Freies Blatt
- Journal
- Freies Blatt
- Volume
- II (1893)
- Issue
- 65 (2.7.1893)
- Date
- 1893-07-02
- Page
- [Seite] (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 8 Freies Di,8 man de» Inden jene (Gebiete zugänglich mache, die ihnen trotz Gleich [ bcrcchtignng in Wirklichkeit verkchloffen sind. ES wird weniger jüdische Reizte und Advoeaten gebe», wenn jüdische Studenten die Aussicht haben werden, auch z» einer BezirkShaiiptmann- oder Bezirks»,ükerstelle zu gelange», oder im Mehrfache eS zum Mittelschuldirecior zu bringe». Will man die Juden wirNich nicht .chinauSweiien", so gibt e» »nsereS ErachlcnS kein anderes Mittel zur „Einan cipation" der Richljuden. STb dasselbe aber Herrn Steiiiwcnder, der sich einst dessen gerühmt halte, der «älteste Antisemit" zu sein, vorichwcbt, e>scheint inindestenS zweifelkast. .Klar und verständlich ist die Aeußcrnug Steinwender'S über die Presse. Er spricht >>r„ ckomo, indem eine Gesellschaft, der er selbst angchört, ja den Plan verfolgt, ein Journal zu gründen, ui» eS «jüdischen" (an« dem Antiscinittnjargon i»S Teutschc übersetzt, heißt daS: dcntschliberalenl Platter» .eitigegenzustellen". Im Ucbrige» »nten'cheidcl sich ei» «cxcessiver Anti semit" von Einem, der die Anliscinilcrei «ernsthaft" behandeln will, nicht iveienlllch. TaS RechtSgefühl Beider steht aus gleicher Höhe; jeder von ihnen will in der Weise, in welcher er mehr aiiSrichten zu können glaubt, die Rechte Anderer vcrgcivaltigen. 2lus antisemitischen blättern. ' („Jcr =(timur in Aggstkl».") Tao „deutsche Bolksblatt" erinnert »liter diesem Titel an eine Sounwendfcicr, die vor fünf Jahren stallsand, nnd an einen schwur Bcrgani'S, den er bei der Ruine in Aggsteiu mit «niatkigeu Worten" leistete: „Tein deutschen Bolle Treue zu ballen mit Hab und Gu;, mit Leib und lieben". 3diou bei diesen ,,markigen Worten" habe ihm daS „Tcill'che BolkSblatt"« vorgeschwebt, auf deffen Gründung er jelrt «stolz" blicken, lönne. Herrn T.tiöitz'rer wirft daS Bergani'lche Blau „Größenwahn" vor, das BersaKrcn der unter schönerer 3 Befehle» Liebenden-brandinarkl es als «iininannlich und undculsch". Ter am Aggsteiu geleistete Treuschwur sei stelS gelialte» worden. Heißt eS dern denliche» Bolke Treue hallen, n>ejui nun lügen hatte Gerüchte über den Tcul'ckicn Scdulvcrein ansstrcut, mit Ba-aln kokeilirt, die rumänischen Irredeiikisten preist :c.? Wessen Hab und Gut wird denn geopfert, wenn man »ach Bank- und Bahn-Pauschalien hascht? Leib und lieben .stehen nbcrhauvt nicht in Gefahr. Tie Folgen des nächilichen Beiuchcs, den schönerer in einer schwachen Ttunde dem „Reuen Wiener Tagblatt" abgestauet Halle, kommen auch Bergani zugute. ,Tic stete nnbkbsgliche Bkrübrung., AloiS Prinz Liechtenstein schreibt ui einem Amiseinilenblalle über daS Ehalisar, wie er stüon vorher über die Römer, geschrieben hatte. Tie Schriskstellerci, welche der Prinz ohne jeden Be sahigungSuachweiS betreibt, kennt nur Eine»: das Tchiinp'cn über den „einzigen Repräsentanten der scmilischcn Bölkergruppe", mit dem wir in „steter unbehag lichcr Berührung" leben. To manchem Berwandleu der früheren Frau Haupl in der lieopoldstadr dürfte dieies Tchimpsen weh thun, aber vielleicht ist das ganze Geschreibsel nur auf diesen Eneet bercchntl. l,Ist das nicht kcht jüdisch'?") Ter vicrldimensionale Tchlcsinger, der sich in Fackikrejscii auch erschrecklich wisienschaitlich zu geben versteht, schrieb unlängst in einem l'eader deS „Teulichen Bolksblanes": „Welch ein Geist der Berjudung in Wien herrscht, beweist ja gerade die ,Reue Freie Presse' selbst, indem sie lehrt, jedes organische Wesen müsse aus sich heraus das Recht der Eristcnz erkämpscu. Ist das nicht echt jüdisch?" Aber Herr Professor, ivie kan» man sich io blamircu? Taß Tic ein iehr consiiser Herr sind, ist niiS ja sänge •ii-cii bekannt, aber daß Tie nun gar Ebarles Tanvin für einen Juden halten, aekl über den Tpaß! Herr Prosessor, Tie würden gut thun, wen» Tie die Prunk wie die Wisscnichasr sürdcr in Ruhe lassen und sich lediglich aus Ihre rieile Timensioii zurückzicheii würden! Wollen Tic daS im Interesse der Mensch i jt une Ihres eigene» armen Hirnes thun, Herr Professor? 'Pnldns c«ntr:i Langen. Das Tivoli Programm hindert nicht, daß den ■lon’-tratiiai manchmal vor den „reinen" Antisemiten graut. In der «.streu;;ei!»» .'" vrriestirl FürstPurh,nS dagegen, daß der in Stralsund Rügen zum Mitgliete des einicheii ReichiageS gewählte Baron l'ange», welchem in der Tnchivah! Hur v. Xeudell unlerlag, alS Eonseivalivcr bezeichnet werde. Fürst Puibii» schr.ibi: „Baron Langen war nicht berechtigt, sich alS eonsl'rvalivcr .Eandikal;» bezeichnen: er war, waS er heute noch ist, Antisemit Er ivar biS vor einig.n Tagen Prisiren! res .Tenl-cheii socialen Bereit'» für abouiiiicrii' tute Rädrvalcr ron Ah! wardl Es ist für »Ilch iind mit mir für viele rviiselvalive Männer berenbe» . iiin b. schämend, wen» wir nuseren Blatt. Nr. 65. —^ V, - - - . -- . --- - . - [ Wahlkreis, der bisher einmüthlg confervativ sich bewiesen, an die Seite der Wahlkreise vor, Ren-Stettin und ArnSwalde gestellt sehe». Die Art, wie Baron fange» die,Wahlagitation betrieben hat,/ die Bersprechungcn, die er dem kleiue» Maunc, Handwerkern und Fischer», gegeben und die zu hallen er nicht in Jtcr Lage ist, entspricht nicht den con scrvativen Tradilione», sie streift nahe au socialistische Umtriebe. Er ist den» auch mit Hilfe der Tocialdcinokraten, um deren Hilfe er gebuhlt, und mit Hilse vieler Wähler ans dem Lager deS Freisinns gewählt worden." (Eine Heine-Rettung.) Ter deutsche Antisemit Ljebermann v. Tonnen berg ist in freie» Stunden auch „Poet" und hat erst neulich einen Band „G ed i cht e" in einem antisemitischen Berlag erscheinen lassen, welche die gleichfalls gesinuungsverwandte «Tägliche Rundschau" wie folgt kritisirt: «AlS Poet gehört er (Liebermann) zu dem .streife, der durch Scheffel und Baumbach bk zeichnet wird. Aber auch der Einfluß Heinc's ist in mehr als einem der Lieder erkennbar, und zwar nicht in den schlechtesten; eine Thatsache, die immerhin den ei»seitigen Berlästercrn Heine'S zu denken geben sollte." Run endlich wird daS dichterische Renommve Heine'S sichergcstellt ivcrdcn, nachdem ein antisemitischer Agitator in seinen Muße stunden de» Dichter der „Loreleh" nachzuahmen geruht. , Aristokratische und „demotratische" Antisemiterei ) Mit unseren neu tichen Ailsführuugcn über die Bezichungen des deutschcn IunkcrlhnmS zum AnlistmiliSmuS scheine» wir eine für die Anlisemiten recht unangenehme Sailr berührt und wenigstens einem Theil derselbe» die Ange» darüber gcöfsnel zu baden, wessen Acker sie denn eigentlich mit ihrer Iiidcuhctze pflügen. So gesteht die «Westfälische Reform", da« Hauptorgan der westfalischen und rheinläudischen Antisemiten, uns «vollständig Recht geben zu müsien" und setzt hinzu: „Läßt sich der Antisemitismus, wie es den Anschein hat, von seinen gegenwärtigen reaclionär gefärbten Führern zu einem Werkzeuge de« ' Feudalismus machen, so wird das eigentliche Volk die Wirkungen davon schon an seinem eigenen Leibe zu spuren bekommen.". Es würde gar bald die paar sauer erworbenen Freiheiten cinbüßen, die c» sich in langen .stämpfc» gegen den Feudalismus mühsam errungen hat. Tic Forderung der Abhäugigmachnug polilischer Rechte von dem NeligiönSbekenutilisse müsse den Antisemitismus bei den aufgeklärleii und gebildeten .streue» am» Schwerste compromitlire». Ans conservakipc Weise nnd mit eonservalivcn Mitteln, wie mit der Aushebung der religiösen Linancipalion, würde man nur dahin kommen, die Jude», wie vor Aller«, >'o auch künflig zu conscrviren u. 's. w. Ralürlich darf man diese Hellen Momenle, in welchen die „Westfälische Reform" in Tcmolratie machl, nicht für den nornialen Iustand Hallen. In, nächsten Augenblicke schon sälllt sic ivieder in ihr Tühring-Telirinm zurück, um AuSnahinsgcsitzc für alle Jene zu bcautragen, „die wie Iudcu ans sehen'" und „mit Iudengesichlcrn herumgehe»". Wohlweislich wünscht der praktische Politiker von der «West säluchen Reform" den gelbe» Fleck nicht auch für Jene, die jüdische äöainc» führen, sonst liefe der eigene verautivortliche Rcdaeleur Gefahr, da er Rainens brndcr des bekannte» Versagers der «Gcschichir des jüdische» BolkeS" ist Albert v. Teroger. Briefkasten. Lilerarhistorilcr am Tlinrti: Seien Sic doch beruhigt! Wenn der «Tester reichijche Bollssreuiid" den deutschen Abgeordneten Rickerl mit dem Tichiri deS PaiilheiSinils Rückcrt verwechselt, so hat daS nur in der berühmlen anl, semilischen Tach und Perioncnlenulniß seinen Grund. R. T, Wie», XIV.: Tic Behanplung, daß die hochadeligen Schnaps brenner in der Minderheit^ sind, ist eine bewußte Unwahrheit. „Raubincnschen" ist wohl eine Erinnerung an das Raubrittcrthnui. Herrn Louis stlingcr, Iafj»: Ihr Abonnement ist vis ttl. Mai 1SM begliche». Zur gefälligen Beachtung! Ter erfte Jahrgang des „freien Blattes" ist durch unser Bureau «jene» Einsendung des herabgesetzten Preises von ö. W. fl. l. oder 2 Kronen (statt ö. W. fl. 2.5» oder .'» Kronen) zn beziehe». Beitritlserklärnngen znin „Berein zur Abwehr des Antisemitismus" werden entgegengenommen im Teeretariate des Vereines, ErZieu, I., Parisergasse 4. Abonnrmrutsanmrlduugru auf das „Freie Blatt" nimmt dir Administration, Wien, I., Scihcrstätte 10, jcdcrzrit cntgkgrn. Gbendaselbst werden auch einzelne Nummern abgegeben. ' Probennmmern zur weiteren Berbreitung des „Freien Blattes" werden Gesinnungsgenossen ans Berlangen bereitwilligst zur 'Verfügung gestellt. Herausgeber und verantwortlicher Redaeteur: Ernst Victor Denker. — Truck vo» Eh. Reißer & M. Werlhner, Wien.