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Freies Blatt · 1894-03-11 · 101 (11.3.1894) · p. [Seite]

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Journal
Freies Blatt
Volume
III (1894)
Issue
101 (11.3.1894)
Date
1894-03-11
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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Freies Blatt. Nr. 101. um daraus so viel als möglich für geschäftsmäßige Angebereicgi bei dcu wohlgeneigten Behörden hcranSzuschindc»." „Geschäftliche Angebereien" und „Hcransschiiidcn" diese Aus drücke scheint 3mtg Türk dem Ziniggc'ichcn Eonversationslerikon der Bücherei sciucS Herr» PapaS cutiiommeu zu Ijabcu. Bestellt oder irgend ein nioralijchcS Gesetz, auf «''rnrid dessen cs »nziiläisig wäre, daß ei» srcisiuiiigcs Blatt ül>cr Borgäuge aus dem aiiMemitiichc» Vager nach de» Angabe», welche Anlisemitcuorgauc selbst mache», seine Leser anfklärc? Würde so ein tentschcr Jüngling auch daran Anslöß »chiiicn, wenn cincs,dcr Blättchen, denen die Propaganda des Rosenaner Eulkns obliegt,;nr :)icchkscrtig»ng seines Bcrhaltcns Rolizen tschechischer, pdlnischcr oder „judcn-liberalcr"' Blätter hcnülzen würde? Freilich, gewisse .Anliseinileuorganc wolle» gegnerische Tiinimen, welche sie nicht widerlege» tönnen, ebensowenig vernehmen, als anliseniilischc Bercinsredncr in ihren Bersamnilungen irgend einen Widerspruch dulde». Tic wollen nicht sehe» und hören, was ihnen nnapgenehm ist. To hat ein Mährisch-Tchbxbergcr christlich sociales Wochenblatt, dem wir ans dessen Bitte ein sogenanntes Tanschereinplar gewährte»/ nach einigen Wochen daS erbetene „Freie Blatt" nicht mehr angenommen. Es wollte antgen schcinlich seine christlich sociale Tcelcnrnhe nicht weiter stören lassen; schimpft sich cs doch weit leichter, wen»''.man die Argnmenic der Gegner gar nicht kennt. ' Ilcbcrhanpt ist cS sonderbar, wie sich die Welt in den »iöpken der alten und jungen cksacen nnb Eonfcssionshelzcr spiegelt. Taß ein junger Mensch eine Hetzrede hält, ist ganz in der Trdnnng.' Auch die Eitelkeit, welche Auslassungen, die das Licht der Teiientlichkeit nicht vertragen, wenigstens in einem obsenrc» Provinlbläktchen gedruckt sehen will,Aß verzeihlich. Tagegen ist cs eine „geschästliche Angeberei" und „Hcransschinden", wenn wir sogar die Tcntsche Wehr" lesen und die Wiener Tichcrhcilsbchvrde dadurch Tinge erfährt, die ihr sonst verborgen geblieben wären. Ta satt jede Enndgehring der Antiscmilcrei eine Gcselzcsvcrlcynng involvirt, so begeht nach Jung Türk'scher Ans sassnng ein viel geleßmes Blatt eine Tcnnneiation, wenn cs wahrhcirs getreue Berichte über Antiscinilcnvcrsaininlnngen bringt: ein ansschlicß lichcs Privileginm hiesür sollen nur wenig gelesene Wintclbtätiche» haben. Eine echt antisemitische Anssassnng! Wir aber werde» uns selbstverständlich auch fürder die Brühe nicht verdrießen lassen, hem dnntlc» Treiben der Antiseniilcn aller warben Antinerksainkeit zn schenken und int Interesse der Abwchrlewegnng die Geständnisse, welche sie im beschränkten Ai reife ihrer Eoinpliccn machen, ans Tageslicht zn fördern.!' c s. (ss-ilit dlicdc dcs Präsidcliten Büro» 3nmicr. t I» einer am!>. Brärz slaltgcsnndcncn Bcrsainnilnng des T c in o k r a t i sch c » Bewein cs im IX. Bezirke" sprach der Präsident des Bereines zur Abwehr des 2snlil'c»iitisinnS, A. <'st Freiherr v. Tnttner, über niodcriic Erscheinungen int politischen Leben und streifte hiebei agch die antiseiniiischc Bewegung. Er bezeichncie die Aniiscmilen als ein friedenstörcndes Element. Wie in dem Worte Antll'emitisinns, so liege auch in der Bcthätignng desselben etwas Ilnsinniges, txnb cs fei bedauerlich, daß die schädlichen. Folgen dieser Bewegung sich allenthalben in, össentlichen Leben zeigen. Merkwürdig sei nur, daß - eine große Partei den Antiseniitisinns iintc>lli>lzt und nicht an die l'stsahrcn dentis die ihr durch diese Patronisirnng drohen, lim die Bewegnng;» charaktcrisircii. brauchte nia» nur, sagte ,frei Herr v. Tnttner, sin zclne Führer derselben hcranszngreifen : An d^x TpilZc steht ein Mann, gegen de» ei» Ehamäleon ei» wahrer Ttümpcr ist. Es gibt nichts in Tester reich, was er nicht schon war. Immerhin weis; er noch den Ansland zu wahren. An seiner Teile tämpfl eilt anderer Mann: Grcgorig. Was hat der bisher geleistet, was ist er iinsiande, zn leisten? Tiefer/Man» sollte der größte Philoscinit in Testerreich fein: was er ist. verdankt er den Jude». Wenn inan ans seinen, Vqrkou, in dein die Worte „Inden, Indcnpack, jndcn-libcral" .in den verschiedenste» Barialionen de» ganzen Inhalt bilden, nur ein Jüdchcn heransstreicht, dann ist daS für ihn schon eine lebensgefährliche Amputation. Freiherr v. Tnilncr gibt der Mcinnng Ansdrnck, daß inan sich alttnülig in Testcrrcich z» schämen beginne und daß auch die letzten Anstrcngnngen der Antisemiten, durch Brutalität und Tcrrorisinns zu iinponire», den. Rückgang der Bcwcgnng nicht mehr anshaltcn könnte». .Es fei nnr zn wünsche», daß derselbe alsbald znm gänzlichen Bcrsall. führe» möge. Baron Tnttncr schloß seine lebhaft acelamirteii Ausführungen mit dein Wunsche, daß sümintliche dciß Fortschritt huldigenden Parteien alle.ttcniienden Bkomcntc bei Teile lassen und vereint gegen den gcincinsamcn Feind, die Rcaction, inarschircn wöge». . (Tranrigt Folsic» einer Verdächtig»»«^ Tas „Ehrißbanm Eoinita" dcS Bezirkes Favoriten, welches alljährlich z» Weihnächte» Seit« 8. eine große Anzahl armer Rinder mit .'ilsidnttgsstricke» bethcilte, vcröiienljickl eine Abwehr gegen die Anichnldigluigen der A»I>seniite», die in der l^cineinderathssiiziing vom L l. 'Aovember ldie Behauptung anfßellte», das liberale Eoinil-- verwende die Tnbveiilion der Ge nicindc zn Agiialionszweckcn, und welche die Ursache walcn, daß das Präsidium eine llntersiichgug der. Richligkeik. dieser Behanptniig znsagtc und sie Tllbvenlion tür 1 *4 u;drt bewilligt wurde. Tas Eonin» hat iinn den genauen Racknveis darüber geliefert, daß von allen eingeläntenc» Tpendcn jeder .'irenzer dein wohllhäiigen ^ivcckc zngcsühn wurde. Mit Beziehung ans 'diesen ach weis und die Ent zichnng der Tnbveiilion gegenüber einem. EoniiP. das seit einem Be-, stände von zwanzig Jahren I-I IOtl arme Tchiillinder, die Tpenden .in Zlleidcistoiseii und Bietnalien nicht eingerechnet, belheilie, spricht sich das Eonm» in dein Tchritistncke in folgender Weiic auS: ,,Man kann ein wärmer Menschensreiiu.d sein, der ans össentliche Anerlennnng 'eines, hninanitören Wirtens 'leichten Herzens velzichlet, das jedoch tan» nuttt vellangen, daß diese Thäligleil von dem 'erstbesten rüden Gesell-'» nicht znm Anlässe genoninien' werde, nni die betressende Person in ihrer'Ehre z» tränle». Tolrhe-' iß aber delli .Eblistbanni Eoniil-' widertalireji. Es kann demnach .»nniö.zl'ch befremden, daß dasselbe in seiner leizteik Tipnng den Beschluß gefaßt bat, seine Thäligkeit für alle ,Fntnnsl cinznstellcn. Tie Biedermänner l^regorig, Tranibaner tntti -,nnnli können sich aber eines neuen Erfolges rühmen, der so recht geeignet iß, ilne. Thäligkeit als .Freunde des redlich arbeileikden christlichen Bolkes' zn illnstrirczr: an '.bin bis ll»»> arme Tchiillinder in Favorite», die sonst itm die Weihnachtszeit bc schenkt zu werden pflegten, werden allez' Böranssickil Nach in Zilknnst. leer ansgehen,'an dreißig kleine Meiner, teilen nnr die gedachte /Vit ein bescheidener Verdienst zngewendet werden konnle, werde», ans den selben verzichten niiiisen, denn so wolle» es fene erklärten Freunde des .kleine» Mannes'.- >P»»l Ii'tinlmröl contrs (5d»>n'd Frilschw Tic Berhandluizg über eine Ehrcnbclcidignngsklage des Tchrislslellcrs Paiil üt ei »Hardt gegen den Herausgeber und Redaelenr der in Aussig a. d. Elbe erscheinenden und in Wien gedruckten elerieal anriseinilischen .F^oldcncn M i t t c l ß r aß e", Eduard Frzti'ch, mußte dreimal vertagt werden, it.ii der (''eHitgte unter 'Angabe verschiedener «''runde zur Berhandlnng 'nicht erschienen wgr. I»i Monate Februar wurde sw endlich durchgesiihrt, aber auch in Abwesenheit des Herr» Fritsch. Tei» Ansuchen dcS < lt" bcsicllkeir Berthcidigers Tr Wilhelm Franll nin ncncrliche Bertagnng des Proestses iburde nicht siaitgegcbe»: die Berhand lnng' ickiloß nnn mit einen Bernriheilnng des <^eklagte» zn einer Arrest st rase. Wir enlsprechew7-deni Wnnschc zahlreicher Abonncnte», indem ^vir nachträglich, einen ansführlicheil 'Bericht über die'e» Fall reprodnciren Tic Tchlnßverhandl»ng nahm im Wcsent' liehen folgenden Bcrlant i .' Es gelangt die von -Tr. Faenies Fi-s.cher. oerirelene Anklagezur Per, Uiituii, inivetcker eer .«iläger Fotgenkes ans'iibrw '.'koveinber 1>!>ü vnbliei-.te ick, ,n der ron mir rekigirte» .-Zen-ckirisl /.'.'l'llbeilnngeii des Polili'chc» Poltsoeieins' .eine» Artilel inner dein Tnel .Elbrus nut Akeuickienhaß', in loetlheni ich all' sie betrnbeude Erickvinnng binwies, daß lalboli'chc Priester de» 'saß gegen n»''ere Mitbürger »nd Milineirickie» jildinher Tonfc'sion schüren, und rngleich die Biie'e/veiosienilichle, welche ich an Te. .Eminenz .'seren Fürsteizbischo' Tr'<''rnicha gericknet. halte, niv Te. Eminenz zn beioegen, -gegen das iinchrisiliche Porgehen cil>zetllee katholischer Eleriker Tiellnng .zn nehmen und denselben die Belheiiignng an i.'u .lndenbepeu strengnenS zn verbiete», ä iese Pnbtieaiion erfolgte als Ansslns; meiner ck,r,silickeen rsrs„mi,ng, nackidem ick, befürchtete, daß diirch das 'Porgehen einzelner kaiboli'cher Priester der gesttininie hiesige Eieuis in den Perdachl. nnckni,stlichcr '.>>be»fche,iverhel-nng gebracht iverdeii tonnte, Tie von mir veronciitlichlen Priese sind in der chrerbietigsien Form versaßt nnd bezweckten die cheivahning einer Andien; oder einer 'christlichen Widerlegung feileus des 'aitgernkenen ,'tircheiis,irst.-» Am Teeenibdr 1X>-' crbiclt ich nun die Anniincr ei der Ieii'chri'i .Tie. goldene Millelslraße zngetchickt. welche '» Wien gedruckt, »st Tie Fnst-ndnirg erfolgte offenbar auf P ranlassnng des Ange'chnldiglen. In einem dlrtikel dieses-Plattes werde ich in vollständig deeidirier.Wei'e des Pecbrechens der Erpeennng direct beschuldigt n»d der -ijcdcrträckniglcik nnd Pandilenpvtitik geziehen, .'.ßachdem der Angeklagte;» gesteht. die>'e» Artikel verfaß! und vnblieirl zn haben, erscheint dee Thathestan!» der ^- ->>7 nnd ld'I-Tl G. als erivicieu." Tee 'iläger betämv'st. nun die Eiinveudungen des Peschntdigke» gegen-die Anklage, welche sich »iil Rücksicht chls das Erscheinen trs Planes in An'stg ad d. Elbe gegen die Eompele»; des 'Wiener t'b-richies w ilde» nnd auch die Periährnng bchanplen7'ni,k iagt sodann, ..T>e schließliche Pebaiipinng des Angeschnldrglen, taß er mich für ein P'endenm» gehalten habe nnd inich deshalb , gar nicht beleidige»' wollte, erstchen-.l um >o qbnrrder, als ich in dem Ariilel .Elerns nnd Menschenhaß' nicht bloß mit »leineni '.','amen und Ebarakier. sondern auch »nter Angabe ineiner genauen Wo>'»»»gs adre'ie bezeichnet.war"

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