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Freies Blatt · 1894-02-11 · 97 (11.2.1894) · p. [Seite]

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Journal
Freies Blatt
Volume
III (1894)
Issue
97 (11.2.1894)
Date
1894-02-11
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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3 Freies Blatt Äbolineintntsvreis. ,>»r ^enerreich Ungar»»: iirit i'Oftuifcntmnq. . ... , fl. ^.5n. H.»lt>iäl»r»g st. 1.2.''. Bicncljälirig . . fl. .—.75». ,>iir das gesammtc ttuslaud: t^a»»;jäl»rig. . st. S —. Halvj.itirig .......... st. Einzelne Nummern u kr. ttnfrankirtc Briefe werden nicht angenommen ®r$an diummcr!I7. »icimctioit und '.’lömiuiürnlioii: zur Abwehr des Antisemitismus. i LcilmMc m. - Erscheint an jcöcm 'Soiintaflc. Wien, M. /cbriiar 1894. änserate werden mit »u kr. für die viermal ge waltene NonpareiUezeile berechnet, flleiucr ttnzeig r Lao^ört 2 kr. An'nadme von Inseraten in unserer Administration sowie im Annoneenbureau M. T nkes. .k.'L^ollzette n. 'III. Jahrgang. Absichtliiche ANszoerständnisse. . Tie letzte Action deö Wiener Vereines zur. Abwehr des Anti seinitiöniuS war insofern von einem crsrcnlichcn Erfolge begleitet, als die Regierung die Zusage crlheille, tag auch in Fällen, i» denen cS fiel) uni Staatsbürger jüdischer Eonsession handelt, die;»in Lchutze der persönlichen und der öffentliche» Sicherheit bc stehenden Gesetze;»r Anwendung gelangen sollen. Allciw der Ton macht die Musil, und die Erklärung, welche das officielle Ver sprcchen deö Fürsten Windischgrätz enthielt, erinnerte zu sehr an ein preußisches Borbild. Als zu Beginn der Eonfessionö und Raccnhctze an der Spree freisinnige Bolkövcrlreter die Regierung über deren Berhalte» gegenüber jener verderbliche» Agitation intcvpcllirten, gab der damalige Minister deS Inner» Graf Eulenbnrg, derselbe, welcher auch jetzt an der Spitze der preußischen Berwaltung steht, die trockene Antwortdie Negierung beabsichtige nicht, die Gesetze zu ändern, welche die Gleichstellung aller Staatsangehörigen anssprechen. Treffend bemerkte hierauf ein redegewandter Interpellant, Eorrccthcit lasse sich der Antwort des Ministers nicht absprcchcn, doch hätte er sic etwas wärmer gewünscht. Ten gleichen Wunsch drängten nun auch die Worte auf, welche Fürst Windischgrätz gesprochen hat, ohne,. wie das Amlöorgau verkündigen zu müssen glaubte, zuvor in die Eingabe deS Abwehrvereines Einsicht genommen zu habe». Kühl bis a»S Her; hinan — das war der Eindruck, den sie auf Freund und Feind hat machen müsse». Die antisemitische Presse aller Riten fühlte sich durch die Art, wie die officielle Erklärung abgcfaßt war, zu absichtliche» Miß Verständnissen bewogen. AuS der Zusage, „erfvrderlichen Falles" die Gesetze anzuwcnden, leiteten die Wiener Radaubrüder 'ine Zu stiminuug zu ihrem bisherigen Vorgehen ab, und sie lriroen die Dreistigkeit so weit, zu sagen, sie werden auch fürder die gesetzlichen Bahnen, innerhalb deren sie sich stetö bewegt hätten, nicht verlassen. So wagten Jene zu sprechen, deren ganzes Dasein eine Verhöhnung des Gesetzes ist. Kein antisemitischer Verein ist ans Grund seiner Statuten berechtigt, Iudcnhetze zu treibe», Mitbürger anzufcindeu und empfindlich, zu schädige». Die antiscniitische Organisation vollzog und vollzieht sich unter falscher Flagge. „Rational", „christlich-social" — heißt eö in den Vereinssatznngcn : die Vereinörcdner aber predige», den Kampf gegen Staatsangehörige, die sie als Fremde zu erklären sich hcrauSnchmcn, und suchen wider dieselben durch Entstellung deö wahren Sachverhaltes und Verbreitung von Tcndenzlügen aufzureizen. Daö' antisemitische Thun und Lassen trägt-fast immer daö Gepräge der Gesetz Widrigkeit und Verlogenheit. Auch waS gewisse Radaubrüder jetzt von, Vereine zur Abwehr deö Antisemitiöinuö zu erzählen wußten, zeugte wieder einmal von gründlicher Mißachtung der Wahrheit. Eö ist nicht wahr, daß der Abwehrverein sich in einem Privathause versammelt, weil er in Wien kein LsfenIlicheS Versainmlnngs local gefunden Hütte. So lief ist Wien »och nicht gesunken, daß hochachtbare Männer keine BerathungSsälc mehr finden könnte» und solche nur der VcrhctznngS und Scandalsucht zur Verfügung stehen würden. Am 21. Jänner wurde keine Plenarversammlung deö Vereines, sondern eine Bcsvrechung des Vorstandes unter Zuziehung der Ehrenmitglieder abgchalten. Selbstverständlich konnte bei diesem Anlasse daö Heldcnstücklei» von Tulln/ daö. sich eine Woche später zutrug, nicht vorhcrgesehen werden; cs ist daher eine bewußte Unwahrheit, wenn d.ic Actio» deö Abwehrvereineö aus die Tullner Expedition der Wiener Antisemiten irgendwie znrückgeführt wird. Den widerlichsten Eindruck aber macht eö, wenn Nadaucleniemc die Loyalität, derjenigen verdächtigen, welche der Verhetzung, muihig cntgegcntretcn. Individuen, deren Anführer^' bald im Gemeindcrathe ein gemeinsames Grab für die Persönlichkeiten, welche dem verblichene» Kronprinzen naheslanden, mit nicht wiederzngcbcnder Begründung anrcgt, bald im Randlage eine kaiserliche Spende für eine Hninanilülsanftalt mit dem Geschicke Dom PedröS II. in Verbindung bringt, maßen sich daS Recht an, hervorragenden aeichö- und kaisertreuen Bürgern, eine Vorlesung über Loyalität zu halten. Schamlose Heuchelei das! Durch absichrliche Mißverständnisse machte sich auch daö Hanplorgan jener Eonservativen bemerkbar, welche aus stteigung oder weil sie .die Geistcr, die sie riefen, nicht loö werde» tonne», den - Radaubrüdern gefällig sein wollen.. Daö-„Vaterland", welches schon lange vor der Eoalition Wasser in seinen antisemitischen Branntwein gelhan hat und namentlich.-seit dein fatale» Ausgange deö Scudier ProcesseS, abgesehen von sporadischen Rückfällen, einer verhältnißmüßig anständigen Sprache sich befleißigt, siel über die „ungebührliche Mahnung" des Abwehr Vereines her und meinte, dieser hätte sich crtühnt, dem Ministerium eine „Belehrung" zu crlheilcn. Rennt daö „Vaterland" eö auch eine „ungebührliche Mahnung" :c, wenn der' Episcvpal in Ungarn dem Könige Denkschriften gegen die kirchcnpolitische Reform deö Ministeriums Wekcrle-Szilagyi unterbreitet? Sicherlich nicht, aber Sympathie für die Wiener Antisemiten oder Angst vor denselben hat das „Vaterland", auch seitdem cs sich gebessert hat, zu.mancherlei tollen Streichen verleitet. So sührte eö einmal aus, die Juden und 'liberalen dürfen die antisemitische Parole: „Kaust nicht bei Juden!" keineswegs mit dem Gegcnrnfc: „Kauft nicht bei Antiscmilcn!" beantworten, weil ihnen das Recht, einen solchen Kampf zu führe», nicht zustehe. Haben denn die Antisemiten ei» aus schließt,ichcö Privilegium auf Boyconirung von Mitbürgern erworben? — Ein andcreömal intcrprclirte cs den Passus des RegicrnngSprogrammeö vom 2:’>. Rovember 181U>, welcher sich gegen die friedcnstörendcn Elemente wendet, dahj», daß die Elr.m lich-Socialen sich ganz unnöthig erhitzen, wenn sic ihn ans sick, bc- /

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