Freies Blatt
- Journal
- Freies Blatt
- Volume
- III (1894)
- Issue
- 99 (25.2.1894)
- Date
- 1894-02-25
- Page
- [Seite] (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. Hi*. Freies Blatt. Seite N. t Während sie so beschäftigt war, ging das (Gespräch weiter, wobei Clara zumeist das Wort führte. „DaS Ziinincr wird's schon sehr gut thnn," crwihertc Franziska achtlos. „Es ist nicht das Ziinincr, worüber ich nachdcnke." „Tu hast Well ) gesehen, sie wird fast deine ausschließliche Genossin sein, so lange du hier bleibe» willst, außer, außer cs ereignet sich ctwaS." Sie wiederholte die letzten Worte leise vor sich hiuinurinclnd. „Es wird sich etwas ereignen, ich sehe cs rorauS, und ich bin jetzt schon froh, daß ich kam, mir ist, als würde ich eine große Erfahrung machen. Was Wellt) betrifft, werden wir uns gut verstehen. Sie sieht ebenso gntmüthig und nett aus, als sic schön ist." „Sie ist wie sie anSsieht, die arme Well»! Wnr >vi>st du sic etwas rasch in der Rede und mehr entschiede» im Beirrhincn finde», als die »leiste» Mädchen, die da kennst. Sic muß sich und des Haus, so gut cs geht, »erhalten, denn ihr Pater gibt ihr sehr wenig. Sic ist die Brotverdicnerin und die Hausfrail in Einem, und däö macht sic etwas hastig. Aber ich bin sicher, daß du sic liebgewinnen wirst . Sonst hätte ich dir diese Gesellschaft nie vorgeschlagcn. Und dann —" sic crröthctc ein wenig, denn sie fühlte sich der Pcrschwörunc> schuldig und war als junge Bcrschwörcrjn noch nicht genug im Verbrechen hartgesotten, um ein plötzliches Errölhcn und ein Wlcdcrschlagc» der Augen zu verhindern — „und dann ist ja auch Emanucl da, wie du weißt." „Immer dieser »nisteriösc Emanucl. Wer ist er denn eigentlich, Clara?" „Er ist Wclly's Zimmerherr." | „Ein Zimmerherr?" Franziskas Gesicht bekundete arge Enttäuschung. „Ich dachte, wir wärest allein im Hanse, Will», ich und die T> eaerschaft." „Dienerschaft! Meine Webe, cS ist eine kleine Magd von vierzehn Jahren da — weiter niemand. Und ich fürchte, daß du dich darauf gefaßt machen mußt, Emanucl bei allen Mahlzeiten zu begegnen." Sie sah beim Fenster hinaus. „Ta ist er, er fitzt in der Sonne — er kann nie zu viel Sonne haben — ohne Hut, an seiner Arbeit. Er ist ei» Holzschnitzer von Profession." „Ein Holzschnitzer!" Wieder neue Enttäuschung auf Franziskas Gesicht „Ich soll »lei» Tiner in Gesellschaft eines Arbeiters ein nehmen! Auch gut. Warum nicht? Wen» das Alles zum Experiment gehört, Clara, warum nicht? Ich werde mir cinbilde», eine Arbeiterfrau zu sein." „Er ist etwas mehr als ein Arbeiter. Franziska. Wie viel mehr, das herauszusinden überlasse ich dir. Tn wirst ihn als eine» sehr gut erzogenen Arbeiter bezeichnen müssen." Sie lachte, wurde aber plötzlich sehr ernst und legte zhrc Hand auf den Arni ihrer Frclindi». „Franziska, ich bitte, ich beschwöre dich erblicke nicht i» ihm einen Arbeiter! Ten Grund, warum, wirst dn später erfahren. Was er sonst ist — aber daS sollst du selbst hcraussindcn." „Sehr gut, Clara, ich werde von ihm denken, wie du cs wünschest " Sie hielt inne- und holte ein-Packet ans dem Inneren des öiofferS hervor, eine flc'ne Lcdcrbüchse; sic öffnete dieselbe, entnahm ihr ein Miniaturbild und stellte eS auf den Kamin. ’ „Himmel!" rief Clara, plötzlich erblassend, „du hast baa'lMlb deines 'Paters — deines Baker S mitgcbrachl! Hiehcr!" „Warum nicht? Ich trage cs immer mit mir. Es verleiht mir ein Gefühl von Schutz Ich fürchte mich vor nichts, so lange sei» Pild in meiner Wähe ist." „Hier! Darauf war ich nicht gefaßt.... doch cs macht nichts." Franziska schob die langen Zweige von virginischer Waldrebe, welche vor dem Fenster hingen, beiseite. „Wir brauche» mehr Yiift," sagte sic. „Welch sonderbare Aussicht! Ein großer Friedhof voll von Gräbern. Auf der einen Seite des Hauses die Gebenden, auf der anderen Seite die Tobten. Sie schlafen rnhig, Clara, ich denke, sie werden mich nicht stören." „Das Bild ihres Bakers! Hier!", mnrmcltc Clara. „S, sic wird ihn auf den ersten Blick erkennen." „Da ist auch ein kleiner Garten," fuhr Franziska fort. „Was für ein drolliger, kleiner Gärte»! Ta' ist ein "Mann darin, ein Mann mit langem Haare, er sitzt auf einer Bank in der Sonne, barhäuptig, eine Tafel vor sich. Clara, daS ist vermuthlich dein Holzschnitzer. Er scheint sehr fleißig zu sein." „Ja," sagte sic, „das ist unser Holzschnitzer." Franziska nickte, kehrte zurück und setzte daS AuSrünmen fort. Clara betrachtete abwechselnd das Miniatnrbild am Kamin und den Mann.im Garten. £ i t c v a l u r. Tic Pflicht der Selbstverldeidigung Eine' Rede non Tr. M. M.'.iideliohn. Berlin t'-sts Jmberg Sonoit. Anfangs des XVII Jahrhunderts rvllele sich ans der Schildkiötcninsel der ilb'iiMiiiii aller iresr.hr, »de» Rationen zu einer Wolle Bandilcn;» amiiif», bitv inner dein Wau en F.rdniiiere ichlininrsle» Seeland und »tüstenpliindernng bctriiüi». Sic füh,l>n eine schwarze Flagge mit Todtenkopf und S»indenglas der lustige Roger zubenännt. Tie blühendsten Städte ans der Wegicheide zivjsche a 'Wort und Sütamerikg wurde» ianiml der Bevölkerung von de» Schaarsndieier Rickrdei und Freibeuter vernichlei. Ja der Zeit ihrer größieii Macht gab es lauili mehr als 'JiA'i> lis 0 Flibnstierc. Ihre Eisolge veitanklc» sie ihren plötzlichen geschlossenen Angrineu ans die sriedliche, zur Gegeinvehr säst, gas nicht gerüstete sestbasic Bevölkerung. Bis sich die Regierung jeiveilig zur Abwehr anslafjte, Hallen die Flibustiere regelmäßig ihre Beute und sich auch schon in sicheren Schlupstoinkel» geborgen. In den jüngste» tnnizehn Jahre» ' erlebe» wir das ähnliche Schauspiel, wie die Anisemilci, als modernste Flibustiere trotz aller staallichen Einrichtungen sich zu Freibe»ierbanden organi - siren, um aus .Neste» der Inden und der eingcschiichtcrten christlichen Be völkerling ihr vcrbrecherncheS Tasei» z» fristen.' Bis der Staat „erforderlichen Falles" es sür »oibwendig erarlnet, einzuschreiten/ist cs gewöhnlich -zu spät. Es ist daher kein Wunder, daß cs nicht an Bersuchen und Anstiengnngeu der von der Landplage am härteste» Bclrossene» fehltdem. Ueb l endlich, einnral g'ünd lich abzuhelfeu und. die Flibustier Antisemiten in ihren Zufluchtsorten ani znipüren, ausznheben und der verdienten Stilste durch das Ge'etz znzniühirn Tieier rühmliche» Bestrebung verdankt der „Eentralverein deiilicher Staats bürgest jüdischen Glaubens" in Berlin seine Enistchnng, >> d in der eiste» ordentliche» Gcneralveriäminlung d cies Bereines hielt Tr. rviendelioh» 'eine Rede über die ..Pflicht der Selbstvertheidignng". Für dieje-iigeii, die Jhering's weltbekanuic Studie Über den siamps ums Recht t »»an un'billigen, b dais es keiner weiieren Penieik.ng, als daß Tr. Mendel ohn offen >>i>d n» »inwunden ganz uiid gar iiii Sinne jener Snidie spricht i.nd die Inden iir Tentschlaiid oder besser tic Staatsbürger jüdiichen Glaubens zu einer festen, planmäßige» »nd unermüdlichen Bersolgnug der Änli'emiien ani'otdert Er spricht i>» Warnen von zweilausend Bereinsinitgliedei'n, und "'dieser Umstand verleiht seinen gehaltvollen, juristi'ch lies begründeten und vom G-stchiopunlic des Socialökonomen durchaus berechtigten Anssührungeii einen nachhaltige» Werth. Es ist leicht möglich 'und auch wünichensiperih, daß sich die Juden Tenlschlands 'einmülhig diesem Eentralvereine anichließen, um mit alle» ge setzlichcn Mineln endlich eiiunal jedem einzelnen anti’emtii’d)en Gesetzesverächiec an den tzeib zu rücken. Jede ivie immer geartete politische Tendenz liegt außerhalb der ftatnrarischen Wirksamkeit dieses Bereines, dissen einziger Zweck der ist. den Inden, wo Sc ihres Glaubens wegen unterdrückt und verfolgt welden, wirk'äme Stütze zu gewähren. Ter Ecutralve-cin^ist ein .'rampfvclei», der, auf den Slaaisgrundgesehen fußend, „ersorderlichen Falles" im 'Wamen deS Rechtes lind der Gerechtigkeit gegen die Rotten der siechen vügner, der ichußgeldlüst rnen Fäl'chcr. der Benichelreißer, siöpser, Hänger >- tutti gnanti auch aggressiv losgcht Ter Jude in Leullchland. der sich in tieicit schivercn Z-nen dem E>»lral vereine nicht anschließi, veriviiki den Anspinch, ein Jude zu heißen, aber »och mehr, »nd mit Fug und Recht, den Anspruch aus die Achtung seiner a.chl schassencn christlichen Miibürger; denn er verdient es, daß ihm die annsemin scheu Flibustiere sein deutsches Vaterland bestreiien, daß sie 'ilm, seine sta.no bnrgerllchen Rechte zertreten und als eine» Bateilandelo'en zuin Fliichning mache». - Wie». ' Tr. Friede. S. X.r a n ß. »r - tüestcrrcichischcs sticchtslexikon. Prakiüches Handivö.lcrbnch des onemiidieu und piivaicn »lechtes 7?r iin Riichsratbe verneieneii siöiiigreiche lind tzänder. Heeausgegebeii und rcd'girl von Tr. Fie'dgjch T itsche n > s, Tr Wenzel Ritter v. Bölsl». Advocaien in Prag, und Earl Baren,». r.'a»desanSjchnßra>h in Prag, nntdr MitivirNng zahlreicher Fa.tikräfle. Prag 1 s; 11. Verlag von Höser und Wloiiöel. TaS vorliegende erste Hest die'es einem dringeiid.n Breiii'iiiss-. abhelse-id n Welkes reicht von deni Artikel ..Abdecke>eigeiveibe" bis zu dem über' Akvoe >le» kammerN". Tas „T csterreichische Rechlslexijo»", welch's ivir alleil linieren tzesern besten»empsel,len lünnen. wird vollstindig i» ei-ca .'a> vleserungen 50 kr. oder 1 strone eisch inn G. L., III. (öaetnergässc: „liniere Parteileitung wird dem Psaidler lein Haar krümme»; allerdings muß er nun hühich brav sein und darf nicht niebr srondirs». Ter samosc Professor gehört wirklich diese» „jiidenliberalen" Vereinen an. P. I-, Graz, läsieii wi/die Tobten ruhen. zFortsetzUiig solgi.)