Freies Blatt
- Journal
- Freies Blatt
- Volume
- III (1894)
- Issue
- 101 (11.3.1894)
- Date
- 1894-03-11
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 101. Freies Blatt. Stift 7. unterstützte sie in ihrem 'Begehren um Einlag. Sind), diese Nachrückenden besagen ziiin großen Theile Einlrittskarten, die nicht respeetirt wurden. Tie Antsoidcrnng des 'Potizeicommisiärs, sich 5» enisernc», wurde nicht befolgt, und auf das Zurede» des Eoinmissär»: „Lind Sic doch ver nünjtig!" antwortete -tritt»p: „Wir sind ja vernünftig!", ohne dag sich Gewand vom Platze rührte. Tie vier Genannten batten sich deshalb gigen die Anklage des A nfl anfes zu vcrihcidigeii, Nohrer auch wegen boshafter Beschädigung fremden Eigenthnins, weil er eine Scheibe zertrümmert Hane. Ter Gerichtsbos sprach die Aitgeklagtett vom Auslaufe frei Bloß Zollamt Rohrcr wurtze wegen Eindrückens der Fensterscheibe zu »8 Stunden Arrests vernrtbeitt. tWahrhaft bcwundcrungswnrdig.t Z» stöitigsbrnnn am Wagram fand letzten Sonntag eine Veriaiizmtnng statt, in welcher V erg an i, Lcheicher und Gregorig Reden hictlen. Ten Werth dieser Reden teiiuzeichnei treuend ein Berichterstatter dcs Veigani'jchen Blattes, der die „wahrhaft be ivnndernngswiirdige Geduld" hervorbebt, mit welcher die Znbörer bis zum Schluß der Versammlung ansharrten. Wir glaubten schon, dag auf die dem, geduldigen Audilotiuin zutheil gewordene Anerkennung auch die Frage folgen werde: „PotvnSku! Wan» bezahlst du deine Ehreiiichuld an Hauet?" Ter Berichterstatter aber war so bescheiden, sich mit einem bosha'ten streich zu begnügen. Tiefe Bescheidenheit wird ihn lwffeitttich gegesi den Berdacht, ein verkappter Schönerianer zu sein, ausreichend schützen. «Nicht der Hmittk, sondern der Jude.» ZnOber Laa sprach Tr. Pa ttai in einer Antifemitenversammlnng und erklärte: „Heute bedroht uns nicht der Hunne, der Türke, foudetn der Wechsel und der CapilalismnS — der. Znde". Wir wellen davon abstrahiren, dag der Wechsel und der Eapitatismus dem Bauer und dem stlcingewerbz'lreibenden keineswegs immer in der Gestalt eines Znde» erfcheiiien, sondern auch häufig in der eines „beitschelherausitehmendcii" Advocäieu; dagegen wollen wir daran erinnern, dag Tr. Pattai, dem Schönerer auch die Eignung zum PrSstkentcu der A11 i.m<_-e Israelin! nachrühmte, cs schon ciumal kür angezeigl hielt, vor ausrcizcndeii Phraicu zu warnen,. da dieselben die Antisemiten in die Lage bringen könnten, den Anarchisten gleichgestellt und demgemäß behandelt zu werden. Gegenwärtig scheint Tr. Pattai keine Aussichten zu haben, in ciiiein anderen Lager als im autiseminscheu zu rcuisiren. tBkrgab.> Zn Schlesien geht es bergab mit dem Einstusse der „llnver sqlschten". Zn Odra» fand vor .Hmjcm eine Periammtnug des „Deutschnationalen Bauern Vereines" statt, über deren Perlauf wir einem Berichte der „Silesia" Folgendes emuehmeu: Tie Gefammtzahl der erschteneiicu wirklichen Mitglieder (die anwesenden Gäste nicht eiiigerechuetl mag sich auf circa 30 belaufen haben. Als dasanssallendste Smnplotn aber »mg der Umstand b-zeichnet werden, dag alle seit Zähren an der Spitze des Vereines stehenden Fnnclionäre sich ostentativ von der Bersammlimg ferngekallcii haben,.mit Ansuabiite dcs ObmaiineS, Herrn Gemeindevorstehers Richard H crzManSlu. welcher aber ichon in feiner EröfinungSrede audcnteie, daß er hier z»m letzlenmäle den Vorsitz führe. Ter von ihm mit wahrheitsgetreuer £ Ticul) fit vorgetragcne Bericht cm hielt unter Anderem auch das Gestäudiiiß, dag der Beteiu i» den letzten Zähren seine Thätigkeit f;i<-to eingestellt habe teilte weiteren Aussühritugeu waren. ebenfalls nicht kariiäch, die Zuversicht der Anwesenden aus einen gesicherten Bestand dcs'Vcreinr« aufs Neue zu beleben, und auch die nachsotgcndcn Rctmr konnten die Theilnehmer der Periammlniig über den Ernst der Situation nicht hinwcgtäuschcu. Ein Rcdactcur aus Trcppau hielt unter diesem Eindrücke eimn angekündigten Vortrag über die Lage der üandwirthichast und die Politik, ohne einen besonderen Erfolg zu erzielen. Am niierquicktichsteu aber gestaltete sich die am Schlüsse der Vertaininlnng vorgcnommcne Neuwahl der Fniictionäre, und der schleppende Verlauf illustrirte deutlicher als alle« Aitdere die zersahreucn Verhältnisie itkl Vereine. Ter bisherige Obmann Herr Richard Herzmanslu lehnte aus das Entschiedenste jede Wiederwahl ab und bebarrte trotz der ein dringlichsten Borstelliingen bei seiner ablehnenden Haltung. Ter zu seinem Nachfolger mit lü Stimmen gewählte Obmann He rr Gemeiiidevorstcher Zoses. Bai er anS stlein-Pelersdorf konnte nur durch die eindringlichsten Zureden der VereinSgenossen zur Annahme der Wahl bewogen weiden und verhinderte da durch die ernsthaft drohende Vercinsanflösung. Zum Sdünne gab der at« Gast der Versammlung beiwohnende Fenerspripenfabrikanl .st er » re „rer aito Wien, der tute bekannt sehr viel in „Windkesseln" macht, der Versammlung eine Blüthenlese von ankisemitischen Lchlagworle» zum Besteh, die unter Gewohnheit» beisall zur sleiintniß genommen wurden. (Sehnsucht nach dem Gesiiligniß.» Am >!. d. M. wurde Ahlwardt ausdem Gefängnisse nach Verbüßung seiner Strafe entlassen, aber noch am selben Tage sprach er in einer Berliner Versammlung, welcher er die Absicht mittheilte, einen erneuten Fliiiicnproceß hervorzurufeih. ES scheint, daß Ahlwardt sich danach sehnt, ins Gesäugniß zurückzukehren. Dem Mann kann geholfen werden. (Stöckers Lrichlgliiudigkcit.l Zn einer „conservaliven Volksversammlung", welche dieser Tage in Berlin stattfand, härmte sich der ehemalige Hofprediger Stöcker darüber, daß mast an den Stellen, für die man gekämpft, „keinen Loh» und Tank" gefunden habe. Ferner behauptete er, Erwin Bauer, der bekannte Leipziger antisemitische Redactenr a. D-, habe enge Beziehungen zum Reichskanzler Grafen Capriviz „oisiciöse Antisemiten wolle man haben, aber l keine coniervativen Aiilisemiten". Wer mag dem Ho'vredtgcr a. D. das Märchen 1 von den Beziehungen Bauers zw-dem tärascn Eavrivi au'gebuudcn haben? ll'id l wie kann Stöcker io leichtgläubig sein, dergleichen Rcnon»»istc--.eie>>/irgend eines I unreifen Antucmitcujuugliiigs »iir haare Münze zu „ehiiieit? ^liif» antifcinitivdvn flattern. _ tTcr vacattkc Bitrgcrlttktstcrstttltl t Ter eurnlistlie Stnbl im ''nttbbanse. dew- ' am 11. d. M. zur Besetzung gelangt, ist gegenwärtig der magneti'che Vuuki, der Aller! Äugeiz aus sich lenkt. Obwohl eigentlich mir die eine Frage c">ett ist, auf welches j Mitglied der freisinnigen Partei die Wallt sich lenken wild, Zcheiuen auch I die Antisemite» noch nicht alte Hoffnung vercb'chiedet zu haben: sind doch ihre! meiste» Siege nicht ans die eigene stra't, sondern weit-inekr aas die bekannte,-— : Saumseligkeit und Loxitat ihrer Gegner zurnchzptülntu. Waruni -ollie es tbueui_ ' nicht auch diesmal gelingen, die Fieisinnig,» zil dupi-en^ititd Ei„.cn der Zhre» aus die Präsidententiibüiie wenigstens biiiansznidmmggelit. Gibt es 1.1 ihat . f sächlich angeblich kreifinnige Blätter, weiche de» ira»i.igen Mniti besitze», heuie! mit all den trüben Erfahrungen fiir eimn Eompreiiusi n»h eine Art Eoatitiouspräsidiiii» im Gemciuderaibe z» vtaidirc». Bo» einst,r Seite Hai diese Stiiiimc zwar lei» Echo gesunde» : den Aiilüeniiieii war sie abdr wie aus ' : dem eigene» Heizen gekommen, »iid ihre Organe machen m,t Hochdruck m > Stimmung kür eine selche Eoaliiion, >» welcher »eben zwei Sirolmiäniicru - Herr rneger »inh'elos doiiiinireii wurde. Za dte aiitUeinit>?ch!,cteri<a!c Provinz pre'se stellt dicse» sroinuie» Wunsch bereiis als ein tun ..m|>li, versteht sich alS eine» Sieg der anli'eiuililche» Paitei bi». Was die stoiiiuie» Blauer doch dann dem duiniuc» steil reu 'itztaz und vin; vorlnge» weide», wenn die bittere Enitähschung erfolgen und a» die Svitzo des Wiener >'>.-»>ei»dewe>eus dennoch ei» ircisinuiger, vielleicht sogar ein coii>eisio»slö'er Bürgermeister trete» wird'? Ergötzlich ist es, wie die antitemiti'che» Blauer, welch,e enn> n»t- . ciiiander 1» der Beichimpfung des Tr. P>ir um die Palme gerungeik, sich tctst :>,I ,'i>za»ii,I»m 1-fiievnlcutiuin winke» »iid drebcu, um die Situation >'0 hiuzuitelleu, als wärkn die Veihaltnine - »»ter Tr. Prir.für die Anli'eiiiiteu iioch rosig gewesc». gegenüber der' Zntcnlierrtcha't, die letzt lierei»br,chen' »ingte. weiiii nicht Tr. Lueger g'ewählt wird. Eiltes die'er Ebreublätter treib: die Tartiisierie soweit, dcm Tr.-Prir als „de»! letzte» christliä-e» Bürgermeister" ei» paar strokodilsihräne» »achzuweinen. Wir lentikii diesi- Pavveichenner »»d Zviksen, dag für sie ei» „christlicher" Bürgermeister ebci>salis schon ein ..val.isti neiisischer" sein miigte - , . iHascr NNd Pkikfchk. > Tas Organ-sstr .Zuchlbäusier Hoh-it. behandelt, ve ivugt oder iinbewlißt, die „kärglichen Nergler" »ach den, divlomaii-chen Snstr:» von Hafer und Peitsche. Es zeigt ihnen, dag es nach ilnem Winnebe aus fintin X ein 11, in sogar Jviiiu gräd mache» und z. B eineil Wahlsieg des Tr Steinwendex, welcher am ReichsraihswablMztike Villach ATT ro» 71ii ab gegebenen Stiinmeii erhielt, als eine .klägliche Niederlage hiustelle» laiii, — das ist der Hafer. Zugleich aber wird die „geldliche llnierstntziiiig" aiich dadilrch gefördert, dag man die Peilstb.e schwingt. Eilte llnterstichung der Faiiiilien veihältiiisse einzelner Wiener Geinciuderäibe, um sestznstelleii,' ob nicht irgend eine Beimenguiig jüdischer Elemente vvig, komme,1 lei, dürste reiche .Verwandte des Pohrlitzer Patriarchen Schmnel Leeb stolm bei aller stargheit lind Nergelei dazu veranlasse», sich selbst zu ..volklichen" Zwerken Haber zu besteiieru. (llclicrntaf; von Hcnchclci.i Zn Berit» bestellt ein Verein zur ätrist licheii Fürsorge für jüdische Proielnte», der vorige» Sonntag sein (>'■- Zältres fest seiet te Ans diesem Anlage schrieb die ,.st re 1, z z er111 ,ig" „Ans dem Be düifniß heraus eliistande», den um ihres Glaubens willen vertolgien oder sonstwie in Noih geratbene» Ehristeu ans Z'iael materielle Handreichung zu lliuit, hat der Verein >eit seine»! Besteh,,1 still in fli-imm streif,- mit Segen gewillt. Nicht z>u» Wenigsten ist ev' feinen Pfleglingen auch ein geistlicher Freund und Berather gcwc'cii. Seine treue und geduldige Liebcsarbeit ist wobt der Be *, Iheitiguiig christlicher Freunde werlh." Ei» solches llebermag von Heuchelei miiß verblüffen, auch wenn 'mau es bei der stets gieiguer>s.1:eu „streuzzeitnlig" siudet. Treffend bemerll die „Berliner Volkszeilnng": Zst es nicht gerade die „streuzzeiluug"- die mit tem Stöcler'iche» und dem 'Ahlwardt Moniteur darin wetteifert, gerade die getauneu Zudrn mit aiitifemitiicheu Rohlieiteti ztt üderichütten? Zst sie cS nicht, welche eine wahre Herzeussrcndc darüber empfindet, wenn sic seststellezi kau», daß der iäroßvatcr oder der lilezrosivaier eines ihrer Gegner Znde.war, nnd sich nicht schctti, den Enlet wegen des Glänbei.S seiner Vorfahren zt> verfolgen? Tas ist wobt die „treue und geduldige Viebesärbeii"^ von der die „streuzzeituiicO, spricht? _ (tf-rbhtmlidic Widcrritsk und srnchklosc Ahsdiitilluttgovcrfuchc.) T,e Berliner „Slaatsbiirger-Zeitung^ sieht sich häufig bemüssigt, die von ihr Veruitglimpfteii dcmüthig tun Verzeihung zu bitte» Für die gewissenlose Zeitungsmache der Antiscinitcn diaralleristisdi und in hohem Grade erbärmlich ist einer ihrer jüngsten Widerrufe, welcher belagi: „Aus der .Tenliche» Ba,> zeitllizg' ballen wir i» Nr.'SO B. vom 13. v. M', ein Ilriheil über, den Eutiviiri für das Easino der .Akadcmifdicn GefeUsd>aft vom Temichen Hanse' in Ebers - walde vom Banineisier Ernst Zacob gebrachr, worin bebauvtei war, dag die Abbildniig mit dem aui Ta'el ül! des Zabrgangs 1^80 der .Äichiteyoni'chen i