Freies Blatt
- Journal
- Freies Blatt
- Volume
- II (1893)
- Issue
- 78 (1.10.1893)
- Date
- 1893-10-01
- Page
- [Seite] (sequence 12)
- Language
- German
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Freies Blatt, Seite 8 GalinaStcuif, Säumtet auch du, IntamtUi, i£ljt[tcsactciit bet ,^2taat«bi'ugcr- Zeitung", Tr. Bachler sich verschrieben, Herr Bachler, dkffe» Embonpoint lebhaft a» seiiien feiste,, Gesinnungsgenoffen Ahlwardt erinilert, unterschob im Berlaiif feiner langathiiiigen und langweiligen Rede Sen, Abgeorducten Singer eine Aenßcntng, Sie voll Letzterem erweislich nicht getha» worden ist, unS erklärte, er fei im Besitz von Acten, welche in seinem Hotel eingesehe» weiden konnte», wobei ver>chiedkiitlich Sie Rufe „Ahlwardt!" ertönten. Darob gcrieth der Berliner Toctor gewaltig in Harnisch, denn Mit Ahlwardt vergliche» z„ weiden, schien er als schwere Beleidigung zu erachten; sei» jugendlicher Landsiiiani, und Gehilfe fand diese Rufe cbensalls beleidigend und cr» klaite den Ahlwardt als eine» Mann von guten, Wille», Welchen Erfolg die beiden Sendboten in Düsseldorf jedoch gehabt, geht aus der Resolution hervor, die schließlich mir großer Majorität angenomiiien wurde. Sie lautet: „Tie heute bei Figge in Dberbilk tagende Bersammlung erklärt »ach Anhörung de, beiden Refercnte» Tr, Bachler und Wilberg, daß im AntiseiniIismuS lein Heil j"i, sind zu, daß dieser vielmehr eine reactionäre Partei sei, von welcher das rheinische Volk nichts wissen will." Man that de» .Antisemiten den Gesalleir. die Äbstimuiung, durch die sic über» rnmpclt sei» wollten, »och einmal zu wiederholen, aber das Resultat blieb da»- ,elbe, die überwiegende Majorität erklärte sich für dieselbe. Die Antin'lniten vergaßen ob ihrer Beslürznng ganz den üblichen Bortrag des Liedes „Deutschland, Deutschland über Alles!" weshalb ihre (Sfrgit« den bedauernsweltden Ventcit zun, Drost das herrliche H.-ine'sche Lied „.ich weiß nicht, was soll es bedeuten, daß ich so traurig bin!" austiiiimte» und dann i» E,inner,ing . a» das gebable Bergiiügcu frohgelaunt den Heiinweg autralen, antisemitischen Blättern. Pikantc Blätter ) Bekanntlich tim» die antisemitischen Blätter iunner sehr "ziinperliä,. r-drschäint und entrüstet, so oft der nicht auti>ei»itische„ Presse etwas „»tataii'r, ivorüber vielleicht ein sechzehnjähriges höheres Döchterlcin erröthe» .loiiule, voiausgesst-t. wenn sie der Worte Sinn verstände Der „Bol ks fre „ „b", •11, Blatt, S-ürii Autssemitismus nicht mir über jeden Zweifel erhaben ist, das o„ch in den engsten Be;ieh>inge„ zu der katholischen Geistlichkeit steht, die>eS Blatt brachte »„längst folgende, blos mit einem? überschriebcuc Rotiz: oii der sorialden,okratische» Wiener „Arbeiter Zeitung" steht folgende Biietkasten„oii; in retten Lettern: „Aue mehrere An'ragen: Ter Genossin Adelheid Dworak mußte leider von ärztlicher Seite untersagt werden, in den nächsten sechs Wochen in Berianiuilnngen z» sprechen; sic ist derart überarbeitet, daß Ruhe für sie unbedingt nothweudig ist. Wir bitte» die Genossen alle, daraus Rücksicht zu nehmen," Die Arme! Ihr Eintreten für die „sieie Liebe" und, ihr Wcltcrn gegen die „Dnmmheitc» des Aberglaubens" haben das „Fräulein" so erschöpft! Daß c-s aber gerade „,'echs Wochen" fein müsse»? — — — ,^-aial! Rn», iver glaubt noch nicht, daß dieie „Pikanten Blätter" da;,, bc ,,,'en sind, anderen Leute,, lockere Denk,,'eile vorzuivcrfe»? Wir sehen ganz voz, der „ritierlichen" .stamp'esiveise ab. " 'Gelogen wie gedruckt.» Die antisemiti'chen Blätter brachten kürzlich die Mitihcilung, das: die im Berliner städtischen Dddach besindlichcn russsschpeltisschen Juden die Anstalt mit llngezieser überschüttete», die Aufenthalt räume verpesteten, die Anstaltsbeaiiiten bedrohte», sich weigerte», die ihnen übertragenen Arbeiten ausznsnhren, und endlich die in demselben.Gebäude nntergebrachlcu He'viiaütcn zn betrügen und zu bestehlen suchen, Bon amtlicher Seite wird »tu, -miigetheilt. daß an diesem Beschuldigungen auch nicht das Mindeste wahr, ist: insbesondere habe sich niemals auch nur die geringste Widerspenstig leit geteigt: in, Gegentheil rühmt die Jttspcctio» der Anstalt das bescheidene An'lrelen dieser Leute und ihre Arbeitslust gegenüber dem rohen Berhalten der liissi'chen Bauern vor zwei Zähren, — Tie Zahl der tm städtischen Dbdach untorgebrachten Auswanderer hat übrigens in Folge der im Hiublick aus die Eboleragembr erlassenen sanitätsvolizeilichen Borschriften eine wesentliche Besch, änl,mg er'alircn, 'Gin Eoncurrrnzmanöver i Bor etwa einem Jahre machte der famose Gemdiiideratli Steiner der liberalen GemeindcrathS Majorität den Borimirf, daß man von Baron Suttner Steine zu erorbitante» Pressen bei minderer Güte des Materiales abncbme, wobei es Steiner ganz ossen aussprach, daß dieie „Protection" wol,! eine Folge (Entloh»„ng?> für die Judenfreundlichkeit de« Here» Baron Suttner >'ci. Schon zn jener Zeit wurde der Sach' rerkait öffentlich dahin richtiggestellt, daß unser hochverehrte Borstand de? Nr. 78, Bercincs zur'Abwehr dcS Antisrniilisiuus Baron A, G. v. Suttner gar nicht im Besitze von Stcinbrüchen sei, und daß es sich hier also um seine Verwechslung mit dessen Bruder Baron R. v. Suttner handeln müsse. Da nichtsdestoweniger die Tendenzlügeneuerlich in einer Wiener Correspondenz des „ReichsHerold" Ausnahme fand, wobei Baron Suttner gröblich verleumdet und an« der Sachen ach Kräften Eapital für den AntisemitiSmud geschlagen wurde, erhob Baron R. v. S uttne r in Wien gegen den Redacteur de- „Reichsherold" Georg die Bcrleumdungsklage, die am 14. September vor dem Schöffengerichte in Marburg (Heffen) zum Austrag gebracht wurde und damit endete, daß Georg zn einer Strafe von 100 Mark oder 10 Tagen Arrest verurtheilt wurde, Ter von Georg ansäuglich versuchte, aber schmählich mißlungene Wahrheitsbeweis hat das schätzcnSwerthe Resultat ergeben, daß daS ganze Lügengkwcbc im Interesse der GeschäftSconcurrenz ausgcsponnen wurde/ und daß eine Berquickung mit antisemitischen Bestrebungen sonach nach jeder Richtung hi» deplacirt war. Besonder» interessant wurde die Verhandlung durch die Schlaglichter, ivclche sie aus die Praktiken sowohl des verantwortlichen als dcSwiiklicheiiRedactcurSdtS„Rcichshcrold" warf. DerAntisemit Böckel, als Zeuge anfgerufen, macht die merkwürdige Deposition,' eS erschienen so viele derartige Artikel i» seiner Zeitung, daß er nicht wissen könne, gegen welche die Klage gerichtet sei. Tie Herrschaften benahmen sich also im Gerichtssaale, wie wir eS von antiseniitichc» „Schristlcitern" nicht anders gewöhnt sind — kläglich, <Zur Schächtfragk.) Wir-habe» uns grundsätzlich jeder Stellungnahme in der sogenannte» „Schächtfrage" — eine äußerst „olhwendige Bereicherung der Europa außczdcm bewegenden „Fragen" — enthalten und bloß dann mit derselben beschäftigt, wenn diese rein interne Angelegenheit de» Judenthums zur antiseiiiitischcn Agitation mißbraucht wurde. Daß ein Plebiscit, wie das jüngst in der Schwei; gefällte, heute eine rituelle Vorschrift der Juden, morgen vielleicht eine solche der Katholiken abschaffe» lönnlc, haben wenigste,ts die Laienbrüder de« srommcn Antisemiteitoldeiis im erste» Siegestaumcl übersehe». Ui» so bezeichnciider ist eS demgegenüber, wie der päpstliche „Osscrvaton-; C„ ttoli'-u", gewiß k,i» jndensreuiidtichcS Blatt, über die Schächtsiage denkt. Das Drga» der Curie schreibt: „Rach dem Volksvetdicl, das die Schweiz bereits abgegeben, haben sich hochangesehene Persönlichkeiten in Deutschland, welche eis.ig Inden und Jndenthni» studircn, sich #>, uns mit der Anfrage gewandt, was der ,Os>ervature Cattolii-o* über das Schächte» denke. Man verlangt von uns ei» bestimmtes Gutachten, Wir wolle» damit keineswegs zurütkhalte»: Mögen die Juden die Thiere nach dem bei ihuc» übliche» Gebrauche schä chten, wenn sie nur dir Christen zufrieden lasse» . . . Im Unterschied von de» Thierschützler», welche a» die Thiere denken »nd die Menschen vernachlässigen, halten wir dafür, daß erst die Menschen und dnuu die Schlacht thierc kointne». Selbst wenn das Schächte» eine rassinirte Grausamkeit wäre, was bcstiitlen nsird, könnte man die Juden dafür nicht verantwortlich machcii, Ter hebräische Schächtgcbrauch ist religiösen Ursprungs nue Alles, iraS'dieses außerordentliche Volk von seinen wesenllichen Einrichtungen ans der vorctiristliche» Epoche bewahrt hat. Dein»ach halte» wir eS für durchaus ungerecht, daß von staatlicher Seite den Juden i» dieser Beziehung Gewalt angcthau werden soll. Ter christliche Sinn ist in dielen wie in allen anderen Fragen ungemein gerecht. Wir verstehen n,„er christlichem Sinn denjenigen aller zu Rom haltenden Katholiken So haben denn auch die katholischen Schweizer Eantone sich gegen die verwaltungsmäßige Belästigung der Inden in der Schächtfrage ausgesprochen. Und i» Deutschland wird das Ccntrum, wie wir glauben, auch jetzt an der Windhorst'schen Tradition festhallcn," — Tie Schweizer Katholiken dürsten wohl weniger durch ihre» „christliäten Sinn" als durch die Furcht vor einem so gesährlichen Pcäceden; von Staatsintervcution in einer intern consessioneUe» Frage in.die Lpposition getrieben worden sein. Briefkasten. Tietlrib: Wir haben auch keine emccitirten Meßner, welche die a,isgefertigten Abounementsscheine den Leuten selbst wenn diese notorische Gesinnuiigsfeiiide sind — in» Haus trage,, und unter Bücklingen und „Küß die Hand" ausdränge», (v. M., Rokitauslygasse: Diesen Lumpen genügt schon unsere Existenz übeihaupt, damit sie sich halbtodt ärger», . tt. St., Lambach: Dankend abgelehut. Franz L .. I, Chodau: Bitte, den Artikel cinzuseude»; dann werden wir entscheide», Max Sk., Klagknsurt Der Antiseinitenhaniiner ist noch nicht erschiene». Seien Sie unbesorgt. Beitrittserklärungen;i„it „Bereut zur Abwehr des Antisemitismus" werden cutgegengeuommen im Sekretariate des Vereines, Wien, I., Parisergasie 4. Abonneme»t»»nmeldungen auf daS „Freie Blatt" nimmt die Administration, Wien, I., Scilerftätte 10, jederzeit entgegen. Ebendaselbst •werden auch einzelne Nummern abgegeben. Probennmmera zur weiteren Verbreitung des „Freien BlatteS" werden GcsiüauugSgcuosseo auf Verlangen bereitwilligst zur Verfügung gestellt. H-rauSgebrr: Ernst Victor Zenker. — Verantwortlicher Redacteur: Joses Vorwahlner, — Druck von Th. Reißer & M. Werthner, Wien.