Freies Blatt
- Journal
- Freies Blatt
- Volume
- III (1894)
- Issue
- 106 (15.4.1894)
- Date
- 1894-04-15
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Freies Blatt Abomiemeutspreis. cto. Megan zur Abwehr des Antisemitismus. Haldiährig fl. l.*5. «irrlkljSvrig ... fl. —.75. , Für da» grsammtr Ausland: Üfanijihrig.fl. »■— . . . H°»-l°»ris k- ' 20 Erslhcmt a» icdrm «oniitagc. Einzclue Nummern 6 kr. Nnsranklrte Briefe werden nicht angenommen. Ncdactiou und VtömiiMfirnitou: I. Scilcrftnttc 1». Inserate werden mit I» fr. sic d»c . ‘ctmal .• tt'attene Nottvarcille>eile tcrcituu't. 'Mijiutr n:- zeig^r da? Wort L kr. Auüralirne von .ttiieraten i;: unserer Adminislrakion sowie im vtuaoüc : : J)f. luft“, t. -. Nummer 106. Wien, 15. ^ipril 1894. III. Jahrgang. Oerein zur Abwehr des Antisemitismus. Die Chronik der Abwehrbewegung in Oesterreich hatte in der Borwoche eine bedeutsame Kundgebung zu verzeichnen: den gesellig.» Abend des Bereines zur Abwihr des Anlisemiliönius. Derselbe gestattete sich durch den zahlreiche» Besuch und durch die Anwesenheit hervorragender Persönlichkeiten sowie durch die zur Thgl begeisternden Reden freisinniger Volksvertreter zu einer so glänzenden Manifestation des freiheitlichen Gedankens und der in den StaatSgrundgesetzen begründeten Forderung nach vollständiger confessioneller Gleichberechtigung, daß sie selbst auf die 'Gegner nicht ohne Eindruck blieb. In ihren Organezr waren wohl einzelne hämische Bemerkungen zu lesen, allein die sonst üblichen Entstellungen und Verdächtigungen kamen diesmal nicht zum Vorschein. Dieses erfreuliche Resultat des Bereinsabends, dessen wir in der letzten Nummer bereits in Kürze Erwähnung gelhan hatten, rechtfertigt es, wenn wir heute neuerlich auf denselben zurückkommen und hier einen ausführlicheren Bericht folgen lassen: Schon vor der für den Beginn des Festabends festgesetzten Stunde hatte sich ein distingnirtes Publicum, darunter zahlreiche Damen, im Nonacher-Saale eingefunden. An der langen Ehrentafel hatten, außer dem Ehrenpräsidenten Friedrich Freiherrn v. Leiten berger und dem Präsidenten A. G. Freiherrn v. Suttner sammt Gemahlin, Herrenhausmitglied Ludwig Lobmeyr, die ReichsrathSabgeordnetcn Profesior Tr. Eduard Sue ß, Superintendent Dr. Theodor Häasc/Tr. Kronawctter, Reu der, Dr. Bloch und Wrabetz, die Gemeinderäthe Dr. Zimmermann und Seiler sowie sämmtliche in Wien weilenden Functionäre des Vereines platzgenommen. An einem der Tische in unmittelbarer Nähe der Ehrentafel saßen Mitglieder einer Abordnung deS Akademischen Friedcnsvcreines, desien humane Tendenzen ja der Abwehridee verwandt sind. Bon der Galerie herab ertönten die Weisen einer Musikcapellc. Wenige Minuten nach 8 Uhr eröffnete der Vorsitzende Präsident A. G. Freiherr v. Suttner die Versammlung mit folgender Ansprache: „Gestatten Sic mir, verehrte Anwesende, zur Eröffnung des heutigen Abends einige BcgrüßungSworte zu sprechen, um Ihnen zunächst dafür zu danken, daß Sie in, so stattlicher, ansehnlicher Zahl erschienen sind. Es ist dies für die Leitung unseres Vereines ein neuerlicher Beweis, daß wir jederzeit auf unsere Mitglieder zählen können, und daß Sie mit unserer Thätigkcit einverstanden sind. Es ist uns auch ein Beweis, daß Sie die große Arbeit, welche der Vorstand auf sich genommen hat, billigen, und ich glaube, Ihr Erscheinen als ein Vertrauensvotum für den Vereinsvorstand ausfasien zu dürfen. (Lebhafte Zustimnmng.) Ich begrüße Sie, verehrte Anwesende, inSgesammt, vor Allem die Herren Abgeordneten und Gemeinderäthe. Mein besonderer Willkomm gilt der Abordnung des Vereines, welcher durch sein Erscheinen den Beweis erbringt, daß er an unseren Bcslrcbungen Antheil nimmt. ES ist dies die Delegation des Akademischen Friedensvereines. Wir legen besonderen Werth darauf, mit der studirenden Jugend in Verbindung zu bleiben, und als bestes Bindeglied dünkt uns da der Akademische FriedenSvercin. (Zu der Ab ordnung gewendet:) Sie Alle, meine Herzen, arbeiten mit an der großen universellen FriedenSidee. Bevor wir jedoch den Frieden nach Außen zu erreichen vermögen, müsien wir den Frieden nach Innen Herstellen. An diesem Werke arbeiten wir und Sic und ergänzen uns gegenseitig. Und wenn Sie unsere Principien unter der f studirenden Jugend verbreiten wollen, so .werde» Sie unsere Idee wesentlich fördern Helsen." (Lebhafter Beifall.» Nach kurzer Pause erhob sich der Ehrenprändenl des Vereines, Friedrich Freiherr v. L eiten berger, und sagte: „Es ist eine schöne, edle und patriotische Silke iirOcstcrrcich, das; man, wo immer, man sich befindet, dankbaren (Gefühles unseres . erhabenen Landes vatcrS gedenkt (die Versammlung erhebt sich), der alle 's e i u e U n t e r t h a n e n o h n c U n t c r s ch i e d der 'Nationalität und Eonfcssion mit gleicher Liebe »insaßt. Beginnen wir den heutigen Abend mit einem Hoch ans Se. Majestät den Kasse r." Die Musikcapellc inkonirte die Volkshpmne, welche von den 'An wesenden stehend angchört und mit lauten Hochrufen begleitet wurde. Es gelangten hierauf durch den Schriftführer des Vereines, Herrn Balduin Groller, mehrere Znstiinnningsknndgcbungen zur Verlesung : Der Ehrenpräsident Hofralh Professor Dr. Nothnagel 'tele graphirte ans San Rcmo„Zn meinem Leidwesen räumlich heute von Ihnen getrennt, reiche ich im Geiste den Männern die Hand, welche den schweren und maßlos vergifteten, aber ' h o h e» it n d heiligen Kampf führen, in demes gilt, die vollste Energie für die Gerechtigkeit und die höchst en-G üter der Menschheit ciuzusctzcn und die schmachvollen Angriffe g ege n ei neu T he i l unserer allen a n d c r e n S l-ira is bürgern gleichst eh enden Mitmenschen a bzuwehre »." Dieses Telegramm sowie ein Brief des EoufinorialratheS Dr. Schö,pf aus Guggcnthal bei Salzburg erweckten-großen Beifall in der Versammlung. Dr. Schöpf schrieb, er sei zu seinem Leidwesen durch die Obliegenheiten der Seelsorge in seiner (Gemeinde zurück gehalten, versichere aber den Verein, daß er mit ganzer Seele an dessen Bestrebungen thcilnchmc. „Im EleruS," /führte Dr. Schöpf aus, „muß die llcbcrzcugung allgemein werden, daß kein katholischer P ri c st er, -der seine M i s s i o n . v c r st ehr, A >: l ne mit. sein kann. Ehe sich nicht die Geistlichkeit entschieden w-ter den Antisemitismus stellt, ist au dessen gründliche Ausmerzung kaum zu denken. Darum wäre cs für 11 n i;v< g c r e ch t e Sache von höchster Wichtigkeit, wenn sich' Papst und Episcopar entschieden geg^n de» Antisemitismus, erklärten. Bei einem so hochintclligcnten' und weitichanenden Vapste, wie Leo XIII. ist, und bei einem so edel- und gcrcchlddntendcn Erz-bischosc, nvie Dr. Gruscha, ließe sich eine entschiedene Stellungnahme wider den Antisemitismus unschwer erzielen. Und was die Häupter der Kirche anordncn, wird vom EleruS befolgt". Auch sei cS nolhwcudjg, daß die Staatsgewalt gegen den Antisemitismus entschieden Front mache. Denn so lange die Staatsbeamten mit dem Antisemitismus Hand in Hand gehen, sei au eine Besserung nicht zu denken. Gerade unter den Beamten zähle der .Antisemitismus die meisten und eifrigsten Aubänger und Förderer. Ein >,u»-> c^o der obersten Staatsgewalt würde die Sache urplötzlich ändern. NcichSratySabgcordiictcr Dr. .Guito Freiherr v.- S o in m a r u g a hatte seine Abwesenheit durch Unwohlsein entschuldigt. Ter geuannre Abgeordnete ist erst vor Kurzem von einem schweren Leiden genesen und bedarf während seiner Rcconvalcsccn; der vollsten Schonung 'Nach der Verlesung der ZustimmniigSerklürungc» ergriff Abgrvrd ncter Superintendcut Dr. Theodor Haasc daS Wort und sagte: „Der Verein zur Abwehr deS AutisciuiliSmuS ivcckl in weiten Kretten der Bevölkerung lebhafte Sympathien. Abwehr!. . . Was immer »vir