mr. Angelo lachte faiitt. .Wenn man an die Mühe und Arbeit! denkt, einen Arbeiter von den einfachsten Gingen überzeugen zu wollet! Und daS Alles noch dazu obne Erfolg! Denn er ist ein Narr, u td er bleibt ein Narr. Und wir, wir zeitigen die Früchte seiner Thor seit. Allein, da sind wir: gemeiner Matrose, Steuermann auf einem lerantinischen Kauf fahrer, Herausgeber einer Arbeiterzeitung, Menn von großen Ideen, '^hilantrop, wenn du willst, Mann mit dein Benehmen, der Sprache und der Haltung eines Edelniannes. Das ist der Vater deines Schwiegersohnes. Was den Burschen selbst letiirft, so ist er ein schwaches, arineS Geschöpf, eitel und schal. Er wird Sorgen machen.- „‘-lieeitcr. Ich höre schon." „Ich sah das Blatt zuerst in Emanuels Händen. Er hüllte eine seiner Arbeiten darein. Ich besah eS und fragt! ihn, wie er dazu kam. Er sagte mir, daß der Herausgeber ein alter freund von ihm sei — Emanuel kennt die halbe Welt — und daß!r einst Seeinann war. Auch, daß er kein gewöhnlicher Seemann war, sondern einer, der - denken und sprechen konnte. .So,' sagte ich, .wie heißt dieser ungewöhnliche Seeinann?• .Anton Hayling,' sagte Emanuel. Ich dachte wenig mehr daran, erst wieder, als ich von Nellys .Heirat hörte. Wen hat sie geheiratet? Anton Hayling, Anton Hayling. Ein seltsamer C^ristennaute, und Vater und Sohn haben denselben,! nicht? Und dann — dzt weißt, bei meiner Beschäftigung ist es immer gut, wenn man etwas von dem Neichsadel weiß — ich erinnerte in ich. daß es einen Grafen von Hayling gegeben hat, der vor zwanzig Jsthren seine Besitzungen verlosten hat, vor fünfzehn Jahren einmal ' zurückgekehrt ist und irgendivo bei Limehouse Way gesehen worden sein soll, doch daS ist ungewiß. Sein Taufname war Anton; seines Vaters und Großvaters Name war Anton. Nun, erräthft du wohl, was da herauskommt?- „Meinst du etwa, daß dieser Bursche der Sohn von —" „Warte. Als ich diese Thatsachen zusammenhielt, wirkten sie so mächtig auf niich ein, daß ich keine Ruhe mehr halte und selbst in das Bureau des BlatteS ging. Zum Glück war auch der Herausgeber im Laden. Ich kaufte ein Exemplar und sprach ein wenig mit ihm. Bruder, du erkennst doch den Gentleman,j wenn du einen siehst? Gewiß thust du das. Tu hast es auch bei deinem Berufe gelernt. So wie ich. Wir haben Beide mit Edelleuten zu thun man nicht erreichen, indem nian ein paar Tausend Ein Manu kann reich werden, aber deshalb nicht ein Edelmann, was?" „Ich erkenne einen Adeligen auf den ersten Blick," Buchmacher, „sobald ich ihn erblicke.- s „ Ter Herausgeber des Blattes ist ein Adieliger. Gut. So ging 'ich geradewegs zu den Anwälten des Grafen, welche ich ohne viel Mühe herausfand, und ich.fragte sie, ob sie Jemanden kennten, der den Grafe» zu identifieiren .imstande wäre. Ta nannten sie wenigstens drei Männer, die leicht erreichbar wären, arßerdem gab's, noch eine Anzahl ehemaliger Pächter und Tienstleute desselben. Einer darunter war sein alter Knecht, tvelcher nun ein Wirtshaus in der Jermyn Street hat: ein Anderer war ein alter Beamter vom Bureau, einer war ein ehemaliger Gefährte. Ich nahm also den Beamten mit. Wir fuhren per Wagen zum Bureau hin: ich stell» ihn an das Geländer vor dem Bureau und sagte ihnt, er solle hineinschauen, beobachten und schweigen. Ich ging hinein und brachte alljogletch wieder meinen Mann heraus, ittf Gespräche. .Sahen Sie ihn?' frhgte ich den Beamte», als wir wieder fortgingett. Ja^ sagte er. .Wer ist er?' fragte ich. .Er ist der Graf von Hayling,' sagte der-Besamte. . .Wollen Sie es beschwören?' fragte ich. .Wo immer,' sagte er. So fuhr ich wieder mit ihm nach Hause. Nun,. Bruder, war meine nächste Aufgabe, herauszufinden, daß der Gras sich verheiratet hcst und wo? Vor fünfundzwanzig Jahren war er ein gemeiner Mathose bei einem Handelshanie. Wo konnte! er geheiratet haben? Es ^ibf nur ein halbes Tutzend S etc — Poplar, Shadwell, Wapping, LimeÜouse, Stepuey — und »och ein paar. Zuerst versuchte ich's in Pozlar, und dort fand ich auch die Heirat beurkundet. Er war in der Kirche gekraut worden. Anton Hanlmg, Matrose, mit Phoebe Tickson, Spinnerin.' Und ein Jahr darauf die Taufe des Anton, deS Sohnei von Anton und Phoebr- Hanling Ta-gibt's nun keinen Zweifel mehi. Tein Schwiegersohn, Bruder, ist kein Anderer, äls der Vicomte Selsen, Sohn und Erbe des hochgeborenen Grafen von Hayling, uni deine Tochter ist die Vicomtcsie Selsey — Lady Selsen." „Ist daS wahr? Bist du aber auch ganz — ganz sicher? Ist es wirklich wahr?" „Es ist ganz wahr. Außerdem, der Grundbesitz ist werth — ich weiß nicht, Ländereien sind rsicht mehr das, w^ts sie waren — dreißig- I Das Ting kann er ansgibt, nicht wahr? wird er noch immer sagte der Ne. 115. j tausend per Jahr. Und so viele Jahre ist das alles -aufgespeichert j worden. Es mag durch diese lange Zeit wohl eiin ViertelmiUion oder mehr daraus geworden sein Es gibt auch einen 1 Jir. Harold Alleyue — ein Junge, der die Franziska hier heiraten »lichte — sein Vater war ein Bruder des Grafen und durfte bis zu snnem Tode sich des Besitzes der Ländereien erfreue». Also, ich ging h n, um den Junge» zu scheu. Recht niedergeschlagen fand ich ihn, urd Nelly, sein Weib, weinte. So vergeudete ich keine Zeit. Ich sagte tkm, daß du wüthend wärest. Ich «lachte ihm begreiflich, daß du, wenn >u wolltest, ihu verfolge» könntest,. wo er nur immer hinkomme. U id dann deutele ich an, was geschehen könne. Endlich brachte ich i;n dahin, einen gewisien Vorschlag mit mir zu vereinbare». Wenn er durch meine oder deine Hilfe sich in einer Stellung mit gutem Aut kommen oder Wohlbehagen befinde, dann werde er alle deine Verbint lichkeiten auSgleichen — seines Schwiegervaters Verbindlichkeiten — j egeben am heutigen Tage in Dankbarkeit. Er ist schon mündig, e unterschrieb mich als Zeugen und nahm daS Pc vier mit fort. Und nun, Bruder, bist du wohl bereit, diesem lieb:it Mädchen zu ver zeihen, menn sie als Lady Selsey anerkannt und tischen Aristrokratie wird. Bruder!" „Nun, ja," eiwiderte Mr. Bernard langsam einen Unterschied. Glaubst du,- daß daS Geld bei Man darf sie nicht länger warten lassen." „Wenn ein Mädchen mit einem Bettler dajvongeht," sagte der Bruder, „so ist daS eine böse Sache; wenn richtigen Lord durchgeht, so ist daS wieder eine schau, ich bin so sicher, daß Alles in S rdnung i mit mir nehme, geradewegs in dein Bureau in Tu kommst lächelnd hinauf, du ladest alle deine aufzukommen. Ich habe mein Eheckbuch mit, und Wechsel ausstellen, so hoch du willst. Du kan durch Boten — durch die Post — durch den daS Geld alles xn Srdnung ist. Und ich habe!ine Anzeige für dich aufgesetzt. Schau" — er zog sein kleines Notizbrch heraus und zeigte ein Blättchen Papier vor. „Mr. Sydney Bernard bittet, seine Freunde zu benachrichtigen, daß eine a plötzliche Krankheit ihn verhindert hat, seinen Geschäften während der letzten vier ober fünf Tage nachzngeheu. Er ist nun zurückgekehrt und ist an seiner» gewöhnlichen Auf enthaltsorte zu finden. Wie findest du das?" „Bruder," sagte Mr. Bernard, „du bist »ichi allein der Glückliche in unserer Familie, du verdienst auch dein Glück " „Ter Glückliche'? Nun, was nennst du dann dich selbst? Vater der Vicomtesie Selsey, welche die Schwiegertochb r des hochgeborenen Grafen von Hayling ist? Ich, der Glückliche? Ei, ich. kann Clara hunderttausend hinterlasien, wenn ich gehe, und >och glaube ich nicht, daß ich sür sie auch nur einen Baronet bekomuicir könnte. Nun aber komm mit mir. Schüttle es ab mit guter, kecker Miene. Du ruinirt? Du ein Veruntreuer? Dummes Zeug! Nimm di Champagner hinauf. Gieß ihn aus wie Wasier Alles ein Jrrthun — dieser verteuselte Schlag ist überwunden — eilte Congestion. Har er Schlag? sticht im Geringsten. That nicht wohl — natürlich, Niemandem thut's wohl. Aber eine Beule wie diese ist leicht geheilt. Komni, Bruder." „Ich denke," sagte Mr. Sydney Bernard, einen Hut nehmend, „daß es sündhaft wäre, dem armen Mädchen ui ht zu vergeben unter diesen Umständen. Ich habe gethan, wie sich's g bührte, ich habe um sie getrauert. " „Und ich sage Dir, Bruder. Du Haft ein s:hr> richtiges und an gemesienes Betragen gezeigt. Es sah zuerst au s wie eine ungeheuere Familienunehre. Als solche behandeltest du es. mit der englischen Aristokratie verbunden. Wir eine Zierde der bri- „Es macht gewiß Zeiten fließen wird? le aber mit einem indere Sache. Aber t, daß ich dich nun Der Bouverie Street. Bekannten ein, hin ich will für dich die ist Kunde aussenden Telegraphen — daß , Aber nun sind wir werden Alle steigen, Bruder. Wir werden höher kommen durch diese günstige Verbindung." (Hortsevuoq folgt.) Briefkasten. Ar M. V., Vrillantetigrund: Tb Mark Twain Ji! jedenfalls ist er fast so willig wie Masaidek. Tr. A.» Prag: Warum nennen Sie denn Ihs uns haben Sie doch nichts zu fürchten. Bitte in Hin (8- L.» Czeraowitz: Wir erwarten die uns in. Aufschlüsse. P R., Budapest: Ter Wiener Monitenr der eine fo gerechte Beantwortung der Interpellation, w erfolgte, iväre in den Achtzigerjahren nicht einn«l Partei nehme mehr Einfluß aus die ösientlichen Di Ta« dürste Ihnen genügen. .i >e ist. wissen wir nicht; ngt eit Namen nicht? Bon t^inft also nicht anonym, ssicht gestellten näheren Ikadatt Antisemiten sagt, sie im Falle Decker! Denkbar gewesen; seine al« die liberale Li nke.