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Freies Blatt · 1894-04-29 · 108 (29.4.1894) · p. [Seite]

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Journal
Freies Blatt
Volume
III (1894)
Issue
108 (29.4.1894)
Date
1894-04-29
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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Nr. 108. Freie» Blatt. Seite 3. Antisemitenblatte veröffentlicht und die betreffende 'Jiummcv an die Akademie der Wissenschaften sowie an sämmtliche Hochschulen Oesterreichs gesendet, jedoch nur von der tschechischen Universität in Prag ein Dankschreiben erhalte» habe. Wahrlich, so traurig auch die antiscnlitischc Bewegung ist, die Erpeetorationen des Vertreters der Oosef stadk sind stellenweise sehr heiter. Professor Pr. Hournicr, der sich am folgenden Tage mit-ihnen besagte, scheint sic auch tcinesw gS ernst genommen zu haben. (Alls drill Grilicilldtratht.) Bei den kehle» «ladtrathSwahlcn,, bei welchcit die freisinnigen Eandidaten Baurath «tiaßn», E^ M. Mäher und Dr. ^cechanSkh gewählt wurden, hat der fortschritt lichc Gemciudcrath Dh. Tchol; in Ausübung, seines ärztlichen Berufes sich nm einige Minute» verspätet: daraus machlo die anliiemi tische Opposition eine förmliche DlaatSassairc. Mit Hilfe, von «pceial dcteetivcs forschte sie nach Umstünden, welche ihr eine Handhabe bieten würde», daS nicht rechtzeitige Erscheinen des Br. Tcholz zur <^'c ^ineindcrathSsitzung als unverzeihlich zu erklären, und als sie solche nicht anösindig machen konnte, griff sie zu ihrem Universalmittel, zum Deandal. Um den Bericht drS «tadlphhsikatS, welcher es bestätigte, dag Tr. «cholz thatsächlich durch seinen ärztlichen Berns am recht zeitigen Ersehe neu 'verhindert war, kümmerte sich die antiscmiiijche Opposition wenig: wenn sic. schon bei den «ladlraihswcihlc» nicht ihren Willen durchsetzen konnte, so wollte sie wenigstens einen „bilden liberalen" nm sein Mandat bringen. »In dieser üiichlnng rbaten sich besonders der Arzt elender und jener Tischlermeister »Vcbtiela hervor> von dessen humaner (Gesinnung die strikendcn Tischlergchilfen so viel Erbauliches zu berichten wissen. AlleS «chreicn, «lrgnipfen mit de» Lüsten, Bearbeiten der Pulte mit de» «väustcn. :e. half nichts; die Majorität lieg sich nicht cinschüchtcr» und erkannte dre Verspätung des Tr. «cliol; als hinreichend eutschnldigl. Durch den von den Antisemiten in «eene gesellen Deandal ging aber wieder viel „^cit vcr loicii, und daS ist sehr zu bedauern: Ein Theil der Antisemiten geriet sich als überaus lonal: wie beherzigen sie aber die in den kaiserlichen ^Worten: „Om Gemeindcralhe wird zn viel gesprochen lind zu wenig gearbeitet" clithaltcnc Mahnung? lTic Asinire «tilüßll» Hirelzorisi. ' Tas Vandcogcrichl hat in der Aiiairc «liaßn» (Ärrgorig der Berufung des Banraihes Ttiaßn» gegen das bczirksgcrichtliche Urthcil insofcrne staltgcgebcn, ,als cs ihn bloß z» einer (Geldstrafe von fl. vcrurtkeiltc. Tic Bcrniiuig ('ste gorig'S wurde ziirückgcwicsen (Bcrbot nutifcmitifdicr Driickschrültn. > Wie das 'Amtsblatt der „Wiener Leitung" kundmacht, hat das VandeSgericht Wien als Preß gcrichl auf Antrag der TiaatSanwaltschasr erkannt, das; der Onhalt des ,rlngblattcs „Tas Vaterunser in der Oudennoih", Deparaiabdrnct des „Lendboten des heiligen Ooscph" ».Verlag Wien, XVIII. Bezirk, -WeinhanS. Truck von 0. stollarz, Wien! das Vergehen nach «? Tt. ÖV (Aufreizung zu si-eindscligkeiten gegen Neligionsgenossenschasicn begründe, und cS ivird das Verbot der Weitcrverbreitnng dieser Tin»! ichrifk ausgesprochen. ferner hat das Landes als Preßgericht Wien uns Antrag der «taatsanwciltschast erkannt, das; auch der Inhalt des anSlündischen Druckwerkes: „Tic.geraubte Braut", stcoinan von l''. Ttein (Druck und Verlag von Adolf' Wolf in Dresden, 'Heft 1 <V stnvie das ist dasselbe cingehestete Bild das Vergehen 'nach ij 002 Ti O'. begründen, und cs wird das Verbot der Weilervcrbrciinng dieser Trnckschrist ausgesprochen, die von der Ttaatsanwaltschast ver .''ügte Beschlagnahme bestätigt und aus 'Vernichtung der säisirlen Eren, vlarc erkannt. <Tl» Itltncilliitlllidicr (ioimilfre.»,3« einem Eoniiners, der hier anläßlich eines dieser Tage abgchaltenen lihistivirlhetages staltiand, erschien ganz unerwartet Dr. Lueger und hielt eine :>ced§. Ter Viasidcnt des l^astwirthevcrbandcS und die Mehrzahl der 'Arrangeure des Gastwirthetageü verliehen demonstrativ den «aal, als Vneger sich anichicktc, daS Work zn ergreifen. Durch eine l'uegcr'ichc 'Anelassung gegen die „rabiaten Böhm" fühlten sich die anwesende» Tculschböhmcn c>letzt, und sie gaben ihrer Mijzstimmnng gege»über dem «precher deutlich Ausdruck. Ter. Eo'uiincrSwar in siolge der Anwesenheit .'ncgcr's sehr ungemüthlich. Daß der Eaf>'-licr Vudwig :>t i c d e l, dessen stassechausgästc zum weitaus überwiegenden Thcile Oujdeu sind und er auf Eirund eines liberalen Programms ein Mandat in den Bezirksausschuß der Onncrcn «tadt bekleidet, den Antisemikensührer zum «prcchcn animirtc und ihm iTvationcn zn bereiten suchte, erregte illgeizieineS Bcsremdcn und bei den sorlschrittlichcn Provinzdeiegirtcn bhastc Entrüstung. lAus einer forkschrikklichcn SHerinminlmifl.) Am 25> d. M. and hier eine von zahlreichen Abgeordneten, Gemeinderüthcn :e besuchte fortschrittliche Parlcivcrsammlung statt, in welcher die Abgeordneten Ir. u»kc, (ssraf S t ürg kh und N oS ke daS Treiben der Antisemiten entschieden verurtheiltcn. letzterer meinte in Bezug ans die Tz'ckert Asfaiac,- daö Verlange» der Deutsch Viberalcn nach einer stccincdur dürstc auch von den Mitcoalirten gebilligt werden; wir sinden diese Bkeinnng, insoweit sie einen Theil -des Hohenwart Elnbs TTetvitfi, sehr optimistisch. . ' / lsinzru einen Hehcnpla».) .XU Wiener Anliscstiiie» haben sich in letzter Zei^ PerchtoldSdors zum Schauplatz ihrer hetzerischen Thätigkcil erwählt, bei welchen Bestrebungen sie bis »Nn bei dein Eopperator des Trtes die wärmste lliilerstiipiiug sandcn. Tie Bevölkerung von PerchtoldSdors sowie die Mer Sommerfrischen an der Südbah» in hauvtsächlich ans den' .^nziig von Sommergästen angewiesen, >veil ihr früherer ErwcrbSzweig. die Weinenltnr, durch die Reblaus vernichtet ist. Ta nun »die Ruhe der Sommergäste durch das antisemitische Treiben gestört zn werden droht, hat dev VerchtolsSLorsr-r (^emciudcauSschüß in einer seiner letzten Sitzungen mit allen gegen eine Stimme folgenden Beschluß gefaßt: „ Ter Bürgermeister von PerchtoldSdors Herr T-berst :>c eich er wird durch den <^eineinLe ansschus; beanslragk, beim Herrn Techani und Pfarrer Vorstellungen' über daö,Ttciben des Herrn Eooperaior.s zn erhebe», beziehungsweise dahin zu'wirken, daß der Eooperalor ''einen Berus-als Priester erfüllen, als Apostel . des Friedens ' und der Versöhnung wallen und nicht Unfrieden in der lstenieinde, die ihn gastlich ansgenoinmen, stiften solle." Von dein Erfolg dieser Vorstellung werden dann die weiteren Schritte des Ausschusses abhängen. «o» öcn •('icincinDcuialileu in Lldzbnrst.» Das Ergebnis; da^ diesjährigen l^emeindewahlen in. T'alzbnrg Halle bereits eine für dw «ladt ''ehr traurige si-olge: den stcüctlritt des um ihren Aufschwung hochverdienten Bürgermeisters Tr. man; 'v. H ne der. und die weiteren Eon'egnenzen der Erfolge des reaelionär-anlisemilischen Bundes, sinh unabsehbar. TaS an den Bürgermeister Llellverneter Tr. Peter Poi'chacher gerichtete Abschieds'chrciben Tr. v Hucber'S lautet: ,E»er .sdoäpvc'Klgebore»!. Ho'.hvere!'r»r »derr crollega: , '.l'iVitic (vü kneilährige Amie-veriode als Vnrgenneislcr der rande-llippi üadi .Lalzbnrg ging inn l. Teeemder!-!>:» zn Ende. Ter ho>lilöbliäie cSeincindeeails bol niir neneeüch die Ehrenstelle des Bürgermeisters "tn, nnd »äelidein ancli eine Tevniaiion nm'erer^Bnrgec-schail an meinen Eeniein sinn aooeNerl nnd mir die Znstellecnng eriheiik Hai, daß sie»ihrerscilS ANcs aivbielen ireide.'»in ineinen begründeien 'Wnn'chen >iir die knn'iige Üiestannng ter Veihäiinin'e i(» tiiemcindeialhe >Seliung zn ver'ch.'.isen. eitliine ich, eine neuerliche -Ltzaln znin Biirgerinciiiel anznnelnnen. Tech »ich! oorbebalilos bade ich 'che» daniaie diese Eiüarnng abgegeben. Ich sprach uiiS Erste die Hciümng ans, das; c» der Biirgcr'cha'i gelinge» werde, den »in die Liarlgemeinde Tal; bürg so bochverdienieü ..Herrn Tr. Andol' Toangler in den E>enicinderaid, in ivelcheni er. >» lange nnd so .cbrenvotl geioirtl bar, iviedeS zurück zu rli'en. Tie>'e H.isinmg dar sich lcider nicht erinlli. Och habe aber bei .»jeiiic'r Wieder N'.ikt MIN. Bürgermeister noch gan; anSdiiictlich folgende-) ertläcn ,,ES tonne' mir als Bürgerineister nichl genüge», nur der Erwähne des i»e»ieindcra:!-es zn fein 1 ich iniine mich auch als- Veriraneiisinann der Bevölkerung nnd volt-- loniinen eins mit derstiben fühlen tonnjit.'• 0>1> habe daber kcho» i ci ineiner Wirdeiivabl z»ni Bürgermeister die ganz bestiminie Erklärnngabgegeben, daß im si-ahe, als durch die bevorstehenden Aen nnd-.Elgänznng.-i'.-rd!,'.-,! an den i^eiueinderaih die Alch'iilvieinsliininnng der Wahicr'cha'r' mit nieu»,n »’chlbekannlen Grniidiavei! i»-,d z'tniiä len über die tSenieinderei a aNnng . z-un -,'lnSdrnch gelange«'würbe, ich »id« mehr in der rage n-äre, an' kein Ehrenplätze eiiief- Bürgermeister-? zn verbleiben. . Tie kieSiäbrigen '.sten -and E.rgäiiziliigs ivabie'n für den E'enicinderaih find nniiinebr ge'chirsien, nnd -an a>lsuahi»-?IoS nnd die Eandidalenlistcn jener Barieien bnr.ba.^ru::^,-.. zn ivelchen ich, wie alle» Wählern wohl betanni, 'eil jcber im eninhiedenen-i^-n-atzo gestanden bin, weil ich deren <?'rnnd>atze und Anüüiren über die Verivaiiung und Eni ivichlnng nn''cres 'Semeindewe'en-? nnniogiiä' iheilen und für dasselbenichl 'ürdeiüch l'aiien kann Aach, den durch die Aeu un» ErgänznngSiralnen ge- >chnil,-»>-n AeinNatei, in an'ein einnachiige-? Zg'aininknwiiteil zivi'chen mir alS Büinzcrincister-und dem iiene» lNenleii'dera'he wobl nichl mebr zn denken:, e-? würte zivi'chen . und des Berlrrleiii der Megeuvarteien nur zn endlosen An'skinandet'evnng^n nnd -»cäinv'e» kommen, welche für die Gemeinde-»nv und .zwcctlos. >'lir ru'ch aber nur >.l ädüch wären, da ich ob»e genügende lliuer- 'lüvnng »eiten« meineteigenen Parlei niir meine .'üäüo aufreiben würde, die ich azidern änS-bester »nd.nützlicher verivenden zn tonnen gedente Och lege daher mit heuligea» rage. 'meine El^ensteNe als Büi-gernieister d»-r tzande-?- hanvistadl Taizbili'g zniiicl und bine Tie, hochvcrehrler Herr Eotlega, hicvoi' dem hochivblichen Cenienideiache Äillheilung zu inachen. - Och l'lyte auf meine mehr a>4 dreijährige Thäiigkeil als.Billgerincister der z.'aiikcSha>!xlstadi Tch; bürg mit einiger sH-ende n»d (Lenngilmung zurück: denn iiiaii'ches Dchöne und -Antzliche ist während meiner AinlSperiode im Zli'an>iiiemz>iiken mir dem Ge ineinderalhc und' unler auioviernngSvoller Thäiigkeil des GemeindraiiilcS für inner Geineindcwese» geschassen worden, welchem jederzeit die hohe Palronanz

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