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Freies Blatt · 1893-09-17 · 76 (17.9.1893) · p. [Seite]

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Journal
Freies Blatt
Volume
II (1893)
Issue
76 (17.9.1893)
Date
1893-09-17
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Freies Blatt AboniiementSpreiS: Ganzjährig mit Postznseudung . . fl. Hattjöhrig fl. I.L5. Bierteljithrig fl. —.65 Einzelne Nummer» 4 kr. Organ zur Abwehr des Antisemitismus Erscheint an jedem Sonntage. Ncdaction und Nlmiiiiistratuni: Wien I. Keirerstütte 10. Nummer 7(1. Wien, 17. September 1893. II. Jahrgang. Mit der heutige» Nummer erhalten nnserc Leser die achtzehnte Fortsetzung des Werkes: Die Iildeu mit) der Jüitifcmitisinns, Israel unter öen 'ZIationen von Anatotc Leroy-HZeausieu v>om srcrrrzösisebeir §nftitut. Neu cintretcndc Abonnenten erhalten ans Pcrlangcn die bereits erschienenen Fortsetzungen nachgeliefcrt. Aaiserliche XDorte. ES muß ei»i tirfcS Bedürfniß »ach Frieden zwischen den Eon fessionen und Nationen die Breiten wie die Höhen der Gesellschaft ergriffen haben, wenn sich Persönlichkeiten, die hoch über jedem Parteihadcr, über dein Gezanke der TageSdcbatte, über dein Niveau der politischen Flulhwclle stehen, bcmüssigt sehe», die gewaltige Autorität ihres Wortes in die Wagschale zu werfen gegen den permanenten Bruderkrieg, der bald »ist der religiösen, bald mit der nationalen Fahne die Gesellschaft hcimsucht. Fast zu gleicher Zeit, wo daS Oberhaupt der Kirche in der Encyklica an die ungarischen Bischöfe dem niederen EleruS, den eigentlichen Kriegern der militanten Kirche, die warnenden Worte zuricf, sie sollten sich hüten, sich allzu sehr der Politik zu widme», fast zur selben Zeit nahm daS Oberhaupt unseres Staates von den Deputationen, die ihm gelegentlich seines Aufenthaltes in BoroSscbeö huldigten, Anlaß, um den erschienenen Bertretern'dcr verschiedene» Bekenntnisse Worte deS Friedens, der confessionette» und nationale» Duldsamkeit zuzurufen. „Ich zweifle nicht," sagte der Kaiser zu dem Esanadcr Bischof Dessiwffy, „daß der römisch-katholische EleruS, seinem heiligen Berufe entsprechend, auch in dieser Gegend in der Bevölkerung die confessionelle Ruhe und die friedliche Eintracht ohne Unterschied der C o n f c s s i o n u n d Nationalität pflegen werde, in welchem Bestreben Sie ans Meine unvcrbrüch liche Gnade und auf Mein Wohlwollen sicher rechnen können." Dem Großwardeiner Bischof Pavel, der namens des griechischkatholischen Clerus gesprochen halte, erwiderte der Kaiser, seine väterliche Fürsorge richte sich dahin, daß die g e s a m m t e» Staatsbürger Ungarns ohne Unterschied der Religion und der Sprache in engem Zusammenhalten und gegenseitiger Eintracht ruhig den Segen des Friedens, des Fortschrittes und deS Wohlseins genießen sollen. Am entschiedensten klang aber dieser wohllhuende Accord, der sämmtlichen Ansprachen des KqiserS zugrunde lag, in den Worten aus, die er dem Pertreter der griechisch - orientalisch - rumänischcil Kirche, dem Araber Bischof Metianu, erwiderte. Se. Majestät sagte: „Gerne versichere ich Sie Meiner unveränderlichen Gnade und Meines wohlwollenden Schutzes, welcher sich.auf jeden Meiner Unterthanen ohne, Unterschied der Confession und der Nationalität gleichmäßig erstreckt. Ich hoffe übrigens und erwarte, daß auch Sie durch Ihren Einfluß Ihre Gläubige» von jenen schädlichen Aufreizungen fernehalteii werden, welche in manchen Gegenden die Irreführung deS Volke ö bezwecken; denn , wenn auch Ihre Sprache nicht dieselbe ist, - ist jede Nationalität verpflichtet, die-friedliche Eintracht mit den anderen Nationalitäten anfrcchtzuerhaltcn sowie die Gesetze und die Berfassung des Landes gleich-' förmig zu achten, und nur auf diese Weise können dieselben die Sicherung und Entwicklung ihrer wahren Interessen und ihres Wohles erreichen." Wir sind weit davon entfernt, Kaiserworte zu Gunsten irgeird einer politischen Partei auszudenlen und anSzubeuten. Es wäre uns sonst ein Leichtes, darauf hinznweisen, daß gerade bei den ungarischen Rumänen wie bei denen der Moldau selbst der. nationale Chauvinismus Hand in Hand mit coufcssionellcn Treibereien schlimmster Sorte geht, daß die ungarischen Rumäne», deshalb an den Wiener Antisemiten die wärmsten Freunde und' Förderer gefunden haben, und daß cs darum vielleicht kein bloßer Zufall war. wenn der kaiserliche Grundgedanke in stetiger Steigerung des Ausdruckes gerade in den ail den Pcrtrcter der rumänischen Kirche gerichteten Worten zur kräftigsten Betonung kam. Allein eben darin, daß keine politische Partei die Person des Kaisers für ihre Sonderintcressen in Anspruch nehmen darf,'eben darin liegt die hohe Bedeutung der im Araber Eomitale gesprochenen Friedcnswortc. Eben darum sind dieselben auch nistil bloß gegen die R imänenscandale und den consessionellen siamps . in Ungarn gerichtet, sondern ebenso gut gegen alle Jene, die in unseren Landen aus Beruf und Neigung den eoufcssionclleu und nationalen Haß ans ihre Föhne geschrieben haben. Ja, nicht bloß die Aiitiskmiten dicSsc.itS und jcnseilö der Leitha, auch ihre Ge sinnungSverwandtkn diesseits und jeujeilö des Rheines dürscu sich, daher aus den Worten des Kaisers eine crustc Lehre nehincn. Der Aitnalmorü ivn (Ojtroti'o. Tic Hanplvcrhandlniig in dein über Ansuchen des Herrn Jankict Rabinowitz, seiner Gattin Rachel, daun der Herren Mciiche Roscnkcr, genannt Bereiches, Trul Fron, genannt Partzcwar, und deS Schniicl W a sserst ru »i in, genannt Tarier, wider den in Haft bcsindlichcii Pantns Meyer n»d die Herren' Tr Joses Tester! und Franz Doll wegen der fälschlichen Beschuldigung deS „Ritual mordes* angestrengten Proccßc wurde am Freitag den lf>. d. M. durch geführt. Dcp Borsitz führte LaudcSgcrichtsrath Haller, für den Au geklagten Paulus Meyer hatte 'Dr. Sanincl Pollak, der als c\ otllo-Vertreter nach der Reihenfolge des Alphabets bestimmt worden war, einen Stellvertreter in der Person deS Herrn Tr. Gricz de Ron ec ernannt; Destcrt wurde durch Dr. Porzcr, Toll dnrstf Tr. Pattai vertreten. Zur Anklage berechtigt wäre' in erster Linie der von P. Meyer des Ritualmordcs beschuldigte Rabbiner Jehoicbua in Dstrowo gewesen, der aber, wie die Anklageschrift hervorbebt, läng», und zwar noch in e h r a l s; w e i I a h r e vor dem ihm a n g e dichteten Morde zu Warschau v c>rst o r b e n ist; an Ttetle dieses Rabbiners traten seine Tochter Rachel und deren Gatte Jankiet .Rabinowitz, Rabbiner in Biala (Russisch Polen). Als klägeriichcr Vertreter fungirtc Tr. Josef Kopp. Die Anklage legt dein PanluS Meyer zur Last, er habe in dem an P. Destcrt gerichteten und .im „Vaterland" verpffentlichten Briefe . t

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