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Freies Blatt · 1894-03-11 · 101 (11.3.1894) · p. [Seite]

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Journal
Freies Blatt
Volume
III (1894)
Issue
101 (11.3.1894)
Date
1894-03-11
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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nt. 101. Freier Blatt Seite 5 werden. Sämmtliche beanständete Broschüren seien mit den da;» ge hörigen Platte» und Formen;n vernichten nnd den dclcidigtcn Personen die PublicationSbcfngniß im „Reichs Anzeiger" nnd der „Staatsbürger Zcilnng";n;»sprcchcn. (Ein durchfttpriigcltcr Ülbsirordnrtcr.) Bor Kurze», wurde in, Herrcnha n s e n bei Hannover der antisemitischc RcichtagSabgcordnetc l'cuß von seinem bisherigen Freunde »nd Parteigenosse», dem srühcrcn Birector des hannoverschen VebcnSi»iitcl»nicrs»ch»iigSaintcS, Br. Sch nutz, durchgkprügclt. Dem Berichte eines hannoverschen Blattes rntnchincn zvii,' folgende Einzelheiten: „Bie Frau des Br. Schnntz lebt seit einiger Zeit von ihren. Manne getrennt im benachbarte» Hcrrenhan'cn. Als. nun am Montag Bi. Februar, Abends zwischen <> und 7 Uhr, Br. Schnntz mit zwei hattiioverschen Bürgern in der Hcrrcnhauscncr Allee spazieren ging, begegnete er bicr dem RcichStagSabgeordnctcn Vcuij, welcher mit der 'Frau Br. Schnntz am Arme promcnirtt. BicS sehen nnd seinen .Freund' Vcnf; mit Hilse seiner beiden Begleiter gründlich durchbläne», war sür Br. Schnntz eins. Herr Vcnfj ist durch die .urgcrmanischc»' Fäuste des Br. Schnntz dermalen zugcrichtcl worden, das; er in ein HauS ik> Hcrrcnhauscn flüchte» nnd sich dorr seine Wunden verbinden lassen mußte. Br. Schnntz wollte nun leine Frau gewaltsam wieder an sich »eh»,cn: durch das Geschrei derselben wurden jedoch Schutzleute der beigerusc». Biese» gegenüber erklärte Br. Schnntz seine Fra» sür irrsinnig, und er verlangte, das; dieselbe zu ihm zurüctlehre. Ans de, Polizeiwache, wohin Beide geführt wurde», stellte sich indessen die völlige <s'eistcSgcsi„idhcil der Frau Br. Schund so unzwciselliast kcranS, daß sie sofort wieder -entlassen wurde." Bas Benehmen des Br. Schund gegenüber seiner Gemahlin erinnert »ns ä» eine alte Anekdote. Eine Jüdin lies zu», Rabbi'ncr nnd Nagte ihm, das; ihr Sohn verrückt sei, den» sie habe cs selbst gesehen, das; er eine» SchwcinSbrate» gegessen und die Magd geküßt "habe Ber Rabbiner aber erwiderte, als verrückt wäre der junge Mann nur dann anzn sehcn, wen» er den Schwciiisbralcn gctüßt und die Magd gegessen häkle. Ans der Polizeiwache in Hannover scheint man „vcrjndct" zu sein. Wenigstens huldigt .ina» dort gleichen Grundsätze» einer vorsichtigen Psychiatrie wie der eben erwähnte Rabbiner, »nd gibt nicht .zu, daß Frau Schund deshalb für geistesgestört crtlärt werde, weil sie von ihrem Gatte» getrennt lebt und mit seine», „Freunde" k'enß.— promenirl. Biese, aber dürste in feinem nächste» Bo,trage seinen Zn Hörern sür je;>() Pfennige die schrecklichen Gefahren schildern, welche dein reine» deutsche» Familienleben seitens unsittlicher Inden drohen, die das Weib des Räch c» begehren. In Frankreich wäre der Fall Venß Schnntz auch ein prächtiger Skoti zn eine», sünsaetigen Boulevard Brama. i .Kcill Bodt» für stüiccithtkitl. Bas; der Anlisemilisinns i» Italien keinen Boden hat, so sehr-'sich auch gewisse Vcntc bemühen, ihn dort zu acelimatisire», das zeigte jünst so recht ei» Bortall in, Gemcindcralh von Bergamo, wo die elcrieale Partei starte» Anhang besitzt Bort vrotestirlc der intransigeiite Gemciudcralh Easoli in. heftiger Beeise gegen die Anstellung einer Lehrerin,, die zwar eine ans gezcichncte junge Bame, ober dabei Jüdin war. Bie in, Geiste des ErhofprcdigerS Stöcker gehaltene Erklärung des Herr» wurde »-doch von der großen Mehrheit, des Gcmciiiderelhs. wie vom Publicum mit AnSrnfcn der Entrüstung anfgelioininen, und als der Radaumacher sorlfnhr, drohte ihm der Bürgcrnieislcr mit gewaltsaiuer Entfern,mg. B er z n m g r ö ß e» B h e i l elcrieale Gemcinderalh brachte. in Folge dessen dc»f Bürgermeisicr eine lebhafte Svation dar. Ein Beweis, daß die systematische Indcnhctze des „Ossw-vati'iv c-nttnli,-c>- und der übrigen Blätter ähnliche» EalibcrS bei den ruhig denkende» Katholiken Italiens leine» Anklang sinder. / (AlIlisr»tflis>»lUS ill Blllsilinr».) Ber Großrabbincr von Bulgarien, Br. Grünwa ld, richtete a» die „Re„zeit" ein'Schreibe», welchem wir Folgendes entnehmen: Seit zwei fahren ist ei» gewisser Mitatow, der bereits gerichtlich abgcstraft wurde, trotz seiner ein gcsiandcltcn Unwissenheit bemüht,, literarisch für die Züchtung des AilliscmitiSmtts jn Bulgarien thätig zu sei,.,. Baß derselbe, der keine einzige Sprache, nicht einmal daS Bulgarische richtig spricht, geschweige denn schreibt, teil, Wort'de» Balmud versteht, ja auch nicht einen Buchstabe» des hebräischen Alphabet» lesen kann, über Bibel und Balmud schreibt,! ist nicht der geringste seiner Fehler. Bie jüngste Flugnnd Flachschrist führt den bescheidenen Titel: „UnlMirin Im-z Kvi-fi'“ („Bulgarien ohne Hebräer") nnd ist voll ünfläthigcr Reden und liusinnigcr Beschuldigungen gegen die Inden, die natürlich Rohlingscher anfgcwärmter Kohl sind und eine Widerlegung nicht verdienen. In Folge dieser Schrift richtete Tr. Grünwald einen Brief an die Rcdaction der in Sofia erscheinenden Zeitung „Swoboda" ^.Bic Freiheit"), welche denselben am nächsten Tage veröffentlichte und ihn, folgende Zeilen voransschicktc: „R. Mitakow Hai die zweite Ruininer seiner originellen Schrift .Bulgarien für die Bulgaren' heransgegebcii. aber diesmal der größeren Bentlichle» halber den'Biiel geändert, und . zwar i» ..Bulgarien ohne Hebräer' Wie wir schon trüber beincrli habe», hat die literarische Thütigteit Miiatow's den Anljscmilisnlns zuin Ziele, d. h er bemüht sich, eine Strömung gegen die Inden ein znlcjlc» Es „nterliegl keinem Zweifel, das; ein solches Beginnen ganz absurd ist in unsere», Vande, in welche», die Gleichheit der '.'kaliana lilälcn lind die Freiheit des Gewissens geheiligt und durch die be. ftchchde» Fnndanientalge'etze. Aber auch abgesehen davon sind die Mittel, deren MitatonG sich bedient, sehr nnlnuter." Ber Brie, des Br. l^rüilivald halte folgenden Wortlaut: „Hochgeehrter Herr Rcdaelenr! Ein gewisser R. Mitakow hat wieder»'», -l» anlisciniiiscl'es Pamphlet mit de», großartigen Titele .Periodische ZeU'chilsl, Bnl garieit ohne Hebräer" verösienllichl Eharatl--, nnd Werili des Herauf' gcbeio dieses Pamphlets lind in jeder Hinsicht zn betanni, ' »nz inan weiß ganz ivobl, was Herr Miialviv ist, deshalb erachte ich >s iiiv Übcrstn'sig »nd rinter meiner' Würde, in Betails .mich'mitbin ein zulassen. Ich behaupte „nr, das; jedes Wort in Miiakow's PaSanill, das in keiner Weife Haß gegen'Mitbürger zn stiftenf imstande 'ein. : wird, daß jedes Won, jage ich, welches nach 'einer Bevanvinng ans de», Balmud geschöpft in, der Broschüre des des Meineids bezichtigten Antisemiten Rohling 'eniiw'nimen ist, welche Schnn b eejis im Ialne I I von de», als Ehristen geborene» nnd als Forscher riilunlchst belannien, iiiiiiniebr verenngte» . Proienor Franz Belitzich l k'eipzig. Börsling und Brenslo gründlich' widerlegt wurde- -Icli als diplv inirter Rabbiner nnd z der Haupt der- I'iaeluen des FülüenUin>ns- Bnlgarien bin bernsen „nd veipslichlei. dic<- öi'u-nilich zn ' ertlären, nnd idj betone nochmals, daß Herr Mitalow. der unwissend -nnd, wie * er ielbtt eingestellt, nngetehrl lst. nicln ein einziges Wort ans-den, Balmud versteht, geichweiße, daß er iln, verdoliner'cheu »nd erkläre» könnte. Welche 'Wichtigteil, nutz, Bedeutung man den Broschüren Mitakow'» beilege» "darf, erhellt ans der iragi tonii'che» Bhali.schk, daß ein Meni'ch. der sich als nnwineud in de, Einleitung feiner Schritt bezeichnet,, über ein >'o allehrwürdiges . Vueratnideiü-nial, wie der Balmud in der Tbar .ist, zn »rlheile» sich crlühnk Bca-n ßeln. Her,' Mitakow' lebt in de», lache, lichen Bornriheil, daß nia» --legen die Hebräer Alles schreiben dürie: aber iei B anl, die. gea-l »ele Well und das Elnißenibnin erwarten nicht An'Üär'nng von S :b!ern( von den, Ealiber des. berüchtigten Redaetenrs der ÄKoichgren ' P.sliti- - scher Tran,»'. .Bulgarien kür die Bulgaren-' und .Bnlgaii.n ohne j Hebräer' Saßa, de» z'7 Jänner Februar/ I^l'l Mit Hochachtung der l^roßrabbiner Br <'s>ü»>vald " f Schlicßiilig jjidischcr Bttliiinici' i» Ptttrsbnrg.Man ichreil-t i „ns ans der Hauptstadt des^ rninfehen tlreiches unter», I., Bkarz: j „Soeben verlanibak, das rimtAlie Polizeiblai, eine Ber'ngniig des'! Sladlhanptinannes von Peiersinirg. l^-nerals v. Wahl, d-e die! religiöse Intoleranz der russische» Regicriing am dentlichn.» illusirirl ' Bie Bc,s,ig»»g ordnet die n»vezz'üglich>e n»d nnanischiehbarc Schließung der lVit 1 hestehenden jüdischenEs Belhänier in -Peiersdurg nnd in - der Borstadt Ecljtens!' an. Bie Berkügnng stützt' steh ans einen vom i Eza, genehmigten Beichlns; des B>i»inereo»iil--s, die erwähnleii Bel [ häuicr mit der Eröminng der Irenen Sn'nagoge zn schließen l^'.neral. k v. Wahl fügt seiner Berardnnng die Beine,k-nng Hinz», daß jdie herrj schenden (''eseiv.- tu ücnßlaud die Inden in Petersburg nicht-als eine : Enltnsgemeinde betrachten-, io daß das Porhaudei-.sein vö i jüdischen ' Bcthänscrn nicht geduldet werden dar,' llnd doch besitzt die -russische! Hsesetzsamnilnng eine» llkas Kaiser Alerander's!>. vo»!>«>'.,. welcher \ die Inden in P.-terslnirg als Religionsgenossen'ch-.rsl. änertcüin und ihnen das stlecht einranim, Bethänser nach Bedai's errichten zn dnrsen. Bie niliimehr erfolgte 'Bertugung des E'encrals v. Wähl »igchi den Utas von 1 S<>'.* illusorisch, lind man-behauptet hier iogär, daß die etsegicrmtg die Erössnung der Synagoge mit M, Absicht gestaltet hat, sänimtliche Bethänser schließen zn können. Wie dcin'Gber auch sei, die Berordnnng beweist klar, welche U»dnldsa»itcik den Iniden gegenüber hier herrscht. Bie Jude» sind durch die'c »nerwaneie Maßregel in große Bestitrziing gcraihe», den» ' man erwartet noch weitere anli jüdische-Maßnahmen." - , - »—. (Tic nrgcnlitlisklicllEvlonic».) Baron Hfl-ich änßerlcüchgegenübcr cincin Mitarbeiter der „F-lautinrtcr Zeitung" »her den dcrzcitlgen Stand des argentinische» Eolonisationsmerkes solgcnderinaßeu: Blau hat in der letzten Zeit erzählt, die Eoloniurnngsvetsuche mit Juden seien in» Stocke» gcralhen. Bas ist abiosiit unrichtig, ^B:e erzielten Resultate sind zufriedenstellend, sogar mehr--' als das:- ne. find übe, raschend gute. Bas Wert wird fortgeiührl nnd g-'ln, meiner. lieberzcugnng nach, einem .sicheren Erfolge entgegen. Freilich, sind zahlreiche Schwierigkeiten zn überwinden, BaS Merkwürdigste ist aber, .daß die

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