Freies Blatt
- Journal
- Freies Blatt
- Volume
- III (1894)
- Issue
- 99 (25.2.1894)
- Date
- 1894-02-25
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Matt Adoiiiikmcntsprcis. 'Jicbaclion und ilbmiiiiftratiou: (V ii r Oesterreich Ungarn: Ganzjäbrig mit Postzusendung. . . . fl. 8..^». Halbjährig'fl. 1.8.'». Bierleljävrig . . . st. —775. ^ur da» gksammt« Au sland: ' wcrdcn nu, i'> tr. für Die viermal ge Gainjäliriq fl. 3.—. fOaltonc ‘Jlömiarcillcifilc beredmet. AIcincr Sin. Haidjädrig .st. 1.30. (yrjfl)fillt (111 jC&Cllt 3oillltngC. lc>i>-r dn» Worl s kr. Sluliiahnx Ul-N gnierai«» in Einzelne Nummern >; fr. unserer Administration sowie im Annoneenburea» Unsrankirle Briese werden nicht angenommen * . M. TnkeS. I. 26oll;eile fl. Organ zur Abwehr des 1 sciicrftüttc in."4 Nummer 99. lUicii, 25. Februar 1894. III. Jahrgang. - Officielle AiciAiastellungen. (Lrigiual-Mittheiliniz des „Freien Blattes".) Petersblirg, Februar Sie kenne» jn die ölte Anekdote von dein Manne, der behanplete. es sei in seiner GcbnrlSstadl nicht mehr zu ixistiren, weil überall, wohin er gehe, überall, wo er sei, ein unerträglicher Ge-' ruch herrsche, während der Grund dieser Erscheinung darin zu suchen war, daß der Mann selbst diese» üble» Geruch vcrbrciiele. An diese Anekdote wird man jedcSmal erinnert, wenn, man die Beschuldigungen hört, welche die Anlisciuile» gegen die Juden jahraus jahrein Vorbringen. Hierzulande bildet diese Gnlinng von Beschuldigungen eine stehende Rubrik in der judrnfrindlichen Tagesprcsse; die Juden 'werden der - unlauterste» Thalcn und verabscheuungSwürdigsten Eigenschaften geziehen. Geht man jedoch diese» Anklagen auf den Grund, so stellt sich heraus, daß isie ihre Eni stehung der gewissenlosen Berlogenheit der Ankläger zu verdanken baden. Sn beschuldigt man die russischen Juden unicr Anderem auch, daß sie sich gern dem Militärdienste entziehe», die Blut steuer nicht entrichten. Bei der »»wissende» russische» Masse, die weder "lesen noch schreibe» kan», findet diese Anklage Glauben, so daß die Fabel von der Auflehnung der Juden gegen de» Militärdienst auch im russisch.» Bolle stark verbreitet ist. ES ist deshalb von weitestgehender Bedeutung und von unjchätzbarei» Wcrlhe, zu eifahre», daß das russische siriegsministcrium selbst in seine» kürzlich velöffentlichten statistischen Daten über die Ergebnisse der Recrutenaushebung im Jahre 189:2 dieser antisemitischen Berkum düng entgegenlritt. Im Jahre 1892 betrug die Gesaminlzaht der auSgehobenen Recriiien im russische» Reiche 26(1390. Man»; darunter befanden sich 16.169 Juden oder 6 3 Percei» der Gesamintzahl. Diese Zahlen sprechen nicht nur für die reichliche Entrichlnng der Blnistcuer durch die russischen Inden, sonder» sie enthüllen auch eine Thatsache, die zu verschweigen man bisher sich alle Mühe gab; wir erfahren nämlich auS den officielleu Daten, daß das unicr den Juden äusgehob^nc Recrutencontingrut pryportionell ein bedeutend höheres ist als bei der christlichen Bevölkerung Rußlands. Wenn wir die Gesammtbevölkerung Rußlands mit rund 120 Millionen und die Anzahl der in Rußland zuständigen Juden »uh rund ü Millionen — eine den Juden ungünstige Berechnung — an geben, bilden die letztere» nur 4-8 Percent der Gesammtbcvölk.rung, liefern aber dem russischen Heere an Recrulcn 6 3 Percenl der Gcsammlzahl, also ui» 1 ü Percent mehr als die nichtjüdischen Russen. Um zu begreifen, welche große Ziffer diese lf> Percenl auSmachen, genügt folgendes einfache Rechenexcmpel: die Gesamnitbcvölkerung Rußlands stellt dem rustischcn Heere ein Re crutenconlingent von 2170 per Million, während die Juden 3234 Rccruten-per Million (4- 1061) liefern. Diese Daten, welche das russische Kriegsministeriui» zum erstenmale publicirt, sollen, wie hier bestimmt verlautet, den Zweck habe», die Behauptung von der Abneigung der Juden gegen den Militärdienst zu widerlege». DaS Ministerium soll den Entschluß gefaßt haben, di^ jüdische Bcr völke'rung, welche der militärischen Pflicht in so hohem Maße Genüge leistet, den Schmähungen der Judenfeinde gegenüber zu schützen. War dieö thatsächlich die Absicht des KriegSministeriumS, so ist ihm die Entkräftigung dieser Beschuldigung glänzend gelungen. Es fragt sich nur, ob die Antisemiten bei ihrer bekannten Berlogenheit und Schamlosigkeit von der Wucht dieser Thatsache» werden »icdcrgebeggl werde»? Jedenfalls ist es sehr erfreulich, daß diese schwere Beschuldigung von so auloritatiocr Seite widerlegt wird.. Qb eine gerechte Negierung die Thatsache gulbeißen kann, daß ei» Theil der Bevölkerung, der aller bürgerlichen Rechte beraubt ist, an Blnistcuer mehr zahle als die übr>gen relativ mit vielen Rechten auSgestatlclen Bewohner Rußlands — das woll» wir un>röitert lassen. Daß aber die Judcnsi'iiide selbst die Quelle des üblen Geruchs find — dies hat nunmehr sogar ein russisches Ministeriuui bestätigt ... - Ebenso steht eS mit der Wahrheit der antisemitischen Behanp lungktt, daß die Jude» mit der einheimischen Bevölkeruni, unter welcher sie lebeu^sich nicht assimilirc» wollen. Ein russi'cheS Regierungsblatt publicirtc neulich Reiscbriefc seines EhcfrcdacleurS ans dem Innern des Reiches und auS dem Weichjelgcbiclk, wo er Gelegenheit Halle, mit den Inden in nähere Berührung zu kommen. Und icink Äriife sind geradezu ei» tzLinichicnds Unheil fiiv die Judenfeinde: „Ich habe mich überzeugt/ schreibt diesen-Raste, „daß die Juden das beste Material für Assiiniluuouszivccke bilde», Ueberall, in Sibirien, in riasail., in Rvwogvrod, in Moskau, haben sich die Inden mit den Russe» staunend rüsch assimilirl. Dic jndii'chc Jugend kennt keine andere Muttersprache als die russisch-, sie bildet sich an den Werken der russischen viieralur, fühlt und denkt russisch. Für die kurze Z-il, während welcher die inneren Gouvernements den Jaden erschlossen waren, h,bcn die Juden riesige Fortschritte aus dem Wege der Assimilation »nt dem russischen Bolke gemacht Schade, daß,man sic. nunmehr bald >2 Jahre, in das RtidcrlastungSgcchiel znrückorängt. - Denn im Innern des Reiches sind die Juden —, Russen. Davon kann sich jeder un- -pariciijche Beobachter übel zeugen. Sogar ,»> Weichselgebiele, wo viele auSgewüscne Juden sich nnnmehr niedergelassen haben, sind die Inden aus dem Innern dcS Reiches Träger cchien Russe» lhliinö." Sw schreibt ein russisches Regierungsblatt über die Frage der Assiniilation der Inden. Ja, die Auliicmiteil selbst v.rbrcilen überall eine» unerträgliche» Geruch, der die Atmosphäre verpestet, und wollen da»» die Welk glauben machen, daß sie die Lanirunz dieser Atmosphäre anstrebcn. ' Jrzrus. Die in der inneren ^tndt. Der Tod des Dr. JaqneS hat die Wühler der Eil» in die peinliche Situation gebracht, sich wieder mit der Wahl eines Abgeordneten für das Parlament beschäftigen zu müsse». Sind cS schon die Radien vielfacher und vitaler matcriellcr und geistiger Interessen, welche in der inneren Stadt Wiens ihre». Focus haben; sind cs ferner die l>csliinincndcn und ausschlaggebenden Momente, lvelchc diese Wahl fiiv die nbrige» Wahlen der üiesidcnz- und Rcichshanptstadt Ai sich schlußt: sind cö weiters noch die nicht abzuweisenden Rücksichten, welche in Be zichung ans -das Ansehen und die Würde des österreichischen PolkshauseS mit der Wahl der Metropole des diesseitigen SiaiscrslaarcS verbunden sind: so sind cS weitaus mehr die ehrfurchtsvollen Erinnerungen an die großen- Männer, welche in vergangenen Tjageii. diesen Theil