Freies Blatt
- Journal
- Freies Blatt
- Volume
- II (1893)
- Issue
- 74 (3.9.1893)
- Date
- 1893-09-03
- Page
- [Seite] (sequence 12)
- Language
- German
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Freie» Statt. Seite 8 zu ciiti'm o!c!dii::ipR wider die niifi'dini Jude» und z» einer schmachvollen Hetze geg.il die >udi>cheu Aerzte. Auch jeyl bole» ihm bereits die Choleranachrichten einen willkommeue» Anlaß zu Angriffen auf die seit langer Zeit von viel mächtigere» Feinden' verfolgten russischen Jllden. Diese Angriffe machen einen überaus ividcrivärkigen Eindruck. Wenn ein herzloser Jude die in China gehetzten christlichen Missionäre zui» t^egenstande hämischer Bemerkungen machen würde, so wäre dar ei» Zeichen von Gemülhsrohheit. Tarfelbe bekundet aber gticb Penn.r, ivelcher schreibt: Man könne ruhig sagen, die russischen Cholera- Herde seien in den hauvtsächlich von Juden bewohnten Gouvernements zu suche». Und damit >ei auch neuerdingr die Gemeintchädlichkeit der russischen Inden bewiesen, deren Leben-weise ein «rankheitserreger sei. Nicht nur von Gemüthsrohheil, auch von beispielloser Berlogenheit legen diese Worte Zeugniß ab. Fall« im sogenannten „Riekerlaffungsgebiete" hauptsächlich die Choleraherde wären, waS übrigens keineswegs der Wahrheit entspricht, so hätte dies nur die russische Regierungskunst, welche die Juden dort zu>'atnmenpfercht, verschuldet. Cie Lebensweise der russische» Juden ist nur insoferne eiue gesundheitswidrige, als sie größteutheilS dank der christlichen Locialreform nach russischem Zuschnitt erwcrbloS oder höchstens auf einen kämmerlichen Erwerb angewiesen sind und am Hungerluche nagen. Ltaatsrath Tembowebkij, der Gouverneur von Mobilem, coustatirte, „daß die Juden in Weißrußland ein nüchternes, mäßiges Leben führen und streng sittlich sind, daß sie ihre Leidenschaften zügeln können, so daß sie vielen Krankheiten gar nicht unterworfen sind". Für Pseikner aber -rsNble Lebensweise der russischen Juden ein „Srankbeitserreger". Eines Tages dürfte übrigens Psenner nberpseunert werde», und man wird vielleicht die Behauptung aussiellen,. daß an den Wallfahrten nach Mekka — Heuer starben von ist ' bosnischen Mekka Pilgern nicht weniger als 5!« an der Cholera — nur die Juden Schuld tragen. Ihren Leuten könne» ja die antisemitischen Bolksverderber rack eigenem Ge>tändniffe Alles bieten. Tas baden ihnen die Franzosen recht gemacht.) Te» antisemitischen Blättern ist selten das recht, was die Franzosen thuu: wohl sympathisire» sie mit Trumont und Marquis de.Mori-s, welche bei Cornelius Herz um ei» Darlehen gebettelt hatten; aber das srauMiche Volk, seine Ltaatseinrichtuugen und Line» mißfallen ihnen höchlich. Französischen Arbeiter» in AigueS MorteS ist es ober gelungen, ihr Wohlgefallen dadurch zu erregen, daß sie italienische Arbeiter, die ihnen Loncurren; machten, theilS mißbandelten, 'rheils sogar er schlugen. Tic>e Art, sich unbequemer Concurrenlen zu entledigen, entspricht dem Ideal unserer Antisemiten, und deren Preise zollt den lbaikrättigeu Franzosen i» Aigues Morles ihren Beifall. l Lchachkrgtschaftt mit dkm Allliscmitismuö.' Ueber eiue der letzten Berlincr A»liskmile»vcr>ainmlungr», in welcher ein Herr v. Gerlach, der als Anwalt Stöckers auilrat, eine sehr unfreundliche Ausnahme iaud, schreibt das „Volk": „Recht bezeichnend für den Geist der Bersammlung waren einige Zwischenrufe während der Rede des Herrn v. Gerlach. Al« der Ausspruch Werner's erwäbnt wurde: .Juden, Junker und Piaffen gehören in eine» Tops', klang eS'von vielen Leiten: .Gehören sie auch'. AIS Herr v. Gerlach daraushin sesistellte: ,Lie predigen die Versöhnung aller Classen de« deutschen Bolle«, und erklären doch zwei Ständen, die sie ja allerdings für unberechtigt halten mögen, den Großgrundbesitzern und den Geistlichen, de» Krieg', da riesen verschiedene Llimme» : .Ja, daS lhun wir auch, ja, das wolle» wir'. Tie Erregung gegen Herr» v. Gerlach, der schließlich derartig durch Zwischenrufe und Lärm gestört wnrde. daß ein Weiterspreche» nicht möglich war, war recht erheblich. Einzelne Gesinnungsgenoffen klatschten, als er die Rednerbühne verließ. Aber die Meiste» zischten, mit dem ganzen Aufgebot ihrer Zischwerkzeuge. Ein sehr wohlbeleibter, anscheinend etwas cholerischer Antisemit trat sogar zischend, sprühend und ordentlich zähne fletschend dicht an ihn heran. Ein sehr lustig wirkender Anblick! . . . Lchließlich möchten wir noch unser Bedauern äußer», daß Herr Förster eine seiner Reden mit folgenden Worten — ebenso wie sein Flugblatt in Reu Stettin — schloß: Und nun, meine Herren, geben Lie hin. Ter-alle Gott sehe aus Lie herab. Er leihe Ihnen seinen Legen zum Zustandebriiigen eines ehrlichen Werke-; zum Woble des Bareilaudcs! Ainen!' Im Munde einks, wie der Deutsch Lociale Tr. Tesdorps sagt, .Vertreter des aufg.-klärten Freigeister lhums, eines Mannes, der selbst?nicht an Gott glaubt, nehmen sich '-icke Worte sehr sonderbar aus. Herr Fökster sollte, den Gebrauch solcher Rede ibentnngeij vermeiden, die auf Jeden unerquicklich wirken muffen, der weiß, daß Herr Förster' de» Gott, deffen Legen er anrusr, für nicht vorhanden hält. Erwähnt sei noch, daß die Herren Förster, .Werner, Kirchner, Bo deck und Witte erklärten, Hauptzweck der Versammlung sei, die Einigkeit aller Anti- Nr. 74. l semiten herdeizuführen TaS geschah in derselbe» Versammlung, in der Lieb ermann v. Sonnenberg, Leuß n. s w als Richtantisemiten bezeichnet, Ltöcker i» jeder Weise beleidigt, einer ganzen Richttiug der Antisemiten vorgeworsen wurde, sie triebe» mit dein AnlisemitismüS Lchachergeschäfte!" („Räubkrhauplmann" und „4Isrikabui»mltr"J Ta« Organ des an isemitischen Äbgeordneieii Werner beschimpft Emin Pa'cha als „jüdischen Räuberhauptinann und durchgebraiinteu Reichscominiffär" und die „Antisemitische Correlpondenz" schreibt: „Ist es uns schon g» viel, daß man in den Blättern so viel Anshebens von dem jüdischen Äsrikabnnimler Schnitzler macht, so sollte es doch 'anständigen Blättern gegen den Geschmack gehen, das Fallkind dieses iiomadisireiide» Abenteurers zu einer Berühmtheit zu erhebe». Irgend welchen nationalen Werth haben doch die Herumtreibereic» diese« zur Lebensweise. seiner Urväter zurnckgekehrten Wüsleubeduinen nicht, und der deutsche Leier von Geschmack sollte sich endlich die üb,eld»flige Judenrcclame, die mit dielst» Weltenbummler getrieben wird, ernstlich verbitten!" Es genügt, bemerkt zutreffend unsere Berliner Abwehrcollegi», diese Leistungen niedriger zu hängen als Beispiele der Rohheit, wie sie in der antisemitischen Presse gang und gäbe ist. Wir würden glauben, den Forscher, der den deutschen Ramen im dunkle» Erdlheil zu Ehren gebracht hat, zu beleidigen, wollte» wir uns mit den gegen ihn gerichteten Vernnglimpfuiig en des Näheren befasse». (llkbkrall dieselben.) Tie Aniiseniiten in aller Herren Länder» gleichen einander wie ei» Ei dem anderen. Die „Voinha Rational»" brachte sol gendc Rotiz: „Auf dem Laudgule des Herrn Popovici Besuoscheanu be sindel sich ein Rumäne seit längerer Zeit eines vollbrachten Mordes /vegen in Hast. Hingegen spaziert der Aufseher desselben Gutes, der Jude Abraham Ja ko bas, frei herum, obgleich er ebenfalls unter der Anklage steht, einen Mann erschlagen zu haben." Run ist aber, wie dem „Rumänischen Lloqd" ans Botoschani gemeldet wird, Abraham Jakobas, ein Schwager des dortige» Großgrundbesitzers und Pächters Popovici BeSnoscheanu, ei» geborner Christ, seiner Rationalität nach ei» Armenier. Auch wurde er neulich von der dem herrschenden System opponircnde» Partei in de» Coininunalrath gewählt, und es ist nicht anzunehmeii, daß die LlaatSaiiwaltschast, wen»' ei wirklich wegen eines Mordeangellagt worden wäre, ihn, den Oppositeonellen, auf sreicm Fuße belasse» hätte. Briefkasten. 41. 4lmalikiistraßk: Tas rührt davon her, daß die geehrten Herren Aboiincntcii.-wkiiil sie auf Urlaub gehen, ihre veränderte Adresse nicht angebcii. obwohl wir in jeder Rümmer ausdrücklich darum bitte» Historicus: Wir haben das ausschließliche Recht der llebcrseyuug und Publiralion des.Werkes von Anatole Lerou Beaulic». Sobald eS im „Freien Blatt" abgeschlossen ist erscheint es in unserem Verlage i» Buchform und ist durch unsere Administratio» zu beziehen. Tr. M., Radautz: Wenden Sie sich mit einer Beitrittserklärung an da« Bureau des Vereines zur Abwehr des Antisemitismus, Wien, I., Parisergaffe 4.- Ter Mitgliedsbcitrag beträgt pro Jahr »lindest »s 50° kr. G. R., Bltkaresk: Für die Zusendung rumänischer Blätter sprfchen wir Ihnen unseren Tank aiis. Eine Beseitigung der von Ihnen trefft sch ge schilderten Uebelstände ist leider in nächster Zeit nicht zu gewärtigen. Zur gefälligen Beachtung! Ter erste Jahrgang des . „Freien Blattes" ist durch unser Bureau gegen Einsendung des herabgesetzten Preises von ö. W. fl. 1.— oder 2 Kronen (statt ö. W. fl. 2.50 oder 5 Kronen) zu beziehen. Wir erlauben uns darauf ausmerksam zu machcii, daß wir bei llcberscnduug von Abonnementsbeträgcn zwar Postmarken, nicht aber Stempel an Geldesstatt annehinen können. Ferner er suchen wir dringend, sowohl bei Abonnements Anmeldnngkn als Reklamationen Aame «nd Adresse (besonders Lrt und Post leserlich zu schreiben, da wir sonst bei bestem Willen nicht in der 2age sind, eine Bcrantwortung für uichtbestellte Exemplare;n übernehmen. Die Administration. Beitrittserklärungen zum „Bercin zur Abwehr des Antisemitismus" werden, entgegengenommen im Sekretariate des Vereines, Wien, I., Parisergaffe 4. Abo»neme«t»anmelduugrn auf das „Frtik Blakt" aimmk dir 4ldmilliskrakioii, Wien, l., Srilerskätte l0, jtderzeit cutgegeu. Ebendaselbst werden auch einzelne Rummeru abgegeben. Prsbeuummeru zur wetteren Brrbreimag des „Freien Blattes" werdcu Geslanungsgeuosseu auf Berlaugeu brrrikwilligsk zur Brrfüguug gestellt. Herausgeber: Ernst Victor Zenker. — Verantwortlicher Redacteur (in zeitweiliger Abwesenheit de- E. L. Zenker): Josef Vorwahlner. Druck von CH. Reißer & M. Wenhner, Wien.