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Freies Blatt · 1894-04-22 · 107 (22.4.1894) · p. [Seite]

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Journal
Freies Blatt
Volume
III (1894)
Issue
107 (22.4.1894)
Date
1894-04-22
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Freies Blatt Aboiturtttctttsprcis. gür Cefterreid).Ungarn: Äanuährig mit Pofttnlenkung.fl- 2.5*'. H-Idjährig fl. l.*A. iertetjätjriq . . . R. —75. Rür da» gefammte Slu»lanb: («antjälirig ..fl. . Haldjährig.fl. 1.50. Sintelue Dtummern 6 kr. Unfranfirte Sritfe merken nicht angenommen CDrgan zur Abwehr des Antisemitismus. , Erscheint an jedem Sonntage. ~!1! V ctio:i mit) '.H&miiiiimn'u i: I. Scilcritriltc 10. «nferate merken mit IN tr. für die viermal ge. (Mlteue '-Kommrcitteicile berechnet. Kleiner Hu. teiger da» Wort 2 Ir. Aninatnne von Jnieraten in untererdkmiiuftration (oroie im Xnnoncenbureau M. Duke», t. SBoUjeile K diummer 107. Wien, 22. April 1894. III. Jahrgang. Offener Brief des Lonsistoricrlrnthes Dr. Schöpf. An die löbliche Redaction des „Deutschen VolksblatteS" in Wien. Soeben eichalte ich Nr. 1890 Ihres Blattes, ddo. 8. April dieses JahreS^ Ich zweifle nicht an der Lauterkeit Ihrer Absicht. Sie wollen mich belehren und zur Umkehr vermögen. Leider muß ich Ihnen sagen, daß Ihre Liebesmühe ganz vergeblich ist. Ich bin und bleibe ein ganz entschiedener und, wie ich mir bewußt bin, selbstloser Gegner des Antisemitismus. Ehevor ich meine Schriften wider den Antisemitismus veröffentlicht, habe ich mich in den Schriften der Koryphäen desselben gründlich uiugesehen und in Folge eingehenden Studiums gefunden, daß der Antisemitismus direct den Fundamente» des ChristenthumS cntgegensteht, so daß er nach meiner unumstößlichen Überzeugung eine höchst gefährliche Häresie ist, weShalb kein gläubiger Christ, am allerwenigsten ein christlicher Priester auf seiner Seite stehen kan». Aber auch durch die Praxis bin ich in meiner Ueberzeugung nnumstoßbar gefestigt. Bei meinem langjährigen und häufigen Verkehre mit Israeliten könnte ich mich überzeuge», daß unter ihnen durch und durch ehrenhafte und gewiffenhafte Menschc» zu finden sind. Dagegen gibt es selbst unter de» Führet» tcr Antisemiten Individuen, die jeder rechtlich Denkende verachlen muß Nachdem ich den Proceß des deutschen Anlisemitenhäupilings Dr. Böckel wider seine einstmalige Geliebte in extenso gelesen, dachte ich mir: Und ein solcher Mensch wagt cS, über die jüdischen Mitbürger Gericht zu halten?! Wohl gibt eS auch laut Zeiumgsbcrichteu unter den Israeliten so manches mauvais suzet; aber derartige finden sich auch unter Christen, ohne daß man dadurch berechtigt wäre, gegen daS Christenthum Front zu mache». Wenn Sie glauben, ich geize nach Lorbeeren, so irren Sie wohl sehr; wer mich kennt, weiß, daß ich derselben nicht bedarf. Wenn Sie behaupten, meine wider den Antisemitismus gerichteten Schriften haben wenige Leser gefunden, so irren Sie abermals. Meine „Grandverwunderung" ist in l0.000 Exeniplartn dcibreitet und ins Tschechische und Polnische übersetzt worden. Die Anrempelung meiner Person, der Hohn über mein Ge- und Beraltcrtsein lassen mich 'ganz gleichgiltig. Ich bin an Derartiges schön gewöhnt und muß Ihnen das Zeugniß geben, daß Sie im Vergleiche mit Ihren Gesinnungsgenossen mich sehr glimpflich und anständig behandelt haben. UebrigenS bin ich gewohnt, als Christ und Priester Jedermann zu verzeihen. Wenn Sie mich in Gegensatz zu meinen Standesbrüdern stellen, so laffe ich mich in meiner Ueberzeugung nicht beirren, weil ich annehme, daß unter hundert meiner Standdsgenossen kaum Einer die Schriften der Antisemiten — eine? Diihring ii. s. w. — gelesen, geschweige denn studirt habe. Mein an die hohe Behörde gerichtetes gtzuos eg«“ Halle ich ohne Einschränkiiiig aufrecht, weil ich üi-rrzeugt bin, daß es Pflicht der Behörde -ist, die Grundsätze unserer Verfassung Jedermann gegenüber in Sd)utz zu nthmen. Indem ich Sie mcineraingeheuchelten christlidien Liebe versichere, -zeichne ich . ■ _ Guggenthal, UV April 1894. ü p f. Eine ^demokratisch clericale" Partei. Tie „Deutsche Bolkszcitung" in Rcicheiidcrg vom 11. d. M. brachte folgende Wiener Correspondenz: t Die Wiener antiieigitische Bewegung ist wieder eniiiial an einem Wende, pniilte angelangt. .In der Wiener antnrnutuchen Partei ist die schon seit Langem bestehende, aber latente Mri f au-sgebrochen, die in ibrein Änsgang snt die weitere Entwicklung . der antifeniniichen Bewegung in Wien und naturgemäß in ganz Oesterreich von großer Bedeutung sein wird. Die innere tlriache der. Krise bilden di«, clerical demokratischen Bestrebungen, die besonders in letzter Zeit in die Wiezter.antisemitische Beiuegnng hineingeträgen worden sind, den unmittelbaren-Amaß z»in Ausbruche die am 2. April vollzogene Rcjchsraib: ersatzwahl in der.' Inneren Stadt. Nachdem vor mebrere» Wochen das Rem rathsmandat in dem genannten Bezuke durch den Tod des Abg> ordneten Dr. Joque« erledigt, worden war, hätte man annehinr» iollen, daß die annü'miii'che Parteileitung sofort mit einem Candidatn hetvortreien werde, der die Eignung ' besäße, die Stimmen aller antiliberalcn (Kruppen der Jnm'ril Stad:, der dennch ' nationalen, der christlich-socialen und der clencaten, ani sich ' tu vereungen. Allein,, nichts dergleichen gcichah, trotzdem die Parteileitung ans Wäblerkreiien dringend um Ranchastmachnng seines Candidaten ersucht ivordei, war. Unter dessen waren zwei andere ernste Candidaten ani den Plan getreten. Die' Liberalen candidirien den Landtagsabgeordneten und 3ta&tra:lt Rosk e, die .Demokraten den jüdischen, iocial demokratisch angehanchtr» Adpo-aten!r. O '»er. Bom antisemitischen Standpunkte ans konnte keiner dieser beide» Candidaten angenommen werden — 'weder Rodle, »och der Jude Dr. Osner. Die Bitte der Antisemiten der Inneren Stadt an die anii'kinttiiche Parteiteilung um '.luv stellung einer eigenen Candidaten wurde immer dringender, allein anstatt diesem berechtigten Wunsche Folge zu leisten, gaben die deinokraiiich-clericalen Elemente in der Parteilcirnng die Loiting an«, man solle nn:ep der Hand, die Wahl Ofners, -des kleineren'Hebels (!) unterstützen. Zzun Berstä dn>ß dieser säst unglaublichen Erscheinung in der Wiener Bewegung muß man siii vor Augen halten, daß die antisemitische Partei in Wien zn einem sehr großen Theile aus den Drummern der früheren demoktatischen Partei -besteht, und daß einzelne ihrer Führer den alten Demokraten noch sucht ausgezog.n haben und wohl mit dem Elericali«muS liebäugeln, im Uebrigen aber nicht« weniger als principientreue Anlijemilen sind. Tiefe Elemente waren e». die vor mdhreren 1 Jahren die Wahl de« Juden. Man dl, eines alte» Demokraten, durchztnetzen versuchten — glücklicherweise vergeblich — und sie sind: eS.' die diesmal den Demokraten'gegen den Liberalen zu unterstützen versnchlen. Es ist ofienrs Cte heimniß, daß Abgesandte deS jüdisch-demokratischen WahlcoinitoS. beim Abge-" ordneten Tr/G e ßm ann waren, um ihn zn bitten, er möge auf die Christlich.

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