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Freies Blatt · 1894-04-29 · 108 (29.4.1894) · p. [Seite]

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Journal
Freies Blatt
Volume
III (1894)
Issue
108 (29.4.1894)
Date
1894-04-29
Page
[Seite] (sequence 11)
Language
German
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Nr. 108. Seite 11. Freier tCiiciitulcii. 3d) habe es bei den Maure» von Tanger getroste», und doch zählen Sie nicht die Manrrn zu-(Ihrem Bolle." „Was mich bettelst, ich sehe das Siegel des aziserwähiien Volkes. Wenn daS Wort Jüdiy in deutlichen Buchstaben auf (Ihrer Stirn geschrieben stünde, eS könnte nicht offenbarer fein." „Wie sieht eö ans, Ihr Siegel?" „Am gewöhnlichen Gesichte ist eS ein gewöhnliches Zeichen. Es ist ansgedrückt ans Rippen, Nase oder'Auge». Bei einem Gesichte, wie dein Ihrigen, Franziska, ist esweder auf den Vippc», noch in den Augen. Ich kann nicht sagen, was eö ist, noch wo es ist, aber auf Ihr Gesicht hat der Herr sein Siegel gedrückt, gleichwie ans das meinige." „Natürlich kann es Jedermann sehen," sagte '.Velin. „Wir haben eS Alle gleich zn Anfang gewußt." Ta plötzlich -- o Wunder! — in diesem Augenblick sah Frau ziska mit eigenen Augen, waS sie nie zuvor gesehen hatte, deutlich aufgedrückt, auf ihrem Gesichte, das Siegel ihres eigenen Volkes! War dieser Mann ein sauberer, der nicht allein in ihrem Wemiitl) lesen konnte und sie mit neuen Gedanken erfüllte,, sondern ihr auch etwas osfenbaren konnte, waS ihr von ihrer Geburt an verborgen war. Nun, eS offenbarte sich ihr als'ein Siegel deö Ruhmes. Denn das Spiegelbild ihres Gesichtes veränderte sich im Glase, eö erschien durch einen neuen Glanz erhellt. Eine Jtette Aieitbe leuchtete ans ihren Angen, eine neue Würde thronte auf ihrer Stirne, ein neues Z'ächeln spielte uni ihre Rppe», eine neue und sanftere Gluth lag aus ihren Wangen. „S!" rief sie, Emannel bei der Hand fassend. „Was habe» Sie gethan? Was haben Sie gesagt? Ich sehe es — ich sehe es. C! Warum habe ich es nie früher gesehen? Emannel? Es verklärt mein Gesicht! Es erhebt mein Herz! Emanuel, was 'haben Sie gethan?" „Ich habe Ihne» gezeigt, daß Sie eine Tochter jenes Volkes sind, daS in seinen trübsten Zeiten immer durch die Fenersänle geleitet wurd,: ein Theil jenes göttlichen dichtes verweilt, da eö ans eines unserer Gesichter füllt. Es liegt auf dem Ihrigen, .ttind, Sie sind verherrlicht durch dessen Spur.' Franziska, schämen Sie sich noch?" „Nein — »ein — nein," erwiderte sie mit Thräne» in den Augen. „Ich werde mich nie mehr schämen. S! mein Herz ist so voll. Was soll ich meiner Mutter sagen? Was haben Sie für mich gethan, Enianuol? Was haben Sie für mich gethan?" „Ich habe Sie Ihrem Volke zurückgegeben," wiederholte er. Von nun an werde» Cie nicht mehr allein sein. Ich erwarte nicht, äiind, daß Tie zur Synagoge znrückkehren, welche Sie nie gekannt haben. Sie werden einen Ehristen heiraten-" Franziska schüttelte dem .stopf. „Ja, eö ist Ihre Bestimmung. Sie werden.Harold heiraten. Aber Sie müssen stets eingedenk sein, daß Sie eine von uns sind. Sie dürfen sich unser nie schämen, inüffen von pnS daS Beste denken, wenn Sie wieder Blatt. unter die atmen verkommenen .stinderde» Mtsotguiig geben-, müssen Sie des Stammes sich erinnern, welchem die.'-- angehör--», und -des Typus, von.welchem sie abstanimen. Tochter " er streckte chr beide Hände entgegen, seine Augen füllten .sich mit T inanen, und er sah trübe aus — „kommen Sie z'nrück - kommen Sie -,iuiirf .•,» Iyiem Volke. Sie werden nicht zum alte» Glauben znrückkebren, aber Sie müssen lernen, den alten «Glauben zn liebe», selbst in »einen ärmsten und geringsten .ttiivbeni." Sie »ahnt ihn bei de» Händen. „Ja," sagte-sie. „Ich will lerne», Ihr Volk achten. 'Warum ist die 'Wett 'so voll Verachtung iür niis snr nnö?" fragte sie. '„Wir sind ein großes Ve-tk. Tie 'Welt verdankt uns Alles — uns! Wie ist sie dazu' gekommen „ns tu verachten - - uns? Emaunek, ich will lernen, mein Voll s» lieben. Ich mnß über Alles erst.Nachdenken. Es ist zu viel zu lernen. Alt.-s in einem Augenblick, an einen. Morgen. O, -aber icch habe das Siegel gesehen nird den Glanz und die Herrlichkeit des Siegels:" Emannel legte seine Hand ans ihren 'stopt, als wollte er sie segnen. Dann verlies; er das Zimmer und schloß leite hinter sich die Thüre. Franz,sta sank aut einen Stuhl, bedeckte ihr G-.-stchi. mit een Händen: das Herz schlug ihr heftig, ihre Wangen glühten^, neue Gedanten. neue Interessen erfüllten ihr Her; und Sinn. Nelly holte die verlorene Zeit ein, indem sie mit größter Schnellig teit daü Theegeschirr reinigte. Sie sprach nichts; erst als sie fertig war, sagte sie: .„ Mummen Sie, Sie dürfen nicht den ganzen Morgen hier sitzen, Franziska. Er hat Ihnen ja ttft'r ge'agt, was nur Alle, schonlängst wußtenElara wußte es, ich wußte .es, der Vater wußte es." ' . 1 — „Aber ich^,wnßte es nicht, Nelly." Fraiizista erhob sich. Unter . Thränen läel)el-nd. „lind vielleicht bil, ich doch die Hauptperson, die. dabei in Betracht.kommt." ,l S, natürlich! lind nun, Franziska o, ich bräunte schon t»or" Begierde, mit Ihne» zn sprechen, ich dachte schon iiicht mehr, daß ergehen würde. Ich muß es Ihnen sagen, Franziska, ich habe mir's überlegt. Ich kann ohne meinen Jungen nicht lebe», ich habe ihm vergeben« es i» Alles wieder gut, o Franzista! —•" deren (iSeiidit schien kalt und ganz geistesabwesend, „das interessirt Sie gar nicht? Ich hatte gedacht, daß Sie nach dem gestrigen. Vorfälle mehr Interest« dafür hätten. O! Sie würden lieber noch weiter seiner. Vtedigt zugehört haben." „Rein, nein, Nelly," Fraiizista kehrte wieder zurück .ins Sprechzimmer und .zum. Frühstnckstisch und zu Nellys V'iebesastaire „Sprechen wir darüber mehr, Nur, sehen Sie, ich dachte eben -— ich dachte an die Pracht und Herrlichkeit des Siegels. Ich sah empor,- Nelly, .zur 11CI sän lc.. , , z :: - »II.» fl»U,I.* 'Hnltünimutmu'» des '..Freien Blattes". Inserate werden angcnoiilincn, sowohl in un'erer Adnriniltration, al-Z auch int Annoncen HI. ilitltro. Westdeutsche Allgemeine Zeitung nebst : ^löfnifdie £5om■11afl c»='Setfui1fl. £cri»ii»geber Itr. -i>a»s JUcfcr. (''iiHiflc in ftiilu erkisieinende luinbliiiiigifle imti iiiiynrlcittrtir nri'ijc volisischc ragcs-cicitnng. Alleiniges amtliches Frcindcnblatt mit täglicher ^rcmvcnlistr. WirlsamsttS Insertionsorffau. Lorenz ^leininaer's WEINSTUBE „Tum inst »ton fiabf.tljrcr“" V. {iimbrrorrrtritfir “il. chrigiiutr zdl'sterrt'ichl'r Zdeinc zu 4<> kr. 4S fr., r»2 fr.;yr Liter. Echte Prtfmntiin’r 38 fl m* -8 fr. per Liter. - Itortiiijliriir ftitdic. ■V '.'icu eiitlretenbc ÄbonneiUe» crliJltcn die Heilung bi» enbe bc» Äonnie» gratis »nd franco zngesanbi. 'W> Westdeutsche! 1 Allgemeine |! -. . 1 Am llniucü. ' | 1 »$§* Wo it ct {1 di x* t f t fü x* TT? o HUi u n 6 e j! hcrau-gegeben von '! Dr. Friedrich S. Kraust. ^cit'chrttt bringt in jedem T^ande bei Ltu» ^riginaldrrichtc übce L ittcn. Brätule. t^landcu, Lagen, Märcven. Lvrüchc.-Natdicl, ^ottemediAn u. f. w. der t-erichiedennlin , Völker der Welt. 4l»>hr als achtzig, ^otttorschcr arbeiten an'dieser Zeitschrift mit. 1—x . l| BrzugpretK ganzi.thrig 5 Utoncn.; - pcrCiifl v»e»n (5. Kramer in Kamburg. ‘ Ä,, Zeitung. Xic Itölnische LonntagS-kjcitung bringt: Politische Wochenübersicht, «tadtkölNische Anndschan, gut ftctodOttcn Unterbaltungrft»»», sZenillrton, rtgelmaicig Wolniungs Anzeiger unb Mi11hellu»gen des ktölurr .-i»au»> und G rund besitl er-Prrei»rS, besten Bereineorga» bie stäinische Sonntag», .sectung ist. woburch sie sich namentlich;ur zlnsenion cignet, welche Hau»- unb Grunbbesitzer, Miether unb Bermietber inlereisire». Bestellungen bei alle» Postäupern (Prei« liste 'Jit. Brieilragern sowie ber Geschäftsstelle. ■■V Probennrnniern grati» unb franco durch bie Geschaiiestclle in b öl», Passage 41

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