Freies Blatt
- Journal
- Freies Blatt
- Volume
- II (1893)
- Issue
- 89 (17.12.1893)
- Date
- 1893-12-17
- Page
- [Seite] (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. «!». .freies Sie, aber sie weiß cS nicht, und cines schönen TagcS wird sie sage»: ,Ja, >'a, ja.' Warten Sie nur, wenn sie nein sagt. Sic lachen. Aber geben 'Sic acht, sagen Sic ihr nichts, was sic kränken könnte, kränke» Sic sich selbst jedoch auch nicht. DaS Kind wird Niemanden lieben, als Eine». Ich kenne diese Sorte; sie könnte nie einen Anderen lieben, als den Einen, und der sind Sic, Sic selbst. Erzürnen Sie sie daher nicht, machen Sie cS ihr leicht, ihre Gesinnung zu ändern. Sagen Sie sich selbst, diese Thorhcii ist ihrer Mutter Werk! Und vcrlasien Sie sie lachend. Lassen Sie das Mädchen nicht merken, wie weh Ihnen r»»s Her; ist. Aachen Sic und gehen Sic weg! Hören Sic?,“ ' „Ich höre, Mclkah, nnd ich will thun, was Sie mir sagen." „Gehen Sie nun, mit Gottes Segen! Halt! ich habe vergessen. Madame wünscht Sic zuerst zu sehen. Sic ist in ,ihrem Sludirziinmcr, sic möchte Sic sehe». Wenn Sic da fertig sind, werde ich daö Kind rufen." Mclkah führte ihn den ihm wohlbekannte» Weg, und öffnete ihm die Thürc. Die Dame saß an ihrem Tische und dictirtc eben ihrer Typcnschrcibcrin einen Brief. Sie war immer stattlich gekleidet, denn si: war immer die große Dame. In ihrem Morgenklcidc anS geblümtem Foulard — grau, glaube' ich, mit schwarzen Blumen — sah sic ebenso würdevoll aus, wie gestern in rothcm Sammte. Der Tisch vor ihr war mit Papieren und Palleten bcdellt. > „Franziska sagte mir, daß Sic kommen würden?' wendete sic sich zu Harold, indem sie ihm die Hand reichte, „(sch freue mich stets Sic zn sehen, wie Sic ja wisien, lieber Harold. Rachel!" sic winkte ihrer Schreibcrin, „Sic brauche» diesen Morgen nicht länger hier zu. bleibe». — Run, Harold, sind wir allein. Setzen Sie sich und laste» Sic uns plaudern." Harold bemerkte eine nngewohntc Unschlnssigkeit an der Sprecherin, welche sonst in der Regel.in ihrem Benehmen vollkommen sicher war. Sie sprach nervös und spielte mit cinciu Federhalter. „Franziska wird Sie gleich cnipfangc». Ich fürchte, cs wird Sic kränken, was sic Ihnen zu sage» hat. Ihretwegen bin ich traurig und nicht weniger um Franziskas willen, weil cs keinen Mann gibt, dcnr ich sic mit größerem Bcrtraucn vermählen würde; wenn sic je heiraten sollte. Aber Sie kennen sic und mich zu lange, um z» wisien, welch große ehrgeizige Pläne ich mit ihr hege. Rein — laste» Sic mich zuerst auSrcdcn. Sie ist von Kindheit auf zur Bcrthcidigung einer großen Sache geweiht. Ich erwarte von ihr, daß sic Alles für diese Sache opfert — Vcbcii, Viebe, Rcichthum, ja ihr ganzes Tcnkcn. Für ein solches Mädchen ist Heiraten eine Unmöglichkeit. TaS Heiraten absorbirl zu viel und ist selbstsüchtig. Selbst in meiner Vage — seit zwanzig Jahren bin ich Witwe — was kann ich sein'? Franziskas Mutter — nichts weiter." „Könnten Sic etwas BcffercS sein?" Madame lächelte wohlgefällig. „So sprach der Rcbcudc. Rn» ich beklage mich nicht. Vielleicht denke ich so gut über Franziska, daß ich zufrieden bi», für sic gelebt zu haben." „Und Ihr Buch — Ihr großes Buch." „Tas Buch repräscntirt die Zeit, welche mein Mann für sich beansprucht hätte; wäre er bei mir geblieben. Ru» Harold, Sic liebe» meine Tochter. Franziska weiß eS. Sie wird Ihne» gleich sagen, wie sie darüber denkt. Es. ist an ihr die Entscheidung zu treffen; sic ist vollkommen frei. Fragt sic mich um Rath, dann werde ich ihr denselben ertheilcn, sonst nicht. Sic ist in dieser wie in jeder andere» Angelegenheit vollkommen frei:" „Ich kann nicht mehr wünschen." ' „Was mich betrifft, so habe ich Sic zuerst zu sehen gewünscht, ui» Ihnen klarzulegcn, daß wir, wir Beide — wie immer auch Franziskas Antwort ausfallen möge, Ihre Freundschaft höher schätze» als irgend eine andere auf der ganzen Welt." Sie hatte sich nun von ihrer vorübergehenden Verlegenheit erholt nnd sprach in der gewohnten königlichen Art, als ob sie den Wert ihrer Worte vollständig zn schätzen wiste. „Soweit ich urthcilcn kann, nach zahllosen und übcrflicßcndcn Liebenswürdigkeiten," fügte Harold hinzu. „Mein lieber Harold, das ist Unsinn. Liebenswürdigkeit? Was können wir für Sie thun'? Können wir Ihnen Geselligkeit bieten'? Wir gehören nicht zur Gesellschaft, wir sind Fremde. Können wir Ihnen eine Stellung biete»'? Wir haben keine, und Sic haben schon eine. Förderung'? Dazu brauchen Sic uns nicht. Es gibt nichts, das wir Ihnen bieten könnten, als unsere Zuneigung, und diese besitzen Sie ja ohnehin. Wenn ich mir einen Schwiegersohn wünschte, was ich, offen gesagt, nicht thuc, wären Sic derjenige, welcher mir gefiele. Harold murmelte etwas von „gerührt sein". Er war cs auch in N latt. 'Seite II. der That -— jeder junge Man» wäre bei einer solchen Rede gerührt, selbst wenn sic von einem alten Freunde käme, ja, je älter der Freund, desto eher ist man gerührt. „Sic sinein sehr schöner junger Mann, Harold," jnhr'dic Tamc ernst fort; „ich wnndcrc mich, daß die Frauen nicht ans die Schön heit der jungen Männer Gedichte uiachcn. Sic sind jetzt viel schöner, als Sie mit achtzehn Jahre» gewesen sind, da wir das Glück hatten, Sic bei der kleinen Fonds in den Pyrenäen zu treffen." „Wo Sic mich im Fieber fanden und mich während des TclirinmS - drei Wochen hindurch pflegten -- Sic selbst, nicht Ihre T jener an Ihrer statt." - „ES war unser großes Glück Franziska kennt Sic so gut, daß sic vielleicht nie an Ihr Gesicht -oder an Ihre Gestalt dcntl. Piclleichk aber thnt sic es doch. Ich anerkenne, daß Sie alle Vörtheilc für sich habcu. Sie sind aus gutem Hanse, von gutem Aussehen und jung. Sif sind der muthmaßlichc Erbe einer- Pccrswürdc, Sic sind ein Mann von Ehre, Charakter und Loyalität. Ich glaube wirklich nicht, daß irgend ein Mädchen sich einen bcsicrcn Gemahl wünschen könnte." „Meine PccrSwürdc ist noch ein wenig weit entfernt." „Möglich. Aber Sic sind fähig. Sie habcu sich schon in. der Wissenschast bemerkbar gemacht: Wenn ich alle diese Umstünde betrachte .. und denke, wie schwer dieselben bei manchen Mädchen ins Gewicht fallen würden, kann ich ruhig die Entscheidung in Franziskas Händen lasten." „Einen Angcnblill noch," sagte Harold, „Sic spbachen davon, sic Ihrer Idee zu weihen. Natürlich habe ich seit jeher Ihre Bestrebungen gekannt, Ader, vergeben Sic mir — ich kann mich ja auch irren — ich. habe noch keine Spur dieser Bestrebungen bei Franziska cntdellt. Träumerisch, gedankenvoll, künstlerisch — sind das Eigeirschäften, die ein Redner nnd ein Führer braucht?" ' „Ich warte auf eine Zeit, wo Franziska die volle Bedeutung ihrer Erziehung verstehen wird. Dann wird sic in ihren Platz cinspringcn, wie eine Jnspirirtc. Mein Freund, Sic wissen ja genau, waS ich denke nnd was ich hoffe. Machen Sie dem Mädchen ihre Aufgabe nicht zu schwer." Sic berührte seine Finger und,verließ ihn. »Fortsetzung (öl.»., , Literatur. Ilidriiliat) in deutschen Rordscebiidern. Ein Reiseabcntcner ans Spie korovg. Von Tr. Pani Holzhaüsc», Mülheim (Ruht> Mar Röder, lS'.ül. Preis Pfennige. Tr Holzbanse»' ist ein. Christ .nnd, wie schon sei» Name andeniet, ei» Tcnlscher. Auch hat er blaue Auge» und blondes Haar, also ist er auch zugleich nach der ethnographischen Gassenraeenlehre ein Urgennane. Cin anständiger Mann von Ehrgefühl nnd Stolz, läßt sich Tr. Holchansen von schlechter Gesell, schall nicht verderben. Tiefe Privatangelegenheit würde kanm ein allgemeineres Interesse erwecken, iven» sie nicht znni Anlast einer rüden Hatz geworden tväre, die ei» sehr gemischter - nnd sragivürdiger Areis dent'cher Badegäste zn Spie koroög gegen Tr Holzhansen!n>cenirle, weil er sich so weit vergast, mit einem jungen Arzte jüdischer Confessio» srenndschäs:lich;n verkehre». Tr. .Holzhansen ist furchtbar empört, daß man. ihn, den Christen, und seine» Freund, d-'n Juden, ans dem Badeorte lnnansdrangsalirte. Er fuhrt deshalb vor der gelaminien CultniweN Deutschlands Klage nnd schreit Zeter und Mordio! WaS ist ihm >'o Schreckliches widerfahre»? Irgend ein halbverrückles Redaelcnrchen eines allgemein unbekannten Blättchens, einige hpsteri'che Weiber beiderlei Geschlechtes :e. fühlten sich in seiner Gesellschaft unbehaglich nnd Irachtelen, um jeden unanständige» Preis sich seiner zn enlledige», TaS Gleiche wäre ihm in jeder Ge sellschaft von Spitzbuben, Defraudanten. Nacenheyern, Banditen, Falschmünzern, Fabrikanten böhmischer MoioUeii anS der Halbwelt gewist widerfahre». Brr tranenSleligkeit »inst in der sttegel gebüßt werde». Nicht Iedermanik. der sich eine» Moslim nennt, ist ei» frommer Mann und nicht jeder El» ist würdig, zurguten Gesellschaft gezählt zn werden. In der Wahl seines Umgangesioll . inan vorsichtig fein, ohne sich durch. Rücksichten auf Confeiston. Nalioualuäl oder sociale Stellung 'beeinflussen zn lasse». Man störe die .Hieiie der Pöbels nicht, auch im kleinste» Seebade ist Rann» für einen gbosten Pöbel. TaS ist die Moral deS flott geschriebenen Büchleins. Tn Fi-S. Kraust. Tie Bnchhaiidlung Moritz Perl'es -I., Seilergane -t versi-iidel soeben ' ihren diesjährigen Wcibnachtskatalog. Bücher bürgern sich inehr und mehr als schönste und zlveckniästigste Fcstgeschentc ein. Ta kommt ein Ralhgebcr wie obiger Katalog sehr erwünscht. 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