Freies Blatt
- Journal
- Freies Blatt
- Volume
- II (1893)
- Issue
- 91 (31.12.1893)
- Date
- 1893-12-31
- Page
- [Seite] (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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„freies Blatt. Nr. 91. Seite 11. mciftcv ga»'v einfach: (Holt fei Dank, daß wir arme Meuschriitiuder daS so grausliche 03er Jahr überstanden Ijab'u. D rum schauen wir jetzt mit neuer Hoffnungsfreudigkeit dem neuen Jahr entgegen. . Biel Trlib'ö, viel Schmerzliches, viel unsagbar Bilt'xes liegt hinter nnS: einerseits war'» uns're wirthschaftliche» und gewerbliche» Berhältnisse dorthin kommen, wo 's heißt: .Weiter geht'ö nimmermehr!' Anderseits hat wieder die Menschenverhetzung, daS planmäßige Hinarbeiten auf die Störung deS Bürgerfriedens solche Dimensionen ang'uommen, daß ma a in dieser Hinsicht mit vollster Ueberzeugnng' sagen kann: .Weiter geht's uimniermehr!' I will hent' »it zu harte Worte brauch'», scho allein darum »it, weil i weiß, daß die meiste» nns'rer antisemitisch gesinnte» Mitbürger nur Verführte sei», denen no »it alles menschliche Gefühl abhanden kommen iS. Wir, meine Herr'», die wir hent' hier versammelt sei'», um a Fest des Friedens zu feiern, wir wisien, oder eigentli wir fühlen eö im Innersten nns'rer Herzen, daß der Antisemitismus dem so urgemülhlichen, herzinnigen Wienerthum den GarauS g'macht hat. Biele vo.n Ihnen, meine Herr'», sei» Wiener, Sie werden gleich mir die Bewegung verdammen, deren Endziel do nur a blutiger Bürgerkrieg sein kann; na, und so a grauölicheS. Schauspiel möcht' i als echter und rechter Wiener do nit erleb'». Aber, meine Herr'», i weiß nit, wie das kommt, i Hab' trotzdem so a eig'nes G'fühl, als ob das Jahr 1S‘J4 »it allein a Jahr der segenbringenden Arbeit, sondern a a Jahr der Versöhnung tverden sollt'. Wohin i schau, beginnt es sich mächti zu regen,.und die anii-.> semitische Mauldrescherei scheint »it mehr so a tiefgreifende Wirkung zu > hab'n, wie bis nun. Das Volk, daS arme irregeleitete Volk fangt an klar zu seh'n und zu der ErkeNntniß;n kommen, daß ma nit mit'» „Schrei'», sondern^, nur durch thatkräftiges Arbeite» der Allgemeinheit nutz'» kan». Mit aner noch so schönen Red' iS Riemau^g'holfe»— arbeiten und Frieden halten muß ma, dann wird's wieder lebendi wer'n auf allen Gebieten des wirthschaftlichen und gewerblichen Gebens. Arbeit und Frieden, das soll die Barolealler braven Menschen im neuen Jahr sein. Dann wird die Kleinmülhigkeit und Verzagtheit der frohen Zuversicht weich'». Die Fack'l der Ansklärnng muß Licht bringen in uns're stockfinsterg'wordene Kaiserstadt — a Meer von Licht muß vom alten Steffel das neue Wien üdersinthen, darin wird die wahre christliche Religion, die nit den Haß, sonder» die Liebe befiehlt, der Wahrheit zum Sieg' verhelf-'». Mir diesen frohen Hosfnnnge», meine Herr'», begrüß' i das neue Jahr. I leer mei Glas auf daS Wohl aller Mensche», die mitgeholfen hab'n und mlthelfen wer'n, der Bolksverhetzung a Ziel zu setzen, die für die Menschenliebe, de» Bürgerfrieden ihre ganze Kraft einsetz'n, 'die ihr bestes Wissen und Können einsetzen wvll'n, daß daS alte Wienerthum wieder lebendi wird. Und so schließ' i den» meine klaue Red' mit dem innigsten Herzenswunsch, daß mit dem neuen Jahr' a neue Zeit -er Liebe anfangen mög', damit endli amal Friede werde zwischen den Völkern» mög'n sie sich zu waS immer für an Glaube» bekennen, mög'n sie was immer für a Sprach' reden." Tosender Beifall folgte den Worten des wackeren Redners, ob aber seine schönen Hoffnungen sich verwirklichen. werden? DaS ist eine Frage, die ich leider nicht beantworten kann. —r. Briefkasten.' 2t. 2d|., Buchseldgaste. Wir können Ihnen leider keinen Aufschluß darüber geben, warum der .Bolkofreund" feil Monaten nicht mehr den berühmten Ausweis der Spende» für ei» christliches lagblatt veröffentlicht und wohin die Gelder gekomme» sind. Die Drei beim Gschwanduer. M. hat die Wette gewonnen. ES müßte „Leset" heiße» »nd nicht, wie daS Blatt Vergani'S schreibt: „Liest daS „Deulfche Bolkeblan'". Deittich kann dieser „Schorpol" nicht; daher fein Nan^ — i-auis ii uim ,-anonäo. Der Schluß des Artikels „Lueger—Schönerer— Steiiuvender"' ivird im „BolkSblan" kaum reprodacirt werden; er ist in einem für Sieinwender günstigen Sinne gehalten, n»d derselbe hat sich inzwischen die Ungnade der Lueger und Schneider zngezogen. j Naficl, Vrzemvsl. Gedicht iür »»S nicht geeignet. ' * gut gefälligen Veachrullg! Das „Freie Statt" beschließt »iit iiädiftcr linmmcr feinen II. Zahrgang. Wir ladt» daher alle Jene, deren Aboiiuement mit ttl. Derember IHOil z» lyubf geht, höfischst ein, dasselbe rechtreitig zu crncncrii, damit keine Unterbrechung in der Zusendung erfolgt. ✓ Alle Gcsinilngsgcnossen, alle Zene, denen cs in» den Sieg nuferer Abwehrbestrebungen ernst ist, bitten mir für die möglichste Verbreitung unseres glattes im ncnen Zahrc mit allen Frriiften zn sorge». Das „Freie kostet nach wie vor siir (Oesterreich Ungarn: Ganzjährig ö. W. fl. 2.50 (5» Krone» , Vierteljährig «!5 kr. l I Krone 30 Hellcrl. Halbjährig „ „ „ l.2.'» (2 Kronen 50 Heller) Giuzelne ")i»i»mcrii «» kr. (12 HcllcrX '' Für das gesammtc Ausland: Ganzjährig ö. W. fl. ((! Kronen). Halbjährig ö. W. fl. l.5«> 3 KrouciO. Ter überaus niedrige Preis des „Freien Plattes" ermöglicht es auch Minderbemittelten, unser Plan zu halten und zu Uscn »nd sich so in die ansgedcluitestc Kenntnis; alles dessen, was im srcnndlichcn und seindlichen 4!agcr vorgebt, zn setzen. Wcr,abcr dennoch nicht in der Lage ist, das „Freie Matt" selbst zu abonnircn, verlange es nachdrniltlichst - in allen Kali- und Kaffeehäusern! Auch stellen wir Gesinnniigsgenossen ans Verlangen jederzeit bereitwilligst Probennmmcrn zur weiteren Verbreitung des „Freien Plattes" gratis und franro zur Verfügung. - Man abonnirt ans das „Freie Blatt" jederzeit in der. Administration: I. Seilerftätte 2Xr. (0 woselbst auch Inserate z« den billigsten Pedingnngen anfgenommen werden. Stempel können wir bei Ucbcrscndnng von Abonncmcntsbcträgrn nicht an Gcldcsstatt annelimen. Alle Zuschristen bitten wir zu richten an die Adresse; „Freies Platt", (»NM zur Abwehr des lAiitifcmittsntus, Wien, I. Scilrrftiittc Nr. 10.