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Freies Blatt · 1894-05-27 · 112 (27.5.1894) · p. [Seite]

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Journal
Freies Blatt
Volume
III (1894)
Issue
112 (27.5.1894)
Date
1894-05-27
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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' AdonnementsprciS. ftür Oesterreich Ungarn: ^jitjidbrii} mit i*cfttufcnbuti^.fl. S.50. Halbfädrig st. l.L5. Bierteljadrig ... st. —.«ü. Aürda-gesammtLAu-lanb: ^an;jädrig.> . . st. S — Halbjährig.ft. I H. iLi«;eltte-kümmern 6 kr. Unfraukirte Briese werben nicht angenommen Wfthutioii »uv '.'l&iujitiftr.uin:!: (Drgan zur 2lbuvbr \'s 2lntifcmiti£imis. 1 «tiirrimttc m. »irfdicitit (tu jrdcm Sonntage. ^ltfcr.uc nvrbon mit n» kr. »iir Ne victui.u »• st'.,Irene -.'onvareiUciciTN-pereätnek. stletner;V. Vergor bdi1 Wort i kr. Än''nah..ne tunt .Itt'cvuta' unterer '.Ibmitr^straliotr foivic »nt -"^eulv:; .. M. Tute#. I. >.. Nummer 112. Ulirn, 27. Mai 1894. ' III. Zsthrgüiig. . ' . I Dct5> ^Ninoritcitslxnvusztsein. In den vordersten Neiden der antisemitischen Bewegung in bester reich und Deutschland sieden Geistliche, doch sind öS dier;uli»nde kalho tische Priester, welche in der Heupresse und in unfrei',enden Bersamm Inngen daS große Wort führe», während im Reiche der Gottesfurcht und froinnicn Sine duS (Geschäft deS AnfwicgelnS von protestantischen Pastoren besorgt wird. Die Eichhorn, Paul, Schacher, Tafelt, Spitz :c. sind in ihren Mitteln keineswegs wählerisch. Einer derselben nahm jüngst auch keinen Anstand, daS ulte Testanient, diese Grund luge deS neuen,;»in Gegenstände einer hämische» Bekrittelung zu machen und nnbekümmcrt um Zeit und Umstände daS sitt.liche Be trugen der Dohne Jacobs sowie die Schwäche der -Könige David und Salomo für das ewig Weibliche ngch einem Mußstube. zu beurtdcilen, als ob cs sich durum handeln würde, in der Bcrgangenheil eines liberalen Eandidatcn für eine BezirkSauSschußstelle einen dunklen Punkt zu cytdcckcn. Der Zweck dieser schürfen Berurtheilnng biblischer Gestalten war eine Herabsetzung der heutigen Juden Daß inan durch ein ähnliches Kunststücklein auch anS dem griechischen und germanischen Sagenkreise eine Änklage gegen die Hellenen, beziehungsweise gegen die Deutsche» abzulciten imstande wäre, liegt so aus der Hand, daß dies den Hetzern unmöglich entgehen kann, die sich jedoch in dem Bcrlranen, welches sic in die geringe UrlheilSkrafl ihrer Zuhörer sepen, dadurch nicht beirren lasten. Unterstützung finden die geistlichen und weltlichen „kfoSgehcr" bei Politikern, welche sich der Hosjnung hingeben, anS der Dhätigkcit Jener Rutzen;n sichen. Auch solche Männer, welche alS „Juden Clericalc", alS „Eohnjervative" von antisemitischen Demagogen verhöhnt werden, leisten ihnen Borschub und zollen ihnen alle nur mögliche Rücksicht; auch die Einbcrnfnng von Katholikentagen wird von der jeweiligen Stimmnng derjenigen abhängig gemacht, die man manchmal össcntlich;u verleugnen für rathsam hält. In Deutschland dagegen sind cS die Stöcker und Slöckerlcin, welche den Judenhaß trotz aller glcißncrischcn Redewendungen unanf hörlich schüren und dabei sich der Patronanz von Gutsherren erfreue», die auf diesem Wege eine Bcrnichtung freiheitlicher Er - rungcnschaftcn und Sondcrrorthcilc, wie Berlheucrung der l'cbenSmitkcl durch Sicherstellung gegen jede unbccsneme Eongurrenz, erringen wollen. DaS katholische Ecntrnm macht die Judenhcye in Deutschland nicht mit. In der Münchener Kammer sitzen katholische Geistliche, welche den Ritualmordschwindcl und die anS angeblicher Thierfreund. lichkcit zu einer SlaatSasfairc aufgcbanschtc Schächtfrage ihrem wahren Werthe entsprechend' beleuchteten; in der Darmstüdler Kammer raffte sich ein CcntrumSrcdncr sogar dazu auf, den Mißstand zu rügen, der darin besteht, daß den Gesetzen zum Hohne wohlgceigncte jüdische Bewerber um amtliche Posten zumeist aus einbehördliches „Non possumusa stoßet. Wohl gibt cS auch in, Deutschland katho lischt Blätter und BolkSvertreter, welche in das „Hepp! Hcpp!', mehr oder weniger laut mit einstimplen, wie es ja auch in Sester reich an einzelnen Pastoren nicht mangelt, die vpn der aiiti'emitischen Racentheorie angekränkelt sind und beispielsweise die „siemden Blnls lropsen" anS der deutschen Vitv-ianir ansichcideu wollen. Im (Großen und (Ganzen ist cS aber unzweifelhasl richtig, dost die Jndenhctze in Denschland protestantische, - in Sesteneich 'katboliiehe Geistliche zu ihren Protagonisten zählt. Wir haben liier nur Durch - schnittSuicnschen im Auge: Männer von licicili. RechtSgesuhl und edlem HumanltätSiinn, welche in dieser Hinsicht leine consessionellen Schranken kennen, wie der evangelische .Superintendent Dr. Theodor Haase nnd der katholische Eonsistorialrath Dr. Joses Schöps, stehen außerhalb deS Kreises unserer heutigen Bctrachinng. Im Allgemeinen ist daS Berhalte» deS protestantischen ElernS in Sesterreich und des katholischen in Deutschland aus dem Minoritälsbewnßksein zu er klär.cn. Der AiitisemiliSinnS mgcht ivedcr in ioeialer, noch in eo» seisioneller Bczichnng bei den Inden Halt,—mnd ans mancherlei 'An zeichcn kan» jeder halbwegs Einsichtsvolle die Uebeizngnng schöpfe», daß die gegen die Juden in .Scene gesetzte Hetze sich in ihrem weiteren Berlause hüben auch gegen die numerisch schwachen Protestanten, drüben aber gegen die Angehörigen der römisch katholischen öi irche lehren werde. Das Minoritäisbcwußliei» macht in Scsterreich die Proiestanlen, in Deui'ch fand die,Katholiken zu „Judengenosien". . Oe rein zur A b webr des 71 n 11 fo i u i t i f n u l f-. Am 2.->. d. M. fand im Ronachersaake die vierte treueralvei'amm lung des AbwehrvcrcincS unter reger Belheiligung Ser Müglred-r >lalt,. von denen viele mit ihren siranen und Tochicbii er'chrenen waren. Bon den Jührcrn und Förderer» der Abwehr bewegnng waren zugegen Baron nnd Baronin Sullneb, Herrcnhausmitgkied Baron Veiienb c r g c r, Hofrath Profcnor Dr. '.'c o i b n a g e l. «ssiaf W i m p f f e n. General Miugazz-i. Prokenor ReichsratbSabgeordneter Dr. S ueß, Sie Genieinderatke' Dr. Z.iin m e rm a n ». Dr. S i e r n nnd Seile r, Dr. si-enz. die Malerin-Slga Wikinger silorian :c. Die bei diesem Änlasie ge'procheuen Reden und Toaste waren durchaus gehaltvoll, ernst und würdig und zciigte» für das hohe sittliche nnd sociale Niveau der voni Bereinc gepflegte» und geförderten Ideen und Bcstrebnugen. Eine bc sondere politische Bedenlnng erlangte der Abend durch die vom Herrenhaus milgliede Herr Barou weiten b e r g e r au der Haltung der Regiernng gegenüber Mm AntisemiliSinnS geübte Mvitif. Die Bersatiinilung nahm einen nngemcin anregenden und glänzenden Bcrlanf, über den wir im Nachstehenden berichten: , Barou A. E. S ul tu er erössnete die Brrianimlung inil einer längeren Aiv'pracbe, in welcher er die Tdäligkeit deS BereinkS iin abgelaukenen Jahre crörierie und hiebei insbesondere der regen Agiiakion in Worl und Sclirisl gedachke, welche von de» Freunden der Äbwehridee in Wien und in der Provinz em'allel würde. Aus die der Regierung unlerbreilele Peliiion übergehend, bciiierkle der Redner: „Wir habe» da» Bewußlsci», unsere Püichi geikan zu bade», und die Minister haben u»S die feierliche Bersichermig gegeben, dag auch sic sich ihrer Pflicht bewußt fticti und sür^drren Erfüllnug gegebcneusallS eiiikielen werden."

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