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Freies Blatt · 1893-07-30 · 69 (30.7.1893) · p. [Seite]

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Journal
Freies Blatt
Volume
II (1893)
Issue
69 (30.7.1893)
Date
1893-07-30
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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’ V Abomitmkiitsprkis: Organ zur Abwehr des Antisemitismus. »anzjahllg m,t Postzusendung . st. ».SV. H.ill'jäbrig fl. I.»s. Bierteljährig fl. —.65 ' liimtint dummem 4 u. Erscheint a» jedem Soillitagk. Nummer <!'.». Wien, 30. 3uli 11{‘)3. Dköactio» uitb '.'IDiHuiiftralioii: wie» I. Keikerstütte 10. II. Jahrgang. Mit der hentigcu Nummer erhnltcn nufere Vefer die elfte Fortsetzung des Werkes: Air Ziidkii iiiiil der I>>>isk»iilis»»is, Asvcret' riritev öen 'Zlcitioneii von Nnatoke Lcroy Rcaulieu r»c>nr fr.rnzFsikAVen Institnt. Nr» riiltrettiidc Ndonnciite» erhalte» uns Pcrlaugc» die bereits erfditeiieiieu Fortsrtziiiigcil nachgeliesert. tn: . -v» .ev, bcs ^lntisemitismus. Zur Taktik der Kriegführung gehört, den Feind von de» (Grenzen fernzuhalteu und ihn zu verhindern, im eigenen Van de festen Fuß zu fassen. Sonderbarerweise ist gegenüber dein Anti semitiSinnS, diesrin Feinde aller öffenttichc» Wohlfahrt, diese Taktik nicht berücksichtigt worden. Widerstandslos wurde ihm für seine Zerstörungsarbeit das Terrain überantwortet. Mit verschränkten Armen sah man derselben zu, und-Saum ei» Finger wurde zur Abwehr gerührt. "" War eö Mangel a» Weitsichtigkeit oder Berkennnng der Gefahr dieser Bewegung — selbst die liberale Partei hat eS lange, viel zu lange verabsäumt, mit Energie un- Behemen; sich diesem Eindringling zu wide'isctzcii. Die liberale Partei hat dieS nun auch schwer zu büße». Welchen Berlust an Macht, Ansehen, Bertrauen und Mandaten hätte sic ec sparen können, wenn sie von Beginn an de» Anlaß benützt hätte, um die Reinheit und Aufrichtigkeit, ihres Freisinns zu docnmcnlireil; denn darüber darf eine Täuschung nicht bestehen: die Stellung der Juden im staatlichen Bereiche ist ein Probirstei» für daS daselbst herrschende politische Sl)stem. Im selben Maße, alö die Bekenner der jüdischen Evnfession im vollen Besitze der Gleichberechtigung sich befinde», breitet dtr Segen freiheitlicher Institutionen seine Filtige über dessen Gesainmt organiöinus auS, während die schwarzen Schalten beengender und rückschrittlicher Tendenzen sich dort lagern, wo die Juden unter Auonahmögesetze oder Auünahmsbehandlung gestellt werden. Wie sich die Dinge in Folge mannigfacher UntertassungS jünden gestaltet habe», ist cs wahrlich hoch an der Zeit, mit Wucht und Heftigkeit gegen den Antisemitismus aufzutretc». Nichts wäre aber irriger als die Annahntt, daß die Waffen der Publicistik allein in diesem Kampfe ausrcichen. So mächtig auch ihr Einfluß, so unschätzbar ihre Unterstützung, übersehen kann doch nicht werden, daß eS noch anderer Mittel bedarf, um der Eorruption Herr zu werden: mit welcher der Antljeinitismns das öffentliche Leben vergiftet hat. Was d e n A n I i s c in i l > s in » s; u B v d ei, st r-e ck e n t a n », das ist einzig und allein die .r ü ck s i ch l s l o. s e Hand habung des Gesetzes. „Wer andere zu Feindseligkeiten^ wider die veischiedcne» Nalivnalilüle», Religionen und andere Gesellschafkcn, cinzetne- Elasscn^- odcr Stämme der bürgerliche» Gesellschaft oder wider gesetzlich anerkannte Körperschaften oder überhaupt die Einwohner des Staates zu feindseligen Parteiung, „ gcgciteinaiidcr anfsordcrt, au eifert oder zu vcrleikeiz sucht, ist, insoferiie sich diese Thätigkcit nicht als eine schwerer verpönte strafbare Handlung darstetlt, eines Bcrgehcns schuldig und soll zu strengem Arreste von drei bis sechs Monaten verurthcilt werdeic." Das Gesetz bietet 'die"W„fsi> gegen daS wüste, wilde und verderbende Treibe» aalijemitischer Hetzer in Wort und Schrift. — Allein nicht nur dein Anti>cinlllsi»us, sonöccn ana, den Juden gegenüber soll daS Gesetz unbeirrt zur.Geltung gelangen. „Bor dem Gesetze sind alle Staatsbürger gleich." „Die öffentlichen Aemter sind für alle Staatsbürger zugänglich." Das Gesetz und wieder nur ^cs Gesetz muß nach jeglicher Richlung zur .Anwendung gebracht werden, um dein Spül des Antisemitismus ein seliges Ende zu bereiten. Schon um der Wah rung der staatlichen Autorität willen darf nicht ungeahndet zu feindselige» Parteiungen gegeneinander aufgeforderl» angceifcrl'und;n verleiten gesucht werde». Liegt hierin für die behördlichen Organe die^Apsfordeinini. ihres Amtes nach Gesetz und Recht zu wallen, i» >,ben d,e kr.eisinnigen Parteien der Boltsvcrlreinng die heilie-. Aufgabe, mit Argusaugcn darüber zu wachen, daß dem auch >o gefchehe. Für die' freisinnigen Bolksvcrtrctcr bedeutet der .Kampf gegen den Antisemitismus, die höchsten Güter der Menschheit aus den Händen ihrer gefährlichsten Widersacher;n errette», e Einannel Bau mgurten, - Die Du^en in Meis;rus;lmid. < Original Nlittheiliing de» „Freien Blattes".) ' Belce sbile >,, -•>. >Z»ii Weißrußland, das einst zu den Besivtliüincru des tilhauiuben Reiches gehörte, bildet jetzt einen der .Hanptwohnsitze -der ruffiiche» >'uden im sogenannte» Ricdcrlassuiigsgcbiclc. Während die Juden in vitliaueu bereits im Jahre 1 3AA sich ansässig machte», erfolgte die Ansiedluug von Juden iui benachbarten Weißrußland erst Anfangs des XVI. Fahr Hunderts. Die Ursache dieser späten Ansiedluug liegt daesin, daß Weißrußland biS zur Mitte des XIV. Fahrhiinde-.is dein Moskauer Ezaren thuin angehörte,' das alte Rußland aber de» Juden bedingungslos versperrt war. Erst gegen 1300 ward daS ganze Rordweftgebiel durch

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