Mannheim
Compact Memory

Freies Blatt · 1894-04-15 · 106 (15.4.1894) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Freies Blatt
Volume
III (1894)
Issue
106 (15.4.1894)
Date
1894-04-15
Page
[Seite] (sequence 11)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
89% known words query
IRI
…/4886575-5439163-5441511--1221-4887691
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Nr. IOC. Freies „Ich Hörle Ihren Gottesdienst am letzten Sonntag zum erstcnmale." „Unser Gottesdienst ist, wie Sie vielleicht gesehen habe», eine Verherrlichung und eine Freudenfeier. Er verherrlicht den großen Triumphzug des Volke« unter der Führung einer Wolke bei Tag und einer Feuersänle bei Nacht. Nirgends anders — in keiner anderen Religion — ist ein Gottesdienst zu finden, der mehr erfüllt wäre von Freude und Glauben. Sie konnten nicht verfehlen, diese Freude im Gottesdienste herauszufühlen, obwohl Sie die Worte nicht verstanden." „Ja, er war voll Freudigkeit." „Es ist dieser Gottesdienst, welcher uns verbindet. Unsere Religion regelt jede Handlung unseres täglichen Lebens. DaS Gesetz verläßt unS nie; cs ist mit u»S von dem Augenblicke an, wo wir aufstehen, bis zu dem Augenblicke, >vo wir cinschlummcrn. Sechshundert Gesetze muß der Judenknabe lernen; eS erscheint als eine nutzlose Veriiiehrung der Gesetze, allein jedes Gesetz ist ein neues Ta», daS das Volk verknüpft, und durch tägliche Uebung werden diese Gesetze zu eine», Be standtheile seiner Natur, er gehorcht so lange, bis er nicht mehr anders als gehorchen kann. In Folge dieses Gesetzes, in Folge dieses allwöchentlichen Gottesdienstes ist der Jude so gut wie durch die Verfolgung seines Volkes eine Jude geblieben. Häufe» Sie Elend aus ihn; schütten Sie Verachtung über ihn; bedecken Sie ihn mit Schmach, er bleibt ein Jude, gehorsam dem Gesetze die ganze Woche laug, »yd triumphirend, immer triumphirend am Sabbath." Franziska neigte den K.opf, aber sic sprach kein Wort. „Dieses Elend — diese Verachtung — sind auf die Häupter eines Volkegeladen worden, röclchem die Welt Alles verdankt, was sie aus dem Schlamme cmporgezogen hat. Und »och mehr, viel mehr, könnte die. Welt von uns empfange», wenn sic wollte. Es gibt hunderlerlci Sachen in unserem Gesetz, welche auszunehmcn und zu befolgen die Welt gut thäte. Nehmen Sie das Halljahr. Haben Sic je davon gehört, wissen Sie, was eS bedeutet? In diesem Jahre mußten alle Schulden nachgelassen werden. Wer seine Ländereien verpfändet hatte, erhielt sic zurück; ' der Sclave wurde in Freiheit gesetzt, der Schuldner entlastet. DaS war unser Gesetz. Bcstinnnen Sie, wenn Sic können, ein besseres Mittel, die Gier nach Reichthünicrn zurückzudrängcn und die Unterdrückung hintanzuhaltcn, als dieses Halljahr. Alles, was die Ehristcn von den Juden wistcu, ist, was sie in unseren heiligen Büchern lesen. Aber eS gibt noch ei» anderes Stück jüdischer Geschichte, von welcher die Welt wenig weiß. -, Unsere Gelehrten — und keine anderen — hielten das Licht der Gelehrsamkeit hoch. Lhne uns wäre selbst die Literatur Griechenlands und RomS zugrunde gegangen. Unser Volk Blatt. fj . Seite 11. »' - — meine Vorfahren und dir Ihrigen — waren Staatsmänner, , Physiker, Astronomen, Gelehrte der niaurischcn Könige von Spanien. Selbst in Oxford gab' cs Hallen — MoseS Hall, Lombard-Hall, Jacob-Hall — wo unsere RabbiS die christlichen Studenten Hebräisch lehrten."' Als er so sprach, leuchteten seine Auge» und seine Wangen glühte»; er war hingerisie» und hatte auch die Seele de« jungen Mädchens mit sich einporgchobcn; sie lauschte mit glühenden ■ Wange», halb geöffneten Lippen und Augen, voll von einem neuen und seltsamen Lichte seinen Worten. Denn dieser Man^i hielt sie mit dem dreifachen Zauber seiner Stimme, seiner Augen und der Macht seines EvnstcSi Nie zuvor hatte sic einem Manne begegnet, der von einem so tiefen Ernste und einem so festen Glaube» beseelt war. Glaube? TieseS Kind ohne Religion hatte bisher, Überhaupt »och nie etwas mit dem Glauben, zu thun gehabt. „Denken Sie," fuhr er fort, „au die großen Männer der Neuzeit; welche Nation kann sich einer größeren Reihe von Namen rühmen als die unserige? Denken Sie an Maimonidcs, Spinoza, Mendelssohn, Heine, Philippsohn, Oppert, Jcffel, Me>,crbeer,.MoschclcS, Rachel, Bernhardt Sylvester, DiSraeli. Dichter, Advöcaten, Maler, Schauspieler, Staatsmänner, Phnsiker, Musiker — eS gibt keinen WiffcnSzwcig, keine Kunst und Gelehrsamkeit, wo die Juden nicht in der vordersten Reihe stehen würde». Ja, so tief wir gefallen sind an dem Tage der Dcmüthigung, so hoch werden wir erhoben^ werden in der Stunde des Triumphes."; Er hielt inne. Er hatte ohne sichtliche Anstrengung mit leiser 'Stimme gesprochen, aber seine Augen blitzten, als er schwieg. Franziska neigte den Kopf. Sic konnte ihm nicht sagen, wie sehr sie seine Worte bewegt hatten. Er setzte sich wieder an den Tisch, stützte den Kopf auf seine Hand und sprach mit veränderter Stimme: „Auch mir ist eS bestimmt worden, eine große Sache zu thun. Ja — mir. Es ist eine so große Sache, daß sie ccntncrschwer auf mir, lastet. Ich brachte sie her- —. nach London. Ich würde sie, dachte ich, meinem Freunde Harold geben, dem jungen Manne, der Sie liebt.. Sir soll sein werden, die Hhre davon und der Ruhm — wenn er cinwilligt. Für mich ist's genug, zu wissen, daß diese große, diese höchst wunderbare Sache — von Einem entdeck wurde aus dem Stamme deS Spinoza und Maimonides. Ich werde eS Ihnen sagen, Franziska, sobald ich cs Harold sage, weil er Sie liebt." Er war wieder eine Weile still. Dann erhob jr sich und stand, vor ihr und sagte ruhig: „Warum schämt sich meine Tochter ihreeigenen Volkes?" , folgt.) a « 'S $etfaio Central-Bodencreditbank. Am 9. April d. I. fand die «22) ordentliche Generalversammlung der Oesterreichischen Central-Bodcn I creditbailk statt, bei welcher durch 14 Actionäre 90iX) Actiett mit 360 Stimme» vertrete» waren. Den Vorsitz - führte der Präsident des BerwaltungSralheS, Graf Maximilian Monlecuccoli-Laderchi. Der vom Tirecior . \ Dr Westerina >, er vorgetragene "Br, icht des Benvallungsralher conftatirt; daß die Geschäfte der Anstalt im j Jahre 1893 einen neuerlichen Aufschwung genommen haben, welcher insbesondere in der.weientlich gesteigerten! UmlausSziffer der Pfandbriefe sowie in dem Betrage der neu clocirten Hypothekardarlehen zum Ausdrucke gelangt, i Mit Beginn deS JahrcS 1-93 wurde die Emission von vierpercentigen jrronenpsandbrieie» unter Einstellung der iveileren Ausgabe der 4",percentige» Pfandbriese in österreichischer Wähning ins Auge^gefaßt, »m bei der lebhaften Eoncurreiiz von Ereditinstiluien und Privaten im Hnpoihekargeschä'te den Darlekensnielberii möglichst, entgegenkominen zu könne»., Die geplante Maßnahme ivurde im Mai i» Vollzug gesevt und bis Ende deS Jahres s ein Betrag von 8,040.0('0 fl. in vierpercentigen .Nronenpsaudbriesen zur Emission gebracht. An Piandbri.efcn! besandey sich sohin per 31. December 1893 im Umläufe 21.042 Millionen Gulden. Das.JaKr 1893 schließt mit i einer trotz erheblicher Rückzahlungen um 4-819 Millionen Gulden erhöhten G,"am,ni;iüer der Hypothekar--^! fordrrungvn. I» Berhandlung ge,louimen wurden Darlehensgesnche von 19 566 Million,» Guide». Hievon! wurde» bewilligt 6 792 Millionen Gniden und bi« Ende des JahreS von die',» >owie an« den schon im Borjahre contrahirte» Geichästen realisirt 5 797 Millionen Gulden. Die Hnpolhekarfoidernngeii betrugen am 31. December - 1893 23'463 Millionen Gnjden. An» dem Realbesitze der Bank wiirdrein Baugrund im zweiien Beziike im : Ausmaße von rund 531 Quadraillafiern mit dem in der Bilanz anSgrivieieneu Nutzen (1324 fl I verkauft.! Dagegen wurde ein kleiner Besitz i» Böhmen im FeilbietungSwege übecuoniinen. Ter Gewinn betragt 316.967 fl. Hievon entfalle» zunächst auf die fünfpercentigen Zinsen de« Aciiciicapital» von 4 Millionen Gulden 200.000 fl., so daß nach den Dotirnngen für Resevesonds nnd Tanliümen noch 91.5,06 fl verbleiben. Ter Ber \ waltnngsralh beantragt, zur Dotirnng des außerordentliche» Reservefonds 30.00 > fl zu vtr>ve»de»,weiter« | ein Percent vom Actiencapitale gleich 2 st^.per Aclie zur Be,lhe,l»ng zu-bringen inil 4« >000 fl. und s den Rest von 24 506 fl. aus neue Rechnung vorzutragen. Diele Anträge wurden nach vorheriger Abiolvirung des! BeiwallungsratheS ohne Debatte einhellig angenoniine» Ter Dividende,icoapo» des Jahres 1893 wird sonach ' mit 12 fl. zur Einlösung gelangen. Mit der Wiederwahl deS bisherigen RevisionSaussch.isseS fchlcß die Versammlung. -e------- Wien, Rotunde. TUglleh MilitSr-Concert im loterDatioflaleo Dorf und Clvilmnslken io den Kostlogen. Qeiffdat von 10 Uhr Früh bis 10 Uhr AbMdt. Internationale Ausstellung lür 7olksernälirang, ßettangswesen, Verketirsmittel nnd einer speciellen Sportaisstellnng ->» vom 20. April tsins 1. Juli 180-4 —<— veranstaltet von dem unter dem allerhöehstee Proteotorate Sr. k. u. k. Hoheit Erzherzog Franz Ferdinand von Oeiterreloh Eate stehenden Verein zur Verbreitung lnndwirlliMebnltliclier KenntniHHe. MW" Eatrle: An Wochentagen >10 kr., an Sonn* and Feiertagen- 20 kr., Freitag 1 fl. "MW Wien, Rotunde. Ausstellnngs - Lose ä 1 Krone. 5 Haupttreffer r io.ooo Kronei werti. Bei Ankauf eines Losas an dsa Lassen derRotunde Ist anWockeotagan (Freitag ausgenommen) das freie Entrde verbunden.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.